Barbara Schweizerhof
09.12.2009 | 14:00

Ein Männerding

Film Der Film "12 Meter ohne Kopf" sprüht so sehr vor Ideen, dass man ihm seine deutsche Herkunft fast nicht glauben kann

Es ist nicht viel, was wir über Klaus Störtebeker wissen, so viel aber schon: Er hat seine Mannen wohl kaum mit der Parole „Fick’ die Hanse!“ zum Beutezug antreten lassen. Genauso wenig wie zu seiner Zeit, also um 1400, hanseatische Bürger eine „umfassende Konsolidierung der Staatsfinanzen“ forderten oder sich über Konjunktur und Außenhandelsdefizit Sorgen machten. Und ganz ausgeschlossen ist es, dass Piratenkapitän Klaus den Unzufriedenen in seiner Mannschaft mit basisdemokratischen Ansätzen begegnete nach dem Motto: „Du sagst uns jetzt frei heraus, was dich nervt und was du Scheiße findest!“ Der so Angesprochene reagiert im Übrigen auch dementsprechend erschrocken.

Dass das alles – und noch viel mehr! – in Sven Taddickens Piratenspektakel 12 Meter ohne Kopf vorkommt, mag zunächst nach billiger Historienklamotte klingen, entpuppt sich aber als das glatte Gegenteil. Zusammen mit seinem Drehbuchautor Matthias Pacht ist Taddicken hier nämlich das Kunststück gelungen, die wichtigsten Zutaten eines Abenteuerfilms alter Schule, Männerfreundschaft, Männerwitze, Männeraction, mit dem musikalischen „Drive“ jugendlicher Gegenwartssprache, viel norddeutsch-trockenem Humor und Musik von The Clash, The Thermals und Johnny Cash auf absolut schlüssige Weise zu verbinden.

Herausgekommen ist eine so stimmige Mischung, dass man am Ende fast davon überzeugt ist, dass alles doch so oder wenigstens so ähnlich gewesen sein mag, bei Klaus und seinem Kumpel Gödeke Michels damals auf der Nord- und Ostsee ... Und das gilt nicht nur für die hier angebotene Ver­sion des titelgebenden Laufs von 12 Metern ohne Kopf. Dabei haben sich die Filmemacher nach Freibeuterweise am historischen Stoff bedient: Hauptfigur ist weniger Störtebeker als vielmehr sein Freund und Adjutant Gödeke Michels. Ihn „entlarvt“ der Film als die treibende Kraft eines erfolgreichen Männerduos, das sich bestens ergänzte.

Klaus in der Krise

Mit Ronald Zehrfeld und Matthias Schweighöfer kommen zwei Schauspieler zusammen, die eine solche Harmonie der Gegensätze bestens verkörpern. Der ehemalige Judokar Zehrfeld gibt Störtebeker als gelassenen, selbstbewussten Macho, der sich kaum anstrengen muss, um Autorität zu erlangen, sich aber auch als überraschend verwundbar erweist. Matthias Schweighöfer dagegen stattet seinen Gödeke Michels sowohl mit jugendlicher Begeisterungsfähigkeit als auch mit deren narzisstischer Kehrseite, der Rücksichtslosigkeit, aus – und jeder Menge Selbstzweifel hinter der großen Schnauze.

Die Filmhandlung setzt mit den Vorbereitungen zur legendären Hinrichtung ein, um dann ein Jahr zurückzuschwenken: Klaus in der Krise; ein Messerstich hat ihn fast das Leben gekostet. Als er sich bei der nächsten Attacke unter Deck zurückzieht, rennt ihm Michels nach: „Hast du etwa Schiss?“ Oh ja, so kann man das auch sagen. Gott sei Dank spielt ihnen der Zufall bald eine Kanone in die Hände, die sie waffentechnisch anderen Schiffen überlegen macht.

Bis das „Ermittlerduo“ Lange und Schocke (Alexander Scheer und Milan Peschel) sich ihnen an die Fersen heftet und in bester CSI-Manier aus den Einschusslöchern diverser Planken das Kaliber rekonstruiert und nachbaut. In weiteren Kurzauftritten glänzen Devid Striesow als Hansevorstand und Detlev Buck als Waffenhändler. Außerdem gibt es da noch zwei schöne Frauen, die ebenfalls großen Einfluss auf die Handlung nehmen... Kurzum, hier wurde so wenig mit Ideen aller Art gegeizt, dass man kaum glauben kann, in einem deutschen Film zu sitzen.