Die Zukunft ist nur einen Steinwurf entfernt

Energie Bei der Suche nach einer Alternative zu Lithium-Akkus fanden Forscher eine so triviale wie geniale Lösung
Die Zukunft ist nur einen Steinwurf entfernt
Kraftvoll geladen – ist das die Zukunft des Akkus?

Foto: Valeriano Di Domenico/AFP/Getty Images

Der Weg in die Klimaneutralität ist ein weiter, und nun deutet sich an: Es könnte auch ein steiniger werden, und zwar im wörtlichen Sinn. Das große Problem der erneuerbaren Energien ist, dass sie nicht regelmäßig Strom liefern, sondern nur, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Dann auch oft gleich zu viel, und wo der überschüssige Strom zwischengelagert werden kann, ist ein noch nicht gelöstes Problem.

Bislang benutzen wir zum Speichern von Energie Lithium-Ionen-Akkus. Deren Erfinder wurden dafür erst letztes Jahr mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Die Akkus sind aber recht teuer und das Lithium muss auf ziemlich unschöne Weise aus dem Boden gefördert werden. Doch die Zukunft ist schon einen Steinwurf voraus – bei der Suche nach billigen und einfachen Ansätzen landeten mehrere Forscher weltweit nun bei der trivialen Lösung: Stein.

Wissenschaftler der privaten Washington University in St. Louis in den USA verkündeten unlängst stolz, im Baumarkt Ziegelsteine für 65 Cent das Stück gekauft zu haben. Strom speichern die allerdings nicht einfach so: Die Forscher tränkten die Steine in einer Flüssigkeit, die Nanofasern des leitfähigen Kunststoffs Pedot enthielt, die sich dann in den Poren der Steine absetzten. In Hauswänden verbaut könnten sie zum Beispiel tagsüber Energie aus Solarzellen aufnehmen und nachts damit die Notbeleuchtung versorgen.

Bislang bringt die Backstein-Batterie allerdings nur eine grüne Leuchtdiode zum Leuchten – eine Leistung, die jedes Kind mit einem Apfel, zwei Centmünzen und zwei Unterlegscheiben nachbauen könnte. Die Forscher räumten dann auch ein, dass die Energiedichte der Backsteine bei gerade mal einem Prozent der Dichte von Lithium-Ionen-Batterien liege. Und man sie bei einer stärkeren Ladung ummanteln müsste, damit man beim Anlehnen an die Wand keinen elektrischen Schlag bekommt. Und dass die Behandlung die Steine womöglich etwas instabil mache. Hm.

Etwas weiter ist da schon der Windkraftanlagen-Hersteller Siemens Gamesa. Der schüttete letztes Jahr in Hamburg 1.000 Tonnen Vulkansteine auf, die überschüssige Windenergie speichern sollen. Professionell nennt sich das Schüttgut-Technologie. Man spinne das jetzt einfach mal weiter: Ziegelsteine als Smartphone-Akkus, Autos voller Wackersteine, statt Powerbanks dann Powerstones. Klar, wir hatten uns die Zukunft etwas leichtfüßiger vorgestellt – ich empfehle jetzt schon mal die Anschaffung einer Sackkarre, vor dem großen Ansturm.

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06:00 28.08.2020

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