Nie wieder Frieden?

Krieg Die Schriftstellerin Natalka Sniadanko ist Ukrainerin. Ihr Mann kämpft an der Front. Hier schreibt sie, warum sie ihr Land in der EU sieht
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 25/2022
Streubombe in Charkiw – „Der Krieg darf nicht zur Gewohnheit werden“
Streubombe in Charkiw – „Der Krieg darf nicht zur Gewohnheit werden“

Foto: Alessio Mamo/Redux/laif

Meine Heimatstadt Lviv liegt sehr nahe an der polnischen Grenze. Binnen weniger Autostunden befindet man sich im friedlichen Polen, in Sicherheit, an einem Ort, wo keine Bomben fallen. Nicht jeder darf ausreisen, nicht die Männer im wehrpflichtigen Alter, nur Frauen, Kinder und Rentner. Deshalb markiert die Grenze zwischen der Ukraine und Polen jetzt nicht nur die Grenze zwischen Krieg und Frieden, zwischen EU und Nicht-EU. Es ist auch eine Grenze, die viele Familien auseinanderreißt.

So wie meine Familie. Wenige Tage vor dem Angriff fuhren wir nach Polen, Freunde besuchen. Wegen der Quarantäneregeln sollte mein Sohn länger als geplant bleiben. Meine Tochter und ich blieben mit ihm. Mein Mann fuhr zurück und wollte uns nach der Quarantäne abholen. Am 24. Februa