Martin Krauß
20.09.2012 | 14:30 5

Drüberreden

Schwule Fußballer Die Aufregung um ein Interview, in dem anonym ein Fußballer über Homosexualität spricht, trägt genau dazu bei, wogegen sie sich zu wenden scheint: der Stigmatisierung

Drüberreden

Welche Sexualität da vor den Ball tritt, gehört zu den Standardsituationen von medialer Kommunikation

Foto: Dennis Charlet/AFP/Getty Images

Ein schwuler Fußballer spricht: „Je mehr geredet wird, desto höher ist auch der Druck auf mich.“ Das hat der Mann anonym in einem rasch diskutierten Interview mit fluter.de gesagt, dem Onlinemagazin der Bundeszentrale für politische Bildung.

Auch wenn der Spieler es nicht möchte: Weil er geredet hat, wird geredet. „Wir können nur das Signal geben, dass er keine Angst haben muss“, sagt Angela Merkel. Und Bayern-München-Boss Uli Hoeneß über ein Outing: „Der Fußball ist offen genug dafür.“ Bayern-Trainer Jupp Heynckes wiederum glaubt, dass Homosexualität ein „ganz sensibles Thema“ ist. Andere zweifeln derweil an der „Authentizität“ des Gesprächs. Und 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster hält die Authentizität des Interviews für „zweifelhaft“ – allerdings ohne, dass er mit dem Interviewer oder wenigstens mit dessen Redaktion geredet hätte.

Dieses Gerede, ob sich schwule Profis outen sollen, ob sie Scheinehen führen, bei welchem Verein sie wohl kicken und ob sie es wirklich sind, die sich in einem kleinen Onlinedienst äußern, ist genau der Grund, warum sich niemand outet. Es ist der Diskurs, der die Hürde, über die ein schwuler Profi nicht hinüberkommt, wachsen lässt. Das betrifft nicht nur die Fanforen und das Kurvengeschwätz, wo „Schwuler“ ein Schimpfwort ist, ein Synonym für Weichei, Memme oder sonst jemand, der im angeblich harten Männersport nichts verloren hat. Es gilt auch für solch dubiose Einrichtungen wie „Fußballexpertentum“, „große Politik“ oder „Qualitätspresse“. Dass es nichts bringt, jemandem, der Schiss hat, zu sagen, er brauche keinen Schiss zu haben, weiß jeder Bademeister, der ein Kind auffordert, endlich ins Wasser zu springen.

Die Leute reden viel 

Nur wenn die Bundeskanzlerin und der Bayernpräsident das sagen, klingt es nicht lächerlich. (Das heißt, ein wenig schon, wenn man bedenkt, dass die Bundeskanzlerin gegen die Gleichstellung der Homoehe Politik macht). Und dass einer, der Angst hat, geoutet zu werden und dennoch seine Sicht Öffentlichkeit mitteilen möchte, von seinem Interviewer höchste Verschwiegenheit verlangt, gehört zu den Dingen, die im Journalismus genauso bekannt sein sollte wie die Sorgfaltspflicht, mit Leuten, denen man öffentlich etwas unterstellt, vorher darüber zu sprechen.

Wenn es um die Sache ginge – Schwule im Profifußball –, man wüsste eigentlich genug. Es gibt sie. Wie es sie in jeder denkbaren sozialen Gruppe gibt, ob Bundeskabinett, Bischofskonferenz oder eben Bayernkader. Es gibt namentlich bekannte, sogar einen aus der Bundesliga: Heinz Bonn, beinharter Verteidiger des Hamburger SV in den siebziger Jahren. 1991, lange nach Karriereende, wurde er in seiner Wohnung tot aufgefunden, ermordet von einem Stricher, den er zu sich bestellt hatte. Nach allem, was man weiß: Bonn ist nicht klargekommen mit dem enormen Druck, der auf ihm lastete.

Was die Debatte um die schwulen Fußballer lehren könnte, ist Folgendes: Homophobie gibt es nicht nur dort, wo „Scheißschwuler“ gerufen wird. So hätten es nur diejenigen gerne, die sich, weil sie selbst ja – woran sie selbst fest glauben – nichts gegen Schwule haben, ihre Guido-Schwesterwelle- und Klaus-Powereit-Scherzchen erzählen oder die, weil sie glauben, unter sich zu sein, auf Facebook oder Twitter Fußballernamen posten, von denen man „es“ ja ganz, ganz sicher wisse, schließlich kenne man einen, der einen Taxifahrer kennt, der den schon mal in so einen Club gefahren habe.

„Je mehr geredet wird, desto höher ist auch der Druck auf mich“, hat der schwule Profi im Interview gesagt. Er hat nicht „schlecht geredet“ gesagt. Nur geredet.

Martin Krauß ist freier Sportjournalist in Berlin

Kommentare (5)

Unsichtbar 25.09.2012 | 04:57

Also als Fußballfan, und ich gestehe von diesem ganzem Homo Ding habe ich keine Ahnung. Aber von Fußball, nun gut hier bei uns ist Man Traditionell Anhänger unserer Mädels. Die spielen in der Ersten Liga nicht die Jungs. Nun jeder kann mich fragen wann welches Mädel welches Tor geschossen hat auch wann sie wo vorher gespielt hat. Eigentlich Interessiert mich alles was mit dem Fußball der Mädels zu tun hat. Aber gut ich erinnere mich das Irgendwann mal im Kicker stand eine von unseren Mädels ist Lesbisch. Tja und hier ist das Problem ich habe vergessen wer es war. Mich Interessiert nur Fußball. Ich bin auch durchaus Erstliga Fan bei den Jungs, aber auch da wüsste ich nicht zu sagen wer nun Verheiratet ist oder wer was Privat macht. Wer Schwul ist und sich Outen will der soll es tun. Diskriminierung und Vorurteile gehören eben zum Leben. Ob eine Frau jetzt sagt Typisch Mann oder ein Kerl sich über das Einparkverhalten von „Stöckelwild“ lustig macht. So ist das Leben. Ich weiß nicht ob es das Ungarische Boxer Magazin noch gibt das wurde hier bei uns gerne Gelesen. Es war ein Magazin für Männer, halt nicht so langweilig wie die nur auf Sex aufgebauten Magazine ala Playboy und Ko. Es war laut Selbstbezeichnung ein Magazin für Schwule und heterosexuelle Männer. Leider gibt es das am Bahnhof nicht mehr seid unser Betreiber der Buchhandlung gewechselt ist. Vielleicht ist Homophobie weniger Existent als es auf den ersten Blick erscheint. Im Fußball sollte vor allem mehr Wert der Vereine auf die Fankultur genommen werden, schlimm genug das man wegen Unflätigen Sprüchen und Gewalttaten nicht mehr mit seinen Neffen ins Stadion kann. Das ist unser Problem im Fußball nicht mit welchem Geschlecht nun ein Spieler Flirtet!