E. Drewerman, S. Diehl, C. Hitchens et al.
05.04.2012 | 09:00 32

Die nächsten 10 Gebote, bitte

Moses reloaded Woran wir heute glauben sollten: Antworten von Eugen Drewermann, Sarah Diehl, Christopher Hitchens, ChristianBerlin und anderen

Die Zehn Gebote, heißt es immer, seien in Stein gemeißelt. Aber warum eigentlich? Wir haben Autoren gebeten, den Dekalog (in der reformierten Einteilung) zu überprüfen. Welche Gebote sind überholt? Welche müssen unbedingt bleiben? Und: brauchen wir neue?

1 Du sollst keine anderen Götter neben mir haben

Von Eugen Drewermann

Du_sollst_keine_Götter_neben_mir_haben.jpgDie Vorstellung, dass die Zehn Gebote ethische Grundregeln sind, ist weit verbreitet, aber falsch. Sie scheitert an den ersten drei Geboten – die sind nicht Ethik, die sind Religion. Und damit erscheinen sie im Rahmen einer modernen, liberalen staatsbürgerlichen Ordnung als überflüssig. Glauben mag jeder, was und woran er will, doch verpflichtend für jeden sind die Gesetze des Staates. Warum also brauchen wir dieses erste Gebot, diese Präambel, bevor es mit den Geboten so richtig losgeht?

Das erste Gebot spricht in absoluter Weise aus, dass Gott eine Person ist – also keine Naturmacht und kein Gesetz. Und es verlangt vom Menschen, dass er sich selber als Person in absoluter Weise auf Gott bezieht.

Wäre Gott nur Natur, genügte es, die paar Jahrzehnte hier auf Erden irgendwie herumzubringen. Einkommen, Auskommen und ein möglichst langes Leben – mehr stünde eigentlich nicht auf dem Spiel. Gott als Person zu denken, heißt, dass mit dem, was wir sind, als Einzelne, etwas gemeint ist, das sich weder ersetzen noch vertreten lässt.

Wäre Gott ein Gesetz – in der Natur, in der Moral –, genügte es, zu tun, was alle tun. „Ich habe nur meine Pflicht getan.“ Aber was, wenn das nur eine Ausrede ist? Was, wenn es nicht reicht, nur ein guter Bürger zu sein? Was, wenn es darauf ankommt, lieber das Gesetz zu brechen als das Herz eines Menschen? Gott als Person zu denken heißt, mit seiner eigenen Existenz gefordert und gefragt zu sein.

Gott sei Dank ist Gott nicht Staat, Politik, Wirtschaft. Denn nur Gott als Person ermöglicht, dass wir als Personen uns selbst identisch werden. Nur eine andere Person vermag uns zu versichern, dass sie uns mag und möchte; Gott als Person sagt uns das. Erst wenn in seinem Gegenüber wir mit uns zusammenwachsen, vermögen wir gegenüber anderen Menschen so zu sein, wie es sich „ethisch“ dann in den weiteren Geboten formulieren lässt. Das erste Gebot besagt, was Petrus einmal dem Hohen Priester frei heraus entgegnete: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Das 1. Gebot ist wichtiger denn je.

Eugen Drewermann, Theologe und Psychoanalytiker, kann sich ein Leben ohne Gott nicht vorstellen

2 Du sollst dir kein Bildnis machen

Von ChristianBerlin

Du_sollst_Dir_kein_Bildnis_machen.jpgDie Zehn Gebote wollen der Herrschaft des Menschen über den Menschen Grenzen setzen. Das zweite verbietet ihm sein gefährlichstes Instrument: Religion. In einem Wechselspiel aus Rausch und Askese versuchen Menschen seit je, dem Endlichen zu entfliehen und sich dem Göttlichen zu nähern. Das hat seinen Preis. Der Rausch benebelt, macht abhängig. Askese beinhaltet Gewalt. Gegen sich selbst, wenn man verzichtet oder entsagt, und gegen andere, die man vom religiösen Rausch befreien will.

Jesu Anschlag auf den Tempel, der Bildersturm der Reformation oder die Zerstörung der Buddha-Statuen durch die Taliban zeigen, wie intolerant Asketen sein können. Umgekehrt zeigen das Goldene Kalb, der Bau des Petersdoms und die Ablasspredigten zu seiner Finanzierung, wie leicht Massen für den Rausch zu begeistern sind.

Die Masse macht selbst aus Asketen wieder Idole und aus deren Visionen Ideologien. In Christi Namen wurden Menschen verbrannt und Kriege geführt. Es gibt aber kaum eine Idee, auch keine säkulare, in deren Namen nicht dasselbe passiert wäre. Die einzige Alternative dazu ist die Idee, die den Zehn Geboten zugrunde liegt: Die Reduktion des Zwangs auf das, was notwendig ist, um von Herrschaft und Zwang frei zu sein. In einem menschenwürdigen Dasein, das sich selbst genügt, erwächst der Freiraum, die Not anderer zu sehen und sich ihrer anzunehmen.

Aber auch wer diesen Weg zur Mitmenschlichkeit entdeckt hat, bleibt versuchbar. Kulte und Ideologien behaupten, eine Abkürzung ins Paradies zu kennen. Theologie auf der Grundlage der Gebote ist deshalb Kulturkritik und Sozialkritik. Lange vor Marx beginnt beides bei den Propheten Israels und setzt sich fort in den Gleichnissen Jesu. Im bekanntesten übersehen zwei Religionsdiener einen unter die Räuber Gefallenen und erst ein aus deren Sicht Ungläubiger bemerkt ihn und handelt. Selbst die Religion eines Gottes, der Religion eigentlich verbietet und Mitmenschlichkeit fordert, kann das Gegenteil bewirken.

Das 2. Gebot soll dringend bestehen bleiben.

Christian Johnsen, Pfarrer und freier Journalist, glaubt an Gott und bloggt auf freitag.de als ChristianBerlin

3 Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen

Von Constantin Seibt

Du_sollst_den_Namen_nicht_missbrauchen.jpgDieses Gebot eröffnet der Menschheit gleich drei Wege ins Finstere. Der erste Weg ist eine Triumphallee: Die Mächtigen rechtfertigen Pläne und Siege durch den Namen des Herrn. Der zweite Weg ist eine nächtliche Gasse. Hier lästern die Verlierer durch Flüche seinen Namen. Der dritte Weg ist der Weg der Kinder: das Gebet.

Ich war zarte sieben Jahre, als meine Mutter mich und meinen kleinen Bruder zu sich rief. „Sagt mal!“, sagte sie. „Könnt ihr eigentlich ein Gebet?“ – „Äh …“, sagten wir. – „Das ist ja eine furchtbare Bildungslücke!“, sagte sie. Und so brachte sie uns eines bei:

Ich bin klein/ Mein Herz ist rein/
Und niemand soll drin wohnen/
Als Jesus allein!

Darauf schloss ich einen Vertrag mit Gott. Ich bot zwei bis fünfzig Gebete für einen einzigen Wunsch pro Tag. Ich erinnere mich an einen Sommermorgen, als ich in die Schule ging und eine halb zertretene Schnecke sah. Mir wurde schlecht, und ich bot Gott zwei Gebete, damit ich die Schnecke wieder vergessen würde. Das tat ich auch, aber ich war dann sehr unglücklich, als es in der Turnstunde Fußball gab. Ich hätte fünfzig Gebete für ein von mir persönlich geschossenes Tor geboten. Ich spielte wie eine Gurke.

Erfüllte Gott meinen Wunsch, murmelte ich nachts zwei- bis fünfzigmal „Ichbinkleinmeinherzistreinundniemandsolldrinwohnenalsjesusallein“ in mein speichelfeuchtes Kopfkissen. Ich weiß nicht, waren meine Wünsche damals so bescheiden? Oder war Gott wirklich auf meiner Seite? Jedenfalls schaffte ich es irgendwann nicht mehr, meine Gebete abzuarbeiten. So endete mein Glauben an Gott mit schreckenerregenden 800 Gebeten Schulden. Der sicherste Weg zur Hölle ist mit erhörten Gebeten gepflastert.

Das 3. Gebot soll lauten: „Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen, ohne dabei ein wenig zu erschaudern.“

Constantin Seibt, Journalist, glaubt an die eigene Unschuld, auch wenn das immer schwerer wird

4 Du sollst den Feiertag heiligen

Von Jochen Schmidt

Feiertag.jpgIch orientiere mich ja eher an den Pioniergeboten („Wir Jungpioniere lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert“) als an denen aus der Bibel, deshalb kannte ich das dritte Gebot gar nicht.

„Du sollst den Feiertag heiligen“. Heißt das, ich darf nicht arbeiten? Das wäre ja schlimmer als Knast. Oder heißt es, dass ich nicht fluchen darf? So ein Scheiß! Dass ich keinen Alkohol trinke? Mache ich schon lange nicht mehr. Dass ich nur Fisch esse? Ist mir zu teuer.

Sonntage sind wie ein gesamtgesellschaftlicher Schienenersatzverkehr, eine Ahnung davon, wie das Leben mal sein wird, wenn man arbeitslos ist. In der Zeitung steht nichts und Bundesliga war schon gestern.

Und Feiertage? In meiner Jugend kamen am Karfreitag im Fernsehen nur Begräbnismusik, Zeichentrickfilme über die Kreuzigung und Dokumentationen über Hungersnöte, seitdem habe ich wohl eine Feiertagsphobie. Ich glaube auch, ehrlich gesagt, dass Feiertage nicht mehr zeitgemäß sind, man verbrennt doch auch keine Menschen mehr auf dem Scheiterhaufen.

Das 4. Gebot kann gestrichen werden. (Wobei ich eigentlich immer gegen jegliche Veränderung bin, aus dem Grund könnte man es dann doch wieder lassen).

Jochen Schmidt, Autor, ist Agnostiker, zum Apatheismus neigend

5 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren

Von Bruno Ziauddin

Eltern_ehren.jpgVom Pfarrer meines Vertrauens weiß ich: Das fünfte Gebot richtet sich, wie alle Gebote, nicht an Kinder, sondern an Erwachsene.

Also: Im Zug belauschte ich die Unterhaltung einer Mutter mit ihrer Tochter. Zwei distinguierte Hanseatinnen, die Tochter um die fünfzig, die Mutter über achtzig. Die alte Frau, klar im Kopf und interessiert an Neuigkeiten aus der Welt der Tochter, stellte Fragen. Harmlose, teilnahmsvolle Mutterfragen. Die Tochter antwortete kalt und unwirsch: Nein, keine Ahnung, ach komm, weißt du doch selbst, frag nicht so dumm. Sie benahm sich, als wäre sie ein Teenager, der sich über die lästigen Eltern ärgerte.

Einen Moment lang war ich versucht, ihr das mitzuteilen. Natürlich ließ ich es bleiben. Dies ist, was ich zu sagen gehabt hätte:

Eltern können unvermittelt sterben. So wie mein Vater. Am Morgen miteinander telefoniert, am Abend tot. Keine gut gemeinten Ratschläge mehr, kein irritierendes Suppengeschlürfe, kein überlautes Radiohören, keine pathetischen Bekundungen von Vaterstolz. Von einer Sekunde zur anderen: vorbei.

Eltern können krank werden. So wie meine Mutter. Gestern den Hochzeitstag gefeiert, heute die Krebsdiagnose. Aus der überfürsorglichen Mama wird innerhalb von Wochen ein abgemagerter, schmerzgepeinigter Pflegefall, dem man Tee löffelt, die Windeln wechselt und spätnachts, wenn die Verzweiflung am größten ist, die Hand hält.

Nur schon aus Eigennutz sollte man sich daher an das Gebot halten. Wer es zu Lebzeiten der Eltern versäumt, Frieden mit ihnen zu schließen, wird es später nicht nachholen können. Aber auch die Eltern selbst haben es, in den meisten Fällen, verdient. Und dieses Gebot macht es einem gar nicht so schwer. Ehren heißt nicht: blind verehren. Sich abnabeln, anders werden, als es der Masterplan vorsah, den Vater übertreffen, nicht auf die Vereinnahmungsversuche der Mutter hereinfallen: alles erlaubt.

Zu biblischen Zeiten war das Gebot eine Art private Rentenvereinbarung. Es ging darum, dass man für die Eltern sorgt, wenn sie alt und schwach sind, sie nicht aus der Sippe verstößt wie zwei lahmende Tiere, schließlich hatten sie einst selbst für ihre Kinder gesorgt.

Heute, wo es einen Wohlfahrtsstaat gibt, Altersheime, Senioren-WGs und Heimpflege, wird einem die Last des Versorgens weitgehend abgenommen. Es bleibt die Aufgabe, seinen Alten mit etwas Wärme zu begegnen, ihnen ab und zu Gesellschaft zu leisten, dankbar für Geleistetes und nachsichtig für ihre Versäumnisse zu sein, damit sie dereinst unbelastet gehen können. So viel muss möglich sein.

Das 5. Gebot bitte so lassen.

Bruno Ziauddin, Journalist und Autor, ist nach wie vor katholisch, weil man seinem Verein die Treue hält, auch wenn man länger nicht im Stadion war und der Präsident eine zwielichtige Gestalt ist

6 Du sollst nicht töten

Von Sarah Diehl

Du-sollst-nicht-töten.jpgMord setzt ein Subjekt voraus, das ermordet werden kann. Der Schwangerschaftsabbruch wird so stigmatisiert, weil sich potenzielles Leben hervorragend als Projektionsfläche anbietet: Die Biografie einer Person wird schon imaginiert, obwohl noch nicht mal ein Gehirn vorhanden ist, das sich eine Zukunft wünschen könnte.

Letztlich eignet sich die Abtreibungsdebatte vor allem dazu, die Subjektwerdung der Frau zu verhindern. Denn im Gegensatz zu Embryonen werden Frauen nicht vollends als Subjekte mit Rechten und Bedürfnissen wahrgenommen. Stattdessen wird der Fötus, der bis zur 20. Woche weder Schmerzempfinden noch Bewusstsein hat, zum Subjekt stilisiert. Dieser irrationale Vorgang führt dazu, dass viele Politiker Abtreibung kriminalisieren.

Zudem hilft die Dämonisierung der Abtreibung, patriarchale Werte zu stützen. Auch für die Kirchen ist die Dämonisierung ein Mittel, Frauen durch emotionale Erpressung zum Schweigen zu bringen. In pseudoaufklärerischer Manier werden Menschenrechte für den Embryo gefordert, bevor die Menschenrechte für die Frau verwirklicht sind. Auch in unserer Gesellschaft denken viele Menschen beim sechsten Gebot an den Embryo statt an die Frau. Das zeigt, wie unhinterfragt die Rhetorik von Abtreibungsgegnern bei uns aufgenommen wurde. Die Tatsache, dass rund 48.000 Frauen jedes Jahr an einer illegalisierten und deshalb selbst vorgenommenen Abtreibung sterben und etwa 5 Millionen Frauen schwerwiegende Gesundheitsprobleme erleiden, wird ignoriert. Eine Abtreibung ist, legal und medizinisch korrekt durchgeführt, eine der sichersten operativen Eingriffe überhaupt.

Das 6. Gebot soll lauten: „Eine Frau, die heute noch an einer Abtreibung stirbt, ist ermordet worden“.

Sarah Diehl, Autorin und Filmemacherin, hält die Macht organisierter Kirchen für demokratiefeindlich, kann aber verstehen, wenn Leute privat eine Form von Spiritualität leben wollen. Sie arbeitet an ihrem neuesten Film „Pregnant Journeys“

7 Du sollst nicht ehebrechen

Von Teresa Bücker

Ehebrechen.jpgEine Partnerschaft kann zerbrechen, wenn jedes Wort, das man spricht, zum Anlass für Streit wird. Wenn die Langeweile zum bestimmenden Gefühl geworden ist und das Gefühl der Liebe nur noch eine müde Erinnerung ist.

Durch einen einzelnen Akt kann eine Ehe oder eine Beziehung nur dann zerbrechen, wenn die Form, in der sie verstanden wird, so starr und eng ist, dass ein schräger Blick ausreicht, um sie zu verletzen.

Es gibt kein Mittel für Paare, um sich nicht voneinander zu entfernen. Und ebenso wenig gibt es ein Regelwerk, wie Menschen sich in einer Liebesbeziehung verhalten müssen, damit sie als gelungen anerkannt wird. Die ungeschriebenen Eheverträge unserer Zeit müssen vielfältig sein. Die Konstellationen, wie Menschen miteinander alt werden wollen, ebenso.

Es gibt keine guten Gründe mehr, während des Studiums Sex mit Künstlern zu haben und dann später einen Rechtsanwalt zu heiraten. Man ist nicht beziehungsunfähig, weil man Lust auf mehr als einen Menschen hat. In der Liebe zu Ideen und Produkten empfinden wir mitunter größere romantische Gefühle als zu anderen Personen.

Sex mit Fremden kann, sofern dies mit dem Partner nicht besprochen wurde, weh tun. Doch der Begriff „Ehebruch“ muss größer gefasst werden: Er geschieht dann, wenn die Prinzipien der Gleichheit, Freiheit und Fairness verletzt werden. Häusliche Gewalt, ungleiche Arbeitsverteilung, krankhafte Eifersucht – das sind auch Verbrechen, die innerhalb von Beziehungen geschehen.

Um wohltuende Beziehungen zu ermöglichen, ist der Ausbruch aus heteronormativen Paarkonzepten notwendig. Zu zweit oder zu mehreren, auf Dauer oder temporär – all diese Beziehungsformen sind ethisch, bedeutsam und gesund. Und diese Vielfalt gilt es untereinander auszuhandeln, zu akzeptieren und zu schätzen.

Das 7. Gebot soll lauten: „Nur der Bruch mit der alten Ehe kann die Liebe retten“.

Teresa Bücker ist Social Media Managerin beim SPD Vorstand. Sie wuchs in einer römisch-katholischen Familie auf und konvertierte früh über den Feminismus zum Atheismus

8 Du sollst nicht stehlen

Von Jakob Augstein

Diebstahl.jpgIn den 1970ern, als das Wünschen noch half, haben wir dieses Lied gesungen:
 
Leihst Du mir Dein Fahrrad?/ Nein, das ist meins/ Du brauchst es doch jetzt gar nicht/ Trotzdem ist es meins./ Ich weiß genau, Du brauchst es nicht./ Warum leihst Du‘s mir trotzdem nicht?/ Weil es eben meins ist, meins, meins, meins./ Weil es eben seins ist, seins, seins, seins./ Meins oder deins, was für ‘ne doofe Frage/ Meins oder deins, das hör‘n wir alle Tage./ Wäre es nicht fabelhaft, Mein und Dein wird abgeschafft/ Dann kriegt jeder immer alles wenn er‘s braucht …
 
Damit ist zur Frage des Eigentums eigentlich alles gesagt. Am besten, es gäbe keins. Denn schon seine Existenz ist eigentlich ein Verstoß gegen das achte Gebot. Jedenfalls nach dem Proudhon zugeschriebenen Wort: „Eigentum ist Diebstahl.“ Das Problem ist nur, gleich nach „Mama!“ lautet bei den meisten das zweite Wort „Haben!“. Mit der Expropriation der Expropriateure müsste man demnach schon im Kindergarten anfangen, was in den bereits erwähnten 1970er Jahren mit mäßigem Erfolg versucht wurde.
Eigentum mag Diebstahl sein, aber Diebstahl ist offenbar eine anthropologische Konstante. Um so wichtiger dieses Gebot. Allerdings ist es heute nicht mehr ganz so leicht auseinanderzuhalten, wer der Dieb ist, wer der Bestohlene und was die Beute. Das hat vielleicht am prägnantesten Bert Brecht zusammengefasst: „Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“

Der Diebstahl kann also viele Formen annehmen und wünschenswert wäre, wenn sie alle ein Ende fänden, hohe und niedere, große und kleine. Damit allerdings ist mit derselben Wahrscheinlichkeit zu rechnen, die Evangelist Lukas so beschrieb: „Es ist leichter, dass ein Kamel gehe durch ein Nadelöhr, denn dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.“ Immerhin ist hier geklärt, wem die Sympathie Jesu gehört.

Das 8. Gebot soll bestehen bleiben.

Jakob Augstein, Verleger des Freitag, glaubt irgendwie an Gott

9 Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten

Von Jana Hensel

Du_nicht_falsch_Zeugnis_reden.jpg

Soll ich ehrlich sein? Ich verstehe dieses Gebot nicht. Was bedeutet es, falsch Zeugnis zu reden? Was heißt das schon: ehrlich zu sein? Was zu lügen? Sind nicht alle Sätze, die wir bilden, von der Wahrheit und der Lüge gleich weit entfernt? Weil es beides nicht gibt, aber eigentlich geben sollte.

Das 9. Gebot kann so bleiben. Es ist ja nur ein Gebot.

Jana Hensel, stellvertretende Chef­redakteurin des Freitag, glaubt an nichts und bedauert das ab und zu

10 Du sollst nicht begehren deines Nächsten…

Von Michael Angele

Neid.jpgDas Zehnte Gebot ist halt doch das reaktionärste und dümmste aller Gebote. Es dient der Wahrung von Besitzstand, dieses aber vergeblich, es ist von der Wissenschaft, die einem psychohygienischen Nutzen das Wort redet, längst widerlegt, und es verkennt die dialektische Struktur des Neides. Wer neidisch ist, soll ruhig neidisch sein, denn er hat in der Regel allen Grund dazu. Neid macht scharfsinnig. Anders als ein Zorn, der rasch verfliegt, weil er einer Laune entsprungen ist, oder eine Verliebtheit, die sich schon am nächsten Morgen als Illusion erweist, täuscht der Neid ja nie.

Um mal in den Beispielen des Alten Testaments zu bleiben: Das Haus des Nachbarn ist ja wirklich größer, die Frau ja wirklich schöner, der Sklave ja wirklich folgsamer, Rind und Esel wirklich zäher, aber was sind das denn für Beispiele? Hat Frau Käßmann eigentlich schon eine Textvariante dieses Gebots verfasst, die ins 21. Jahrhundert passt? Das Haus könnte von mir aus ruhig bleiben, der Frau müsste der Mann zur Seite stehen, Sklave geht natürlich nicht, sagen wir: Angestellter, Mitarbeiter oder noch scheindemokratischer: Kollege, und mit dem Esel geht vielleicht in Griechenland bald wieder etwas, aber hierzulande sind es doch eher ein Auto oder ein Privatflugzeug, das Neid erzeugt.

Uns interessiert ja eher der Neid auf geistige Schöpfungen, und hier erweist sich eben sein dialektischer Charakter. Schopenhauer und der große Menschenkenner Wilhelm Busch sagen zu Recht, dass der Neid die aufrichtigste, höchste Form der Anerkennung ist. Sehr schön auch Oscar Wilde: „Die Anzahl unserer Neider bestätigt unsere Fähigkeiten.“ Jeder, der es schon mal probiert hat, weiß doch, wie schwer es ist, ein Kunstwerk richtig einzuschätzen, seinen Wert sicher zu beurteilen. Dabei wäre es so leicht, wenn man einfach den Neid, den es hervorruft, messen könnte. Dazu muss er sich aber endlich nackt ans Licht trauen, und nicht länger als großes Lob oder heftige Kritik (das kommt auf das Gleiche heraus) verkleidet daherkommen.

Das 10. Gebot soll lauten: „Du darfst begehren deines nächsten Hab und Gut, und du sollst dazu stehen.“

Michael Angele, Ressortleiter Kultur des Freitag, ist Agnostiker

NEU Die Gebote von Christopher Hitchens

11_Gebot.jpgWenige Jahre vor seinem Tod untersuchte der große britische Essayist und Atheist Christopher Hitchens noch einmal die Zehn Gebote. Er beendete seine Betrachtungen mit der Forderung nach neuen Geboten.

1. Veurteile Menschen nie aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe

2. Betrachte Menschen nie als dein Eigentum

3. Verachte jene, die in sexuellen Beziehungen Gewalt anwenden oder mit Gewalt drohen

4. Bedecke dein Gesicht und weine, wenn du es wagst, einem Kind Leid zuzufügen

5. Verurteile Menschen nicht aufgrund ihrer angeborenen Natur – warum sollte Gott so viele Homo­sexuelle erschaffen, bloß um sie anschließend leiden zu lassen?

6. Wisse, dass auch du ein Tier bist und damit abhängig von der Natur – denke und verhalte dich entsprechend

7. Glaube nicht, du könntest einem Urteil entgehen, bloß weil du Leute mit falschen Versprechen statt mit einem Messer bedrohst

8. Schalte das verdammte Mobiltelefon aus — du ahnst nicht, wie unwichtig dein Anruf für uns ist

9. Verurteile alle Fundamentalisten und Kreuzritter, denn sie sind kriminelle Psychopathen mit hässlichen Wahnvorstellungen

10. Sei bereit, jeden Gott und jede Religion zu verleugnen, dessen Gebote den obigen widersprechen

Kommentare (32)

Lethe 05.04.2012 | 15:25

Du sollst deinen Leuten keine blödsinnigen oder sonstigen Vorschriften machen

Du sollst deinen Leuten nicht sagen, was sie zu glauben und wie sie zu leben haben

Du sollst deine Leute nicht manipulieren

Du sollst selbst keine Macht haben und keiner anderen Leute Macht dulden

Du sollst deine Leute und den Rest der Welt mit Respekt und Wohlwollen behandeln, solange es sich nicht erwiesen hat, dass sie es nicht verdienen

Du sollst keinen Zinseszins nehmen

Du sollst regelmäßig psychogene Drogen nehmen, um dein Bewusstsein zu erweitern^^

keiner 05.04.2012 | 18:23

@ Jana Hensel: Wenn Sie X nicht leiden können und irgendwann Y erstochen aufgefunden wird, dürfen Sie Q (falls Sie auch nicht wissen, wer das ist, fragen Sie Sarah Rudolph, Stichwort Annika Bengtzon) nicht erzählen, Sie hätten gesehen, wie X, z.B. in blinder Wut (Achtung: Projektion!), auf Y eingestochen habe.

Im Strafrecht ist das Verbot auf üble Nachrede und Verleumdung erweitert (ach so, Beispiel: Sie dürfen nicht schreiben, Sie seien sich sicher, der 17-jährige P habe in Emden die 11-jährige Lena ermordet, weil sich sonst u.U. ein Lynchmob formiert, der Ps Herausgabe aus dem Polizeigewahrsam fordert, um ihn kurzerhand aufzuhängen, s. hier

www.rp-online.de/panorama/deutschland/polizei-muss-17-jaehrigen-beschuetzen-1.2774952

)

Auch wenn man Drewermann folgen will und zwischen Religion und Ethik unterscheidet, sind Sie als Journalistin ethosmässig nicht aus dem Schneider, weil das Ihnen zugeteilte Gebot schon die Nr.9 hat.

Auch ehrlich gesagt finde ich Ihren Beitrag ziemlich unterirdisch, erhellend nur insofern, als er darlegt, warum sich derFreitag monatelang begeistert an einer von der Bildzeitung initiierten Verleumdungskampagne gegen den Vorgänger des heutigen Bundespräsidenten beteiligt hat.

Wahr, nicht wahr, korrupt oder nicht - alles gleich, wa?

keiner 05.04.2012 | 19:55

@ Jakob Augstein:

Vielleicht ist 'Haben' ja eine frühkindliche Phase, die sich überwinden bzw. transformieren liesse?

So, wie man als Erwachsener ja nicht unbedingt bei grösser- schneller-weiter steckenbleiben muss (frei nach Freud: phallische Phase perpetuieren), sondern z.B. Qualität jenseits von teuer oder billig zu beurteilen lernen kann.

Mit anthropologischen Konstanten ist das nämlich so eine Sache, vor allem, wenn man den gerade bei Kindern so wichtigen Aspekt der Entwicklung und der damit verbundenen Veränderung nicht berücksichtigt.

Streben nach Reichtum bzw. Reichtum selbst könnte also in Wirklichkeit ein Zeichen für Infantilität sein, und wenn Sie sich ansehen, was z.B. Dax-Vorstände unter Verantwortung verstehen, kommt das ganz gut hin (im Erbrecht: nie aus dem Schatten der Eltern treten, wagemutig den eigenen Weg gehen - und damit wären wir schon fast bei Grass und Oskar Matzerath, aber vielleicht ist das eine der Aktualität geschuldete zu weit gehende Assoziation) ...

Uwe Theel 05.04.2012 | 20:28

@ 9 Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten

Von Jana Hensel

Ist der Kommentar von Jana Hensel zum 9. Gebot eigentlich als Realsatire auf den Freitag gemeint?

Eine gerade ins Amt gebrachte stellvertretende Chefradteurin, kann mit dem Satz "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!" nichts anfangen?

Als Journalistin ist es ihre tägliche Aufgabe, Zeugnis abzulegen gegenüber dem Leser, der gewiss sein müsste da redlich informiert zu werden.

Aber Frau Hensel fällt dazu nix ein!!!

Geth`s noch?

Da fällt mir dann diesseits der gelben, bzw roten Karte auch nix mehr ein, außer vielleicht:

Soll Frau Hensel Chefredakteurin bleiben, sie ist ja nur ... .

P.S.: Sollte Frau Hensel sich damit herausreden, sie sei ja nichtgläubig, da brauche Ihr zu einem religiösen Gebot nichts einfallen, dann hätte ihr der Chefredakteur, oder wer immer, wohl die falsche Aufgabe gestellt und die anderen Agnostiker und Atheisten hätten dann am Thema vorbeigeschrieben.

Uwe Theel 05.04.2012 | 20:36

@1 Du sollst keine anderen Götter neben mir haben

Von Eugen Drewermann

Dieser Text ist ein Glanzstück zum Thema.

Wie Drewermann Gott als Person gegenüber dem Gläubigen bestimmt, ist zwar für einen katholischen Priester erstaunlich und könnte schon für sich erklären warum sein Oberhirte in Rom Schwierigkeiten mit Gott und Drewerman haben kann, aber Drewermanns Auslegung des 1. Gebotes wird dadurch nicht falsch.

Ich danke für diesen Text, der es jedem Agnostiker Atheisten schwer machen sollte, seine Nichtglaubensbegründung aus der These der bloßen Nichtbeweisbarkeit Gottes zu begründen sucht.

Joachim Petrick 06.04.2012 | 00:59

@Eugen Drewermann

Du_sollst_keine_Götter_neben_mir_haben.jpgDie Vorstellung, dass die Zehn Gebote ethische Grundregeln sind, ist weit verbreitet, aber falsch. Sie scheitert an den ersten drei Geboten – die sind nicht Ethik, die sind Religion. Und damit erscheinen sie im Rahmen einer modernen, liberalen staatsbürgerlichen Ordnung als überflüssig. Glauben mag jeder, was und woran er will, doch verpflichtend für jeden sind die Gesetze des Staates. Warum also brauchen wir dieses erste Gebot, diese Präambel, bevor es mit den Geboten so richtig losgeht?

Warum geht es nach den ersten drei Geboten erst so richtig los?

Diese Frage von Eugen Drwewermann als Psychoanalytiker überrascht mich insofern, weil Religionen n. m. E. vor allem als Psychologische Konzeption im Rahmen der Möglichkeiten Menschlicher Kommunikation unterwegs, seit Jahtausenden im Für und Wider von sich bis heute Reden machen.

Ist das Erste Gebot nicht im Zusammnehang einer weit verbreitet herabgesetzten Beziehungsfähigkeit, Gedankenflucht, Gedankenzerstreuung, Ablenkungen der Menschen im Alltag, Familie, Partnerschaft, Beruf, Politik, Gemeindearbeit, Kultur ein wahres Angebot der Inneren Sammlung, um bei einem Thema, einem angesagten Interesse, einer Person, einem Ort verweilend, zu bleiben?

siehe:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/sag-an-moses-wie-ist-es-um-die-zehn-gebote-bestellt

05.04.2012 | 22:09
Sag an, Moses!, wie ist es um die Zehn Gebote bestellt?
zehn_gebote moses bibel wochenthema eugen_drewermann jakob_augstein christian_berlin israel pharao sonnengott heiliges_land witze goldene_kalb

Also sprach Moses:

"Wir,das Volk Israel und ich,

befanden uns damals auf der Flucht aus Ägyptenland vor den gedungenen Häschern des Pharao auf einer vierzig Jahre währenden Wanderschaft durch die Wüste Sinai, um unsere Heimat als Gottes auserwähltem Volk auf Erden geografisch in einem Heiligen Land zu begründen..
"Ein Gott, ein Volk, ein Heiliges Land"

Die unbändige Neigung der Menschen der Antike, in jedem Detail der Natur, menschlicher, tierischer, pflanzlicher Regungen, mindestens ein Rätsel, ein Menetekel, ein Mysterium, ein Phänomen, wenn nich gar das Angesicht eines beliebigen Gottes zu sehen, um sich halbwegs in dem Wirrwarr der Welt alltäglich orientieren zu können, war auch unter den Menschen des Volkes Israel sehr lebendig verbreitet.

Da die Menschen der Antike in der Regel, insbesondere auf Großer Wanderschaft, wie das Volk Israel, woher auch?, durchweg, weder des Lesens und Schreibens, noch des Rechnens mächtig, besann ich mich andächtig, mutterseelenallein auf dem Berg Sinai, den Befindlichkeiten menschlicher Natur eingedenk, vorhandem Wirrwarr im Gemeinwesen auch noch mit ganz persönlichem Wirrwarr, besserwisserisch, hächelnd, fuchtelnd, wie die Affen auf den Bäumen im Urwald, beizutreten, Rechnung zu tragen, das 1. Gebot formulierend, in eine Steintafel zu schlagen.

"Du sollst keine anderen Götter neben mir haben"

Warum tat ich so?

Vorab sage ich euch:
"Damals war die Welt der Antike, eine Welt absolut dergulierter Märkte des Glaubens......................

Cipriano Algor 06.04.2012 | 02:42

1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben: Du sollst nicht dem Geldgott huldigen, und auch nicht dem Konsumgott.

2. Du sollst dir kein Bildnis machen: Du sollst Gott nicht auf eine bestimmte, andere Möglichkeiten ausschließende, Vorstellung einengen (wie es vor allem von Kritikern und Fundamentalisten gern gemacht wird).

3. Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen: Du sollst nicht leichtfertig über Gott reden, dein Glaube soll sich auch in deinen Taten zeigen.

4. Du sollst den Feiertag heiligen: Du sollst dich nicht unterdrücken lassen und du sollst nicht 365 Tage im Jahr arbeiten und schuften müssen.

5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren: Ohne deine Eltern wärst du nicht am Leben.

6. Du sollst nicht töten: Du sollst deinen Nachbarn nicht erschlagen (und es wäre auch gut, wenn du als Autofahrer die Geschwindigkeitsbegrenzungen respektierst, damit du nicht fahrlässig jemanden tot fährst).

7. Du sollst nicht ehebrechen: Du sollst die Ehe zweier Menschen respektieren und sie nicht zerstören.

8. Du sollst nicht stehlen: Du sollst nicht einfach jemandem etwas (heimlich) wegnehmen, vor allem sollst du aber auch nicht so viel Ressourcen und Billigprodukte beanspruchen, dass andere nicht mehr genug zum Leben haben und ihrer Lebenschancen beraubt werden.

9. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten: Du sollst nicht deine Arbeitskollegin mobben und du sollst auch nicht leichtfertig über andere Menschen herziehen.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten...denn es macht dich nur unglücklich, wenn du dich ständig mit anderen vergleichst und alles haben willst.

Und das hebräische Wort hat neben der Bedeutung "du sollst nicht" genauso die Bedeutung "du wirst nicht", appelliert also auch: Stell dir vor, wie schön die Welt sein kann!

Uwe Theel 06.04.2012 | 03:06

@ Joachim Petrick schrieb am 05.04.2012 um 22:59

Warum geht es nach den ersten drei Geboten erst so richtig los?

Ja, die Frage kann auch nur jemand stellen, der sich selbst lieber in sinnlosen Fragenkaskaden reden hört, als anderen einmal nachdenklich zuzuhören.

Liebe JP,

Drewermann gibt die Antwort, die er selber stellt, und die Du als Deine eigene auszugeben scheint. Hier zitiere ich sie:

"Das erste Gebot spricht in absoluter Weise aus, dass Gott eine Person ist – also keine Naturmacht und kein Gesetz. Und es verlangt vom Menschen, dass er sich selber als Person in absoluter Weise auf Gott bezieht."

Dass Du sie trotz der folgenden Ausführungen Drewermanns nicht begriffen hast, wundert mich bei Dir nicht.

Stattdessen sonderst Du wieder einen absolut sinnfreien JP-Text ab, den wohl nicht einmal Du selbst verstehst:

"Ist das Erste Gebot nicht im Zusammnehang einer weit verbreitet herabgesetzten Beziehungsfähigkeit, Gedankenflucht, Gedankenzerstreuung, Ablenkungen der Menschen im Alltag, Familie, Partnerschaft, Beruf, Politik, Gemeindearbeit, Kultur ein wahres Angebot der Inneren Sammlung, um bei einem Thema, einem angesagten Interesse, einer Person, einem Ort verweilend, zu bleiben?"

Das ist grammatisch zerstört, semantisch nicht dechifrierbar.

Das erste Gebot nach Drewermanns Ausführungen in einen Zusammenhang der Gedankenlosigkeit zu stellen, sofern dieser Absatz überhaupt irgendweinen Sinn macht zeugt von höchster Gedankenlossigkeit beim Verfasser.

Joachim Petrick 06.04.2012 | 03:55

@Eugen Drewermann

"Das erste Gebot spricht in absoluter Weise aus, dass Gott eine Person ist – also keine Naturmacht und kein Gesetz. Und es verlangt vom Menschen, dass er sich selber als Person in absoluter Weise auf Gott bezieht.

Wäre Gott nur Natur, genügte es, die paar Jahrzehnte hier auf Erden irgendwie herumzubringen. Einkommen, Auskommen und ein möglichst langes Leben – mehr stünde eigentlich nicht auf dem Spiel. Gott als Person zu denken, heißt, dass mit dem, was wir sind, als Einzelne, etwas gemeint ist, das sich weder ersetzen noch vertreten lässt.

Wäre Gott ein Gesetz – in der Natur, in der Moral –, genügte es, zu tun, was alle tun. „Ich habe nur meine Pflicht getan.“ Aber was, wenn das nur eine Ausrede ist? Was, wenn es nicht reicht, nur ein guter Bürger zu sein? Was, wenn es darauf ankommt, lieber das Gesetz zu brechen als das Herz eines Menschen? Gott als Person zu denken heißt, mit seiner eigenen Existenz gefordert und gefragt zu sein."

Hier beschreibt Eugen Drewermann die von dem Propheten Moses vorgenommene Generalisierung eines entwicklungspsychogischen Wachstumsprozesses in Familienverbänden, Beziehungsgefügen, wo Vater, Mutter, Sohn, Tochter sich notgedrungen , wenn auch zögerlich, mehr und mehr dazu aufraffen, über zunächst einvernehmlich stille Vereinbarungen, Grenzen auslotend, untereinander, den Anderen als eigenständige Person zu fordern und zu fördern.
Was bis heute nicht ohne Weiteres im familären, gesellschaftlichen Bereich gelingt, so auch nicht im Verhältnis im Glauben an Gott.

Gleichzeitig läßt Eugen Drewermann Gefahrenlagen anklingen, ohne diese deutlich kenntlich zu machen, dass mit der Abspaltung Gottes als Person von der Natur, etwas Eigenständiges, ein Bereich sui generis klerikalen Raum- und Zeitanspruchs, für oder wider die Natur , unter den Menschen und deren Organisationsformen Platz ergreift

Indem Eugen Drewermann Moses gedankenoperativ die Intention eine Abspaltung Gottes als Person von der Natur untestellt, schafft er sich selber raum für seine flgende Argumentation"Wäre Gott nur Natur,.."
Was bedeutet, das?, wäre Gott nur Natur?
ist hier die Klärung des Begriffs Natur, wie Gottes, ohne wirkliche Deutung als unhistorisch gegeben vorausgesetzt
worden?
"Wäre Gott ein Gesetz – in der Natur, in der Moral –, "
Was wäre, wenn Gott das Böse wie Gute gleich wäre?, das Gute Böse wiederum allein eine psychologische Konzeption des "So als ob" unter den Menschen wäre?, Gott es gleichgültig ist, ob wir Gott als Gesetz beachten oder nicht beachten?
Über diese Nicht- Auskunft verhilft Eugen Drewermann sich und uns mit seinem apodiktischen Apell:
"Gott als Person zu denken heißt, mit seiner eigenen Existenz gefordert und gefragt zu sein."
Das ist sympathisch fabukiert, aber eben nicht die ganze Wahrheit Klarheit über sein und unser Verhältnis zu Gott, zur
Natur!, oder?
"Das erste Gebot besagt, was Petrus einmal dem Hohen Priester frei heraus entgegnete: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Hier präsentiert Drewermann Petrus, im ethischen Sinne, wie im Namen Gottes, als Zeugen eines Rechts auf Widerstand in besonderer Lage, in besonderen Ausnahmezuständen, der Schuldunfähigkeit? unter den Menschen, will dies aber nicht ethisch, sondern rein religiös begründet und verstanden wissen.
Was heißt dieses "mehr" an Gehorsam gegenüber Gott wirklich im Leben der Menschen?
heißt es, dass Gott für uns in besonderen Lagen ein Recht auf ein "MI", der Unfehlbarkeit, der Unantastbarkeit, der Unberührbarkeit, der Unanfechtbarkeit, bereithaltend, einräumt?,
wenn ja, dabei Naturgesetzen folgend?
Womit sich der Stromenergieflusskreis von Gott und Natur wieder schlösse?

Joachim Petrick 06.04.2012 | 04:14

@Uwe Theel

"Das erste Gebot nach Drewermanns Ausführungen in einen Zusammenhang der Gedankenlosigkeit zu stellen, sofern dieser Absatz überhaupt irgendweinen Sinn macht zeugt von höchster Gedankenlossigkeit beim Verfasser."

Von Gedankenlosigkeit war in meinem Kommentar nirgendwo die Rede.

Es geht hier nicht um Gedankenlosigkeit, schon gar nicht an erster Stelle, es sei denn als Gedankenleere, sondern um Gedankenfülle, Gedankengedränge, u. a. aufgrund von Angstzuständen.

Einmal mehr ist es Ihnen gelungen, in diesem Fall bei meinem Kommentar, zu verdeutlichen, wo die Grenzen des kommentierens von Kommentaren anderer liegen, nämlich da, wo Sie beginnen, bei anderen, in diesem Fall bei mir, fehlende Legitimation, , fehlendes Engagement, gar Gleichgültigkeit, Interessenslosigkeit am Thema selber, zu unterstellen..
Da liegt kein Segen drauf.

Joachim Petrick 06.04.2012 | 13:14

@Constantin Seibt

Um das 3. Gebot ist es nicht gut bestellt, es wird von den Menschen völlig verkehrt ausgelegt.
3 Gebot:
"Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen"
Ursprünglich ging es mir in diesem Gebot darum, im Glauben Bescheidenheit zu offenbaren, Gott nicht einmal einen Namen zu geben, gechweige denn beim Namen zu rufen, sondern Gott, still bei Gebeten, in Andachten für sich und in Gemenschaft namenlos zu rufen und innerlich aufzusuchen.
Weil aber das Vol Israel murrte, habe ich bei diesem 3. Gebot Milde walten lassen und dies in die vorliegende Form gegossen.
Dessen Formulierung bin ich bis heute ungewiss und gar nicht zufrieden.

ChristianBerlin 06.04.2012 | 14:15

@keiner schrieb am 05.04.2012 um 16:23 (@ Jana Hensel)
Uwe Theel schrieb am 05.04.2012 um 18:28 (@ 9)

Lieber Uwe, lieber keiner,

offenbar habt ihr die Ironie nicht verstanden. Die Beiträge von Jana und Jochen sind nicht "Realsatire", sondern Satire, und das vom Feinsten: Persiflagen auf menschliche Ignoranz und kulturellen Autismus. Das, was vermutlich eine vom Zeitgeist beseelte Mehrheit dazu denkt - aber natürlich ohne dies selbst zu meinen.

Die Themenstellung "Moses reloaded" fordert diese Textsorte geradezu heraus. Andere schreiben ernsthaft, was sie selbst wirklich denken, wenn auch auf lustige Art. Dieser Mix erschwert ein wenig die Debatte. Aber mit etwas Nachdenken müsste erkennbar sein, wer meint, was er schreibt, und wer auf das Gegenteil hinaus will.

Sorry, dass wir euch das so schwer gemacht haben, aber das hat eine lange Tradition - die Entschlüsselung des Deutehorizontes und der Intention eines Textes gehört von je her zu den ersten Tugenden jeder Theologie. ;)

LG Christian

ChristianBerlin 06.04.2012 | 14:15

@keiner schrieb am 05.04.2012 um 16:23 (@ Jana Hensel)
Uwe Theel schrieb am 05.04.2012 um 18:28 (@ 9)

Lieber Uwe, lieber keiner,

offenbar habt ihr die Ironie nicht verstanden. Die Beiträge von Jana und Jochen sind nicht "Realsatire", sondern Satire, und das vom Feinsten: Persiflagen auf menschliche Ignoranz und kulturellen Autismus. Das, was vermutlich eine vom Zeitgeist beseelte Mehrheit dazu denkt - aber natürlich ohne dies selbst zu meinen.

Die Themenstellung "Moses reloaded" fordert diese Textsorte geradezu heraus. Andere schreiben ernsthaft, was sie selbst wirklich denken, wenn auch auf lustige Art. Dieser Mix erschwert ein wenig die Debatte. Aber mit etwas Nachdenken müsste erkennbar sein, wer meint, was er schreibt, und wer auf das Gegenteil hinaus will.

Sorry, dass wir euch das so schwer gemacht haben, aber das hat eine lange Tradition - die Entschlüsselung des Deutehorizontes und der Intention eines Textes gehört von je her zu den ersten Tugenden jeder Theologie. ;)

LG Christian

ChristianBerlin 06.04.2012 | 14:29

@Cipriano Algor

Wenn Du bei 7 noch "Beziehung" statt "Ehe" gesagt hättest, wäre das in etwa die moderne Fassung, die Konfirmanden für gewöhnlich heute erarbeiten (wenn sie gut drauf und motiviert sind).

Was die Freitag-Fassung dem aber voraus hat, ist neben der fälligen Kritik an einer leidvollen Auslegungs- und Durchsetzungsgeschichte (die bei Dir + Konfis für gewöhnlich völlig fehlt) auch die gut lutherische Herausarbeitung des "Usus elenchticus", will heißen: Das kann niemand einhalten und hält niemand ein, selbst wenn es gut und richtig wäre, dies zu tun.

Gutmenschen, die diese Ansprüche vor sich her tragen, mobben, lügen und bereichern sich genauso auf Kosten anderer (oder tun nichts dagegen, dass es andere mit ihrem Mandat für sie tun), nur dass sie im Bewusstsein leben, für das Gegenteil zu stehen (wie im Gleichnis vom Zöllner und dem Pharisäer). Ich finde (ohne die Texte vorher gekannt zu haben), die meisten Autorinnen und Autoren haben dieses Paradox in hervorragender Weise mit thematisiert.

LG Christian

Joachim Petrick 06.04.2012 | 14:50

@ChristianBerlin

"Du_sollst_Dir_kein_Bildnis_machen.jpgDie Zehn Gebote wollen der Herrschaft des Menschen über den Menschen Grenzen setzen. Das zweite verbietet ihm sein gefährlichstes Instrument: Religion. In einem Wechselspiel aus Rausch und Askese versuchen Menschen seit je, dem Endlichen zu entfliehen und sich dem Göttlichen zu nähern. Das hat seinen Preis. Der Rausch benebelt, macht abhängig. Askese beinhaltet Gewalt. Gegen sich selbst, wenn man verzichtet oder entsagt, und gegen andere, die man vom religiösen Rausch befreien will."

Also sprach Mose zum 2. Gebot

"Du sollst Dir wohl im Stillen Bilder von Gott machen, in jedem Detail der natur, des Universums das Anlitz Gottes erkennen können, wenn Dir danach ist, jedoch ohne je ein Antlitz Gottes in ein steinern ehernes Bildnis zu schlagen, in bleierne Lettern mit einem Federkiel zu schmettern. Denn alle Biler Gottes sind im Fluss, niemals aus einem Guss.

Im Glauben an Gott sind Dir milde Räusche, Askesen des Tages bei der Arbeit, im Gebet, in der Verammlung der Gemeinschaft durch Zugehörigkeit gewährt.
Alles darüber hinaus an Räuschen, Askesen sei Dir und Deiner Gemeinde zum Erhalt, Wohle und Gedeihen von Übel.

"Jesu Anschlag auf den Tempel, der Bildersturm der Reformation oder die Zerstörung der Buddha-Statuen durch die Taliban zeigen, wie intolerant Asketen sein können. Umgekehrt zeigen das Goldene Kalb, der Bau des Petersdoms und die Ablasspredigten zu seiner Finanzierung, wie leicht Massen für den Rausch zu begeistern sind."

Also sprach Mose:

Jesu Anschlag auf den Tempel, der Bildersturm der Reformation oder die Zerstörung der Buddha-Statuen durch die Taliban zeigen Eines nicht, dass diese in einer Reihe von Ereignissen stünden.Jedes Ereinis spricht hier allein für sich.
Jesus Vertreibung der Prediger- , Händler- , Komödiantenschar aus dem Tempel, dem Markt im Reichtum der Möglichkeiten der Vielstimmigkeit im Glauben, war deren Frevel der Hinterziehung von Tempelgebühren geschuldet
Solches Tun wie das des Jesu sei geduldet.

Der Bildersturm der Reformation war allein der Not geschuldet, statt einer Reform der Kirche an Leib und Gliedern berufene Stimme und allerorten in der Gemeinschaft der Gläubigen Raum zu geben, deren Schisma aus unselig berufenem Runde, aus der Mitte des Vatikan vom Heiligen Stuhl kommend, aus dem Munde des Papstes als angemaßter Stellverteter Gottes zuvernehmen.
Das mag wohl in der Stunde der Verwirriung im Glauben und in der Zugehörigkeit zur Kirche so geschehen, sonst nicht.

Die Zerstörung der Buddha-Statuen durch die Taliban war ein eilig unheiliger Akt religiösen Verstoss im Sinne des 3. Gebotes:
"Du sollst das Angedenken Deiner Mütter und Väter ehren"

Marlowe 08.04.2012 | 17:36

Zu 9: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden ... von Jana Hensel

Jana Hensel schreibt: "Sind nicht alle Sätze, die wir bilden, von der Wahrheit und der Lüge gleich weit entfernt?" Und so scheint sie es tatsächlich zu meinen...

Tja, das Leben ist schön in der postmodernen Hängematte, nur sanft bewegt vom leichten Schwingen der gleichberechtigten Perspektiven.

Hallo Frau Hensel, aufgewacht! Hier kommt meine Frage: Ist Günther Grass´Israel-Gedicht, das derzeit für Schlagzeilen sorgt, auch von der Wahrheit und der Lüge gleich weit entfernt?

ChristianBerlin 09.04.2012 | 01:03

@DerHans des 7.Gebots

"Usus elenchticus" von der Einhaltung ...?

Nein. Billige Gnade (Bonhoeffer) ist aus Luthers Usus elenchticus nicht ableitbar. Nur das Ende der Selbstgerechtigkeit.

... des 7. Gebotes

Ist Dein Bezug mein Hinweis bei fb, dass Moses mehrere Frauen hatte?

Nach dem Mosaischen Gesetz musste er der Midianiterin keinen Scheidebrief geben, um die Kuschiterin zur Frau zu nehmen. Er konnte einfach die noch dazu nehmen, das ging und war kein Verstoß gegen sein 7. Gebot.

Beweis: Numeri Kapitel 12. Sei also vorsichtig, was anderen vorwirfst, sonst wirst Du am Ende aussätzig wie Mirjam. ;)

LG Christian

ChristianBerlin 09.04.2012 | 12:26

@SPuettmann

mit gesundem menschenverstand und moderner logik religion zu verstehen oder zu verbessern.
guter witz

Da geb ich Dir Recht. Was dabei herauskommt, wenn man Spirituelles und Rationales 1:1 miteinander verwechselt, wird schon im Johannesevangelium immer wieder mit einer gewissen Ironie lächerlich gemacht.

Nur hat das hier niemand versucht - außer vielleicht Eugen Drewermann (in dessen Büchern man aber nachlesen kann, dass er diesen hermeneutischen Fehler sonst i.d.R. vermeidet) und Michael Angele.

Die anderen Autorinnen und Autoren hier haben versucht, uralte elementare Spielregeln, die größtenteils (Ausnahmen: 1 + 10) bis in unsere weltliche Gesetzgebung und moderne Gepflogenheiten hinein fortexistieren, mit gesunden Menschenverstand zu beurteilen. Das ist eine zulässige - rein innerweltliche - Fragestellung.

Selbst ich habe hier nicht versucht, Religion mit gesundem Menschenverstand zu begründen, sondern deren Verbot (was aber nicht selbst wiederum zu einer Ersatzreligion werden sollte).

LG Christian

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Ehemaliger Nutzer 11.04.2012 | 11:43

Die 10 Gebote für Politiker:

1. Das Volk ist dein Herr. Du sollst ausschliesslich seine Interessen vertreten und dich nicht bestechen lassen.
2. Du sollst nicht behaupten, alles was gut für die Wirtschaft wäre, wäre auch gut fürs Volk.
3. Du sollst Dich dafür einsetzen, dass sonntags keine Geschäfte geöffnet werden dürfen.
4. Du sollst nicht über die Politik deiner Vorgänger schimpfen, sondern es einfach besser machen.
5. Du sollst weder Auftragskiller engagieren noch Rufmorde begehen.
6. Du sollst deine Koalitionspartner nicht hintergehen.
7. Du sollst dich nicht bereichern.
8. Du sollst deine Wahlversprechen halten und nichts vertuschen.
9. Du sollst niemandem seinen beruflichen Erfolg missgönnen.
10. Du sollst niemandem seinen Reichtum missgönnen.

Ismene 11.04.2012 | 12:12

zum 9. Gebot:

"Soll ich ehrlich sein? Ich verstehe dieses Gebot nicht. Was bedeutet es, falsch Zeugnis zu reden?"

Ja, sollen Sie. Ehrlich sein, so gut es eben geht. Das hat den Vorteil, dass wir uns unsere Halbwahrheiten nicht merken müssen, was mit zunehmenden Alter echt schwierig wird. Das heßt aber nicht, dass ich alles ungefiltert von mir geben muss. Zu manchen Dingen fällt mir zwar was ein, ich muss es aber wirklich nicht von mir geben.

"Falsches Zeugnis geben" - das heißt konkret zu lügen. Bewusst die Unwahrheit zu sagen und zwar zum Schaden eines anderen. Es ist schon bemerkenswert, wieviele Menschen davon Leben, genau das zu tun: Gerüchte zu verbreiten oder gar Geschichten zu erfinden...

Zum 10. Gebot:

"Wer neidisch ist, soll ruhig neidisch sein, denn er hat in der Regel allen Grund dazu."

Dem kann ich nur zum Teil zustimmen. Denn es gibt unterschiedliche Formen des Neids.

Es mag sein, dass mich das, was ein anderer erreicht hat, anspornt und kreativ werden lässt.

Es gibt aber auch die gehässige Form von Neid, bei der alles, was ein anderer mehr oder besser hat, nieder gemacht wird und zwar weil man sich selbst dann besser fühlen kann. Diese Form von Neid ist lähmend und wohl eher der Neid, der dann sogar zur Todsünde erhoben wurde.