Die „Gala“ kann Monsieur nicht locken

Presselandschaft Modefragen und Klatsch sind längst auch Männersache. Zumal bei der hippen, urbanen Jugend. Die „Gala“ bleibt trotzdem bei den Frauen
Romy Straßenburg | Ausgabe 15/2014 1
Die „Gala“ kann Monsieur nicht locken

Illustration: Otto

Am vergangenen Samstag lag in Paris ein Hauch von Sommer in der Luft. Ich lag im überfüllten Parc des Buttes-Chaumont im Gras und lauschte einer Gruppe von vier jungen Männern, typische bourgeois-bohème, kurz Bobo, gutbürgerlich, aber mit einen Hauch von Hipster und Alternativo. Sie waren in eine Diskussion über Mokassins vertieft. Als Referenzen nannten sie Schauspieler und Sänger von Bands, die mit „The“ anfangen. Ab und zu blinzelte ich hinüber, um ihre Ray-Ban-Brillen und pastellfarbenen Hosen zu begutachten. Jedes Mal strich sich einer von ihnen die sorgfältig verwuschelte Mähne nach hinten.

Nein, Mann muss sich schon länger nicht mehr schämen, Interesse für Mode, Beauty und People zu hegen. Ob die Jungs allerdings in der Gala blättern würden, deren deutsche Ausgabe in diesen Tagen ihren 20. Geburtstag feiert, würde ich bezweifeln. Nach wie vor gilt das Magazin, ob in der deutschen oder französischen Version, als durch und durch feminin. Auch Pariser Männer würden wohl nur hinter vorgehaltener Hand eingestehen, dass sie im Wartezimmer doch ab und an zu den hochglänzenden Seiten greifen und sich durch die Beach-Outfits von Stars, die neuesten Royal-Geschichten oder Fotos der letzten Filmpremieren blättern.

Dabei sind klassische Gala-Themen längst keine reine Frauendomäne mehr. Seit Mitte der Neunziger kursiert der Begriff „metrosexuell“ – zusammengesetzt aus metropolitan und heterosexuell – für jene männlichen Zeitgenossen, deren Interessengebiete über Fußball und Autos hinausgehen. In Frankreich haben Verlage darauf unter anderem mit anspruchsvollen Männermagazinen wie The Good Life reagiert, in denen es schon auch mal um die Finanzkrise in Irland geht, genauso aber um die „neue Trendstadt Leipzig“, angesagte Mode oder die Geschichte der linken Tageszeitung Le Monde.

Die Gala bleibt indes den roten Teppichen und ihrer weiblichen Leserschaft treu. Die erste französische Ausgabe erschien mit ein paar Monaten Vorsprung zur deutschen Schwester schon 1993 bei Prisma Media, Ableger der deutschen Verlagsgruppe Gruner + Jahr. Bis heute erreicht sie trotz kleinerer Auflage mehr Leserinnen als in Deutschland.

Immer auf einer Blattlinie

An der redaktionellen Linie des Magazins hat sich seit 20 Jahren so gut wie nichts geändert. Dabei haben andere französische Hochglanzmagazine vorgemacht, wie sich royale Geschichten und investigativer Journalismus verbinden lassen. Seit 70 Jahren regiert Paris Match die französische „Presse People“, weil ihre Themenpalette weit über Königshäuser und Schönheitsmarken hinausgeht. Ihr Einfluss reicht bis in die politische Eliten des Landes und umgekehrt. Nach pikanten Einzelheiten über die Affäre von Cécilia Sarkozy entließ Verlagschef Arnaud Lagardère, enger Freund des Ex-Präsidenten, den damaligen Chefredakteur. Das Private ist in Frankreich bekanntermaßen oft ganz konkret politisch.

Es mag an einem fehlenden Äquivalent zur Bild-Zeitung liegen, dass ein französisches Wochenmagazin, das dem Klatsch keinesfalls abgeneigt ist, im investigativen Journalismus mitmischt. Nicht wenige bekannte Journalisten haben bei Paris Match im Laufe ihrer Karriere Station gemacht. Und wer es auf die viel beachtete Titelseite schafft, darf sich nationaler Bekanntheit gewiss sein.

So verfolgen auch Männer ganz selbstverständlich, wenn das Blatt einen Scoop landet, wie zuletzt, als ein Paris-Match-Journalist als Erster den untergetauchten Cornelius Gurlitt aufspürte. Die Gala mag das kalt lassen, so lange ihr die weibliche Leserschaft treu bleibt – Männer müssen da, leider, draußen bleiben.

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06:00 23.04.2014

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