Michael Lühmann
17.09.2014 | 12:50 27

Die Kräfte der Gegenreform sind angetreten

Regression Die AfD ist mehr als eine Sammlung eurokritischer Stimmen mit rechtspopulistischen Versatzstücken – sie ist der Gegenentwurf zur Liberalisierung der Bundesrepublik

Die Kräfte der Gegenreform sind angetreten

Familie in Ostpreußen, 1937 (deutlich besser als die von der AfD geforderte Drei-Kind-Normalfamilie: neun Kinder)

Foto: Schöning/ imago

Genderei. Ein Wort der AfD-Spitzenfrau Beatrix von Storch, welches in Abwandlungen durch die Wahlprogramme der AfD geistert, ist wohl der deutlichste Ausdruck einer Ablehnung des Bemühens um Liberalisierung und Anerkennung von Lebens- und Selbstentwürfen, welche der AfD suspekt ist. Doch damit bei weitem nicht genug. Links-grüner Meinungsmainstream, das Recht auf Abtreibung, Patchwork-Familien, die Gleichstellung von Mann und Frau, die Gleichstellung von Lebensentwürfen, die Akzeptanz der Homo-Ehe, ein aufgeklärtes Geschichtsbild, der Ausbau der außerfamiliären Kinderbetreuung, die Säkularisierung der Gesellschaft, die europäische Integration, die Ökologisierung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Es gibt kaum ein Feld erreichter Liberalisierung der Bundesrepublik seit den sechziger bzw. siebziger Jahren, welches die AfD nicht gern wieder zurücknehmen würde um die Bundesrepublik wieder zurückzuversetzen in jene Zeiten, welche man nach Adenauer überwunden glaubte. Eine Rückkehr zu Ludwig Erhardt ist dabei nur die wirtschaftspolitische Speerspitze, die in der öffentlichen Wahrnehmung verdeckt, dass die konservative Gegenreform à la AfD weit darüber hinaus zielt.

Unproduktive Ehen und der Schutz des Lebens

Drei-Kind-„Normalfamilie“, häusliche Erziehung und ein Verbot von Abtreibung sind dabei die Kernpunkte eines AfD-Konservatismus, der vor allem in evangelikalen und streng katholischen Zusammenhängen noch mehrheitsfähig ist und über die neue Partei rechts der Union wieder in die Politik strömt. Dabei geht es aber nicht allein um die Rückabwicklung mancher nachvollzogener Liberalisierung der Union der vergangenen Jahre. Sondern um die Rückabwicklung dessen, was seit den sechziger, vor allem aber seit den siebziger Jahren immer weiter in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen ist.

So sinnvoll ein Überdenken des Ehegattensplitting sein mag, geht es der AfD dabei eben nicht um die Anerkennung unterschiedlichster Lebensentwürfe, sondern um eine Rückkehr zur klassischen, mindestens drei Kinder hervorbringenden Ehe, die dann in klassischer Arbeitsteilung von männlichem Alleinverdiener und zu Hause erziehender Mutter ihre ideale Ausformung erhält. Statt eines Nachdenkens über die Grenzen von Pränataldiagnostik und designten Babys geht es der AfD schlichtweg um die Rückabwicklung des mühsam erkämpften Selbstbestimmungsrechts von Frauen. Der radikale Lebensschutz in Verbindung mit manch völkischem Argument – etwa der Erhalt des deutschen Volkes, wie er im sächsischen Wahlkampf thematisiert wurde – feiert in der sogenannten Alternative wieder fröhliche Urstände.

Wider die links-grüne Öko-Meinungsdiktatur

Gleiches gilt auf dem Feld der Umweltpolitik und der europäischen Integration. Auch hier ist die „Alternative“ vor allem eine romantische Rückbesinnung auf Nationalstaat, D-Mark und Grundgesetz in Verbindung mit dem gesamten Arsenal der Klimaskepsis. Wenn die AfD über Umwelt und Natur spricht, wie etwa in Thüringen, dann meint sie damit – etwa auch in Anschluss an Oskar Lafontaine – Landschaftsschutz. Also die Verhinderung von Windkrafträdern in der deutsche Kulturlandschaft. Wenn die AfD von Vielfalt spricht, dann meint sie nicht europäische Gesellschaft, sondern nationale Gemeinschaft. Wenn die AfD von Meinungsfreiheit spricht, dann zielt sie auf den vermeintlichen links-grünen Konsens, der es nicht erlaube, einfach mal sagen zu können, was ist.

Deshalb ist es nur konsequent, dass die AfD die sogenannte "Sprachhygiene" der "veröffentlichten Meinung" anprangert, dass sie Gender-Mainstreaming ablehnt und dafür ausspricht, was das Volk denke. Deshalb benutzt die AfD in ihren Wahlprogrammen das Wort Asylant. Deshalb lehnt sie "Genderei" ab und möchte Kinder in der häuslichen Erziehung vor der "Hypersexualisierung" schützen, vor allem dann, wenn unter Sexualkundeunterricht die Lehre vom Vorhandensein sexueller Vielfalt meint. Dass sie trotz allem manche Errungenschaft der DDR in den ostdeutschen Wahlkämpfen lobt, ist dabei nur noch stimmenmaximierender Opportunismus.

Die Leiden an der Moderne

Mit der Umkehrung der Liberalisierungen ist die AfD dabei weitem kein neues Phänomen. Erst im Nachgang zu 1968 setzte das ein, was man unter konservativer Tendenzwende verhandelte in deren Nachgang die Union erst an Mitgliedschaften und dann an Wählerstimmen wieder zulegte. Erst im Nachgang der 1978er, von taz, tunix und Gründungsgrünen setzte Mitte der Achtziger, wenn schon nicht von Seiten der Politik, so doch innerhalb der nachwachsenden Generationen eine geistig-moralische Wende ein. Und nun, im Nachgang des grünen Höhenflugs, von dem erst die besonders grünenskeptischen Piraten und nun die AfD profitieren, kommt es zu einer elektoralen Bestätigung eines konservativen backlash à la Beatrix von Storch und Alexander Gauland.

Und damit ist man dann wieder beim Begriff der "Genderei". Kaum etwas überfordert die neuen konservativen Kulturkritiker mehr als die multiplen Möglichkeiten von Lebens- und Selbstentwürfen, bis hin zur Infragestellung von Geschlechterrollen und -normen, ja der Eindeutigkeit von Geschlecht an sich. Dass die Moderne ihre gesetzten Prämissen von Fortschritt und Wachstum in den siebziger und achtziger Jahren reflexiv hinterfragte, brachte manchen Konservativen zu den Grünen, manch anderen festigte es noch mehr im Unionslager. Dass nun aber die zweite Moderne nicht nur ihre Prämissen zur Disposition stellt, sondern jeden Einzelnen in etwas vermeintlich so unumstößlichem wie dem eigenen Geschlecht hinterfragt, ist den Kulturkritikern in der AfD der entscheidende Schritt zu weit.

Kurzum, die Freiheit, welche die selbsternannte Freiheitspartei meint, dampft die Multioptionengesellschaft wieder ein auf das Moral- und Familienmaß der Adenauer-Ära. Dass solche Forderungen zweistellige Bestätigung finden ist eine Herausforderung für eine Gesellschaft, die ihre Liberalität über viele Dekaden erkämpfen musste. Denn eine Partei, die einen solchen grundlegenden Wertekonflikt vor sich her trägt, dürfte doch nicht so schnell wieder verschwinden, wie manch monothematische Protestformationen vergangener Jahre.

Michael Lühmann, geboren 1980 in Leipzig, Politikwissenschaftler und Historiker, lebt und arbeitet in Göttingen

Kommentare (27)

Kowalski14 17.09.2014 | 14:54

damit ist wohl klar ersichtlich, dass diese Art von Liberalität immer mehr Abneigung findet, ein frühsexualisierter, einsamer, egoistischer, geschlechtsloser Konsummensch ist halt nicht ein Idealbild von einem Menschen. Ntürlich ist Toleranz whtig, aber alle Strömungen, die die Tradition und Familie als etwas positives sehen gleich als rechts abzustempeln ist ziemlich arm, finde ich, dann müsste ja die halbe Welt rechts sein.

BumbleBee 17.09.2014 | 15:20

Gestatten Sie mir festzustellen: "Et voilà!" Da ist er, Ihr Beweis! Und den Zuckerguss liefert "Kowalski" dann gleich noch im zweiten Kommentar hinterher! Es wäre vorzüglichst amüsant sich vergnügten Schrittes weiter durchs Leben zu bewegen auf diese Art der Beweisführung, wenn, ja wenn dort nicht so einfältig unterkomplexe Welterklärungsformeln eindimensionaler Prägung aus Richtung AfD und Co. kämen. Sie dämpfen das Vergnügen gar sehr... Meines zumindest. Und das, da nehme ich sie (die "Alternative") beim Wort, ist meine ganz eigene Freiheit, die ich mir hier nehme.

Uwe64 17.09.2014 | 16:47

Wirtschaftspolitisch ist die AfD eine FDP-Kopie. Eindeutig neoliberal, uach wenn Lucke immer von der "Sozialen Marktwirtschaft" spricht. Den Mindestlohn lehnen sie ab, einige wollten sogar Hartz-IV-Empfängern das Wahlrecht entziehen.

Die AfD, eine FDP-Kopie mit braunen Flecken.

Der einzige Trost: Entweder die FDP stirbt endgültig, oder die AfD verschwindet wieder unter 5 %. Für 2 neoliberale Parteien ist wohl auf Dauer kein Platz.

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Ehemaliger Nutzer 17.09.2014 | 17:04

...etwa der Erhalt des deutschen Volkes, wie er im sächsischen Wahlkampf thematisiert wurde...

Das allen Ernstes abzulehnen und im Umkehrschluß eine autoaggressive Politik betreiben zu wollen heißt nicht weniger als mit Hitlers Nerobefehlen zu sympathisieren. Ob bewusst oder unbewusst.

sabado 17.09.2014 | 17:33

Es gibt zahlreiche Menschen, die in ihrer Jugend froh waren, dem Mief der Adenauerzeit entronnen zu sein, die sich als freiheitsliebend und offen verstehen und sich mit der Gesellschaft und ihrem Diskurs weiter entwickelt haben. Menschen, die jederzeit für das Recht vom Minderheiten einstehen, ihr Leben nach ihrer Façon zu leben – und denen es nichtsdestrotz gewaltig auf den Wecker geht, wie die Lebensmodelle solcher Minderheiten derart übersteigert in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt werden.

Sind Regenbogen-Patchwork-Identitäten der einfachen Gewissheit vorzuziehen, ein Mann oder eine Frau zu sein? Ohne eindeutige geschlechtliche Identität aufzuwachsen ist das wenig beneidenswerte Schicksal einer Minderheit, die genauso wenige diskriminiert werden darf wie jede andere Minderheit. Zu betonen, dass sich trotz allem immer noch um eine Minderheit handelt und nicht um ein Rollenmodell für nachwachsende Generationen, setzt nicht voraus, sich als eindeutiger Mann oder eindeutige Frau als etwas Besseres zu fühlen, aber darf man denn nicht froh sein, wenigstens dies Problem nicht zu haben?

Es gibt auch Menschen, die in ihrer Jugend sich für die Sexualerziehung in der Schule stark gemacht haben und dennoch heute, mit wachsender Einsicht, Bedenken dagegen haben, Sechsjährige mit der Aufklärung über randständige Sexualpraktiken zu behelligen. Hier spürt man ganz deutlich noch die Reste der Ideologie der grünen Kinderfreunde von Anno dunnemals. Auch wenn die inzwischen an den Schaltstellen der Macht angekommenen „Alternativen“ sich noch so winden: die Literatur ist immer noch leicht zu finden, auch wenn viele, die sich heute deswegen schämen, sie weggeschmissen haben.

Und was soll daran eigentlich so erstrebenswert und fortschrittlich sein, dass beide Elternteile für ihr Überleben in einer zunehmend materialistischen Welt für Geld rackern müssen, statt ihrem Nachwuchs das Maß an Zeit und liebevoller Aufmerksamkeit zu geben, die nötig ist, um zu einem freien, selbstbewussten Menschen zu werden?

Von der Kinderkrippe über das Turboabitur zum Bätscheler, weiter zum Dauerpraktikanten, dann Zeitarbeiter beim Paketdienst, so sieht der typische Karriereweg der verunsicherten und zugleich angepassten Menschlein unter der von oben verordneten Regenbogenflagge aus. Nur wer ganz brav ist und nicht die falschen Fragen stellt, kann immerhin ein Bundestagsmandat ergattern oder eine Professur in der Genderforschung, oder wenigstens eine Umschulung zum Windkraftbeutelschneider.

Linke erklärten einst die „bürgerliche Kleinfamilie“ zur Keimzelle des Faschismus. Aus dieser Ecke kommt vermutlich die aufdringliche Propaganda gegen Mütter, die sich dafür entscheiden, sich vorrangig der Erziehung ihrer Kinder zu widmen. Der kleine finanzielle Ausgleich durch die als solche diffamierte Herdprämie beträgt allenfalls einen Bruchteil der Ausgaben für einen Krippenplatz. Der enorme ideologische und finanzielle Aufwand, der getrieben wird, um auch noch das letzte Kind so früh wie möglich in eine staatliche Einrichtung stecken zu können, dient ganz gewiss nicht dem Ziel der Selbstverwirklichung von Kindern und Müttern, sondern der Formierung der Gesellschaft im Interesse des Kapitals, liebe Linke! Ist es reaktionär, darauf hinzuweisen?

Diese und weitere Widersprüche zwischen dem von oben verordneten synthetischen Weltbild und der real wahrgenommenen Lebenswelt sind es, samt dem Unvermögen der etablierten Parteien, sie schlüssig zu erklären, statt ihre unverstandenen Wähler und Nicht-Wähler zu beleidigen, die diese in Scharen zu einer heterogenen Protestpartei wie der AfD überlaufen lassen. Spätestens wenn überall die dritte Toilette vorgeschrieben wird, wähle ich die auch.

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Ehemaliger Nutzer 17.09.2014 | 17:43

Die AfD wird von den Medien als potemkinscher Popanz aufgebauscht, damit man sich nicht mit den wirklich reaktionären Kräften und ihren Taten beschäftigen muss. Ein typisches Beispiel für Gegenaufklärung.

Das die Gesellschaft bisher liberalisierendste Regierungsprogramm in der Bundesrepublik stammte von Willy Brandt. Gegen dieses Programm liefen die damals wiedererstarkten und wiedergekehrten Laissez-faire-Wirtschaftsliberalen und die Rechten aller Parteien [CDU/CSU-SPD-FDP] sturm.

Die liberale und sich in den 1970ern weiter liberalisierende Bundesrepublik mit dem Radikaldemokraten Gustav Heinemann als Bundespräsidenten, dem Widerstandskämpfer Willy Brandt als Bundeskanzler und dem linksliberalen Walter Scheel als Außenminister wurde von der RAF-Mörderbande angegriffen und mit ihrem langjährigen Terror nachhaltig geschädigt.

Nach der RAF hatten wir die Rasterfandung, Grundrechtseinschränkungen sowie weniger bürgerliche Freiheitsrechte und bekamen Helmut Kohl als Kanzler. Welch ein Zufall.

Den Rest besorgten die Steine- und Brandsatzwerfer aus grün-alternativen und autonomen Kreisen. Man erinnere sich bspw. der Anti-AKW-Demonstrationen und der gegen den Bau der Startbahn West in Frankfurt. Einer der Steine- und Brandsatzwerfer wurde gar später Minister und Kriegstreiber; eine Ungeheuerlichkeit ohnegleichen, andererseits in der Logik der rabiaten, reaktionären, bürgerlichen Kräfte und derselben Herkunft bleibend.

Unter Kohl wurden bereits Arbeitnehmerrechte - die auch bürgerliche Freiheitsrechte sind - als auch andere Errungenschaften der Gewerkschaften bekämpft, eingeschränkt und abgeschafft. Gleichzeitig entpolitisierte, verdummte und infantilisierte Kohl die Gesellschaft unter tatkräftiger Mithilfe esoterisch-grün-alternativer Kreise sowie vor allem durch das private Fernsehn.

Scheinfreiheiten, wie die 'bunten Lebensstile' und ähnliches mehr, wurden von nun an bis heute als bürgerliche Freiheiten ausgegeben. Die der durch die Entstehung zweier biologischer Geschlechter auch bei den Menschen erst ermöglichten Evolution zutiefst widersprechenden 'Geschlechteridentitäten' erinnern deshalb übrigens nicht rein zufällig an den Kreationismus dumpfer US-amerikanischer religiöser Kreise. Nur so nebenbei.

Die FDP leitete 1982 mit dem Lambsdorff-Papier ihre spätere Selbstauflösung ein: man verzichtete damals auf gut 1/3 der Parteimitglieder, die aus liberaleer Überzeugung diese gegen die Bürger gerichtete rabiate Politik nicht mittragen wollten und konnten. Die SPD wiederholte dies gut 30 Jahre später bei sich selbst.

Zwischenzeitlich wurde der Ausländeranteil in der alten Bundesrepublik von einst (1951) 1% [ca. 1/2 Mio. von 50 Einwohnern} zu heute in den westlichen Bundesländer mehr als verzehnfacht [= 7,3 Mio. Ausländer von 65 Mio. Einwohnern in den westlichen Bundesländern]. Mit Folgen für die Lebensweise sowie mehr noch die Lebens- und Arbeitsbedinungen der einheimischen Bevölkerung. Die vorher in Deutschland nahezu nicht vorhandenen Muslime prägen heute die öffentliche Diskussion als auch die Lebensweise der nicht muslimischen Bürger, da die muslimischen Sonderrechte auf die gesamte Gesellschaft einen Einfluß haben.

Dazu schrieb der für die Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitende Politikwissenschaftler Erst Hillebrand u.a.:

'... In einer bitteren Ironie der Geschichte präsentieren sie [meine Einfügung: die sogenannten Rechtspopulisten] sich als Verteidiger der Liberalität der hedonistischen post-68-Gesellschaften, die alltagskulturell von religiös-kulturellen Normen vor allem des Islam in Frage gestellt werden. ... Die Linke hat die durch den Populismus artikulierte Unzufriedenheit niemals wirklich ernst genommen, sondern mit pädagogisierender Arroganz bei Seite gewischt. ...'

Letzteres stellen sogenannte Linke immer wieder unter Beweis.

Den Einfluss der ab 1989 möglichen und dann stattfindenden Osterweiterung der EU ebenso wie den Krieg gegen Jugoslawien und den Krieg in Afghanistan lasse ich hier aus, sonst würde es noch länger.

Von SPD&Grünen wurde dann mit ihrer Agenda 2010 und derem Kernstück SGB II die bisher beispiellosteste Abschaffung bürgerlicher Freiheitsrechte bei gleichzeitiger Zerschlagung von in über 60 Jahren errungenen sozialen Errungenschaften ermöglicht und vollzogen.

Da man nicht offen zu den wilhelminischen Arbeitshäusern zurückkehren konnte, schuf man die Verfolgungsbetreuung und das Strafsystem Hartz-IV, quasi als zeitgemäßen Ersatz. Das zeigt, wer die wirklich Reaktionären sind.

Gleichzeitig befreiten SPD&Grüne die Finanzmärkte von jeglicher Verantwortung und Haftung für deren Geschäfte: die Welt ist seit dem aus den Fugen. Und schütteten den Unternehmern durch Steuerbefreiungen zig Milliarden in den Hals. Seit dem haben die Menschen auch wieder die Freiheit in der Gosse zu landen. 'Das Gesetz in seiner majestätischen Gleichheit verbietet den Reichen wie den Armen, unter den Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen. Anatole France (1844-1924)'

Weil das noch nicht ausreicht, soll nach Vorstellungen von SPD, Grünen, Die Linke und Piraten die deutsche Gesellschaft auch noch jede Menge Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika und Nordafrika aufnehmen.

Angesichts all dessen bleibt mir nur noch Max Liebermann: 'Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.'

Heinz Lambarth 17.09.2014 | 19:26

Vorab. Wie bereits gelegentlich an anderen stellen angemerkt - wäre es sehr erquicklich, wenn sich SABADO, RORA1970 & Co. zu eigenen artikeln aufraffen würden, statt wirre, wenig zweckdienliche "kommentare" in die welt zu entlassen...

Zur sache selbst: Der artikel verfehlt das ziel (die AfD zu analysieren) sehr deutlich (zwei meter über's tor sozusagen).

Abgesehen von einigen (wenigen) ansatzpunkten wie "Genderei", die vielen (auch vielen frauen) auf die nevern geht, weil damit "veränderung" verbalisiert wird, die in wahrheit gar nicht stattfindet, ist die AfD keineswegs rückwärts gewandt. Sie kanalisiert verschiedenste unzufriedenheiten mit den "alt"-parteien und bringt sie "unter ein dach".

Statt also irgendwelche ecken auszugucken, wo die AfD hingestellt werden könnte, wäre es sehr viel wichtiger zu begreifen, warum die parteiendemokratie so jämmerlich am versagen ist.

Es ist die ironie der geschichte, dass die herbe kritik am parteienmodell selbst parteiförmig sein muss, damit wir die eigentlichen herausfoderung (allmählich) zu begreifen beginnen...

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Ehemaliger Nutzer 17.09.2014 | 21:27

Die Ideologie des Gender-Mainstream ist nichts als eine Selbstbereicherung einer ausdifferenzierten Soziologengarde, die sich über neue Auftragsforschung finanzieren will und um ihren Selbsterhalt besorgt ist. Es ist schon der reinste Wahnsinn wieviele Lehrstühle in der Genderforschung geschaffen wurde, während gleichzeitig bspw. Journalismus-Lehrstühle verschwanden. Es geht nicht darum, diese Forschung per se abzuschaffen - sondern sie einfach nicht unverhältnismäßig zu fördern. Was aber getan wird:

"2011 gab es 173 Genderprofessuren an deutschen Unis und Fachhochschulen, die fast ausschließlich mit Frauen besetzt werden. Die Förderung dieses Faches gehört zu den erklärten bildungspolitischen Zielen der Bundesregierung, SPD und Grüne sind auch dafür. Die Slawisten zum Beispiel, mit etwa 100 Professoren, sind von den Genderstudies bereits locker überholt worden. Die Paläontologie, die für die Klimaforschung und die Erdölindustrie recht nützlich ist, hat seit 1997 bei uns 21 Lehrstühle verloren. In der gleichen Zeit wurden 30 neue Genderprofessuren eingerichtet."

Es ist wie in allen Bereichen der Sozial- und Geisteswissenschaften - die Diskussion findet kein Ende und Theorien werden immer weiter gesponnen - bis sie abstrus radikal werden. Die Logik: Wenn ich nicht irgendas neues produzieren, verliere ich mein wissenschaftliches Existenzrecht. Insbesondere in den linkslastigen Forschungsfeldern der Post-Colonial Studies etc. hat sich das doch bewahrheitet, dort wurden Rassismusstudien soweit gesponnen bis sie fragwürdige eigene Rassismen reproduziert haben.

--> Harald Eia hat das medienwirskam bewiesen. Selbst das äußerst liberale Norwegen war gezwungen zu handeln und musste im Endeffekt Investionsvorhaben in dem Bereich wieder zurücknehmen. Im Sinne der Wissenschaftlichkeit.

lebowski 18.09.2014 | 00:23

Ich weiß jetzt nicht, ob J. Augstein an diesem Artikel mitgewirkt hat, aber nachdem Augstein letztens zur Gelassenheit gegenüber salafistischen Irren aufgerufen hat, sehe ich keinen Grund, bei der AfD Schnappatmung zu kriegen.

Und was das Eindampfen der Multioptionengesellschaft (was für ein fürchterlicher Sprachschmodder) betrifft, kann man eigentlich nur Gerhard Henschel zitieren, der angesichts eines Interviews, das Claudia Roth der "Bunte" gegeben hat, schrieb:

"Es war doch eine schöne Zeit, als die Bundesrepublik noch von alten Herren regiert wurde, von deren Gespaltenheit und Schals und Eßgewohnheiten und vulkanischer Liebessehnsucht man rein gar nichts wußte, weil sie dergleichen nicht in Doofi-Zeitschriften ausplärrten. Wahrscheinlich war auch Konrad Adenauer eher gespalten, was sein Aussehen anging, aber wenn er Probleme damit hatte, dann behielt er sie für sich, so wie auch Helmut Schmidt, Franz Joseph Strauß und Herbert Wehner niemals verrieten, wie sie ihre Beziehungen hinkriegten oder wo sie sich die Haare machen ließen. Daß wir im 21. Jahrhundert auch mit solchen Informationen aus Politikerinnenmund bepestet werden, ist das bleibende Verdienst von Tanja May, Dr. Hubert Burda und Claudia Roth, die es sicherlich noch weit bringen wird, als Elder Stateswoman im bebenden Liebesvulkan der Heinrich-Böll-Stiftung von Saint-Tropez."

Es lebe die Regression!

molodjez 18.09.2014 | 01:14

Die AfD hat neben ein paar bizarren stockkonservativen Forderungen ja auch einige Punkte, die gar nicht so schlimm klingen. Wenn die etablierten Parteien Themen wie innere Sicherheit, Einwanderung oder Euro-Rettung und Umgang mit der Ukraine-Krise so darstellen, als gebe es nur die eine (ihre) Lösung, dann müssen sie sich nicht wundern wenn eine Partei, die hier wirklich alternative Ansätze vertritt, Wähler gewinnt. Auch ich bin von diesem ganzen Gender-Mainstream-Kram befremdet, rege mich über die Bankenrettung auf, finde PC-Sprachregelungen zum teil idiotisch und einen ESC-Gewinner wie Conchita Wurst peinlich. Ich hab nicht AfD gewählt, doch kann ich Leute verstehen, die die gegenwärtige Politik-Richtung ablehnen.

michaelzg 18.09.2014 | 09:19

Viele Kommentare hier sind ein schlagender Beweis, dass die AfD tatsächlich den gesellschaftspolitischen Aufstand gegen eine humane, soziale und freiheitlich-demokratische Gesellschaft ist.

Sie stehen für die geistige Traditionen, die zu den brennenden Scheiterhaufen für Hexen und Homos des Mittelalters, bis hin zu den Gasöfen in Ausschwitz führten. Die immer eine Mehrheit und Moral zu schaffen suchen, die die Minderheit oder den Anderen ausgrenzen und niedermachen will.

In gewisser Weise, die europäische Version einer ISIS oder des Islamischen Staates.

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Ehemaliger Nutzer 18.09.2014 | 09:25

Sie verwechseln da was: nicht die AfD erzeugt die Stimmung, sie repräsentiert sie (nur).

Anstatt sich über die Repräsentation "AfD" zu ärgern, wäre es sinnvoller zu fragen, woher in einer angeblich "humane, soziale und freiheitlich-demokratische Gesellschaft" die Sehnsucht von ca. 10 % der Wähler (!) nach einer konservativen Partei rührt.

Naja, und das Ausgrenzen ist wohl wechselseitig!

Lethe 18.09.2014 | 12:52

Es gibt Probleme, die empfinden Politiker, Gesellschaftstheoretiker, Philosophen u.dgl. als bedrückend. Und es gibt Probleme, die empfinden "normale Bürger" als bedrückend. Beiden Problemmengen ist nur eine sehr begrenzte Schnittmenge gemeinsam.

Solange Problemlösungsstrategien etablierter politischer Parteien vorrangig die Probleme der erstgenannten Menge im Auge haben - und das haben sie -, darf es diese Parteien nicht wundern, wenn solche Parteien emporkommen, die zumindest optisch den Eindruck erwecken, die Probleme der zweitgenannten Problemmenge beheben zu wollen.

Dass die übergroße Mehrzahl der Normalbürger von der AfD genau so verraten und verkauft sind wie von jeder anderen Partei auch, bedarf keiner Erwähnung. Trotzdem ist nicht die AfD das Problem. Alle derzeitigen Parteien sind das Problem, alle miteinander und jede für sich. SPD, Linke und Grüne inklusive.

michaelzg 18.09.2014 | 20:24

Es gab Zeiten, da war eine Mehrheit der Bürger davon überzeugt, dass Frauen nicht geeignet sind, an politischen Entscheidungen teilzuhaben (selbst Frauen), das sie kein Recht auf eigenen Sex haben, dass Ehen zwischen Schwarzen und Weissen wieder die Natur sind, Rock und Roll Negermusik ist, lange Haare und Bärte bei Männern keinen arischen Mann zieren, Katholiken und Protestanten ebenso unversöhnliche Feinde sind, wie Franzosen und Deutsche, das Juden für alles Übel der Welt stehen. Diese Zeiten sind vorbei.

Es ist ja bezeichnend, dass die Kämpfer für den radikalen Islam gerade die sich aus den Allgemeinen Menschenrechten und der europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte ergebenden Grundfreiheiten Teufelswerk sind, weil sie Frauen gleichstellen, die Sexualitäten als Gleichwertig erachten, den Glauben von der Gesellschaft trennen und zur Privatsache machen.

Das ist sicher nicht einfach. Und es führt zu Fehlern und Fehlentwicklungen. Aber diese sind im Vergleich zu dem, was zuvor als "natürliche Ordnungen", als "anständige Gesellschaft" daher kam, sehr marginal.

Das ein (bei uns zum Glück kleiner) Teil der Gesellschaft glaubt, wie in alten Zeiten ein Recht darauf zu haben, ohne Konsequenzen, andere Menschen als Minderwertig oder Unterlegen zu brandmarken, ist ihr Problem.

susi sorglos 19.09.2014 | 14:30

Also,.. die linksalternativen Errungenschaften seit den 60er und 70er Jahren sind, finde ich, unbestritten. Aber die Herren und Damen Revoluzzer sind nun mal in die Jahre gekommen, haben Hartv IV nicht als grundrechtsverletzend erkannt, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Weil sie nun mal aus dem Bürgertum kamen und in ein neues Bürgertum übergegangen sind. Und die Diskurse von Bürgern haben für die da unten Ideologiecharakter. Das ist an den Unis so, wo immer noch von Integrationsdiskursen ausgegangen wird (z.B. Institut für Gewalt-und Konfliktforschung Uni Bielefeld über "Vorurteile"), die die soziale Realität von Klassengesellschaften nicht adäquat beschreiben. Das ist eine Form von Diskursherrschaft, die einem tatsächlich auf den Wecker fallen kann. Aber deshalb wähle ich noch lange nicht de Afd, deren Ergebnis nur zweistellig ist, wenn man ca. 50% Nichtwähler nicht mitzählt. Um die sollte man sich sorgen, denn die repräsentative Demokratie steht auf dem Spiel. Die AfD ist ein rechtsbrauner Sauhaufen, dazu muss man mehr nicht sagen. Amen.

karamasoff 19.09.2014 | 15:24

Sobald die AfD an den Machthebeln mithebeln wird, wird sie ihr Deckmäntelchen abwerfen. Sie wird weder den Euro reformieren, noch abschaffen, noch wird sie gegen TTIP sein, noch gegen neoliberale Gesamtprozesse vorgehen, noch irgendetwas am Statusquo ändern. Am Ende wird die AfD das was sie ist sein, ein Häufchen autoritärer, völkischer Asche vor sich hinglühend, um das Feuerchen der Mitte weiter mit Glühspan und Entendreck zu versorgen.

knattertom 19.09.2014 | 15:32

"Ohne eindeutige geschlechtliche Identität aufzuwachsen ist das wenig beneidenswerte Schicksal einer Minderheit, die genauso wenige diskriminiert werden darf wie jede andere Minderheit. Zu betonen, dass sich trotz allem immer noch um eine Minderheit handelt und nicht um ein Rollenmodell für nachwachsende Generationen, setzt nicht voraus, sich als eindeutiger Mann oder eindeutige Frau als etwas Besseres zu fühlen, aber darf man denn nicht froh sein, wenigstens dies Problem nicht zu haben?"

Sie beschreiben hier die "Zugehörigkeit" zu einer Minderheit und das "unnormale" als problematisch und "wenig beneidenswert". Damit enlarven Sie sich eindeutig als "Teil des Problems", denn durch Ansichten wie die Ihre, wird ein Leben ohne eindeutige geschlechtliche Identität erst "wenig beneidenswert". Denken überdenken!

rainerle 19.09.2014 | 19:11

ich bin fst 60 . auf einem klassentreffen vor 2 jahren beschwerte sich ein guter freund von mir über die einschulung seiner enkelin in eine berliner schule in berlin steglitz ( vornehm und teuer ) , dass seine liebe enkelin nun mit noch 5 blondis und dann nur schwarzköpfen in eine klasse gehen soll . er drückt sich vornehm aus. er ist geschaftsführer in einer großen märkischen baufirma . bei einer schuleinweihung in berlin weissensee kamen nur blondis zur einschulung. darauf ich . solln sie für 5 blondis eien eigene klasse machen oder für 25 blondis eine schule in gange halten . können den die kinder der schwarzköpfe was dafür ,dass ihre eltern mehr lust auf familie haben als die deutschen . solln doch eure kinder mehr kinder produzieren .

--- die deutsche familienpolitik ist scheiße -

es ist aber egal ob ein deutscher rote , blonde oder schwarze haare

hat , die schwarzköpfe kommen nach deutschland um deutsche zu werden und sind oftmals sehr ergeißig und deutscher als deutsch

die afd , fdp , und viele andere krieristen haben keine kinder , die lassen sich den arsch später von schwarzköpfen reinigen so wie sie ihr haushalt schon heute von den reinigen lassen . das sind die waren SOZIALSCHMAROTZER , kinder los und politik.

und weil sie keine nachkommen haben sterben sie aus !

keine angst vor vor rechts , die anderen vermehren sich schneller

karamasoff 22.09.2014 | 06:39

Die AfD ist auch die Neuauflage der Landvolkbewegung. Man beschränkt sich bislang auf Taschenbatterie und Wecker, denn der soziale Sprengstoff wird ihnen ja frei Haus geliefert. Wo diese, weitere, den radikaldemokratischen Grund des Nationsbegriffs aus dem Vormärz, pervertierende Bewegung endete ist bekannt.

„Die Nationen sind nichts Ewiges. Sie haben einmal angefangen, sie werden enden. Die europäische Konföderation wird sie wahrscheinlich ablösen.“ Ernest Renan (ein Theorie-Antisemit, für den Judentum und Islam der gleiche Feind waren).

Man befindet sich also in bester Gesellschaft, wenn man auch bei der AfD das Zeichen der EU und den roten Pfeil im Fähnchen prangen sieht.

Man wird weiterhin vergeblich die Müntzers und Aschers (Germanomanie) suchen.