Du bist nicht allein

K-u-J-Bücher Vom Dunkel der Nacht, von Bangemachern, Mäuseträumen und englischen Naschkatern

Im Dunkel der Nacht ist der Himmel fort, und der Wald spinnt Geistergeschichten. Da braucht jeder einen, der ihn lieb hat: Kleine Tiger beim Einschlafen und herumstromernde Füchslein, einsame Kater genauso wie Mäusemädchen mit großen Rosinen im Kopf. In Kate Banks Bilderbuch vom kleinen Tiger ist die Reise in die Nacht kein dunkles Kapitel, sondern lauter Vorfreude auf herrlichste Träume. "Schlaf schön ein, kleiner Tiger", sagt die Mama, "hab keine Angst! Die Dunkelheit ist nur die andere Seite des Lichts. In der Nacht nimmt dich der Mond auf den Schoß." Kate Banks hat die Angst aller kleinen Wesen beim Zubettgehen in eine zauberische Einschlafgeschichte gefasst, zu der Georg Hallensleben traumbunte zärtliche Tuschen vom Babytiger malte.

In Udo Weigelts Buch ist der Wald eine wilde Gerüchteküche, in der wimmelt es nur so von bösen Geistern, nur gesehen hat sie noch niemand. Bangemachen gilt nicht, denkt sich der kleine neugierige Fuchs auf der Pirsch und findet Freund Waschbär im Zauberwald. Mit dem lacht er die Angst weg, so dass aus den Schauergeschichten schöne Märchen werden, an denen sich sogar die größten Angsthasen nicht satt hören können. Trau dich, keiner frisst dich! Man darf eben nicht alles glauben, was so erzählt wird, sonst versäumt man das Schönste. Und das hat Maja Dusíková ganz allerliebst in den Wald aquarelliert. Wie kleine Mäuslein groß rauskommen, das malt und textet Kathrin Schärer in ihrem Miamausbuch. Für Miamaus können die Dinge nämlich nicht groß genug sein. Und warum soll, was bei den Pflanzen funktioniert, nicht auch für alles andere gelten. Für kleine Holzautos zum Beispiel, für winzige Puppenkleider, für klitzekleine Spielzeugschiffe und viel zu kurz geratene Mäusebrüder. Nur schnell genug geht es wieder mal nicht. Da helfen auch keine Gießkannen, Pillen nicht und erst recht keine Tränen. Was wissen denn schon die Erwachsenen. Die können viel erzählen. Miamaus bastelt sich ihre eigene Welt. Da staunt die gesamte Mäusebande Bauklötze.

Nicht ohne sein Strickzeug. Thomas Müllers Magoosy ist ein Kater mit Marotten. Sitzt am liebsten im Ohrensessel und maschelt Ohrenschützer, Schwanzwärmer und solche Sachen. Dass er ist im Englischen zuhause ist, schadet ja nicht, wenn nur die Übersetzung von Christine Mortons Originaltext durch Gisela Böhnhardt nicht gar so tapsig wäre. Margoosy jedenfalls gerät vor lauter Einsamkeit auf Abwege. Verführerischer Fischgeruch raubt ihm seinen Restverstand. Völlig benebelt steigt er statt in Larrys Fischladen in die benachbarte Bank ein. "Er wollte Sardelle - keine Zelle." Da lacht die Polizei, und Magoosy kommt samt Foto als schlechtester Einbrecher aller Zeiten ins örtliche Blättchen. Larrys Fischladen wird wahnsinnig berühmt, und Magoosy wohnt jetzt da. Nun gibt es jeden Tag Streicheleinheiten und Fisch satt: "Rollmöpse, Meeräsche, Granat, Sprotten. Was kann ein Kater mehr wollen!" A friend is someone who feeds you.

Kate Banks (Text) und Georg Hallensleben (Zeichungen): Augen zu, kleiner Tiger! Moritz Verlag, Frankfurt/Main 2002, 40 S., 13,80 EUR


Udo Weigelt (Text) und Maja Dusíková (Illustrationen): Stimmt das alles was man hört?, Nord-Süd-Verlag, Gossau, Zürich und Hamburg 2002, 12,80 EUR


Kathrin Schärer (Text und Bild): Mia liebt große Sachen, Verlag Sauerländer, Düsseldorf 2002, 13,90 EUR


Thomas Müller (Bilder) und Christine Morton (Text): Magoosy, Verlag Beltz Gelberg, Weinheim 2002, 32 S., 12,90 EUR

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00:00 06.12.2002

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