Helm ab!

Angststarre Sichere Gesellschaften fürchten sich gern vor allem Möglichen. Und sie versuchen, auch noch die letzten Alltagsrisiken zu eliminieren. Mit fatalen Folgen
Lisa Rüffer | Ausgabe 33/2015 1

Noch vor 100 Jahren gab es ausreichend Gründe, sich zu fürchten. Konkrete Gefahren wie Krankheits-Epidemien, Lebensmittelknappheit, Hygiene-Missstände oder Krieg bedrohten unsere Vorfahren. Sie machten den Tod zu einem steten Begleiter des Lebens. Heute ist der Tod ein Ereignis, das sich meistens bis ins hohe Alter vermeiden lässt. Wir leben sicherer und länger. Und trotzdem haben wir nicht aufgehört, uns zu fürchten.

Es scheint, als hätten wir eine regelrechte Liebe zur Gefahr in uns, die extreme Auswüchse haben kann. Wir fürchten uns auch vor Szenarien, die uns nicht wirklich bedrohen. Verschwörungstheoretiker jagen mit Aluhelmen auf dem Kopf sogenannten Chemtrails hinterher – Kondensstreifen von Flugzeugen, die in Wahrheit chemische Attacken auf uns sein sollen. Die sogenannten Prepper hüten in ihren Kellern Produkte des täglichen Bedarfs, um auch im Ernstfall eines Atomschlags einige Wochen unabhängig überleben zu können. Sicher, das sind extreme Auswüchse, doch auch für die Masse der Bürger gilt: Wir lassen trotz aller Sicherheit vom Fürchten nicht ab. Wir wollen über alles informiert sein, um alles kontrollieren zu können. Und übersehen dabei, dass Schlagzeilen noch keine fundierte Information sind.

Auch wenn es paradox klingt, der Grund ist ein komplexes System an Absicherungen. Entstanden ist es eigentlich aus dem Impuls, unsere Gesellschaft unbeschwerter zu machen. Die Idee war: Sicherheit schafft uns mehr Freiheit. „Wir machen mehr aus unserem Leben, wenn wir uns sicher fühlen“, behauptet etwa die Versicherungskammer Bayern in einem Imagefilm.

Unsere Liebe zur Gefahr ist aber angeboren – und sie ist auch wichtig. Sie hilft nicht nur Kindern, an ihr zu wachsen, sondern auch Erwachsenen und damit wiederum einer ganzen Gesellschaft. Wir reagieren auf Gefahr mit Furcht oder Angst. Furcht ist zielgerichtet, sie hat einen Anlass, der sich klar benennen lässt. Angst dagegen ist diffus. Und mit zunehmender Sicherheit verschiebt sich unsere Wahrnehmung hin zur Angst. Wir orientieren uns an dem weniger Greifbaren.

Können wir mit den Preppern und Aluhelm-Trägern dann nicht einfach leben und uns beim abendlichen Krimi fürchten? Was ist falsch an Sicherheit? Das Problem ist: Der Einzelne verlernt, dass Gefahr zu etwas gut ist. Denn Angst ist auch ein Motor.

Riskante Infrastrukturen

Es ist also ein schmaler Grat, auf dem Wolfram Geier sich beruflich bewegt. Geier leitet die Abteilung Risikomanagement des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, kurz BBK. Gegründet wurde das Amt vor elf Jahren als Reaktion auf die Anschläge auf das World Trade Center 2001 und das große Elbe-Hochwasser 2002. Man kann Geiers Arbeitsplatz als Reaktion auf eine verunsicherte Bevölkerung verstehen. Die Regierung will sich nichts zuschulden kommen lassen, sie passt auf ihre Bürger auf. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz organisiert die zivile Sicherheit in Deutschland. Es koordiniert Einsätze bei Naturkatastrophen, Bundesländer und Kommunen sowie jene Unternehmen, die Teil der „kritischen Infrastruktur“ sind, etwa die Stromversorger.

Um seine Arbeit zu erklären, entwirft Risikomanager Geier ein mögliches Szenario der kollektiven Angst: Wenn in einer Großstadt vier Tage lang der Strom ausfällt, gehen Lebensmittel und Trinkwasser schnell aus, Abwässer werden nicht mehr weggespült, es entsteht ein Hygieneproblem. Als im Münsterland im Winter 2005 der Strom in manchen Gegenden über fünf Tage ausfiel, hat sich dieses Szenario im Kleinen abgespielt. Geier und seine Kollegen haben aus dieser Erfahrung gelernt und Vorsorge getroffen. Jetzt dürfte das Land besser vorbereitet sein, sollte sich ein solches Ereignis wiederholen. „Andere Länder beneiden uns um unser Know-how“, sagt Geier.

Kein Zweifel, es ist eine Errungenschaft, dass wir gegen solche Szenarien abgesichert sind. Doch zugleich steht das BBK unter dem Druck, die Zukunft immer schon zu kennen. Weil Wolfram Geier und seine Kollegen einen guten Job machen, fühlen wir uns aufgehoben und erwarten, dass es für alle Eventualitäten eine Absicherung gibt. Nur gibt es die natürlich nicht. „Wir schauen da im Endeffekt in eine Kristallkugel“, sagt Geier und erzählt vom „Schwarzen Schwan“. Das seltene Tier ist die Metapher für den letzten Rest unberechenbaren Risikos. Das Ereignis, das man nicht erwartet. Mit Instrumenten mit klingenden Namen wie „Horizon Scanning“ versucht das BBK der Kristallkugel Modelle abzugewinnen, auf die man sich vorbereiten könnte. Denn taucht ein Schwarzer Schwan tatsächlich auf, suchen die Menschen einen Schuldigen, der das hätte wissen müssen.

Fragt man Geier nach seiner persönlichen Meinung zu diesem Streben nach absoluter Sicherheit, wird er sehr ernst: „Wir leben in einer sehr sicheren Gesellschaft. Aber hundert Prozent kann es nicht geben, ansonsten wird man durch zu viel Sicherheit auch handlungsunfähig.“

Die Frage ist, ob es nicht sogar bereits so weit ist. Indem die Infrastruktur der Sicherheit immer weiter ausgebaut wird, machen wir uns von ihr abhängig. Wir können Gefahren selbst nicht mehr richtig einschätzen. Und so entsteht das Gefühl von Ohnmacht.

Der Autor und Philosoph Johano Strasser beschreibt in seinem Buch Gesellschaft in Angst, wie dieses Gefühl der Handlungsunfähigkeit mit der Aufklärung zusammenhängt, über die schon Theodor W. Adorno und Max Horkheimer sagten, sie sei „die radikal gewordene mythische Angst“. Zusammenfassend lässt sich das so beschreiben: Erst waren die Religionen das System, das für die unerklärlichen Ängste zuständig war. Die Ängste waren nur mit Gottvertrauen zu meistern. An die Stelle dieses Systems setzte man dann als Folge der Aufklärung ein wissenschaftlich fundiertes, berechenbares System von Sicherheit. Einrichtungen wie Versicherungen, das Bundesamt für Bevölkerungssicherheit, Politiker, die in Krisen Gelassenheit signalisieren. Im Wahlkampf nehmen sie die Ängste der Bürger so ernst wie Versicherungsunternehmen. Sie vermitteln: „Wir haben das im Griff! Du brauchst dich um nichts zu kümmern.“ Dieses System besänftigt unsere Ängste, aber es bringt uns auch um die Auseinandersetzung mit der Gefahr. Nicht nur Gott ist tot, der Tod selbst ist als berechenbare Größe nicht mehr Teil unseres Alltags.

So geht etwas verloren. Denn Gefahr macht uns auch zu Verantwortlichen für unsere Entscheidungen. Sie lässt uns innehalten und abwägen – wie das Kind, das schon seit zwei Monaten, ohne sich festzuhalten, auf seinen Beinen stehen kann, bevor es tatsächlich zu laufen beginnt. Es hat sich langsam an das Risiko des Hinfallens herangetastet, hat es abgewogen und am Ende festgestellt: Ich muss mich trauen, um voranzukommen.

Versicherungen funktionieren wie eine dicke Matratze. Wenn wir stolpern oder wenn uns jemand schubst, fangen sie uns weich auf. Mit einer Matratze vor Augen hätte sich das Kind vielleicht weniger Zeit gelassen. Markus Ehler denkt sich Versicherungen aus. Eigentlich heißt er anders, aber er möchte seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung sehen. Er ist Abteilungsleiter eines großen deutschen Versicherers. Seit 20 Jahren ist er in der Branche tätig. Um klarzumachen, dass er deren Entwicklung skeptisch sieht, erzählt er eine Geschichte: In den 50er Jahren steht der Chef eines großen Familienunternehmens vor der Entscheidung, eine große Investition zu tätigen. Kauft er die von der Insolvenz bedrohte Firma des Konkurrenten auf, ist das ein finanzielles Risiko. Tut er es nicht, steht seine eigene Firma vielleicht bald selbst vor der Insolvenz. Er könnte zu zaghaft investieren und Marktanteile an die Konkurrenz verlieren. Egal, wie er sich entscheidet, der Unternehmer geht ein Risiko ein. Er begibt sich in Gefahr.

Heute hätte dieses Unternehmen einen Manager, der für solche Entscheidungen verantwortlich ist. Und für diesen hätte es eine „Directors-&-Officers-Versicherung“ abgeschlossen, auch Managerversicherung genannt. Würde dem Unternehmen durch eine Fehlentscheidung ein finanzieller Schaden entstehen, wäre der Verantwortliche durch die Haftpflichtversicherung abgesichert. „An den Unternehmen sieht man, dass die Bereitschaft sinkt, in die Eigenverantwortung zu gehen“, sagt Ehler.

Diese Haltung des Aus-der-Verantwortung-Tretens weitet sich auf viele Bereiche der Gesellschaft aus. Wenn Sicherheit zum kollektiven Leitbild wird, ist der Einzelne weniger gewillt, ein Risiko einzugehen – und Verantwortung zu übernehmen. Neben Angst und Furcht hat sich daher ein weiterer Begriff gesellt: das Risiko. Risiko ist die berechenbare Gefahr, die sich verhindern, managen oder wenigstens versichern lässt. Ein Fußgänger stolpert über einen Bordstein und bricht sich dabei ein Bein. Ist er daran selbst schuld, oder ist der Bordstein zu hoch gebaut worden? Hat sich die Gemeinde vor dem Bau die Frage gestellt: Was wäre, wenn hier einer stolpert?

Badeverbot am Fluss

Gemeinden, Schulen‚ Vereine, Hauseigentümer – sie alle exerzieren Was-wäre-wenn-Szenarien durch, sobald sich eine mögliche Gefahr abzeichnet. Vieles wird dadurch als „zu gefährlich“ klassifiziert. Kommunen trauen sich immer weniger und erlegen sich selbst Vorschriften auf. Sie setzen Standards für die Höhe von Bordsteinen oder sprechen Badeverbote an Stadtflüssen aus, wenn diese nicht durch Bademeister beaufsichtigt werden. Hauseigentümer weisen Passanten darauf hin, im Winter die Straßenseite zu wechseln, um nicht unter einer Dachlawine vom Dach ihres Hauses zu landen. Und weil immer weniger Menschen dazu bereit waren, das Risiko ehrenamtlicher Arbeit in Vereinen zu übernehmen, bietet der Bund inzwischen in Kooperation mit Versicherungsunternehmen maßgeschneiderte Haftpflichtversicherungen für Vereine an.

Solche Vorschriften und Empfehlungen begleiten unseren Alltag. Und wie eine Herde Schafe folgen wir ihnen. Der Hirte mit der Sicherheitsrichtlinie wird schon auf uns achten. Nur sind Gefahren eben dazu da, dass wir uns an ihnen messen. Nur so lernen wir, sie richtig einzuschätzen. Wird uns das abgenommen, verlieren wir im Umgang mit Gefahr das richtige Maß. Auf Kosten der Absicherung bleibt auch das intuitive Handeln auf der Strecke. „Du schränkst deine Freiheit immer mehr ein“, sagt Ehler, „weil dich der Mut verlässt, Dinge einfach zu tun, die dein gesunder Menschenverstand dir erlauben würde. Wir sollten auch an unser Bauchgefühl glauben, nicht nur an die Excel-Tabellen, die Risiken berechnen.“

Manchmal generiert Angst Risiken sogar erst – und macht daraus ein Geschäft. Davon lebt auch Markus Ehlers Arbeitgeber. Denn die Versicherer reagieren auf Trends, die dann wiederum zum Sicherheitsstandard werden. Das Produkt Managerversicherung ist ein Beispiel, wie Absicherung letztlich zur Ausweitung des Risikos führt.

Das verkehrte Verhältnis, das hier im Großen beschrieben ist, gilt natürlich auch im Kleinen. Denn die ans System delegierte Absicherung betrifft nicht nur Unternehmen, sondern vor allem auch deren Mitarbeiter, nur sind die nicht durch eine Versicherung geschützt. Und so bleiben Arbeitnehmer in befristeten Verträgen zurück, sind nicht mehr durch Tarifverträge abgesichert, arbeiten sich ab und werden mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie allein gelassen.

Die soziale Verantwortung, die der Unternehmer vor fünfzig Jahren seinen Mitarbeitern gegenüber hatte, rückt vom Manager weg. Es gibt für Letzteren keinen unmittelbaren Anlass zur Empathie, wenn er die Folgen seines Handelns nicht mehr selbst trägt. Wenn wir uns damit nicht mehr auseinandersetzen, beschleunigt sich der Alltag weiter: keine Zeit, Strukturen zu hinterfragen. Schlimmstenfalls endet das in Burn-out oder Depression.

Immer mehr versuchen, aus diesem System auszubrechen, indem sie sich auf eigene Faust durchschlagen. Zwischen 2000 und 2011 ist die Zahl der Ein-Personen-Unternehmen um rund 40 Prozent angewachsen. Denn welche Vorteile bietet einem ein Arbeitgeber, die man sich nicht selbst schaffen kann? Es ist aber eine Freiheit, die keine ist. Denn da, wo die Gesellschaft als soziales Gefüge Sicherheit bieten müsste, zieht sie sich immer mehr zurück. Als Einzelkämpfer oder Ohnmächtiger bringen wir uns aber um die Chance, gemeinschaftlich zu handeln. Dabei könnten wir so Sicherheit und selbstbestimmtes Handeln in Einklang bringen.

Der Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit ist ein ebenso tief verankertes menschliches Bedürfnis wie der Wunsch, selbstbestimmt zu handeln. Auf Kosten der maximierten Sicherheit und des Gewinns kommt beides zu kurz. Die Gefahren, mit denen der Einzelne konfrontiert ist, sind immer weniger geworden. Und Gefahren, die unsere Gesellschaft betreffen, nehmen wir nicht mehr als durch unser Handeln beeinflussbar wahr. Eine Folge der Globalisierung ist, dass viele Probleme zu groß erscheinen, um von uns bewältigt zu werden. Die Liebe zur Gefahr ist trotzdem ein gesunder Instinkt, dem wir folgen sollten. Wie ein Sensor weist er uns die Richtung für unser Handeln, auch wenn wir uns mitunter in diffusen Ängsten verlieren.

Unser unsichtbarer Gott

Fürchten wir uns aber tatsächlich vor dem Falschen, wie es der Titel des Buch Das Risikoparadox von Ortwin Renn suggeriert? Der Risikoforscher bringt es auf eine einfache Formel: „Die Menschen fürchten die Pestizide auf dem Apfel, sterben aber an Übergewicht aufgrund schlechter Ernährung.“ Die Bekämpfung der individuellen Risiken ist eine Erfolgsgeschichte. Es geht uns heute so gut, dass wir nachlässig werden. Renn ist Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung an der Universität Stuttgart und räumt auf Nachfrage bereitwillig ein, dass er sich selbst zu wenig bewegt. Er sieht das aber gelassen. Mehr Sorgen bereiten ihm die kollektiven Risiken, die sich weltweit auswirken und Gesellschaft und Wirtschaft miteinander verweben. Renn, der auch als Berater für die Politik arbeitet, ist auf der Suche nach besseren Maßnahmen für den Umgang mit diesen Risiken, die uns so fern erscheinen wie ein unsichtbarer Gott.

Die geringer gewordenen individuellen Gefahren und die gleichzeitige Absicherung durch eine staatliche und privatwirtschaftliche Sicherheitsinfrastruktur haben dazu geführt, dass wir den Zusammenhang von Ursache und Wirkung nicht mehr erkennen. Deshalb reagiert der Mittelstand mit diffuser Abstiegsangst auf die Wirtschaftskrise, anstatt politische Konsequenzen zu fordern. Steigende Lebenshaltungskosten und eine schlechtere Wirtschaftslage zählen zu den sieben größten Ängsten der Deutschen. Das ermittelte eine Studie der R+V - Versicherung 2014.

Doch nicht alle dieser diffusen Ängste sind zu vernachlässigen. Ob Klimawandel oder Wirtschaftskrise, die eigentliche Herausforderung ist, dass sich die Politik selbst in eine Sackgasse verlaufen hat. Denn diese globalen Herausforderungen sind für die Regierungen allein nicht lösbar. Sie brauchen die Wissenschaft und die Wirtschaft dazu, sie brauchen aber auch die Bürger.

Liegt darin am Ende die Chance, dass der mündige Bürger zurück in die Verantwortung geht und zum Handelnden wird? Renn beantwortet die Frage mit einer Erfahrung, die er in den vergangenen 30 Jahren gemacht hat: „Wir brauchen vor allem mehr Partizipation. Nach fünf Bier am Stammtisch bin ich auch der beste Politiker, aber wenn man die Leute zum Nachdenken bringt, dann funktioniert auch das Nachdenken über Alternativen. Da sind neun von zehn Stammtischbrüdern zum Umdenken bereit.“ Man darf nicht den Fehler machen, den Einzelnen, dem es gut geht, zu unterschätzen. Er ist kein bequemer Feigling, der sich zurückzieht. Sicher gibt es Politikverdrossenheit, es gibt aber auch eine Bürgerverdrossenheit seitens der Politik.

Dabei hat, was der Einzelne tut, immer Auswirkungen auf die anderen. Und diese Erfahrung könnten wir zurückgewinnen, ist Renn überzeugt. „Deliberative Demokratie“ ist für ihn das Schlüsselwort. In dieser Demokratie der Teilhabe, die Bürger in den politischen Diskurs miteinbezieht, spielen sich viele Prozesse in kleineren Gruppen ab. Während etwa die meisten der Aussage „Wir brauchen mehr erneuerbare Energien“ zustimmen würden, sind die wenigsten gewillt, die dafür notwendige Stromtrasse durch ihr Dorf verlaufen zu lassen. „Man kann die persönlichen Konsequenzen erkennen, selbst wenn man die technischen Einzelheiten nicht versteht“, sagt Renn.

Indem nicht alles schon geregelt ist, sondern der Einzelne sich an Entscheidungen beteiligt, kann er sich seiner Handlungsfreiheit immer wieder neu versichern. Das ist seine demokratische Bürgerpflicht. Er muss diesen Handlungsspielraum aber auch erhalten. Brauchen wir also mehr Mut? Das bedeutet ja nicht, keine Angst zu haben, sondern sich ihr zu stellen. Deshalb ja, wir sollten mutiger werden. Und wir brauchen dazu die Freiheit, uns an Gefahren messen zu können.

06:00 23.09.2015

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