Thomas Leif
15.03.2016 | 12:52 21

"Die herrschende Elite lebt in einem Rausch"

Interview Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband beklagt eine Verdrängung des Armutsproblems, damit "die Party der freien Marktwirtschaft weiter gefeiert werden kann"

"Die herrschende Elite lebt in einem Rausch"

Ulrich Schneider: "Wir haben in Deutschland einen großen Verteilungskonflikt."

Bild: Imago/Jürgen Heinrich

Thomas Leif: Armut wird meist nur wahrgenommen, wenn sie sichtbar ist. Sind die Obdachlosen die wahren Armen?

Ulrich Schneider: Wir haben gerade bei der Wohnungsnot ein riesiges Problem vor uns. Wir haben jetzt schon etwa 39.0000 Menschen, die auf der Platte leben, die wirklich ohne Dach über dem Kopf sind. Wir haben einige 100.000, die keine Wohnung haben und wir dürfen eines nicht vergessen – die 800.000 bis eine Million Flüchtlinge, die 2015 zu uns gekommen sind und noch kommen werden. Die werden, wenn wir nicht irgendwas unternehmen, im nächsten Jahr wohnungslos sein.

Aber diese Diagnose zeigt wenig Wirkung.

Was wir im Moment erleben, ist eine Verdrängung des Problems. Gerade Wohnungsnot und gerade auch das Problem der Flüchtlinge. Da kann man wirklich nur fassungslos zuschauen, wie Symbolpolitik diskutiert wird und wie man davon spricht, Familiennachzug zu verhindern. Und wie man darüber streitet, ob es Transitzonen oder Auffangzonen oder wie auch immer heißen soll, anstatt sich tatsächlich die Frage zu stellen und auch politisch zu beantworten: Wo kriegen wir diese Menschen im nächsten Jahr überhaupt unter?

Haben Sie eine schlüssige Erklärung, warum die Armutszahlen, die Sie auch seit Jahren vortragen – gehen wir von rund 15 Prozent der Gesellschaft mit Armutsgefährdung aus – keinen Widerhall finden?

Nicht ganz Deutschland, aber sagen wir mal, die herrschende Elite in Deutschland lebt in einem Rausch. Wir haben ungeheuer gute Arbeitsmarktzahlen, ungeheuer gute Wirtschaftszahlen, wir sind die führende Wirtschaftsnation in Europa, die Welt schaut auf uns. Da will man mit solchen Zahlen – also 15 Prozent Armut – nichts zu tun haben. Ganz im Gegenteil, man leugnet, dass diese Menschen arm sind und sagt stattdessen: "Arm ist doch nur, wer unter Brücken schlafen muss. Die haben doch bescheidenes Hartz IV, was wollt ihr überhaupt?" Es wird verdrängt und geleugnet, damit die Party der freien Marktwirtschaft weiter gefeiert werden kann.

Was ist Ihr Konzept gegen diese Entwicklung?

Wir müssen den Menschen die Augen öffnen. Wir müssen ihnen beibringen, Armut überhaupt zu sehen. Armut ist nicht öffentlich. Armut ist nicht nur Verelendung. Armut fängt auch dann an, wenn Kinder ausgegrenzt sind und wenn sie nicht mehr im Sportverein oder beim Musizieren mitmachen können, oder auch bei Schulveranstaltungen, die Geld kosten, zu Hause bleiben müssen. Die Menschen müssen sehen lernen: Was passiert hier eigentlich um uns herum an Ausgrenzung? Das ist der erste Schritt. Wir müssen darüber hinaus, wenn die Menschen das begriffen haben, auf die Politik Druck machen, tatsächlich zu einer gerechteren Sozial-, vor allem aber auch Finanz- und Steuerpolitik umzusteuern.

Aber nicht einmal die Wohlfahrtsverbände sind sich in der Analyse einig. Die Caritas wirft ihnen beständig einen wirkungslosen Alarmismus vor?

Ob die Caritas uns angegriffen hat, weiß ich gar nicht. Es war der Generalsekretär, der eine Einzelmeinung der Caritas hier sehr populär in der FAZ geäußert hat. Die FAZ hat ihm eine Seite zur Verfügung gestellt, damit er uns angreifen kann. Warum er das tut, da müssen Sie ihn fragen. Mir ist das völlig schleierhaft, wie ein so um die Armutsbekämpfung verdienter
Verband solche Angriffe gegen den relativen Armutsbegriff loslassen kann. Und darum geht es ja. Ich weiß es nicht.

Was steckt hinter dem Konflikt?

Der politische Kern ist die Verteilungsfrage. Armut ist ein Imperativ. Armut ist immer auch eine Anklage gegen die, die abgeben könnten, aber es nicht tun. Und je weiter diese Gesellschaft in Deutschland zwischen Arm und Reich gespaltet wird, umso mehr mauern sich Reiche ein und versuchen, all die in die Ecke zu stellen, die Armut anprangern, indem sie sagen: "Ihr bauscht auf, ihr skandalisiert", um ihren Reichtum zu schützen.

Aber diese Argumentation wird von vielen Wirtschaftsverbänden geteilt.

Dieses Argumentationskonzept funktioniert noch. Ich glaube, im Moment sind wir an einem Punkt angelangt, an dem viele merken, dass sie nicht mehr mithalten können. Und wenn ich mir anschaue, dass wir mittlerweile Abiturfeiern für normale Abiturienten veranstalten, bei denen man Eintrittspreise von bis zu 70 Euro zahlt, dass mittlerweile Klassenfahrten unternommen werden, auf denen es nach Florenz oder New York geht, da können viele einfach nicht mehr mithalten. Die merken das auch. Sie trauen sich noch nicht, es zu sagen – aber wir. Und genau das ist unsere Aufgabe. Wir müssen diesen Menschen endlich eine Sprache geben.

Aber selbst der Caritas-Generalsekretär sieht das anders. Er sagt: Sie übertreiben mit Ihrer Armutsrhetorik.

Der Caritas-Generalsekretär hat in seinem Beitrag, in dem er uns angreift, geschrieben, wir dürfen das Kind nicht so beim Namen nennen, wie wir es tun, weil wir sonst die Mittelschicht
verunsichern und die Errungenschaften des Sozialstaates schlechtreden würden. Ich denke jedoch, das ist nicht unsere Aufgabe. Es kann nicht darum gehen, irgendwas, was nicht funktioniert, über den grünen Klee zu loben. Wir müssen stattdessen Klartext sprechen und den Menschen sagen, was los ist.

Warum ist denn Armut so ein heikles Thema? Es gibt ja stapelweise Armuts- und Reichtumsberichte. In Baden-Württemberg wird ja jetzt zurückgehalten. Es gibt eine Kommission bei Frau Nahles, die versucht, den Armutsbegriff neu zu definieren. Warum ist das Thema so heiß?

Jeder, der Armut anspricht und Armut diagnostiziert, stellt der Politik ein Armutszeugnis aus. Das ist es, was den Umgang mit dieser Problematik gerade für die Politik so ungeheuer schwierig macht.

Und warum stehen Sie weitgehend allein mit dieser Position?

Wir stehen ja nicht ganz allein da. Wir haben die Gewerkschaften auf unserer Seite, wenn es um Armutsbekämpfung geht.

Doch eher verhalten. Die vielen Untersuchungen werden doch von der Politik nicht einmal mehr aufgegriffen?

Sehen Sie beispielsweise ver.di und gerade den Vorsitzenden von ver.di, Frank Bsirske, der immer sehr klare Worte findet. Auch haben wir die meisten Wohlfahrtsverbände auf unserer
Seite, auch die Sozialverbände, wie den VdK beispielsweise, wo Frau Mascher, die Vorsitzende, außerordentlich präzise Worte findet. Wir sind nicht alleine!

Und trotzdem tut sich nichts. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Es hätte sich beinahe was getan. Wir hatten im letzten Bundestagswahlkampf 2013 eine Mehrheit der Bevölkerung hinter uns, die eine andere Steuer- und Finanzpolitik wollten und die eine Politik wollten, die auch Armut bekämpft. Wir hatten dann nach den Wahlen im Bundestag eine Mehrheit unter den Fraktionen, die genau mit diesem Versprechen in den Wahlkampf gegangen waren. Es war dann in der Tat erst die Entscheidung der SPD, eine Große Koalition zu bilden und es war die Abkehr des SPD-Vorsitzenden Gabriel von dem Wahlkampfversprechen, die dann dazu führten, dass sich in dieser Legislaturperiode so gut wie nichts bewegt in Sachen Armutsbekämpfung.

Die Arbeitsministerin möchte den Armutsbegriff auch auf die wirklich Bedürftigen konzentrieren.

Frau Nahles hat wirklich eine sehr perfide Argumentation gefahren. Was sie nämlich damit sagt, ist, dass die anderen gar nicht bedürftig sind. Hier braucht es überhaupt keine politische Intervention. Das Ziel dieser Aktion ist klar: Sie will den Armutsbegriff kleinraspeln, sodass er mit den bescheidenen Mitteln, die sie von Herrn Schäuble bekommen hat, überhaupt bearbeitbar wird. Nur sie wird damit in Deutschland das Problem der tiefen Spaltung zwischen Arm und Reich, das Problem, dass Millionen von Kindern mittlerweile abgehängt sind, niemals lösen können. Was sie löst, sind ihre parteipolitischen Probleme und ihre naheliegenden Alltagsprobleme als Ministerin.

Ist das realistisch, dass der bislang gültige und eingeführte "Armutsbegriff" korrigiert und neu definiert wird?

Wir können uns darauf einstellen, dass Frau Nahles weiter versuchen wird, den Armutsbegriff auf tatsächliches Elend zu reduzieren, sodass das Thema verschwindet. Wir können aber auch versprechen, dass das nicht gelingen wird, weil wir, der Paritätische, andere Wohlfahrtsverbände und viele Wissenschaftler, sehr lautstark dagegenhalten werden.

Was ist die Motivation der Politik, die Armutsthematik zu regulieren?

Die Politik weiß sehr gut: Wenn sie wirklich Armut bekämpfen wollte, müsste sie in Deutschland tatsächlich umverteilen. Sie müsste den Reichen nehmen. Sie müsste die Erbschaftssteuer erhöhen. Sie müsste die Vermögenssteuer einführen. Sie müsste die Spitzensätze in der Einkommenssteuer erhöhen. Sie müsste einer Klientel wehtun, die ja offensichtlich sehr wichtig ist. Das will sie nicht und deswegen leugnet sie Armut, deswegen schreibt sie Armut klein.

Es geht also um einen Verteilungskonflikt.

Wir haben in Deutschland einen großen Verteilungskonflikt. Wir haben mittlerweile zehn Prozent in der Bevölkerung, der gehört 60 Prozent des gesamten Vermögens. Andersrum haben 70 Prozent kaum was, leben von der Hand in den Mund, und die Reichen, je reicher sie werden, wollen immer weniger abgeben. Das ist ein Verteilungskonflikt. Die jetzige Bundesregierung ist klar auf der Seite derer, die nicht abgeben wollen.

Aber selbst die Wohlfahrtsverbände sprechen hier nicht mit einer Stimme.

Das hat mich sehr erstaunt, dass wir auch in den Wohlfahrtsverbänden plötzlich Stimmen haben – wie etwa aus dem Caritasverband heraus –, die sagen: "Mit der Armut ist es doch eigentlich gar nicht so schlimm, wie der Paritätische und alle anderen Verbände behaupten." Es ist außerordentlich erstaunlich. Es schwächt natürlich unsere Position, das muss man ganz klar sagen. Ich finde es bedauerlich und ich denke, dass innerhalb der Caritas darüber wohl auch nochmal diskutiert werden wird.

Sie reden ja wie ein Politiker, ganz diplomatisch.

Ich bin ein Politiker.

Warum reden Sie nicht mit der Caritas, argumentieren und belegen ihre Einschätzungen der Lage?

Wir haben einen Austausch mit der Caritas darüber, aber die Position, die in diesem Falle der Generalsekretär der Caritas vertritt, sind an der Stelle relativ unversöhnlich.

Kritiker wie der DIW Präsident Wagner sagen, dass bei vielen als arm definierten Bürgern deren Erbschaften, Wohnungseigentum und andere Vermögenswerte aus der Statistik fallen und sich deshalb ein Zerrbild ergibt?

Es gibt kein ganz anderes Armutsbild, wenn man Erbschaften, Vermögenseinkünfte etc. mit berücksichtigt, weil die Leute mit dem kleinen Einkommen keine großen Vermögen haben. Die haben keine Villen und keine Schlösser und keinen Bentley in der Garage. Die haben einfach nichts, das ist so. Die großen Vermögen, auch die großen Grundvermögen, Häuser, ganze Wälder, sind bei denen mit dem ganz starken Einkommen, nicht bei denen mit dem untersten in der Skala. Von daher greift dieses Argument nicht.

Sie arbeiten ja schon lange am Konfliktthema Armut. Was ist ganz persönlich Ihre Strategie? Wie wollen Sie das Thema in den nächsten Jahren angehen?

Um Armut öffentlich zu diskutieren und erfolgreich bekämpfen zu können, müssen wir die Menschen mitnehmen. Wir müssen den Menschen beibringen, Armut zu erkennen, Armut zu sehen und Mitmenschlichkeit zu entwickeln. Wenn wir Armut erfolgreich bekämpfen wollen, müssen wir bei den Menschen ansetzen. Es geht auch darum, dass wir Menschen zu mehr Solidarität und zu mehr Menschlichkeit erziehen. Dann haben wir eine Chance. Dann kann die Politik gar nicht mehr anders als der Bevölkerung und den Wählern zu folgen.

Wir haben Schulklassen gebeten: "Teilt uns mit, fotografiert, bastelt, macht was. Was ist für euch Armut?" Wir wissen aus den Jugendverbänden, dass solche Arbeit passiert, dass man hingeht und sagt: "Wir suchen arme Menschen auf, die man nicht sofort erkennt und auf den Straßen sieht." Ich glaube, das ist erfolgsversprechend. Es ist ein langer, aber nur dieser Weg über die Menschen führt zum Erfolg.

Wer ist in dieser Gesellschaft stärker? Die Armen oder die Reichen?

Im Moment sind die Reichen in dieser Gesellschaft ganz klar die Stärkeren. Da müssen wir uns nichts vormachen. Es ist unsere Aufgabe, das politisch zu ändern.

Ist ihre Engagement nicht eine Art Sisyphosarbeit?

Wenn es wirklich eine Sisyphosarbeit sein sollte, Armut zu bekämpfen, dann kann ich mit Camus sagen: Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.

Info

Leif trifft ...: Sendung am 16.3.2016 um 20.15 Uhr "Das arme Deutschland - kein Wohlstand für Alle" von Thomas Leif und Harold Woetzel

Kommentare (21)

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Ehemaliger Nutzer 15.03.2016 | 15:37

Solange die Gesetze von Menschen gemacht werden, die für ein Frühstück mehr bezahlen, als sie einem Hartz4-Bezieher für den ganzen Monat zugestehen (um mir damit alle anderen "Vergleichsbeispiele" zu ersparen) - die Unfähigkeit und Dummheit mit Boni belohnen lassen - gibt es eine gewollte Polarisation in der Gesellschaft - alles andere halte ich für billigste Verdummung breiter Bevölkerungsschichten, die sie wohl auch noch selbstgewählt haben.

zelotti 15.03.2016 | 16:37

Es muss wieder Solidarität gelebt werden in der Gesellschaft, aber dagegen will eben die Einwanderungslobby mit ihrer ethnischen Diversifizierung vorgehen, indem sie immer wieder neue Reibungspunkte schafft als kulturelle Brandstiftung der Entsolidarisierung in der Gesellschaft. Es folgt der Neoliberalismus, das Land der vermeintlichen Freiheit und tatsächlichen Schutzlosigkeit.

SigismundRuestig 15.03.2016 | 18:34

Die Themen Mittelschicht, kalte Steuerprogression, Rentenniveau, Erbschaftsteuer, Versicherungsbeiträge, Sozialstaat, Schere zwischen Arm und Reich etc müssten einmal im größeren Zusammenhang diskutiert werden. Dass die Ungleichheit bzw. soziale Spaltung seit Jahren zunimmt, dürfte wohl unstrittig sein. Eine der Konsequenzen: die Mittelschicht (entspricht 26% der Nettoeinkommen) trägt rd. 54% zu den Beiträgen der Sozialversicherung bei, die Reichen (entspricht 11% der Nettoeinkommen) nur rd. 6%. Und jetzt will die Union einmal mehr die Lasten der Flüchtlingspolitik durch die Verlängerung des Soli vorwiegend den Steuerzahlern und damit der Mittelschicht aufbürden!Die Grundfrage ist: wohin steuert unsere Gesellschaft in der Frage einer gerechten und angemessenen Einkommens- und Vermögensverteilung? Wer hat wann beschlossen, dass wir heute in Bezug auf diese Verteilung da stehen, wo wir stehen? Wer legt fest, wo wir morgen stehen wollen? Mit welchen Maßnahmen? Um diese Grundfragen drückt sich unsere Politik herum und beschließt bzw. unterlässt Maßnahmen, die letztlich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen, obwohl das kein Politiker so benennt und zugibt.Es gäbe eine Maßnahme, die auch das Problem der demographischen Entwicklung (Alterung, Bevölkerungsrückgang, immer mehr Rentnern wie auch Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung stehen immer weniger Beitragszahlern gegenüber) berücksichtigt: auch große Einkommen und Vermögen (also auch die Produktionsfaktoren Kapital und Boden) beitragspflichtig machen. Dazu gehört auch die paritätische Beitragsübernahme der Arbeitgeber für Renten/Kranken/Arbeitslosen/Pflegeversicherung.
Bis das passiert, mein Tip:http://youtu.be/mQvThNJkKb
Ein Lichtblick: das Bundesverfassungsgericht hat bei der Erbschaftsteuer mal wieder eine verfassungskonforme Wegweisung gegeben (Eigentum verpflichtet). Auch wenn die Politik erwartungsgemäß dem nicht folgen wird (wie z.B. das von der CSU angekündigte Veto zu Schäubles Vorschlag belegt). Und dass die Familienunternehmer aus allen Rohren schießen, war wohl nicht anders zu erwarten. Zu anderer Gelegenheit singen sie ebenso inbrünstig das hohe Lied des Leistungsprinzips. Nur: Erben ist keine Leistung! Eine Erbschaft ist ein "unverdientes" Vermögen!
Und in der bayerischen Verfassung ist verankert: „Die Erbschaftssteuer dient auch dem Zwecke, die Ansammlung von Riesenvermögen in den Händen einzelner zu verhindern.“ (Art. 123 Abs. 3) Ob das der wirkliche Grund für das angekündigte CSU-Veto ist?
Und was hört man von der SPD? Schweigen im Walde.Scheint die Politik weiterhin zu ignorieren! Statt dessen wirbt Kauder um Verständnis für Deutschlands Reiche!
Mein Tip:
http://youtu.be/0zSclA_zqK4
http://youtu.be/-5X2P5J6MiA
http://youtu.be/QqoSPmtOYc8Was sagt der Bundestag?http://youtu.be/QGOx8I0COYg
Rock-Blogger und Blog-Rocker Sigismund Rüstig posted auf multimediale Weise Meinungen und Kommentare zu aktuellen Reiz-Themen in Form von Texten und Liedern.


Von meinem iPad gesendet

Weise 15.03.2016 | 18:51

Ulrich Schneider hat Recht. Er erwähnt aber nicht die sinkenden Reallöhne, die sinkende Kaufkraft wegen der wegretuschierten Inflation und die allgemeine drohende Altersarmut aufgrund von Nullzinsen. Alle diese negativen Entwicklungen betreffen auch und gerade die Mittelschicht, welche von Frau Merkel mit einem Federstrich zur Unterschicht hinzugefügt wird. Darin sehe ich das Hauptproblem. Die Lage ist viel, viel schlechter als die Stimmung.

schna´sel 15.03.2016 | 19:19

"Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband"

Wer glaubt denn solchen Schwarzmalern? Die gefährden uns fahrlässig, wenn sie uns mit ihrer Baumwollpflücker Musik die AfD auf den Hals hetzen. Meinte jedenfalls der Spiegel noch vor weniger als einem Monat, als der Armutsbericht der Paritätischen Wohfahrtsverbandes veröffentlicht wurde:

Der gefährliche Blues vom bitterarmen Deutschland

»Es ist fahrlässig, den Eindruck zu erwecken, dass es vielen Menschen in Deutschland immer schlechter geht. Wer wider besseres Wissen so tut, als könnten immer mehr Männer und Frauen trotz harter Arbeit oder gestiegener Hartz IV-Bezüge kein würdiges Leben führen und zum Beispiel ihren Nachwuchs nicht mehr angemessen ernähren, der handelt verantwortungslos. Er trägt weitere Unruhe in jene Teile der Bevölkerung, die wegen der Flüchtlingskrise ohnehin schon verunsichert sind, und treibt denjenigen Wähler und Unterstützer zu, die einfache Antworten liefern.

Es kann also sein, dass Blues-Sänger Schneider einige neue Fans bekommt, die er sich nicht gewünscht hat. Zum Beispiel AfD-Politiker, NPD-Wirrköpfe und Pegida-Gröhler

Nur damit jeder weiß, wer für die aktuellen Wahlergebnisse wirklich verantwortlich ist: Der Paritätische Wohlfahrtsverband und andere Heulsusen, die einfach nicht in ihren Kopf kriegen wollen, wie gut sie es bei uns haben.

549rosen 15.03.2016 | 19:53

Wie kann man es erreichen, dass in einem Interview mit einem

Manager eines Sozialkonzerns, nicht einmal das Wort

"neoliberale Sozialpolitik" oder bei der Ursachenanalyse von Armut, Hinweise auf die EU-Verträge von Maastricht (europäischer Niedriglohnsektor, aktive Arbeitsmarktpolitik etc.) und Lissabon vorkommen? Das geht nicht mehr! Das ist Entpolitisierung einer humanistischen Misere.

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Ehemaliger Nutzer 15.03.2016 | 22:57

wie das erreichen kann?

Mit argumentativer Disziplin vlt, die sich Monokausalitäten erspart?

Weil "da oben" die Luft längst nicht mehr nur dünn ist.

"Die" Systeme werden alle wie sie da sind an Grenzwertigkeiten gefahren: damit werden sie zusehends anfälliger für Inkohärenzen.

"Das Ding" schwappt derzeit so nahe am Umkippen, dass man sich fragen könnte - welchen Sinn es machen sollte, es fallen sehen zu wollen

Richard Zietz 16.03.2016 | 07:23

Um das Ganze auch mal mit (kontruktiver) Kritik zu flankieren: Nach wie vor sind die diversen Armutsberichte Informationen, die mehr oder weniger im Giftschrank eingelagert sind – schwer erhältlicher Stoff für Expert(inn)en, den man zusätzlich auch noch entsprechend dechiffrieren muß. Dass die GroKo kein Interesse hat, entsprechende Untersuchungen zu publizieren (und bei einer selbst in Auftrag gegebenen Untersuchung – was seinerzeits Skandal war – inhaltliche Eingriffe vorgenommen hat), liegt auf der Hand. Dass die Wohlfahrtsverbände wie der DPWV oder Gewerkschaften ihr Material nicht allgemeinverständlich aufbereiten und damit offensiv in die Öffentlichkeit gehen, ist allerdings schlichtweg unverständlich.

Eigentlich fängt die Info-Schieflage bereits bei diesem Interview an. Warum wird nicht auf eine Erklärung oder andere Publikation des DPWV (oder von Herr Schneider) verlinkt? Wieso kein Online-Link zu dem FAZ-Beitrag des Caritas-Generalsekretärs? Wer Armut skandalisieren will, sollte offensiv mit seinen Infos umgehen. Offensiv heißt: für die breite Masse. Sonst bleibt das Ganze Lobbypolitik – gutgemeint zwar, aber unterhalb einer Schwelle, ab der Zahlen wirklich was bewirken könnten.

Deep Thought 16.03.2016 | 10:12

Danke für diesen Aspekt, Herr Zietz.

Wirklich schade, dass diese Berichte nur über die Medien Verbreitung finden, denn es ist von dieser Gesellschaft nicht zu erwarten, dass Mediennutzer nach Lektüre eines solchen Artikels oder Ansehen eines Fernsehbeitrags dazu versuchen, sich selbst schlau zu machen (dank dem eigentlich Internet nun wirklich kein Problem mehr; ich frage mich ja, wie das vor 50 Jahren funktioniert hat).

Deep Thought 16.03.2016 | 10:35

Das klingt ziemlich depressiv.

Um etwas daran zu ändern, müssten wir, die Bürger, uns aufraffen und sagen, was wir von unseren Vertretern in der Politik wollen.

Aber das ist angesichts der in der Gesellschaft weitverbreiteten, politischen Apathie unwahrscheinlich.

Da braucht man sich nicht zu wundern, dass dieser kritische Zustand irgendwann zu Protestbewegungen wie PEgIdA oder Protestparteien wie der AfD führt. Selbige (PEgIdA noch mehr als die AfD) haben auf irrationaler, intuitiver Bewusstseinsebene recht, da etwas in diesem Staate oberfaul ist.

Nur politisch werden sie wohl nichts konstruktiv ändern können.

Nur dabei zuzusehen, ist allerdings zu wenig.

Dabei ist es unabdingbar, sich nicht nur auf "abstrakte" Diskussionen und Schuldzuweisungen zu beschränken, und stattdessen zu schauen, wie es ist, zu überlegen, wie es sein sollte, zu planen, wie das umzusetzen wäre, und schließlich dieses umzusetzen.

Die Frage ist nur, ob wir diese Aufgabe auf Politiker abwälzen oder selber aktiv werden ...

Nil 16.03.2016 | 12:03

Danke für das Interview. Es führt kein Weg dran vorbei, dass unter anderen Massnahmen, die klufft zwischen Armut und Supersuper-Reichtum zu minimieren. Gangbare Vorschläge gebe es zur genüge. Wenn denn die Grünen und Linken sich weiter zu integraleren Weltsichten entwickeln würden. Diese Lernunfähigkeit und wiederholen des Ewig unzureichenden gestrigen Gedankenguts verhindert das auftauchen von neuen integraleren Bewusstseinstrukturen.

Hier einige Vorschläge aus integraler Perspektive:

Positionen

Integrale Erziehung und Bildung – kurze FassungVollversionStellungnahme der IP zum Lehrplan 21

Integrale Gesundheit – kurze FassungVollversion

Integrale Wirtschaft – kurze FassungVollversion

Integrale Migrationspolitik – kurze FassungVollversion

Integrale Friedensarbeit – Vollversion

Integrale Gesellschaft – Vollversion

Integrale Klima- und Energiepolitik – Vollversion

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2016 | 13:57

Aber das ist angesichts der in der Gesellschaft weitverbreiteten, politischen Apathie unwahrscheinlich.

Wenn Sie damit "Parteienpolitik" meinen sollten, dann würde ich zustimmen, denn Mobilisierung von Nichtwählern und beflaggte Spaziergänge könnte man ja auch anders deuten. In Ihrem Sinne gibt es doch jede Menge "Aktivitäten" , welche auch medial noch reichlich begleitet werden.

Genau! Es ist was oberfaul! Und das ist das System, dass sich medial und praktisch präsentiert. Die wirklich Aktiven sind darin öffentlich nicht sichtbar - doch mit einer guten Lupe kann man sie finden und sich ihnen anschließen.

rioja 17.03.2016 | 10:22

Reichtum teil man nicht. Die Eliten lebten seit ewig im Rausch, so auch heute. Politiker sind nur ihre willigen Vollstrecker, völlig abhängig. Den notwendigen Paradigmenwechsel verweigern sie. Sie planen den Aufstand mit ein. Von der smart city aus werden die no goes überwacht, gesteuert und ggf. militärisch betreut. Dank BIG DATA können sie schon bald präventiv eingreifen. Wer es ok findet, dass 62 SuperReiche soviel besitzen wie die Hälfte der Menschheit, der hat sich entschieden. Sie gehen lieber mal eben wieder kurz unter, um dann wieder rasch ganz oben zu sein, dank der ewig neuen Elitenkontinuität. in god we trust

Deep Thought 21.03.2016 | 10:53

Verzeihen Sie meine unklare Formulierung.

Mein Begriff von politischem Aktivismus "beschränkt" sich auf Aktionen, hinter denen konstruktive Verbesserungsvorschläge stehen.

PEgIdA/AfD fällt nicht unter diese Definition, da die von ihnen vorgeschlagenen Alternativen einen Rückschritt unserer Gesellschaft, sozusagen eine Destruktion, unserer Moral, Sitten und unseres Weltbilds bzw. unserer Einstellung zum Rest der Welt bedeutet.

Ich bitte um Verzeihung für meine ungenaue Formulierung und hoffe, diesem nun abgeholfen zu haben.

Deep Thought 21.03.2016 | 10:59

Vielen Dank übrigens für den Hinweis auf den bedauerlichen Umstand, dass die Medien zwar 24/7 Nachrichten über den Krawall bringen, wirklich Aktive aber gekonnt ignorieren, auf dass ihre Aktionen ungehört verhallen mögen.

Ich hoffe wirklich, dass sich folgendes Zitat von Gandhi bewahrheiten wird:

"Zuerst schweigen sie Dich tot; dann lachen sie Dich aus; dann bekämpfen sie Dich; dann gewinnst Du."

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Ehemaliger Nutzer 21.03.2016 | 15:28

Die schlimmste Lüge ist die Halbwahrheit,

oder der Wurm am Angelhaken, der nur dort hängt, damit du geschlachtet werden kannst.

Wer diesen Zusammenhang nicht sehen kann, hat schon verloren und dafür sorgt der Angler immer besser.

Wenn bei der "Wahrheitsverkündung" auch nur der geringste Zweifel bleibt, sollte jeder von einer raffinierten Lüge ausgehen. Menschen (besonders Journalisten) könnten das ja einfach machen: "wer nicht fragt bleibt dumm"