„Emil“ von Mariam Kühsel-Hussaini: Die Psychopathologie des Nationalsozialismus

Roman In den gelungenen Teilen liest „Emil“ sich wie eine Chaplin’sche Satire, dann wieder wie revisionistischer Nazi-Kitsch: Mariam Kühsel-Hussainis Tatsachenroman über Emil Cioran
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 45/2022
Das historische Material fliegt dem Buch um die Ohren
Das historische Material fliegt dem Buch um die Ohren

Foto: United Archives International/Imago Images

Eins muss man Mariam Kühsel-Hussainis Tatsachenroman Emil lassen: Er scheut nicht das kühne Experiment. Das NS-System hat bei der Reichstagswahl vom 12. November 1933 seine uneingeschränkte Macht etabliert, die SA unter Ernst Röhm befindet sich auf dem Höhepunkt ihres Einflusses, die Brutalität ihrer politischen Säuberungen kulminiert, jüdisches Leben ist akut bedroht. Doch die zwei Protagonisten des Romans sind nicht politische Gegner der Nazis, auch nicht deren jüdische Opfer, sondern ambivalente, wenn nicht sogar lupenreine Täterfiguren. Damit weist der Roman ein moralisches Urteilen von sich und überlässt es seinen Lesern.

Einer der Protagonisten ist der titelgebende Emil Cioran, ein junger rumänischer Doktorand in Psychol

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