Not coming home

Fernsehen Die Affäre um Ex-DFB-Chef Grindel ist eine nicht ganz so witzige Medienkomödie

Es war die Nicht-Mediennachricht des Monats April: Reinhard Grindel kann nach seinem Rücktritt als Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB) eventuell zum ZDF zurückkehren. Anfang April schmiss die Bild-Zeitung diese Mutmaßung in die deutsche Medien-Arena, und die meisten Redaktionen stürzten sich gierig auf den Informationsbrocken: Süddeutsche, FAZ, Tagesspiegel, Spiegel, Deutschlandfunk, Rheinische Post, Berliner Zeitung, dpa, you name it, fast alle berichteten.

Das Szenario hätte nach Angaben des ZDF zustande kommen können, weil Bundestagsabgeordnete, die vorher ihre Moneten als Beamte oder im öffentlichen Dienst kassiert haben, nach ihrer Zeit im Parlament unter bestimmten Bedingungen wieder auf ihren Posten zurückkehren können. Das gilt auch für die Öffentlich-Rechtlichen. Grindel arbeitete von 1992 bis 2002 als Redakteur in den ZDF-Studios in Bonn, Berlin und Brüssel. Von 2002 bis 2016 saß er als Abgeordneter für die CDU im Bundestag.

Dabei lag der tatsächliche Informationsgehalt der Meldung etwa bei 0,1. Man habe gehört, Grindel habe sich bei ZDF-Intendant Thomas Bellut nach einer möglichen Rückkehr erkundigt, hieß es bei der Bild. Bei Spiegel Online wurde daraus: „Reinhard Grindel darf zum ZDF zurückkehren“. Auch bei der Rheinischen Post (via dpa) gab es Indikativ statt Konjunktiv.

Aber auch das ZDF selbst – getreu der Tradition der Öffentlich-Rechtlichen, in möglichst ungeschickter Weise über eigene Belange zu informieren – war nicht ganz unschuldig an der Verbreitung der Nicht-Nachricht. Auf Presseanfragen hieß es vom Lerchenberg zunächst, Grindel habe „ein im Abgeordnetengesetz geregeltes gesetzliches Rückkehrrecht“. Dass man das noch juristisch prüfen müsse, davon war erst etwa eine Woche später die Rede.

Dass die Meldung dennoch von Beginn an viel Platz einnahm, lag auch an ihrem Erregungspotenzial. Viagra und Flibanserin sind schließlich nichts gegen eine furiose Geifer-Orgie auf „Staatsfunk“, „Zwangsgebühren“ oder welche Vokabeln vehementen Gegnern sonst beim Thema Öffentlich-Rechtliche noch auf der Zunge liegen mögen.

Erregungsfaktor Nr. 1: Die Öffentlich-Rechtlichen schmeißen unser Geld für unpassendes Personal zum Fenster heraus. Erregungsfaktor Nr. 2: Das ZDF nimmt jeden zurück, sogar unter Korruptions- und Kungeleiverdacht stehende Sportfunktionäre und Ex-Politiker. Quo vadis, Unabhängigkeit? Pikant war die Nachricht auch, weil Reinhard Grindel noch Mitte März ein Interview mit der Deutschen Welle abgebrochen hatte. Vor allem die Frage zu den Finanzen rund um die angedachten Mega-Events Klub-WM und Global Nations League waren ihm anscheinend zu heikel. Ein ehemaliger Journalist, der in seinen Job zurückkehrt, nachdem er bewiesen hat, wie gering er kritischen Journalismus schätzt? Kein Aushängeschild fürs ZDF.

Vergangenen Freitag war die Show dann allerdings schlagartig vorbei. Das ZDF teilte mit: Alles Mumpitz, Herr Grindel soll bleiben, wo man Menschen schätzt, die keine kritischen Fragen schätzen – Turkmenistan oder Nordkorea halt. Oder eben, im ZDF’schen PR-Sprech: „Das jetzt vorliegende Ergebnis der juristischen Expertise bestätigt ein Rückkehrrecht von Herrn Grindel nicht.“

Nachrichtenportalen hat der Zirkus sicher etwas Traffic gebracht, Dauererregten einen Grund zum Poltern und allen anderen vielleicht das Bedürfnis, mal wieder Shakespeares Viel Lärm um nichts zur Hand zu nehmen. Denn Irrungen und Wirrungen können ja durchaus eine Freude sein – wenn sie nicht gerade von Journalist*innen hochgejazzt werden.

06:00 01.05.2019
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