René Martens
16.12.2012 | 09:00 1

Ein heftiges Heft

1966 Axel Springer nimmt mit „Kristall“ eine Illustrierte vom Markt, mit der sein Verlag einst gestartet war. Das Blatt hatte auf ein geschöntes Bild der Wehrmacht Wert gelegt

Wenn eine Wochenzeitung 375.000 Exemplare verkauft, klingt das nicht nach einem Nischenblatt. Geradezu üppig wirkt es, verglichen etwa mit der Financial Times Deutschland oder dem Magazin Prinz, die Ende 2012 zum letzten Mal erscheinen. Sie setzen – lässt man Auflagenkosmetik unberücksichtigt – weniger als 50.000 Exemplare ab. Für die Illustrierte Kristall waren 375.000 verkaufte Hefte pro Ausgabe zu wenig, um fortbestehen zu dürfen. Am 7. Dezember 1966 gab der Axel Springer Verlag bekannt, er wolle das Heft einstellen. Zum Jahreswechsel 1966/67 werde die letzte Ausgabe gedruckt. Die Auflage sei zu gering, „um eine äußerlich so aufwendig und farbenfroh gefertigte Illustrierte auch gewinnträchtig zu machen“, analysierte seinerzeit der Spiegel. Axel Springer hatte lange an Kristall festgehalten. Was kaum verwundern konnte, handelte es sich doch um das erste Presserzeugnis, das in seinem 1946 gegründeten Unternehmen erschienen war.

Eine aufwendige Gestaltung galt zu Recht als Markenzeichen. 1960 erschien in Kristall unter anderem Robert Lebecks berühmte Reportage Afrika im Jahre Null. Sie enthielt das Foto eines Afrikaners, der bei den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit des Kongo dem belgischen König Baudouin I. seinen Degen entwendet. Die Aufnahme – sie steht ikonographisch für den Abgesang des Kolonialismus – ist bis heute in Ausstellungen zu sehen. Neben Lebeck wurde ein weiterer wichtiger Vertreter der bundesdeutschen N