Doktortitel für alle

Forschung Bislang konnte nur an Universitäten promoviert werden. Nun wollen auch Fachhochschulen den Doktortitel verleihen. Warum auch nicht, schließlich haben sie längst aufgeholt

Es ist das letzte Privileg der Universitäten: Nur sie dürfen den Doktortitel vergeben – den höchsten Rang, den man im deutschen Bildungsadel erreichen kann. Doch nun wackelt dieses Monopol auf den finalen akademischen Ritterschlag: Schleswig-Holsteins parteilose Wissenschaftsministerin Waltraud Wende will auch Fachhochschulen das Promotionsrecht geben. Es ist eine notwendige Wende.

Mehr Menschen sollen ein Studium absolvieren, das ist das erklärte Ziel der Politik. Doch die Bildungsexpansion wurde seit jeher begleitet vom Versuch, sie zu unterlaufen. Für die Aufsteiger von den Berufsgymnasien baute man quer durchs Land mit den Fachhochschulen eigene Lehranstalten. Das Bürgertum konnte sich weiter in seinen Prestigefächern wie Jura und Medizin an den Universitäten einigeln. Als differenziertes Hochschulsystem wird das verbrämt, mit gleichwertigen, aber verschiedenen Institutionen. In Wahrheit ging es immer auch darum, Standesrechte zu konservieren. Das gilt erst recht für die Promotion.

Warum die künstliche Trennung?

Dabei haben die Fachhochschulen in ihrer 40-jährigen Geschichte längst aufgeholt. Sie bilden nicht mehr nur ein paar Ingenieure aus, sondern bieten ein breites Fächerspektrum. Sie forschen natürlich weniger und manches Mal auch in einer etwas unheiligen Allianz mit Geldgebern der Wirtschaft. Mit der Bologna-Reform wurden diese Hochschulabschlüsse aufgewertet: Mit dem Bachelorzeugnis einer Fachhochschule darf man ein Masterstudium an einer Universität beginnen, und umgekehrt. Warum sollte man also die künstliche Trennung bei der Promotion beibehalten?

Wegen der Qualität, behaupten die Universitätsvertreter. Die Doktorarbeit ist ins Gerede gekommen – zu Recht. Nur hat sie wenig mit dem Hochschultyp zu tun. Wichtiger sind andere Fragen: Bekommen Doktoranden genug Anleitung? Gibt es externe Gutachter, oder bewertet der Professor, der die Promotion betreut, hinterher selbst die Arbeit?

Einen Großteil der Doktorgrade vergeben die Unis in der Medizin – für schmale Arbeiten, die in den letzten Semestern nebenher zusammengeklaubt werden. Wer sein Privileg verteidigen will, sollte zuerst im eigenen Stall kehren.


AUSGABE

06:00 25.11.2013
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