Die Angst der Kleinbürger

"Pro Köln" Eine rechte Kleinpartei veröffentlicht einen antiislamischen Film. So soll an die Erfolge eines niederländischen Rechtspopulisten angeknüpft werden

Blühende Landschaften erstrecken sich vor den Toren Kölns im schönen Rheinland. Doch Achtung - es droht Gefahr! Wenn man der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Köln glauben darf, verwandelt sich das deutsche Idyll in Kürze in ein verwüstetes Krisengebiet. Kein Stein wird mehr auf dem anderen bleiben und die Leichen der massakrierten Einwohner werden langsam auf den grünen Wiesen verwesen.

Auch die Übeltäter stehen für die rechte Partei schon fest: Die Moslems kommen! Und anders als im 16. Jahrhundert stehen sie diesmal nicht mehr vor Wien, sondern schon mitten in Köln. Das ist die Botschaft eines gut 13 Minuten langen Films der rechten Splittergruppe, der heute der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die These: Deutschland ist in Gefahr. Die Überfremdung nimmt zu, die Straße ist mittlerweile beherrscht von brutalen Migrantenkindern und linksextremen Gammlern. Beide haben gemein, dass sie sofort zuschlagen, wenn ein aufrechter Abstammungsgermane durch die Innenstadt zu schreiten versucht – und die Polizei schaut weg, weil die Politik so verblendet ist von weltfremden Multikulti-Gedöns.

Vorbild Holland

Pro Köln orientiert sich mit diesem Machwerk an dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders. Der hatte vor ziemlich genau einem Jahr den islamkritischen Kurzfilm „Fitna“ (etwa: Zwietracht“) veröffentlicht und so weltweite Proteste hervorgerufen. Der Film schnitt Koran-Suren gegen Bilder von brutalen Anschlägen und blutigen Terroristen-Videos. Das gewünschte Bild: Islam gleich Gewalt. Keine Abstufung, keine Grauzonen.

Wilders wurde so zu einem Helden der Rechten in ganz Europa. Die vorerst letzte Welle der Solidarität schlug dem Populisten entgegen, als die britische Regierung ihm dieses Jahr die Einreise verbot.

Seiner politischen Karriere hat es nicht geschadet. Wilders neugegründete Partei führt mittlerweile die Umfragen in den Niederlanden an. So weit hat es Pro Köln noch lange nicht gebracht – doch auch diese braune Gruppe setzt zum Sprung über die Stadtgrenzen hinaus an.


Pro Köln wurde in den späten Neunzigern von ehemaligen Mitgliedern der Republikaner gegründet. 2004 trat die Partei das erste Mal bei den Kommunalwahlen an – und erreichte aus dem Stand 4,7 Prozent. Das reichte für den Einzug ins Stadtparlament und für Sitze in allen Bezirksvertretungen. Bei den Wahlen im Juni dieses Jahres soll der Erfolg wiederholt werden. Hauptprogrammpunkt ist der Kampf gegen den Islam.

Auch neue Ziele sind schon gesetzt: Mittlerweile gibt es die Landespartei Pro NRW. Erklärtes Ziel: Bei den Landtagswahlen 2010 ins Parlament einziehen.

Um den dafür notwendigen Schwung zu bekommen, veranstalten die Pro-Parteien im Mai einen so genannten „Anti-Islamisierungs-Kongress“ in Köln. Als Redner angekündigt sind Vertreter vieler europäischer Rechtsparteien – wie der FPÖ aus Österreich, Vlaams Belang aus Belgien oder der Nouvelle Droite aus Frankreich. Eigentlich hätte dieses Zusammentreffen schon im vergangenen September stattfinden sollen, doch Gegendemonstranten blockierten die zentralen Kundgebungen und jagten die Rechten durch die ganze Stadt. Kölner Hotels verweigerten ihnen Zimmer, Wirte schenkten ihnen kein Bier aus.

Videohost nimmt Film schon nach kurzer Zeit aus dem Angebot

Auch dieser Blamage widmet sich übrigens der Pro-Köln-Film. In der Eröffnungsszene vergleichen die Macher allen Ernstes die Proteste gegen das rechte Stelldichein mit den Schikanen, denen Juden unter den Nazis ausgesetzt waren. „Banden von Linksfaschisten, herbeigerufen von Politik und Medien, beherrschten die Stadt und setzten mit Hilfe der Polizei die Rede- und Versammlungsfreiheit außer Kraft“, sagt eine sonore Stimme über Bilder von schwarz gekleideten Demonstranten.

Von der rechten Szene gibt es für den Film schon Applaus: „GROSSARTIG und MINDESTENS auf einem Niveau mit “Fitna” - Gratulation an die Macher. Ein Dokumentarfilm auf professionellem Niveau von einer kleinen, (noch) recht unbedeutenden Bürgerbewegung…“, schreibt ein Kommentator in einem rechten Blog.

Lange hatten die Rechten allerdings keinen Spaß an dem Machwerk. Schon eine Stunde nach seiner Veröffentlichung löschte der ursprüngliche Videohost Sevenload den Film wieder von seiner Seite. Begründung: Ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen. Letztere verbieten unter anderem das Einstellen volksverhetzender Inhalte.

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