Fabio Longo
25.01.2014 | 06:00 19

Die Brücke ins Solarzeitalter

Erneuerbare Energien Das Thema Energiewende hat bei der SPD eine lange Tradition, doch nun ist ein Neustart erforderlich. Sigmar Gabriel hätte alle Mittel zur Hand, ihn umzusetzen

Vielfach war in den letzten Wochen von der „Kohlepartei“ SPD die Rede. Bei einem Blick ins Grundsatzprogramm der SPD kann man sich nur die Augen reiben. Im Hamburger Programm steht: „Unser Ziel ist ein solares Energiezeitalter“ (2007). Und dieser Anspruch ist keine Theorie geblieben. Gerade die Praxis der Energiewende ist sozialdemokratisch geprägt. Die SPD ist die Mutter der dezentralen Energiewende, und zwar mit einer langen Tradition, die bis vor die Gründung der GRÜNEN reicht. In Regierungsverantwortung steht die SPD mit ihrem Vorsitzenden, Energieminister Gabriel, nun vor einer Bewährungsprobe. Sie hat die Chance, die Energiewende zum Erfolg zu führen und die mit ihr verbundenen Chancen zu ergreifen.

Willy Brandt – Vordenker der Energiewende

Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts leitete der damalige SPD-Vorsitzende Willy Brandt die Nord-Süd-Kommission der Vereinten Nationen, an deren Ende der wegweisende „Brandt-Report“ stand. Brandt hat die Abhängigkeit vom Erdöl als eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft bezeichnet. Dass diese Sorge begründet ist, zeigt sich schon heute an der dramatischen Entwicklung des Ölpreises. Ausgaben für fossile Energieimporte betrugen im Jahr 2000 noch 39 Milliarden Euro, im Jahr 2005 schon 60 und im Jahr 2012 93,5 Milliarden Euro. Damit im Zusammenhang steht die Verteuerung des leichten Heizöls von 1992 bis 2012 um das Dreieinhalbfache. Für die wirtschaftliche und soziale Wirklichkeit in Deutschland hat dies gerade für Geringverdiener erhebliche Auswirkungen. Vorausschauend hat es der Brandt-Report für erforderlich gehalten, die hohe Abhängigkeit von zunehmend knapper werdenden, nicht erneuerbaren Energieträgern systematisch abzubauen und auf unerschöpfliche Quellen wie Solar-, Wind- und Bioenergie umzusteigen.

Im Jahr 1980 sah Brandt einige Herausforderungen für diesen Umstieg, vor allem im Hinblick auf Technologien und Kosten. Diese Mission hat die Politik in Deutschland unter maßgeblicher sozialdemokratischer Führung weitgehend erfüllt. Wir finden heute eine fantastische Ausgangslage für die Umsetzung der Energiewende vor. Dadurch konnte es das Land der Ingenieure und der Maschinenbauindustrie schaffen, erneuerbare Technologien zur Marktreife zu bringen und deren Kosten drastisch zu senken. Windkraftanlagen im Binnenland sind technologisch ausgereift und können viel Energie zu günstigen Preisen erzeugen. Im Jahr des Brandt-Reports wäre diese Nachricht genauso eine Sensation gewesen wie der Durchbruch der Solartechnologie. Die Kosten für Solarmodule lagen zu Zeiten des Brandt-Reports bei 30 Dollar pro Watt und heute liegen sie bei 0,75 Dollar pro Watt. Das bedeutet eine Verbilligung um das 40-fache! Der Neubau von Photovoltaikanlagen ist heute günstiger als der Neubau von Kohlekraftwerken.

Die Brücke ins Solarzeitalter bauen

Trotz der schwierigen technologischen und wirtschaftlichen Aussichten für Erneuerbare Technologien sagte Willy Brandt im Jahr 1980, gewendet an seine Politikerkollegen, dass es eine weltweite Herausforderung an ihre Führungsqualitäten sei, langfristige Energiealternativen bereitzustellen. Er könnte stolz sein auf die jüngere Geschichte seiner Partei. Es kommt nicht so oft vor, dass Parteien ihre Wahlversprechen konsequent einhalten. Anders die SPD beim Thema Energiewende. In ihrem Wahlprogramm „Arbeit, Innovation und Gerechtigkeit“ (1998) hat sie markig angekündigt: „Wir wollen die Brücke ins Solarzeitalter bauen. Das ist unsere Vision für das 21. Jahrhundert.“ Damals haben dies nur wenige ernst genommen. Gesagt, getan – versprochen, gehalten: Die SPD-Bundestagsfraktion und die Bundesregierung haben die großen Weichen zur Erfüllung der Wahlversprechen schon in den ersten beiden Regierungsjahren im Jahr 2000 gestellt: das 100.000-Dächer-Solarstrom-Programm und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Diese Maßnahmen sind bis heute das Fundament für den Erfolg der dezentralen Energiewende. Und sie standen schon im SPD-Wahlprogramm 1998: „Der Anteil der regenerativen Energien an der gesamten Energieversorgung soll schrittweise erhöht werden. Dazu gehören faire Einspeiseregelungen für Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Die industrielle Massenfertigung für moderne Solartechnologien muß ausgebaut werden. Wir werden ein 100.000-Dächer-Programm initiieren und den Export der Solartechnologie in Entwicklungsländer besonders unterstützen.“ Innerhalb weniger Jahre hat es die SPD in Parlaments- und Regierungsverantwortung tatsächlich geschafft, Fundamente und Pfeiler der Brücke ins Solarzeitalter zu bauen. Dank ihrer Politik sind die Technologien heute ausgereift und die Kosten massiv gesunken. Nun muss das Bauwerk fertig gestellt werden. Mit anderen Worten: Der vom Brandt-Report 1980 geforderte „Umstieg auf andere Energiequellen in sehr naher Zukunft“ kann nun zügig vollendet werden, weil das Fundament der Energiewende bereits errichtet wurde; marktreife und kostengünstige Technologien stehen zur Verfügung. Nun hat die SPD mit dem neuen Energieminister Sigmar Gabriel und der sozialdemokratischen Führung im Bundesrat alle Mittel in der Hand, das Werk beschleunigt und unumkehrbar zum Erfolg zu führen.

Antreiber Hermann Scheer

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat bei der Gedenkveranstaltung zum einjährigen Todestag von Hermann Scheer im Willy-Brandt-Haus (2011) herausgestellt, dass Scheer die SPD erfolgreich dazu angetrieben hat, die Energiewende zu ihrem Thema zu machen. In den von ihm eingebrachten Meilensteinen wie dem 100.000-Dächer-Programm für Photovoltaik und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz lägen „enorme Chancen, die längst wirtschaftliche Früchte tragen“, sagte Sigmar Gabriel in seiner Rede. Und weiter sagte er, dass Hermann Scheer Deutschland als den Beweis anführen würde, „dass die Energiewende eben nicht Verzicht und Verlust bedeuten, sondern die Basis für künftige Prosperität, für Wohlstand ist.“

Als Bundesumweltminister der ersten großen Koalition von Angela Merkel hat Sigmar Gabriel von 2005 bis 2009 selbst dafür gesorgt, die Brücke ins Solarzeitalter tragfähiger zu machen. Im SPD-Wahlprogramm 1998, zu Beginn der über ein Jahrzehnt dauernden sozialdemokratischen Regierungsbeteiligung, stand das Ziel des Ausbaus der „industriellen Massenfertigung für moderne Solartechnologien“. Diesen Sprung hat die Photovoltaik tatsächlich erst in der Amtszeit von Sigmar Gabriel durch eine kluge Fortführung des EEG geschafft. Am Ende seiner Amtszeit stand der Durchbruch: der Grundstoff Silizium wird seither eigens für die Photovoltaik-Industrie hergestellt. Erst dadurch ist die Grundlage dafür gelegt worden, die von Brandt 1980 beschriebene Kostenproblematik zu lösen. Trotz zwischenzeitlicher Fehlsteuerungen der schwarz-gelben Bundesregierung, die gerade zu einem Abwürgen des Ausbaus der Solarenergie führen, ist nun die Bahn frei für eine beschleunigte Energiewende. Denn mit der Windkraft im Binnenland und der Photovoltaik stehen die im Brandt-Report angesprochenen Technologien preiswert zur Verfügung. Warum der neue Energieminister ausgerechnet jetzt auf die Idee kommt, die beiden kostengünstigsten Technologien zu deckeln, ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht nachvollziehbar.

Neustart mit Sigmar Gabriel

Ein Neustart ist gewiss erforderlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unter tätiger Mithilfe ihrer unzähligen Energiewende-Minister und nach unzähligen Volten einen völlig sinnentleerten Begriff der Energiewende zurückgelassen. Nicht Gutes für diesen Neustart lassen der Koalitionsvertrag und die Eckpunkte der Bundesregierung für eine EEG-Novelle erahnen. Diese Dokumente sind in vielen Passagen von Lamorianz und Bedenkenträgerei geprägt, anstatt die Chancen der getätigten Zukunftsinvestitionen für Wohlstand, sozialen Zusammenhalt und eine starke Wirtschaft zu begreifen. Einen ganz anderen Geist atmet das Hamburger SPD-Grundsatzprogramm (2007): „Für uns ist die Energiewende, die wir eingeleitet haben, eine Schlüsselaufgabe für das 21. Jahrhundert. Wir treiben den Wechsel von erschöpflichen zu unerschöpflichen und von schadstoffhaltigen zu schadstofffreien Ressourcen konsequent voran. Unser Ziel ist ein solares Energiezeitalter.“

Mit einer Bremsung der Energiewende würde Gabriel den heute möglichen „Umstieg auf andere Energiequellen in sehr naher Zukunft“ (Brandt) gefährden. Auf dem Weg zur Energiewende werden diejenigen Wirtschaftsteilnehmer, deren Geschäftsmodelle durch den Umstieg auf dezentrale Erneuerbare Energien in Frage gestellt werden, alles versuchen, die mit der Energiewende verbundene Systemtransformation zu behindern und auszubremsen. Mit über 350.000 Arbeitsplätzen in der neuen Energiewirtschaft zeigt sich schon heute, dass die Energiewende für die gesamte Volkswirtschaft keine Last, sondern die „größte greifbare soziale und wirtschaftliche Zukunftschance“ ist (Scheer). Wenn Gabriel mit seinem Anfang 2014 verkündeten „Neustart der Energiewende“ die kleinkarierte Verzagtheit beendet und an seine Erfolge als Umweltminister anknüpft, hat der mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattete Energieminister die große Chance, in der Tradition von Willy Brandt als Baumeister der Brücke ins Solarzeitalter in die Geschichte einzugehen.

Dr. Fabio Longo, von Beruf Rechtsanwalt, ist im deutschen Vorstand der gemeinnützigen Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien EUROSOLAR e.V. aktiv, die der SPD-Bundestagsabgeordnete und Träger des Alternativen Nobelpreises, Dr. Hermann Scheer, im Jahr 1988 gegründet hat. Fabio Longo ist seit dem Todestag von Willy Brandt im Oktober 1992 Mitglied der SPD.

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Kommentare (19)

tlacuache 25.01.2014 | 06:44

Als Ergänzung:

Visionäre gab es genug, die sind denen in Texas (Oil - Companys) nur ständig auf die Füsse getreten, da gab es eine Abmahnung...

..."1979...President Jimmy Carter installed 32 solar panels on the presidential mansion amid the Arab oil embargo, which had caused a national energy crisis. The Democratic president called for a campaign to conservative energy and, to set an example to the American people, ordered the solar panels erected in 1979, according to the White House Historical Association.

Carter predicted that “a generation from now, this solar heater can either be a curiosity, a museum piece, an example of a road not taken, or it can be a small part of one of the greatest and most exciting adventures ever undertaken by the American people; harnessing the power of the Sun to enrich our lives as we move away from our crippling dependence on foreign oil”...

Gruss

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2014 | 10:04

Aus dem Artikel lernen wir also, dass die SPD schlichtweg die beste und fortschrittlichste Partei ist. Selten habe ich eine plattere aber auch langatmigere Eigenwerbung der SPD gelesen. Man messe die SPD aber an ihren Taten und nicht an ihren Worten.

Apropos Worte:

"... Die Industriewirtschaft ist auf ein stetiges und billiges Angebot von Energie und Rohstoffen angewiesen. Wir werden die Politik der Gesundung des Steinkohlenbergbaus, der Sicherung der Mineralölerzeugung, der Öffnung der Märkte für neue Energieträger und der Verbesserung des Wettbewerbs in der Elektrizitätswirtschaft ausbauen. ..." aus der Regierungserklärung Willy Brandts 1969.

Die darauf hin getroffenen Entscheidungen wirkten für einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren, denn einmal geplante und gebaute Kraftwerke und Industrieanlagen werden nicht nach ein paar Jahren abgerissen und durch neue ersetzt. Wer so etwas behauptet, hat von nichts eine Ahnung. Und er wird von der augenscheinlichen Wirklichkeit der Kraftwerke wiederlegt, sowohl durch die der mit auf Kohlenstoff und seinen Verbindungen basierenden und betriebenen als auch durch die der mit radioaktivem Material betriebenen.

Nach den ersten Preisanpassungen durch die Erdöl fördernden Länder Anfang der 1970er [Ölkrise 1973] hätte auch in Deutschland umgehend etwas geschehen müssen. Hätte müssen, es geschah aber nichts. Weder in der Politik noch in der Wirtschaft.

Ein kleiner Schlenker an dieser Stelle: weil die über die Jahre absehbar sich verteuernden Kosten für Energie gerade für Geringverdiener erhebliche negative Auswirkungen hatten und haben, beschlossen SPD&Grüne in ihrer Regierungszeit, den Geringverdienern mit der Agenda 2010 und insbesondere mit Hartz-IV das Leben erst so richtig schwer zu machen und gleichzeitig den Anteil der Geringverdiener in der Bevölkerung drastisch zu erhöhen. Deshalb verkündete G. Schröder mit vor Stolz geschwellter Brust 2005 in Davos vor den Millardären und Multimillionären Europas seine Vollzugsmeldung:

"... Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt. ..."

Deshalb machte sich die SPD zum Erfinder, Führer und Antreiber einer Bewegung in Deutschand, die Paul Krugman so beschrieb:

"... Es gibt eine landesweite Bewegung, die Arbeitslosen zu bestrafen, und zwar beruht die auf der Prämisse, man könne die Arbeitslosigkeit dadurch beseitigen, dass man das Leben der Arbeitslosen noch erbärmlicher macht…
Aber der Kampf gegen die Arbeitslosen beruht nicht ausschließlich auf Grausamkeit, er ist eher eine Verbindung von schäbiger Gesinnung und wirtschaftlicher Fehleinschätzung… "

Der gegenwärtige Außenminister Steinmeier (SPD) ist einer der hauptverantwortlichen und der gegenwärtige Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) ist einer der wichtigsten mitverantwortlichen Erfinder, Antreiber und Verteidiger dieser Bewegung. Nur mal so zur Erinnerung.

Technik und technische Verfahren werden aufgrund immer besseren Wissens und Könnens in den Entwicklungsabteilungen sowie in der Praxis basierend auf naturwissentschaftlichen Erkenntnissen entwickelt, nicht in den Parlamenten oder Regierungen. Manchesmal kann der Gesetzgeber und die Regierung im Bereich der Technik und technischer Verfahren etwas fördern oder auch fordern, die technisch-naturwissenschaftlichen Gegebenheiten setzt man dadurch nicht außer Kraft. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Unternehmen und der Volkswirtschaft setzen dazu noch andere Grenzen. Abgesehen davon, dass es immer einige Zeit braucht, bis man das gegenwärtig technisch Mögliche auch verwirklicht, es muss ja alles erst hergestellt und gebaut werden.

Dass man heutzutage modernere Windmühlen [Windkraftanlagen] bauen kann als bei iher ersten Erfindung vor gut 3750 Jahren ist eigentlich kein großes Kunststück, angesichts der langen Erfahrung und Entwicklungzeit.

Und natürlich war die SPD die Erfinderin der Windmühlen. Eben schon lange vor allen anderen. Wie könnte es auch anders sein.

Was genau "Erneuerbare Technologien" sein sollen, wird wohl ein Geheimnis des Autors bleiben.

Zur Technikgeschichte nur kurz dies: der photoelektrische Effekt wurde erstmals 1839 von Alexandre Edmond Becquerelin einem Experiment beobachtet, später (1886) dann von Heinrich Hertz beschrieben und schließlich 1905 von Albert Einstein dann gedeutet, wofür er 1921 den Nobelpreis erhielt.

Fast überflüssig zu sagen, dass das alles in den Laboren der SPD stattfand. ;-)

Über den restlichen von dem Autor geschriebenen technikhistorisch und naturwissenschaftlichem horrenden Unsinn möchte ich jetzt nichts weiter sagen. Das ist zu hanebüchen:

"... Diesen Sprung hat die Photovoltaik tatsächlich erst in der Amtszeit von Sigmar Gabriel durch eine kluge Fortführung des EEG geschafft. Am Ende seiner Amtszeit stand der Durchbruch: der Grundstoff Silizium wird seither eigens für die Photovoltaik-Industrie hergestellt. ..."

Dieter Lange 25.01.2014 | 12:53

Gewiß hat man die Technologie zur Herstellung von Photovoltaik-Elementen stark rationalisiert. Mich würde allerdings, in welchem Verhältnis die Subventionen auf einerseits Forschung zur Erhöhung der Effizienz der Photovoltaik andererseits die flächenmässige Verbreitung von Anlagen aufgeteilt. Ich stehe wahrscheinlich nicht allein mit der Annahme, dass in der Effizienzsteigerung und der weiteren Entwicklung von erneuerbaren Energieträgern noch viel Luft nach oben ist. Das trifft bestimmt auf das Problem der Energiespeicherung zu.

Abgesehen hatte Deutschland wohl mal das Angebot, von der norwegischen Wasserkraft zu profitieren, meines Wissens erwies sich vor einigen Jahren die Verlegung von dazu notwendigen Kabeln auf Betreiben diverser Loobyisten als nicht durchführbar. Weiß jemand dazu etwas Aktuelleres?

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Ehemaliger Nutzer 25.01.2014 | 14:10

"Wenn Gabriel mit seinem Anfang 2014 verkündeten „Neustart der Energiewende“ die kleinkarierte Verzagtheit beendet...."

Haben Sie schon einmal versucht eine eingeleitete Wende neu zu starten? Und selbst es Ihnen gelänge und Sie zum Seemann des Jahrhunderts gewählt würden, bliebe da noch die "kleinkarierte Verzagtheit", die zur DNS der SPD gehört.

Die Energiewende hat, weil fehlerhaft eingeleitet, Fahrt verloren, das Schiff ist momentan manöverierunfähig.

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Ehemaliger Nutzer 26.01.2014 | 00:45

Volle Zustimmung. Deine Kommentare sind eine echte Bereicherung.

Wie Gabriel tickt und wie er die CDU bedient, lässt sich leicht daraus ablesen:

http://www.heise.de/tp/blogs/2/155731

Auch EE-Eigenverbrauchsanlagen sollen künftig mit der EEG-Umlage belastet werden. Was sie tendenziell weniger lohnenswert macht und dem ohnehin noch sehr schwachen neuen Markt um Speichertechnologien einen heftigen Dämpfer versetzt.

Statt die Widersprüche im EEG zu beseitigen, fügt man neue hinzu.

Falk 26.01.2014 | 00:45

Der Ausbau von Solar und Windenrgie wird bald seine Grenze erreicht haben. Biomasse kann wegen dem Volumen nicht wesentlich weiter ausgebaut werden. Braunkohle ist mangels Regelbarkeit voll untauglich. Bei den erforderlichen Speichermöglichkeiten sieht es noch sehr mau aus. Für Pumpspeicherwerke hat Mitteleuropa nicht die entsprechende Geographie. Eine Hoffnung wäre zwar Strom-zu-Gas. Davon sind wir aber noch weit entfernt.

Ohne die ausreichende Speicherkapazität, steht die Energiewende vor dem Problem, dass man Energieerzeuger verschiedener Medien redundant braucht, weil bei Wegfall von Medien andere Vollabdeckung bringen müssten. Man muss sie priorisieren, d.h. zeitweise runterfahren, wenn sauberere Energie vorhanden ist. Zudem wird saubere (regenerative) Energie nicht immer vergütet werden können. Weiterhin müsste man darüber nachdenken, bestimmte Großverbraucher zeitweise, z.B. nachts runterzufahren, was aus der Sicht des Exportüberschusses volkswirtschaftlich sogar sinnvoll wäre. Ich kann mir nur nicht vorstellen, wie man das in der heutigen privatwirtschaftlichen Logik hinbekommt.

Wenn man sich von Einspeisezusicherungen und Renditeerwartungen nicht verabschiedet, d.h. die Energiewende nicht als volkswirtschaftliche Aufgabe sieht, wird sie nie gelingen, ohne dass Energie zum Luxusgut wird.

Das haben auch SPD und Grüne nicht begriffen. Von der Union erwartet man das erst gar nicht. Allein Die Linke hat erste Denkansätze.

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Ehemaliger Nutzer 26.01.2014 | 00:50

Nicht fehlerhaft eingeleitet, sondern nur nicht konsequent durchdacht. Aber selbst wenn sie es gewesen wäre, würden CDU und Co einen Grund finden, das EEG abzusägen.

Nicht umsonst hat man erst massenweise Ausnahmen zugelassen, um DANN auf den dadurch gestiegenen Kosten herumzureiten. Die verglichen mit den Atomkraft- und Kohlesubventionen oder der EURO-Bankenrettung absolute Peanuts sind.

gelse 26.01.2014 | 03:55

>>Für Pumpspeicherwerke hat Mitteleuropa nicht die entsprechende Geographie.<<
Kaskadenspeicher gibt es ausser im Südschwarzwald tatsächlich in der BRD nicht. Aber einfache Pumpspeicherwerke sind vielerorts möglich, denn man braucht dafür kein sehr grosses Gefälle. Pumpspeicher heisst: mit nächtlichem Energieüberschuss (z. b. aus Laufwasserkraftwerken) wird Wasser in einen oberhalb der Turbinen gelegenen Speicher gepumpt. Morgens, wenn der Verbrauch ansteigt, lässt man das Wasser aus dem Speicher in die Turbinen donnern. Das käme auch als Lastausgleich bei Stromerzeugung mit Solarzellen- und Wind in Frage. Problematisch ist der Bau von neuen Wasserspeichern nicht wegen der zu flachen Geographie, sondern wegen der sehr hohen Besiedelungsdichte der BRD. (Unterirdische Wasserspeicher wie in Norwegen sind in Mittelgebirgen mit einigen 100 m Höhenunterschied theoretisch denkbar, aber für BRD-Verhältnisse wohl zu teuer.)
Interessant finde ich die Überlegung, Wasserstrassen für die Pumpspeichertechnik zu nutzen.

gelse 26.01.2014 | 03:56

>>…der Öffnung der Märkte für neue Energieträger und der Verbesserung des Wettbewerbs in der Elektrizitätswirtschaft ausbauen.<< [1969]
Ungefähr die Hälfte der damals geplanten Kernkraftwerke wurde durch die Anti-AKW-Bewegung verhindert. Das zeigt, dass Druck „von unten“ durchaus etwas erreichen kann. Auch in der Energietechnik, aber bei weitem nicht nur dort.
Unser Problem ist das wir diesen ausserparlamentarischen konfliktbereiten Druck nicht mehr zuwege bringen.

gelse 26.01.2014 | 03:59

>>Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, bevor die SPD eine Politik für die Armen und sozial Schwachen in diesem Staat verwirklicht!<<
Die erklären ja noch nicht mal, wie die berüchtigte „Sozialschwäche“ entsteht und warum diese Pandemie sich seit Beginn dieses Jahrhunderts immer rascher ausbreitet.
Dass die Regierung eines kaputalistsichen Staates von sich aus irgendwas für Untanen tun würde, ist übrigens Illusion. Entweder sie bekommen spürbaren Druck von unten oder sie folgen aussschliesslich ihren Lobbyisten.
Fast alle „Fortschritte der sozialen Marktwirtschaft“ in den 60er Jahren wurden erstreikt und nicht von oben verordnet. Ab den 70er Jahren wurde die Gegenstrategie entwickelt: Erst Schwächung der Gewerkschaften, dann allmählicher Abbau der „sozialen Marktwirtschaft“, dann mit dem Agenda 2010-Regime der grosse Rundumschlag.

Fro 26.01.2014 | 19:55

Eine zu diesem Zeitpunkt etwas dreiste Werbung für die SPD und den derzeitigen Oberbremser des 'solaren Zeitalters', Gabriel. Wahrscheinlich ist dieser Beitrag aber schon einige Wochen alt und als freundliche Ermutigung an Gabriel gedacht gewesen... So oder so fehlplaziert.

Gabriel hat sich schon am 18.1. öffentlich, mit seinen Eckpunkten zum neuen EEG, als Bremser der Energiewende geoutet. Der Ausbau der Erneuerbaren soll gedeckelt werden. Die privaten lokalen Stromerzeuger sollen Nachteile hinnehmen müssen: Selbstvermarktung ihres Stromes , zusätzliche Belastung durch EEG-Umlage... Energiekonzerne hingegen werden geschont und begünstigt...

Der Protest gegen diese angekündigte Ausbremsung der Energiewende wird immer lauter.

Die Wirklichkeit hat die bescheidenen Träume des Autors (die SPD-Führung möge ihre eigenen Worte ernst nehmen) schon vor der Veröffentlichung platzen lassen. Wie wäre es mit einer Aktualisierung ( mal ohne Parteibrille)?

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Ehemaliger Nutzer 26.01.2014 | 20:51

Ich weiß. Nur gibt es ganz offensichtlich genügend Journalisten in Deutschland, die das nicht! thematisieren. Die direkten und indirekten Subventionen verzerren das Bild derart, dass man im Falle der erneuerbaren Energien fast schon zum Äußersten greifen müsste und nach dem freien Markt ruft. Der Witz ist, dass Wind- und Solarenergie in einem wirklich freien Markt (ohne staatliche Verzerrung durch Subventionen) nicht zu stoppen wären. Hätte jemand wirklich ein Interesse an der Energiewende, was ja möglich ist, wäre dieser auf den ersten Blick seltsame Schritt ein Durchbruch.

Solange die Menschen den Strompreis akzeptieren wie ein von Gott verlesenes Urteil und die Subventionen für die alten Stromkonzerne nicht hinterfragen, wird das nichts.

Falk 27.01.2014 | 00:02

Was würde passieren, wenn man z.B. Solar nicht subventieren würde und dem Markt überlassen würde? Ich denke keiner würde in Solar investieren, weil nicht kalkulierbar ist, was dabei rauskommt. Wenn die Sonne scheint, ist das Energieangebot so hoch, das man die Energie verschenken müsste. Aus meiner Sicht gibt es nur eine sinvolle Lösung: die Gesellschaft müsste die Solarfläche finanzieren und so planen, dass sie bei günstigen Bedingungen voll abdecken. Setzt voraus dass andere Quellen runtergefahren werden können. Eine weitere Erhöhung der Solarfläche macht nur noch bei Vorhandensein von Speichermöglichkteiten Sinn. Dazu könnte sie dann Fläche zu einem Martkpreis mieten, aber wahrscheinlich sind bereits die staatlichen Flächen ausreichend.

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Ehemaliger Nutzer 27.01.2014 | 13:06

Also ich kenne Menschen, die bauen sich Solarzellen auf das Dach, weil es sie ankotzt monatlich Geld an einen Konzern zu bezahlen. Sehen Sie, es gibt Dinge, die tun Menschen, weil es wirtschaftlich ein Vorteil ist, es gibt aber Dinge, die tun sie aus ganz anderen Gründen.

Mit dem Einzug der sogenannten Hybridsysteme und deren Perfektionierung, ist es möglich, ein Haus autark mit Energie zu versorgen. Wenn die Menschen nun noch intern Leitungen für Gleichstrom hätten, entfielen die Umsetzungsverluste auch bei den Speichersystemen, was die Effizienz dieser Systeme ungemein erhöhen dürfte.

Das Steuerungssystem über Subventionen ist nur für einen definierten Zeitraum vorteilhaft, beispielsweise in einer Einführungs- oder Umstellungsphase. Später können Subventionen kontraproduktiv wirken, weshalb sie eigentlich grundsätzlich alle 12 Monate einem Review unterliegen müssten.

Wolfgang Ksoll 16.11.2014 | 15:50

Die Bremser des Solarzeitalters

Die obioge Darstellung ist eine irrationale Beschönigung und hat nichts mit dem aktuellen Zustand der SPD zu tun. Die SPD ist keine Solarpartei sondern eine Kohlepartei. Beispiele:

1977 wurde unter der Federfühung von Johannes Rau, SPD, der Jahrhundertvertrag geschlossen. Nach der ersten Ölkrise sollte der Preisschub durch Verstärkung der abkackenden Kohleförderung gebremst werden. Garantieförderungen/-preise wurden den nicht wettbewerbsfähigen Zechen gegeben. 40 Mio Jahrestonnen Steinkohle. Von wegen Einstieg in die Solarwende mit Brandt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Jahrhundertvertrag
Die SPD fährt gerade die RWE gegen die Wand. Sie hat zugelassen, dass Peter Altmaier keine Leitungen bauen lässt, um Nordsee-Windstrom abnehmen zu können. Die holländische Tennet hat kackfrech bestehende Gesetze nicht umgesetzt. Peter Altmaier hat die EEG-Umlage erhöht, um RWE Schadensersatz zahlen zu können, wenn sie Offshorestrom liefern können, aber wegen der Schlampereien von Tennet nicht an Land kriegen. Die RWE hat sich auf solche Spielchen mit Zockern aus CDU und SPD nicht eingelassen und das Projekt Borkum Riff gestoppt. Zynisch hat Altamaier dann gesagt, erneuerbare Energie sei zu teuer. Die SPD hat brutalst möglich dazu geschwiegen.

Im Gegenteil: Manche SPD-Mitgleider labern herum, dass Offshore-Strom zu teuer sei. Eine deutschnationale Sonderbehandlung des Marktes. In Dänemark, USA und England sind keine deutschen SPD-Politiker, die die EE behindern und die bauen dort fleissig Windkraftwerke offshore.

In Enland schafft Siemens 1.000 neue Arbeitsplätze mit Offshore-Wind, während die SPD in D die Kohlewende betreibt.
http://offshorewind.works/300-million-investment-create-1000-jobs-uk/

Sofort nach der Wahl ist Hannelore Kraft mit Peter Altmaier nach Brüssel, damit weiter die deutsche Kohle subventioniert werden darf. Bei Garzweiler II hat man die Grünen besoffen gemacht, in dem man die maximale Fördermenge von 1.300 auf 1.000 Mio t herabsetzte. Was heisst das? Offshorewind wird behindert von der SPD und Kohle weiter fortgeschrieben. Statt möglichst schnell aus der Kohle rauszugehen, werden mit Gabriel weiter Jahrzehnte mit Kohle konstruiert. Pervers wie die SPD ist, fördert sie den Eigenstrom bei Rheinbraun (jetzt RWE) für Bagger, Absetzer, Förderbänder aus der EEG-Umlage und jagt RWE aus dem ökologischen Wandel heraus (siehe Borkum Riff). Die Folge? RWE wird Pleite gehen und da wir auch keine Stiftung für die Kernkraft haben wie bei der Ruhrkohle, werden dem Steuerzahler über die Insolvenzen der EVUs die Kosten für den Rückbau der Atomenergie von der SPD übergewälzt.

Im Osten steht die Laubag (jetzt Vattenfall) mit der Braunkohle vor dem Aus. Die schwedische Regierung hat als Eigentümer einfach den Ausstieg beschlossen. Die SPD kämpft (wie schon im Wahlkampf in Brandenburg) dort mit den Linken (wie in NRW mit den Grünen) gegen die Stillegung der Dreckschledeuern.

Gabriel hat dann diese Woche noch eins draufgesetzt und Schlupflöcher für das Fracking eröffnet.

Dreist labert Gabriel (bei Störung durch Greenpeace) von dem Erhalt des industriellen Standortes in Deutschland. Dummdreist ist nur Kohle für ihn Industrie. Auf eine Industrialisierung mit Windenergie scheisst er und wirft RWE tödliche Knüpel mit siner Kohlepolitik zwischen die Beine. Die Hauer von Ruhrkohl, Rheinbraun und Laubag könnten auch Windkraftwerke montieren. Die haben keien Angst vor frischem Wind. Aber die SPD macht sich in die Hosen vor der neuen Welt. Die neue Welt darf bei der SPD nur noch in Liedern vorkommen.

Mit Willy Brandt hätte es eine solche rückwärtsgewandte Politik nicht gegeben. Das ist das einzige, w s an dem Artiekl oben stimmt. Aber wir haben Siegmar Gabriel, der die SPD zerstört und das Land vernichtet. Und das auch noch mit offenbar die Realität nicht mehr wahrnehmenden Bewusstseinsstörungen, wie wir in Norwegen sehen durftn. Dort log Gabriel dummdreist, dass der rechtsextreme Massenmörder von Oslo wegen der Vorratsdatenspeicherung in Norwegen gefasst worden wäre. In Norwegen gibt es aber keine Vorratsdatenspeicherung, nur in Grabriel entrücktem Gehirn und im Parteiprogramm der SPD.
https://netzpolitik.org/2013/sigmar-gabriels-norwegisches-maerchen-ueber-die-vorratdatenspeicherung/

Wenn die SPD weiter die Amokläufe Gabriel duldet, wird sie wie in Baden-Württemberg durch die Grünen überholt. Diese Dreckspoltik mit Zerstörung der Umwalt ist nicht mehr hinnehmbar. Gemessen an der Realität finde ich den Artiel von Fabio Longo extrem schlimm.