Die Narben im Kopf

EXODUS Jahrzehnten des Bürgerkrieges zwingt die islamistische Regierung des Sudan Zehntausende zur Flucht ins Nachbarland Ägypten
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Ständig muß er gehen, dieser Pater Paolo. Ständig die Runde im Kirchhof abstochern mit seinem Stock, eine dunkle Baskenmütze auf dem Kopf und immer noch den steifen Priesterkragen um den dürr gewordenen Hals. Aber Stillstehen schmerzt, das machen die Gelenke nach 88 Jahren nicht mehr mit. Also kreuzt der Pater weiter über den Hof, und die Leute machen ihm freundlich Platz, denn das Umfeld der Kirche von Sacred Hearts im Kairoer Stadtteil Abbassiya ist nun voll, Tag wie Nacht, mit Flüchtlingen aus dem Südsudan, blau schwarzen Gesichtern mit den eingeritzten Falten auf der Stirn. Die anderen Narben, die aus dem Bürgerkrieg, sind unter der Kleidung und in den Köpfen.

Das weiß der Pater und muß an seine Jahre als Missionar im Sudan den