Ein Hoch auf den Kurzfilm

Kurzfilmtage Oberhausen Bereits zum 62. Mal fanden in diesem Jahr die Internationalen Oberhausener Kurzfilmtage statt. Zeit für einen Blick in den Kinosaal
Ein Hoch auf den Kurzfilm
Filmstill aus" Venusia" von Louise Carrin
Venusia, Louise Carrin, Schweiz 2015

Als ältestes Kurzfilmfestival der Welt, hat Oberhausen den Kurzfilm als ein ein wichtiges Medium für den politisch-engagierten und gesellschaftskritischen Film etabliert. Seit der Gründung 1954 ist Oberhausen auch immer ein Spiegel für das, was die Gesellschaft bewegt. Hier wurde mit dem Oberhausener Manifest eine neue Era des deutschen Films eingeleitet, die bis heute nachwirkt. Auch in diesem Jahr widmeten sich die 62. Filmfestivspiele den politischen Verhältnissen unserer Zeit. Fabian Tietke war vor Ort und stellt uns hier eine Auswahl der herausragendsten Arbeiten vor

489 Years

Hayoun Kwon Frankreich 2016, 11 Minuten

In der Wirklichkeit wie im Film beginnt alles mit einem Strich auf der Landkarte, gezogen mit dem Waffenstillstand nach dem Koreakrieg. Um die Demarkationslinie herum entstand die Demilitarisierte Zone (DMZ), die über die volle Länge jeweils etwa zwei Kilometer tief in nord- und südkoreanisches Territorium hineinragt. Hayoun Kwon hat einen Erfahrungsbericht eines ehemaligen südkoreanischen Soldaten, der von 1971 bis 1995 an einem der Kontrollpunkte an der Südgrenze der DMZ stationiert war, zum Ausgangspunkt ihres 3D-animierten Films genommen. Die Soldaten sollten von dem Kontrollpunkt aus nordkoreanische Bewegungen in der DMZ beobachten.

Durch einen mehrfach gesicherten Zugang betreten die Soldaten die Demilitarisierte Zone. Der Unterschied zwischen der hochtechnisierten Toranlage und der Wildnis dahinter, könnte nicht größer sein. Eine personalisierte virtuelle Kamera bewegt sich zur Erzählung des Soldaten über die Wege der DMZ.

Mit Details wie einem Wildschwein, das plötzlich auf dem Weg steht, hochblickt und dann auf drei Beinen davonzieht gelingt es Hayoun Kwon, die Gefahr durch unentdeckte Minen präsent zu halten. Auf einem nächtlichen Kontrollgang findet sich der Soldat plötzlich allein direkt vor einer Mine wieder.

Der Film tranformiert die Wildnis der zugewucherten und doch von beiden Seiten streng überwachten Zone in einer 3D-Animation in einen surrealen bisweilen fast märchenhaften Film aus dem Niemandsland. Die virtuelle Kamera taucht unter den Weg ab und hebt sich in die Höhe und findet Bilder für das subjektive Empfinden des Soldaten. Hayoun Kwon gewinnt damit den ersten Preis der Jury des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen sowie den Preis der Ökumenischen Jury.

Brasilia, contradiçoes de uma cidade nova

Joaquim Pedro de Andrade, Brasilien 1967, 23 Minuten

Wie in einem Architektentraum der 1970er Jahre erstreckt sich eine der Hauptverkehrsachsen Brasilias. Während eines Schwenks von rechts nach links hebt sich die Kamera allmählich und die Häuserblocks der neu errichteten Hauptstadt Brasiliens kommen ins Bild. Joaquim Pedro de Andrade, einer der Vertreter des brasilianischen Cinema novo der 1960er Jahre schwelgt in den Bildern der modernen Stadt mit ihrer funktionalen Trennung zwischen Auto- und Fußgängerverkehr, zwischen Wohnen, Freizeit und Konsum. Die Kamera vermisst die großzügigen Grünflächen zwischen den modernen Wohnblöcken und der Kommentar hebt die Vorzüge hervor: die Kinder können ungestört im Grünen spielen, die Grundschule ist ganz in der Nähe.

In die Idealbilder der modernen Stadt in der Mitte Brasiliens mischen sich schon bald realistischere: ein improvisiertes Stadtzentrum in einer der größeren Straßen. Die Intentionen einer egalitären Stadt, in der Arm und Reich nebeneinander wohnen und die räumliche Segregation der Vergangenheit angehören, erweisen sich als Illusion: de Andrade zeigt die provisorischen Wohnblöcke, ursprünglich nur errichtet, um die Arbeiter unterzubringen, die auf den Baustellen in Brasilia arbeiten; er zeigt die Satellitenstädte, in denen die ärmere Bevölkerung wohnt und von denen aus sie mehrere Busstunden in die Hauptstadt pendelt. Planlos errichtete Siedlungen, die das Gegenteil der strengen Planung Brasilias sind. Gegen Ende des Films kehrt der Film wieder zurück und der Kommentarton reflektiert die Utopie der ursprünglichen Intentionen beim Bau Brasilias und die Wirklichkeit: „Brasilia verkörpert den Grundkonflikt der brasilianischen Kunst: sie ist für die meisten Menschen unerreichbar.“

Joaquim Pedro de Andrade realisierte den Film 1967, drei Jahre nach Beginn der Militärdiktatur in Brasilien, im Auftrag von Olivetti. Nach der Fertigstellung waren die Auftraggeber nicht angetan von dem Film, der nicht als Imagefilm taugte. De Andrade versuchte Oskar Niemeyer, den Architekten Brasilias, dazu zu bewegen, zugunsten des Films zu intervenieren. Aber Niemeyer lehnte ab. Der Film wurde nie öffentlich gezeigt und überlebte die Militärdiktatur nur in den Tiefen der Archive des Museu de Arte Moderna. Joaquim Pedro de Andrade starb 1988 an Lungenkrebs bevor der Film wiederentdeckt wurde.

Dear Lorde

Emily Vey Duke, Mexiko, Südafrika, USA 2015, 27 Minuten

Der erste Tag des Jahres, an dem die 14-jährige Maxine Rose 15 werden wird. Zeit für Vorsätze. In einer Videobotschaft an ihr Idol, die neuseeländische Popsängerin Lorde, nimmt Maxine Rose sich vor, in diesem Jahr eine Person zu werden, die es wert ist, dass man mit ihr Zeit verbringt. Aber das ist leichter gesagt als getan. In rosa-oranger Glitzerschrift erscheint im Bild eine Liste mit den Hindernissen auf diesem Weg: denkt gemeine Sachen über andere (vermutlich die gleichen wie andere über sie), ist eher nicht dabei große Erfindungen wie das Internet zu machen, ist auch eher nicht kurz davor soziale Errungenschaften wie das Ende der Kinderarbeit zu erkämpfen. Aber immerhin gibt es auch eine Liste mit den Dingen auf der Habenseite: Maxine ist Feministin (sogar mit feministischem T-Shirt), liebt Tiere und ist auch zu den seltsameren unter ihren Klassenkameraden nett.

Maxine wohnt im Niemandsland in der kalifornischen Wüste und Lorde ist nicht die einzige, an die sie Briefe schreibt, um Bestätigung zu bekommen. Auch die Schimpansenforscherin Jane Goodall und der südafrikanische Bischof Desmond Tutu bekommen Post von Maxine. In diesen Briefen verbindet sich die Suche nach Bestätigung mit einem scharfen Blick für Absurditäten – die Maxine lieber ihren Briefen anvertraut als sie offen auszusprechen.

Dear Lorde ist der neuste Film des amerikanisch-kanadischen Künstlerduos Emily Vey Duke and Cooper Battersby, die seit etwa 20 Jahren unter Motto „Kunst ist Einfühlung“ zusammen Filme machen. Ihr aktueller Film ist ein weiterer Beweis, dass es neben dem ernsthaften Zugang zum Experimentalfilm auch einen spielerischen Zugang gibt, der ersterem in nichts nachsteht. Dear Lorde ist todtraurig, humorvoll, liebevoll zu seinen Personen, laut und leise und alles zugleich. In einer fantastischen Szene steht Maxine neben einer Freundin, die ihr ein Karaokeduett aufgenötigt hat, kennt den Text nicht, kann kaum mal eine Strophe singen und fragt sich (ihre Gedanken und Selbstzweifel erscheinen als Schrifteinblendung im Bild), ob ihre Freundin sie eigentlich bewusst erniedrigen will.

Mit den Briefen haben die beiden Regisseure eine Form gefunden, die die Protagonistin als verletzlich und introvertiert zeigt und zugleich ebenso spleenig wie ihre Umgebung. Die Welt in Dear Lorde ist gekennzeichnet durch eine fragile Balance der Eigenheiten und gegenseitige Toleranz für diese Verschrobenheiten. Dear Lorde erinnert in den Schrifteinblendungen und dem deutlichen Spaß an rockiger Musik an die Filme Jennifer Reeders (die gemeinsam mit dem von ihr gegründeten Feministischen Tracers Book Club im Abspann in den Danksagungen auftaucht).

PS: Wann sieht man schon mal einen Filmtitel aus echten Tierknochen? In Emily Vey Dukes Dear Lorde sehen wir sogar nicht nur den fertigen Titel, sondern in den Sekunden danach noch ein Making of.

Durch

Jelena Marković, Deutschland 2016, 13 Minuten

Zwei Hunde sitzen zu Beginn des Films vor einem Paar Füßen in braunen Socken. Die Füße gehören zu einem Toten. Die junge Protagonistin kehrt nach langer Zeit zurück und findet den Toten in seiner Wohnung umgeben von seinen zwei Hunden. Beim Warten an der Ampel wirkt es als kämen der Protagonistin für einen Moment die Tränen bevor die Lautsprecher an der Ampel ihr Piepen verändern und anzeigen, dass sie gehen kann.

Markovićs Film spiegelt das rastlose Umherschweifen der Protagonistin im fortwährenden Wuseln der Hunde. Am deutlichsten wird dies in einer Sequenz, in der die Protagonistin ausgeht und tanzt, aber sichtlich nur halb bei der Sache ist, während die Hunde ein wenig im Hinterhof rumlaufen und schließlich einfach wieder rumliegen. Als könne niemand in dem Film viel mit sich selbst anfangen.

Jelena Markovićs Film ist an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste unter der Anleitung der Berliner-Schule-Regisseurin Angela Schanelec entstanden. Dieser Einfluss zeigt sich etwas zu offen in dem zurückgenommenen, beobachtenden Film. Selbst die Farben wirken in Kombination mit der Schreddeligkeit der Umgebung wie aus einem Film aus den 1990er Jahren. Dennoch macht Durch Hoffnung auf eine neue Generation Regisseurinnen wie Marković, wenn sie sich von ihren Vorbildern emanzipiert haben werden.

Eleganssi

Virpi Suutari, Finnland 2015, 26 Minuten

Beinahe anmutig weht das Fell um die Beine eines weißen Setters im Gegenlicht. Dann kommt der Hundekopf ins Bild, ein stoischer Blick in die Ferne. Keine Bewegung, nur die Ohren wehen leicht im Wind und die Nase schnuppert. Tempo, so heißt der Setter, ist ein Jagdhund. Kurz darauf steht sein Herrchen mit einer Pfeife auf dem Feld. Während Herrchen weiterpfeift und seinen Kollegen zuruft, dass der Hund wohl etwas zu jagen gewittert haben müsse, trinkt Tempo in einer Senke seelenruhig weiter.

Mit ausgeprägtem Sinn für Skurillität entfaltet der Kurzfilm Eleganssi der finnischen Regisseurin Virpi Suutari aus einem Porträt einer Gruppe jagender finnischer Unternehmer und ihrer Jagdhunde einen Mikrokosmos einer patriarchalen Gesellschaft. Während die Männer unter Jagdtrophäen bedeutungsschwanger ihre wenig tiefschürfenden Ansichten voller Männerphantasien und Selbstherrlichkeit verbreiten, sitzen die Hunde, allen voran der Setter Tempo, mit stoischem Blick daneben und versuchen die Umgebung so gut es geht zu ignorieren. Eleganssi zeigt eine Gesellschaft, in der selbst die Hunde einen Stammbaum aufweisen müssen, um dazuzugehören. Tempos Eltern beispielsweise heißen Queen und Napoleon.

Eine Texttafel hat zu Beginn des Film darüber aufgeklärt, dass die Worte für Firma und Klub im Finnischen beide auf die ursprüngliche Bedeutung „Jagdgesellschaft“ zurückgehen. Suutari dokumentiert also die Reinszenierung einer ursprünglichen Vergesellschaftung und findet dafür Bilder, die die Selbstinszenierung der Jäger bis an den Rand der Absurdität treibt, aber nie darüber hinaus. Suutari wurde dafür mit dem ZONTA-Preis geehrt.

Four Diamonds

Ute Aurand, Deutschland 2016, 4 Minuten

Ute Aurands neuster Film besteht im Wesentlichen aus drei Sequenzen: ein Vogel, der in einem Astloch verschwindet, einige ältere Damen beim Bridgespielen, Aufnahmen des stürmischen Meers in Cape Cod. Alle gedreht mit einer höchst beweglichen Kamera, die fortwährend schwenkt, sucht, weiterschwenkt. Die Tonspur: Die Gespräche der älteren Damen, die titelgebenden vier Karos, die Musik von Etienne Grenier und ein kurzes Gespräch zwischen einer der älteren Damen und der Regisseurin.

In der Kombination der Elemente wirkt Four Diamonds als wären die Damen gealterte Surferinnen, die nun nicht mehr die Wellen vor Cape Cod reiten, sondern ihre Nachmittage beim Bridge verbringen. Ein Film leicht wie eine Skizze, voll jener erfrischenden Nachdenklichkeit, mit der der Wind am Meer einem den Kopf durchpustet.

Nimmikaage (She dances for People)

Michelle Latimer, Kanada, 3 Minuten

Aus der Luft ins Wasser an Land: Die Naturaufnahmen aus Michelle Latimers Nimmikaage nähern sich dem kanadischen Festland allmählich an. Latimer montiert in ihrem Film Material aus dem Archiv des National Film Board of Canada (NFB) von kanadischen Aboriginals. Zwischen Naturaufnahmen und Aufnahmen von indigenen Frauen, die vor der Kamera für weiße Kanadier Tänze aufführen und Masken herzeigen sollen, sind Aufnahmen eines weißen kanadischen Publikums montiert. Nimmikaage impliziert eine Umkehrung des Blicks. Für die Zuschauer des Films wird das weiße kanadische Publikum in den historischen Aufnahmen in gleicher Weise zum Schauwert, wie die ethographischen Aufnahmen die indigene Bevölkerung ausgestellt haben.

Unterlegt ist Michelle Latimers Film mit einem Lied von Tanya Tagaq, die den Kehlengesang der Inuit zu neuen Höhen gebracht hat. Nimmikaage ist Teil eines Projektes des NFB mit dem Titel Souvenir, in dem kanadische Aboriginalfilmemacher sich kritisch mit dem Archiv des NFB auseinandersetzen.

Ocean Hill Drive

Miriam Gossing, Lina Sieckmann, Deutschland 2016, 20 Minuten

Filmstill aus dem Film "Ocean Hill Drive" von M. Gossing und L. Sieckmann
Ocean Hill Drive, D 2016, Miriam Gossing, Lina Sieckmann

In einem Verhältnis, das den goldenen Schnitt nahezu perfekt erfüllt, kontrastiert eine Terrasse, deren Holzboden vom Abendlicht einen Stich ins Lila bekommt mit dem Grün der Bäume dahinter. Das Abendlicht scheint zu flackern. Nach der Titeleinblendung ist es Nacht geworden. Vollmond, ein Blick aufs nächtliche Meer, Lichter im Hintergrund. Die stillen Bilder, mit denen Ocean Hill Drive beginnt, stimmen den Zuschauer wie eine Ouvertüre ein. Während die Scheinwerfer eines Autos über eine Straße gleiten, sie für einen kurzen Moment erhellen, bevor das Bild wieder im Dunkel versinkt, beginnt eine Erzählstimme zu sprechen: „Wir haben unser Haus vor elf Jahren gekauft, als mein Mann einen neuen Job in Boston bekam. Wir hatten gerade erst geheiratet.“ Im Wechselspiel zwischen der leisen, etwas melancholischen Erzählstimme und den farblich sorgfältig gestalteten Bildern entfaltet sich eine Geschichte über scheinbar übernatürliche Ereignisse und persönliche Verluste. Ocean Hill Drive lädt dazu ein, sich in den Bildern zu verlieren. Zugleich stupst der Kommentartext, der aus Interviewversatzstücken mit den Bewohnern des Vororts von Boston, in dem der Film gedreht wurde, besteht, die lose Erzählung voran. Der melancholisch-schöne Ocean Hill Drive ist der Abschlussfilm von Miriam Gossing und Lina Sieckmann an der Kölner Hochschule für Medien (KHM) für den sie den Preis für den besten Beitrag des NRW-Wettbewerbs bekommen haben.

Somos +

Pablo Salas, Pedro Chaskel, Chile 1985, 15 Minuten

Eine Demonstration der „Frauen für das Leben“ in Santiago de Chile am 30.10.1985 inmitten der chilenischen Diktatur. Um nicht kurzerhand von der chilenischen Polizei von der Straße geprügelt zu werden, haben die Frauen sich gutbürgerlich gekleidet. Anfangs scheint die Rechnung aufzugehen. In ruhigem Ton erklärt ein Polizeioffizier, dass die Demonstration nicht angemeldet sei, den Verkehr behindere und überhaupt „die Normalität“ gefährde. Als sich die Demonstration nicht aufhalten lässt und auf einem größeren Platz im Zentrum von Santiago immer mehr Menschen friedlich protestieren, beginnt die Polizei Tränengasgranaten in die Menge zu schießen. Als die Menge sich auch dann nicht auflöst, geht die Polizei immer härter gegen die Demonstrantinnen vor. Mit erhobenen Händen singen diese zur Melodie von Beethovens Ode an die Freude von ihrer Forderung nach Veränderung.

Mit zwei Kameras dokumentierten Pablo Salas und Leopoldo Correa die Demonstration. Aus dem entstandenen Material montierten Pablo Salas und Pedro Chaskel anschließend den Film. Salas, geboren 1955, begann für die Gegennachrichten des Videoprojektes Teleanálisis zu arbeiten und wurde schnell dafür bekannt, auch in brenzligen Situationen zu drehen. Salas drehte ab Anfang der 1980er Jahre für viele europäische Sender in Chile. Pedro Chaskel, geboren 1932 in Deutschland, war in den 1950er Jahren einer der Gründerväter des chilenischen Experimentalfilms. 1973, zu Beginn der Militärdiktatur, wurde Chaskel der Universität verwiesen und emigrierte nach Kuba. 1983 kehrte er nach Chile zurück. Somos + war Chaskels erster Film nach dieser Rückkehr.

Venusia

Louise Carrin, Schweiz 2015, 34 Minuten

Ein Bordell in Genf. Hinter den Milchglasfenstern gehen Silhouetten auf und ab, vor dem Fenster stapeln sich Zigarrenkisten. Zwei Ledersessel mit durchgesessener Sitzfläche füllen den Bildvordergrund. Links sitzt Lena, eine der Sexarbeiterinnen, rechts Lisa, die Chefin des Bordells. Die Schweizer Dokumentarfilmerin Louise Carrin dokumentiert in Venusia den Alltag in dem Bordell durch die Gesprächen zwischen Lisa und Lena. Während Lisa mit Abrechnungen und allerlei Bürokram beschäftigt ist und sich zwischendurch ab und an genüßlich eine Zigarre anzündet, feilt sich Lena die Fingernägel, ignoriert potentielle Freier, die an der Tür klingeln und denkt über vier Wochen Strandurlaub nach.

Die Szenen aus dem Bordell ähneln in ihrer Mischung aus Langeweile, alltäglichem Kleinklein und Warten einem Aufenthaltsraum in einem Handwerksbetrieb. Sexarbeit erscheint in Louise Carrins Film wie ein prekärer Bürojob und gewinnt damit den Großen Preis der Stadt Oberhausen.

13:41 12.05.2016

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