Christa Müller
31.05.2012 | 14:00 21

Die grüne Guerilla

Urban Gardening Nirgendwo auf der Welt ist städtisches Gärtnern so vielfältig wie in Deutschland. Über eine politische Avantgarde

Es ist die natürlichste Sache der Welt. So formuliert es der Londoner Guerilla-Gärtner und Buchautor Richard Reynolds sinngemäß in seinem Botanischen Manifest: Wenn einem das eigene Land zum Gärtnern fehlt, während andere mehr als genug davon besitzen, dann sei es doch ganz logisch, aus diesem Mangel heraus brachliegendes Gelände zu bewirtschaften, also: zum Guerilla-Gärtner zu werden.

Neben der unverblümten Kritik an den Eigentumsverhältnissen klingt hier der Sex-Appeal des selbstbemächtigten Urban Underground an: Man genießt die Aura, die Grenzen des Erlaubten zu überschreiten, um dann ganz und gar unorthodox das eigene Umfeld zu gestalten. All das hat das Guerilla Gardening als eine Unterströmung der neuen urbanen Gartenbewegung in der medialen Aufmerksamkeitsskala in den letzten Jahren ganz nach oben geschoben.

Urban Gardening war von Anbeginn an ein internationales Phänomen. In Ländern des Südens ist der mobile Anbau in den Slums und an den Rändern der Megastädte eine nahe liegende Überlebensproduktion. Und im heute weitestgehend de-industrialisierten und in der Folge dramatisch geschrumpften Detroit beispielsweise ersetzt die urbane Landwirtschaft Arbeitsplätze und besetzt die räumlichen Arrangements der untergegangenen Autoindustrie. Das alles ist nicht zu vergleichen mit der westeuropäischen Urban-Gardening-Bewegung, die spielerisch ans Werk geht. Dass die derzeit interessantesten und facettenreichsten Formen in deutschen Großstädten zu beobachten sind, hat auch damit zu tun, dass unser Land noch vergleichsweise reich ist und man sich das Spiel mit der Erprobung neuer Wohlstandsmodelle auch habituell leisten kann.

Es geht um Autonomie

So sind die Deutschen im Urban Gardening fast unbemerkt zur Avantgarde geworden. Dabei ist es höchst bemerkenswert, dass diese neue und noch junge Ökobewegung die kleinbäuerliche Wirtschaft und Kultur wiederentdeckt hat, ohne sich aufs Land zurückziehen zu wollen. Urbane Landwirtschaft ist hier der Ausgangspunkt einer Suche nach dem „besseren Leben“ in der Stadt, das nicht auf der Ausbeutung von Tieren, Böden und Menschen in der immer noch sogenannten Dritten Welt beruht, sondern mit saisonalen und regionalen Qualitäten experimentiert und die lebendigen Beziehungen und Netzwerke zwischen Menschen und Natur intensivieren will. Weit jenseits des monetären Gewinns.

Oft wird vorgebracht, dass das Urban Gardening beispielsweise eine Stadt wie München niemals ernähren könne. Dabei ist das vorläufig auch gar nicht das Ziel. Derzeit liegt die Bedeutung der noch weitestgehend nicht kommerziell betriebenen urbanen Landwirtschaft in der Erfahrung und Einübung einer Logik, die nicht auf Verwertung, sondern auf Versorgung ausgerichtet ist.


Hier geht es um ein anderes Vergesellschaftungsmodell. Autonomie bedeutet für diese Bewegung nicht, hohe Löhne zu erzielen, um sich die lebensnotwendigen Dinge kaufen zu können, sondern Wissen, handwerkliches Können und soziale Netzwerke zu leben und zu erproben, um mit weniger materiellen Ressourcen, dafür aber nach den eigenen Vorstellungen und mit den eigenen Händen ein Mehr an Lebensqualität zu erreichen. Es war eben immer schon politisch, bäuerlich zu sein.

Lebensraum für alle

Nicht, dass das Phänomen des großstädtischen Gärtnerns als solches neu wäre. Schon in den siebziger Jahren eroberten sich türkische EinwanderInnen die Brachflächen der Innenstädte, um Bohnen und anderes Gemüse anzubauen. Ebenfalls ohne zu fragen. Ihre Motivation war dabei nicht Protest, sondern eine für sie naheliegende Strategie der Subsistenz, also der Versorgung aus eigener Kraft .

Die in den letzten Jahren in vielen großen Städten entstandenen Gemeinschaftsgärten, Kiezgärten, Interkulturellen Gärten und Nachbarschaftsgärten zielen mit dem Garten als Medium zugleich auch direkt auf die Stadt als Lebensraum und senden visuelle Vorstellungen von Urbanität, die das Auge zunächst irritieren. Der Gemüseanbau in ausgedienten Bäckerkisten und umgebauten Europaletten auf dem stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof oder am Kreuzberger U-Bahnhof Moritzplatz, an der Hamburger Großen Freiheit in St. Pauli oder unter dem Münchener Olympiaturm fordert zu einer neuen Lesart von Stadt auf.

Zu den wesentlichen Adressaten gehören dabei die Stadtplaner und -verwalter, die man bei der Gestaltung des öffentlichen Raums darauf aufmerksam machen will, dass die Stadt kein Container für noch mehr Autobahnen und Shopping-Malls ist, sondern ein Lebensraum für alle, in dem auch über die Grundlagen der Existenz debattiert werden sollte. Die politischen Formen der Generation Garten zeichnen sich weniger durch Forderungskataloge als durch Performanz, durch punktuelle und symbolische Interventionen im öffentlichen Raum aus.

Open Source

Jene vieldeutigen Slogans wie etwa „Keine Pflanze ist illegal!“ oder „Widerstand ist fruchtbar“, die die grünen Inseln flankieren, machen klar: Der Garten als ein weltabgewandtes Refugium im Privaten war gestern.

Zudem bieten Gemeinschaftsgärten eine Plattform für ganz unterschiedliche Wünsche: Da kann man die Hände mal wiederin die Erde stecken, sich gesund ernähren, die Leute aus der Nachbarschaft kennenlernen, Wissen austauschen und aneignen, Neues lernen sowie praktische Beiträge zum Thema „Local Food“ leisten. Die Urban Gardening-AktivistInnen halten Bienen, reproduzieren ihr Saatgut selbst, stellen Naturkosmetik her, färben mit Pflanzen, übernehmen Parks in Eigenregie, reklamieren Gemeinschaftsdachgärten und organisieren Festtafeln unter freiem Himmel. Sie verwandeln Brachflächen und zugemüllte Parkdecks in Orte der Begegnung.


Die Bewegung ist jung, bunt und sozial eher heterogen. Auffallend viele Mittelschichtskinder mit akademischem Hintergrund gärtnern Seite an Seite mit MigrantInnen, Hartz-IV-Empfängern und Künstlern. Da die allermeisten keine oder wenig Erfahrung mit Handwerk und Garten haben, ist Dilettantentum an der Tagesordnung. Das ist durchaus gewollt, denn die Leitidee in Gemeinschaftsgärten ist Open Source.

Freude am Tun

So kommt eine Menge an Wissen zusammen und wird produktiv gemixt. In urbanen Gärten ergibt sich ständig die Gelegenheit und eben auch Notwendigkeit zum Austausch. Das Zusammentreffen der unterschiedlichsten Talente und Bedarfe schafft eine lebendige und immer unaufgeräumte Atmosphäre. Hier regiert nicht die Effizienz, sondern die Freude am Tun und die Neugier auf das, was entsteht.

Die urbane Gartenbewegung tritt bewusst als Hybrid auf die Bühne. Sie vermischt virtuelle Vernetzungslogiken und zeitgemäße Vorstellungen von Teilhabe und Gemeinschaft mit bäuerlicher Denke. Es ist dieser Mix, der mit den gängigen Modernisierungsvorstellungen bricht und uns Hinweise gibt, dass wir in Zeiten des Umbruchs leben.

Für Anhänger von Fortschrittsideologien, die in den etablierten politischen Parteien, insbesondere linker Provenienz, ungebrochen vorherrschen, muss das verwirrend klingen. Zum Weltbild des historischen ­Materialismus gehört eine lineare gesellschaftliche Entwicklung, in der die Kleinbauern obsolet sind, denn angeblich verweigern sie sich dem Fortschritt, „kleben an der Scholle“ und vertreten nur ihre Partikularinteressen. Kleinbauern galten immer schon als rückständige Fortschrittsfeinde und damit tendenziell als reaktionär. Dass ausgerechnet urbane Trendsetter heute die vermeintlich historisch überwundenen bäuerlichen Lebensformen umdeuten, sollte die Linke nachdenklich stimmen.

Für den großen russischen Agrarökonomen und Bauernforscher Alexander Tschajanow, der von Stalin verfolgt wurde, weil er sich gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft wendete, war die bäuerliche Tätigkeit eine „in ihrem Wesen radikal von der kapitalistischen verschiedene Wirtschaft“. In seinem Anfang der zwanziger Jahre erschienenen Hauptwerk Die Lehre von der bäuerlichen Wirtschaft belegt Tschajanow, dass der Bauernwirtschaft eine „ganz andersartige Auffassung von der Vorteilhaftigkeit und eine ganz andere Art des Rechnens“ zugrunde liegt. Man könnte auch sagen, sie folgt einer Rationalität, die nicht an Wachstum, sondern an Erhalt, nicht an effizienter Nutzung von freier Zeit, sondern an Kooperation mit den Zeitzyklen der Natur orientiert ist. Was in der alten Industriegesellschaft, die auf beständige Optimierung der Ressourcenausbeute, Effizienzsteigerung sowie Raum- und Zeitverkürzung setzt, in der Tat überkommen schien, wird heute hochgradig kompatibel für die aktuelle Debatte um die Postwachstumsgesellschaft, in der die Suche nach postmateriellen Wohlstandsmodellen, nachhaltigen Lebensstilen, Entschleunigung und Lokalisierung der Produktion als ökologische Notwendigkeit postuliert wird.

Christa Müller ist Soziologin und leitet die Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis. 2011 gab sie das Buch Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt heraus

Kommentare (21)

indyjane 01.06.2012 | 10:46

liebe frau müller, Danke für ihr leidenschaftliches und intelligentes engagement -
hier ein interessanter link
www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1625482/nachtstudio-vom-22.-April-2012#/beitrag/video/1625482/nachtstudio-vom-22.-April-2012

Ist Urban Gardening nur ein „Medienhype“? Oder doch eher Ausdruck einer gesellschaftlichen Umorientierung hin zu mehr Nachhaltigkeit und demokratischer Stadtgestaltung? Im ZDF-Nachtstudio diskutierten Jakob Augstein, Christa Müller, Gabriella Pape und Martin Rasper kontrovers über ein Phänomen mit Breitenwirkung.

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Ehemaliger Nutzer 01.06.2012 | 11:10

Ich habe tiefste Abneigung zu allem, was mit Bauerntätigkeit zu tun hat. Es gibt Menschen, die sich dafür entschieden haben, Bauer zu werden, sie haben ihr Spaß daran und sie werden dafür auch bezahlt und das ist alles gut so. Aber eine Stadt muss eine Stadt bleiben. Ich will keine Gemüse anbauen oder sonst welche gärtnerische Tätigkeit ausüben. Für mich wäre es Verschwenden der Lebenszeit. Wobei ich natürlich nicht sagen will, dass gärtnerische Tätigkeit an sich was Schlimmes wäre. Wenn die Leute es mögen, dann mögen sie es. Aber ich will nichts damit zu tun haben.

Nur so zur Information: Ich gehöre zu der ersten Generation in meiner Familie, die in der Stadt geboren wurde. Meine beide Eltern sind auf dem Land aufgewachsen (in verschiedenen Regionen, weit voneinander entfernt) und sind diesbezüglich mehr oder weniger nostalgisch. Ich war als Kind und Jugendliche ab und zu auf dem Land, Verwandte besuchen. Als Besuch war es okay, neue interessante Erfahrungen und so. Aber nur als Besuch. Ich kam damals mit der Situation und mit den Leuten ganz gut klar. Aber in meinem eigenen Leben will ich keine gärtnerische Tätigkeiten ausüben... auch nicht, wenn es nur nebenbei ist. Ich habe übrigens einige Freunde, die es gerne tun. Aber ich nicht!

j.kelim 04.06.2012 | 06:50

Der Mensch produziert 23 Hektar Wüste pro Minute

23 Hektar Wüste produziert der Mensch laut Angaben der Vereinten Nationen pro Minute - das entspricht der Fläche von rund 30 Fußballfeldern. Schuld ist meist eine falsche Bewirtschaftung der Böden. Das wird zum ernsten Problem, da Böden eine nicht vermehrbare Grundlage unseres Lebens sind: Als Anbaufläche für 90 Prozent unserer Nahrungsmittel, zunehmend auch für nachwachsende Rohstoffe zur Produktion von Textilien, Biokunststoffen und -kraftstoffen. Mit der steigenden Weltbevölkerung wird der Druck auf die Böden nun immer größer.

"Wir haben unsere Böden viel zu lange vernachlässigt, es ist höchste Zeit, sie besser zu schützen"… "Es gibt immer mehr Menschen auf der Erde und unsere Ansprüche an die Leistungen der Natur steigen. Das führt zum Verlust der fruchtbaren Böden, wenn diese nicht nachhaltig bewirtschaftet werden. Die Folgen davon sind zunehmend Hunger, Wassermangel und Armut weltweit."

www.sein.de/gesellschaft/nachhaltigkeit/2011/der-mensch-produziert-23-hektar-wueste-pro-minute.html

j.kelim 04.06.2012 | 07:35

Die Rückeroberung der Stadt ist aber nicht nur Zeitvertreib, sondern für viele auch eine politische Aussage. Weltweit ergreifen immer mehr Menschen Initiative und schaffen sich selbst Freiräume. Ohne zu fragen entmüllen und verwandeln sie brachliegende Flächen, begrünen Straßen und legen in städtischen Parks in Eigenregie Gemüsebeete an.

Leerstehende Flächen und ungepflegte Grünstreifen werden so quasi "besetzt" und kurzerhand in blühende Äcker verwandelt. Das passt oftmals den Stadtplanern nicht ins Konzept, die offenbar meinen, öffentliche Flächen - die eigentlich der Allgemeinheit gehören - dürften von nur nach Vorschrift genutzt werden. Immer wieder werden mühsam aufgebaute Projekte deshalb gewaltsam zerstört, wie zum Beispiel der Garten "Rosa Rose" in Berlin. www.rosarose-garten.net/de/start

Guerilla Gardening, das wilde Gärtnern in der Stadt ist ein internationales Phänomen. Gemüseanbau ist hier auch ein Ausdruck politischen und sozialen Handelns. Ein guter Ansatzpunkt, Städte wieder mehr zu Gemeinschaften zu machen, denn etwas so existenzielles wie der Anbau von Nahrungsmitteln ist quasi der kleinste gemeinsame Nenner. Gemeinschafts- und Nachbarschaftsgärten, Interkulturelle Gärten oder das Guerilla Gardening dienen so nicht bloß der Gemüseversorgung, sie sind Orte der Kommunikation, der Rückbesinnung, der Selbstermächtigung und der Heilung.

"Menschen ohne Naturerfahrungen drohen seelisch zu verkümmern. Das Glück, das Menschen empfinden, wenn sie in Berührung mit Natur sind, ist Ausdruck davon, dass wir uns aufgehoben und getragen fühlen im Lebendigen in uns. So lässt sich die Kernthese einer neuen Richtung in den Lebenswissenschaften auf den Punkt bringen, die zu dem Ergebnis kommt, dass der Verlust der Natur - im Alltag der Stadt, aber auch der Verlust der Artenvielfalt - mehr bedeutet als eine klimatische Katastrophe. Der Biologe und Philosoph Andreas Weber warnt: 'Dem Menschen droht ein emotionaler Verlust, der die Grundstruktur seines Wesens angreift...'", schreibt Christa Müller in "Mind The Park".

Die Natur zurück in die Stadt zu bringen und diese wieder zu Orten des gemeinschaftlichen Lebens, der Selbstversorgung und der Begegnung zu machen, ist sicher eine der Herausforderungen unserer Zeit. Und eins ist sicher: mehr Spaß als hier macht die Revolution kaum irgendwo.

www.sein.de/gesellschaft/nachhaltigkeit/2010/urbane-gaerten-und-urban-farming-erobern-die-staedte.html

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Ehemaliger Nutzer 04.06.2012 | 15:52

Urban Gardening ist meiner Meinung eine mehr oder weniger Modeerscheinung wie es mal Yoga usw. war. Dieser Ökokonsum betrifft ja oft nur eine bestimmte Schicht in der Gesellschaft und nicht die Masse. Was ja auch mit Geld, sprich Einkommen zu tun hat. Ich kenne da so einen Verein, der Städter ins ökologischen Gärtnern mit einbezieht.

Es ist eben schick dazu zu gehören und gehört zum "guten Ton" eines bestimmten Klientels. Auch kann man sich damit explizit von anderen innerhalb einer Schicht abgrenzen. Also auch eine Form des Individualismus an sich. Für mich eine "gehobenere" Form des Kleingärtners. Wobei die soziale Komponente natürlich dabei nicht zu unterschätzen ist.

Und wenn junge Leute sich daran beteiligen, dann ist das doch mehr so eine Art sich selbst finden und ausprobieren.

Oder will man damit sein "schlechtes Gewissen" beruhigen? Da wir andere Länder zutiefst landwirtschaftlich ausbeuten. Auch darf man wirtschaftliche Aspekte dabei nicht vergessen. Neue Entwicklung (Frauenhofer Institut) von Leichttreibhäusern auf Falchdächern. Also auch ganz gezielte, gesteuerte politische Strategie bzw. der Konzerne.

Ich schliesse mich da weitesgehend JA Aussagen im ZDF-Nachtstudio an.

Übrigens wurde in der DDR jedes Kind an das gärtnern, Gemüse ziehens, herangeführt. Traurig das die Zusammenhänge in der Natur nicht mehr praktisch vollzogen werden. Und kein Wunder, dass die Natur in D massiv vermüllt wird! Da nützt auch kein urbanes gärtnern!

small A 04.06.2012 | 16:38

Danke für ihre ehrliche Meinung. Machen Sie sich bitte keine Sorgen, ist alles freiwillig... Ärgerlich ist nur, dass es allen klar sein sollte, dass die Interessen der Menschen verschieden sind. Sie hätten also gar nichts schreiben können und wir wären alle genauso schlau wie nach der Lektüre ihrer Sätze, die sie als ein wenig verkrampft erscheinen lässt. Haben sie Schmerzen, wenn sie einen Kirschkern auf einen fruchtbaren Boden spucken?

Transition 05.06.2012 | 16:30

Wen es interessiert: Viele spannende Projekte im Bereich von u.a. Teilen Tauschen, (urbanem) gemeinsamem Gärtnern, innovativer Mobilität, dezentraler Selbstorganisation im Sinne einer Erhöhung der lokalen Resilienz Subsistenz sowie der Allmende/Commons und einer stärker lokal wirkenden, "entschleunigten" alternativen Wirtschaft entstehen oder verknüpfen sich momentan weltweit im Umfeld der Transition Bewegung (www.transition-initiativen.de und www.transitionnetwork.org)

Andreas Hessing 05.06.2012 | 18:03

In diesem Zusammenhang beobachte ich schon seit langem eine Veranstaltungreihe in Münster "Freie Gartenakademie" deren jährlicher Themenkanon und Besetzung für geistige Lockerungsübungen in Sachen Garten steht , bevor alle möglichen publizistischen Trendsitter die Themenschlachtung vorgenommen haben und vornehmen , auch in diesem Jahr scheint die Veranstaltung stattzufinden u.a. mit Prof. George McKay / University of Salford "Radical Gardening" ... leider ist Münster etwas weit von Berlin entfernt, ansonsten würde ich gerne das eine oder andere Mal dort über den Gartenzaun schauen ... mehr findet man (hoffentlich bald) unter www.gartenakademie.org ... ich glaube das lohnt sich ...

Hans Shan 11.06.2012 | 01:34

@winfired
Auf eine späte Reaktion eine noch spätere Antwort.

Ich hätte wahrscheinlich die Wörter "natürlich" und "ökologisch" hervorheben sollen. Mein Kommentar war eigentlich sarkastisch gemeint.
Habe zum Beispiel eine Doku über "urban gardening" in Detroit und New York gesehen. Dort wird auf aufgelassenen Industriebrachen Gemüse angepflanzt und verkauft. Aus den Berichten ging aber nicht hervor, ob man zuvor tatsächlich die Böden auf Schadstoffe, Industrieabfälle etc. untersucht hat.
Von den Abgasen der täglich zu tausenden vorbeibrausenden Autos.
Also wirklich eine "gesunde" Sache.
Gruss Karl

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Ehemaliger Nutzer 02.07.2012 | 00:46

Reden Sie mit mir oder mit jemandem da draußen? Wie kommen Sie dazu, mich aufzuklären, dass ich mir keine Sorgen machen muss, weil alles freiwillig ist? Ich habe mir in meinem Kommentar keine Sorgen gemacht und keine Zweifel in Freiwilligkeit geäüßert... ich hoffe, Sie sind nicht nur im Kirschkerneausspucken mächtig, sondern auch im Lesen?

"Ärgerlich ist nur, dass es allen klar sein sollte, dass die Interessen der Menschen verschieden sind". An dieser Stelle möchte ich Sie nochmals fragen, ob Sie des Lesens mächtig sind? Können Sie mir mit Zitaten aus meinem Kommentar belegen, dass es mir nicht klar ist, dass die Interessen der Menschen verschieden sind bzw. dass ich die Interessen der anderen Menschen angegriffen hätte?

"Sie hätten also gar nichts schreiben können und wir wären alle genauso schlau wie nach der Lektüre ihrer Sätze, die sie als ein wenig verkrampft erscheinen lässt". Wenn ich das Projekt, dass Ihnern gefällt, unterstützt hätte, dann wären Sie begeistert, egal wie dumm und arrogant meine Argumete wären. Dass Ihnen die Menschen, die eine kontroverse Meinung haben, als verkrampft erscheinen, spricht schon Bände... über Sie.

"Haben sie Schmerzen, wenn sie einen Kirschkern auf einen fruchtbaren Boden spucken?" Diese Frage ist unter jedem Niveau und so eine Unterhaltung ergibt für mich keinen Sinn.

Wozu brauchen Sie grüne Städte? Solange die Menschen deswegen angegriffen werden, weil sie eine kontroverse Meinung geäußert haben, ist es ziemlich egal, ob die Stadt grün ist oder nicht, leben wird sich da nicht schön lassen...

Gerd Schnepel 10.07.2012 | 05:11

Kelim, Sie schreiben:

Gemüseanbau ist hier auch ein Ausdruck politischen und sozialen Handelns. Ein guter Ansatzpunkt, Städte wieder mehr zu Gemeinschaften zu machen, denn etwas so existenzielles wie der Anbau von Nahrungsmitteln ist quasi der kleinste gemeinsame Nenner. Gemeinschafts- und Nachbarschaftsgärten, Interkulturelle Gärten oder das Guerilla Gardening dienen so nicht bloß der Gemüseversorgung, sie sind Orte der Kommunikation, der Rückbesinnung, der Selbstermächtigung und der Heilung.

Fehlt noch für (nicht nur) Nicaragua: ... und ein Ort hemmungslosen Diebstahls und Lebens auf Kosten anderer. Grüße aus Niaragua, wo die Armen noch die Ärmsten bestehlen.

lilar 03.10.2012 | 15:04

Wie ich sehe gibt es einige interessante Diskusionsstandpunkte zum Thema Gärtnern in der Stadt. Was ich aber eigentlich neben dem Ansatz, die Fläche zum Gärtnern zu nutzen, viel spannender finde: Hier werden plötzlich Orte wahrgenommen, die meist temporär in einer Nutzungsgrauzone liegen. Es ist eine erste und gute Möglichkeit, diese Flächen zum Anbau von Gemüse zu nutzen, aber vielleicht kommen den Stadtbewohnern mit der Zeit nochmal andere Ideen. Vielleicht sind die urban gardening Projekte wie grüne Keinzellen, die sich immer weiter verbreiten und zu Spielplätzen, Grillwiesen, Kunstparks etc. mutieren? Wie ich finde ist das eine sehr interessante Entwicklung!

Wie wäre es zum Beispiel, wenn es neben den bestehenden Netzwerken der bereits existierenden urbane gardening Initativen, Vereinen und Organisationen interaktive Karten von Brachflächen geben würde? Vielleicht nach dem Prinzip von Mundraub: interaktiv, so dass jeder seine persönlichen Beobachtungen miteinbringen kann. Die Nutzung ist dann nicht festgelegt, die Städter, die nicht Gärtnern wollen, inszenieren hier vielleicht ein Nachbarschaftsfest? Neue Orte wahrzunehmen und Ideen zu entwickeln, dafür steht für mich die urban gardening Bewegung.

Joh 22.07.2014 | 17:17

Es ist ja schon etwas her, seit dieser Artikel erschien, aber das Thema ist noch immer aktuell, somit auch diskussionsfähig.

"Urban Gardening ist meiner Meinung eine mehr oder weniger Modeerscheinung wie es mal Yoga usw. war. Dieser Ökokonsum betrifft ja oft nur eine bestimmte Schicht in der Gesellschaft und nicht die Masse. Was ja auch mit Geld, sprich Einkommen zu tun hat. Ich kenne da so einen Verein, der Städter ins ökologischen Gärtnern mit einbezieht.

Es ist eben schick dazu zu gehören und gehört zum "guten Ton" eines bestimmten Klientels. Auch kann man sich damit explizit von anderen innerhalb einer Schicht abgrenzen. Also auch eine Form des Individualismus an sich. Für mich eine "gehobenere" Form des Kleingärtners. Wobei die soziale Komponente natürlich dabei nicht zu unterschätzen ist."

Diese Meinung hört man immer wieder, und sie ist so weitverbreitet wie falsch! Urban gardening ist nicht auf elitäre Gruppen beschränkt, welcher Art sie auch immer sein mögen. Oder besser gesagt, so war es im ursprung, doch die Praxis hat sich gewandelt.

Der wichtigste Grund (zumindest in meinem Stdtviertel und den umliegenden Vierteln ) eine Brachfläche zu begärtnern, ist meist ganz einfach: Es handelt es sich um Menschen, die direkt vor ihrer Haustür ein Stückchen Erde einfach in Miniaturgärten verwandeln möchten. So sieht man hier in Hamburg denn auch weniger Gemüseanbau, es gibt nur wenige Gemeinschaftsprojekte, sondern unzählige Kleinstflächen, die von Einzelpersonen mit allem was blüht, Insekten als Nahrung dient, und den Menschen Freude macht bepflanzt werden. Der politisch, ideologische Grundgedanke des Urban gardening ist in den Hintergrund getreten, hat jedoch den Mut gefördert, sich dieser Flächen anzunehmen, obwohl sie öffentlicher Grund sind.

Es sind viele kleine Oasen entstanden, die nicht nur den Stadtgärtnern selbst, sondern auch den anderen Anwohnern Freude machen. Nach dem Motto: ein Garten ist ein Garten.

Das diese Miniaturgärten das soziale Miteinander ungemein fördern, steht außer Frage und kann von jedem selbst nacherlebt werden, der im Frühjahr ein paar Samentüten und eine Schaufel in die Hand nimmt - und den Sommer über fleißig Wasser schleppt. Man wird schnell feststellen, daß in einer vormals städtetypisch anonymen Wohnstraße Menschen miteinander über die Brücke des Gartens hinweg, miteinander in Kontakt treten.