Benjamin von Brackel
Ausgabe 1814 | 05.05.2014 | 09:55 14

Ein weites Feld

Stadtentwicklung Am 25. Mai findet die Volksabstimmung über das Tempelhofer Feld statt. Sie ist zum Symbol für die Zukunft der Stadt geworden

Am besten beginnt man die Geschichte vom Streit um das Tempelhofer Feld mit der Feldlerche. Mit seinem abgerundeten Schopf guckt das Vögelchen keck in die Luft. Fliegt es auf, trällert es los. Am Boden singt es nur leise; duckt sich und flitzt über das Gras – dabei hat es hier auf dem ehemaligen Flughafengelände im Zentrum Berlins nichts zu befürchten. Das Mittelfeld des riesigen Areals ist derzeit mit rot-weißem Plastikband umzäunt. Die Feldlerche soll vor Störenfrieden geschützt werden. Doch mit der Rücksicht könnte es bald vorbei sein. Am 25. Mai stimmen die Berliner parallel zur Europawahl über die Zukunft des stillgelegten Flughafens ab. Der Senat will den Rand des Feldes bebauen lassen. Damit blieben zwar gut zwei Drittel der Fläche frei, aber die Besucher müssten in die Mitte rücken – und damit der Feldlerche auf die Pelle. Das neue Gebot: Wohnungsbau statt Nestbau.

Das Tempelhofer Feld ist mehr als nur ein stillgelegter Flughafen – es ist zum Symbol geworden, um das die Berliner erbittert kämpfen, seit sie dessen Freigabe 2010 erzwungen haben. Ein 300-Hektar-Areal mitten in der Stadt, das weitgehend den Bürgern überlassen ist. Wo verschleierte Frauen picknicken neben dem deutschen Rentner, der seinen Bierbauch an den Sonnenstrahlen wärmt und Buben, die Drachen in der Luft kreiseln lassen. Auch die Weite ist einmalig: Zunächst fühlt man sich fast verloren, dann legt sich der Blick entspannt über die Fläche, registriert Fernsehturm, Moschee, Kirchen und Flughafengebäude in der Ferne. Augen und Geist beruhigen sich. Das hat einen Wert: Denn manche Kinder wachsen in den Häuserzeilen Berlins auf, ohne je Horizont zu sehen.

Es drohen riesige Riegel

Wenn man unterwegs ist mit Befürwortern und Gegnern einer Bebauung, zeigt sich Nervosität – für beide Seiten geht es um etwas. Den einen um ein Prestigeprojekt, Wohnraum in der Innenstadt und Stadtentwicklung. Den anderen um Freiheit, den Rest von Anarchie und Selbstbestimmung in der Metropole. Es geht nicht nur um das Tempelhofer Feld. Es geht um die Frage: Wie wollen wir leben?

In der Neuköllner Schillerpromenade kleben auf den Fensterscheiben einer Erdgeschosswohnung grüne „100% Tempelhof“-Aufkleber. Innen sitzen zwei Männer und drei Frauen auf Schreibtischstühlen und planen die finalen Wochen bis zum Volksentscheid. Am Boden stehen Kartons mit Flyern, Wäscheklammern und Ordnern. „Wie viele Flyer sollen wir nachdrucken?“, fragt ein junger Mann mit schwarzen Locken. „Viele. Vielleicht 20.000“, sagt Mareike Witt, eine junge Frau mit blassem Teint und freundlichem Gesicht. „Oberste Priorität – am Wochenende muss wieder was da sein!“ An der Wand hängt eine Karte des Flugfelds, auf die mit schwarzem Edding die geplanten Neubauten gemalt sind. Auf einem Packpapier steht der Plakatspruch „100% Tempelhofer Feld statt Großbaustelle mit Steuergeld“. Griffige Slogans müssen her, um die hohe Hürde zu schaffen. Damit der Gesetzesvorschlag der Bürgerinitiative beim Volksentscheid angenommen wird, müssen mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten zustimmen – also 630 000 Berliner.

„Manche stehen unter großem Druck, sie setzen sich alle für die Sache ein“, sagt Witt im Kampagnenbüro. Sie hebt einen Jutebeutel vom Boden, aus dem ein Megafon purzelt – zum Anpeitschen an den Infoständen. Mit einem Karton Flyer unter dem Arm verlässt die 32-Jährige das Büro, steigt in ihren roten Renault Clio und fährt zum Tempelhofer Feld. Sie parkt unter einem Plakat der Linkspartei: „Ja zum Tempelhofer Feld für alle! Stoppt den Senat: Nein zu Privatisierung und Spekulation!“, steht darauf. Seitdem sich Linke, Grüne und Piraten gegen den Antrag von Union und SPD gestellt haben und den der Bürgerinitiative unterstützen, sind die Regierungsfraktionen wieder am Zug.

Anfang April hatten sie deshalb zur Fahrradtour aufs Feld geladen. Noch bevor er auf sein rotes Rad stieg, wollte SPD-Fraktionschef Raed Saleh eines klären: „Parkbänke und Bäume – beides schließt die Initiative aus“, sagte er den versammelten Journalisten. „Das, was Sie gerade gesagt haben, stimmt so nicht“, entgegnete ihm eine aus der Bürgerinitiative. „Sie haben doch auch gleich die Möglichkeit, was zu sagen“, kantete Saleh zurück. Er mache sich stark für eine „behutsame“ Bebauung an drei Rändern. „Wir wollen bezahlbaren Wohnraum. Wenn man nur Privaten erlaubt, in bestimmten Gebieten zu bauen, dann kann man auch keine sozialen Mieten erwarten“, sagt er in eine Kamera des RBB.

Daran hat Mareike Witt so ihre Zweifel. Wie viele Sozialwohnungen überhaupt gebaut würden, sei unsicher. Womöglich würden die zusätzlichen Privatwohnungen am Ende nur noch mehr Spekulanten anlocken. Ein klares Bekenntnis zu Sozialwohnungen fehlt im Gesetzesvorschlag des Senats, der am 25. Mai ebenfalls zur Abstimmung steht. Aus dem Kofferraum ihres Clios packt sie Flyerstapel in ihren Jutebeutel und geht aufs Rollfeld. Es ist ein warmer Frühlingstag, auf den Wiesen liegen die Menschen, auf den Landebahnen sind sie auf allem unterwegs, was mindestens zwei Räder hat.

Viel Überzeugungsarbeit

Witt muss einem Skateboarder ausweichen, bleibt stehen und deutet auf den Rand einer Landebahn. „Hier hätten wir einen riesigen Riegel“, sagt sie. Bis zu zehn Stockwerke seien geplant. Neben ihr schiebt Julius Dahms sein Stadtfahrrad und trinkt ein Sternburger. Der 29-jährige Initiativensprecher mit dem Fünftagebart sagt: „Alles, was das Feld ausmacht, wird in dem Designerpark nicht mehr möglich sein.“ Nach dem Willen der beiden soll nur aufgestellt werden, was sich in den Charakter des Provisorischen einpasse. Bänke – ja, aber keine mit Betonfundament, Wasserflächen – ja, aber ohne Versiegelung, Baumpflanzungen – ja, aber nur im Außenbereich und vereinzelt im Zentrum. „Wir wollen keinen 100-Prozent-Stillstand, wie es der Senat behauptet“, sagt Dahms. Etwa das Allmende-Kontor, ein Gemeinschaftsgarten einer Bürgerinitiative, könnte vergrößert werden. Auch Gastronomie sei möglich. Andererseits wünschen sich manche Senioren oder Eltern konventionelle Parkbänke, neue Wege, feste Anlagen, Spielplätze. Die Einen wollen mehr Struktur, die Anderen fürchten den Ausverkauf.

Überzeugen müssen beide Seiten nicht nur die ans Feld grenzenden Viertel Kreuzberg, Tempelhof, Neukölln – sondern vor allem die anderen. Und an die kommt die Bürgerinitiative nur sporadisch heran. „Das ist alles ein Tropfen auf den heißen Stein“, gibt Dahms zu. Mareike Witt relativiert: Es sei nicht unwahrscheinlich, von den 237.000 Unterschriften aus dem Volksbegehren auf 630.000 Stimmen beim Volksentscheid zu kommen. Witt zumindest tut, was sie kann: Ihr jüngster Urlaub ist für den Wahlkampf draufgegangen. Aber das Flyerverteilen genieße sie – dann könne sie auf dem Feld sein, sagt Witt, während die Kirchenglocken 18 Uhr schlagen und ein milder Wind ihr die Haare zurückweht.

Normalität soll einziehen

Auch Raed Saleh weiß das Feld zu schätzen. In Raum 358 des Abgeordnetenhauses empfängt der SPD-Fraktionschef in seinem weitläufigen Büro mit den hohen Decken und dem Parkettboden. Ein Fenster steht offen, draußen zwitschern Vögel. Im Sommer und Herbst sei er fünf, sechs Mal dort gewesen, die Kinder hätten Drachen steigen lassen. „Ja, ich kann verstehen, dass man dort die europaweit einmalige Struktur im Herzen der Stadt erhalten will“, sagt er. So weit entfernt seien die beiden Seiten ja gar nicht voneinander, schließlich wolle auch er 230 Hektar als Freifläche festschreiben – eine Fläche größer als der Tiergarten.

Doch das Konzept ist ein anderes. Die SPD will die Fläche erschließen: Am Ring sollen Wohnungen entstehen, Schulen, eine Kita, die Landesbibliothek. Auch Gewerbeflächen. Das Leben auf dem Feld verlagert sich in die Mitte des Areals. Dort soll ein Regenrückhaltebecken entstehen samt Promenade und Erdwall, Fahrradwege, Parkbänke und Bäume. Anders gesagt: Normalität soll einziehen auf dem Feld. Ihm gehe es um eine grundsätzliche Frage, sagt Saleh: „Ist in Berlin perspektivisch noch Bebauung und Entwicklung möglich?“ Wie solle man in „womöglich liebgewonnenen Baulücken“ in der Stadt noch Flächen erschließen, wenn es nicht mal gelänge, auf dem leeren Tempelhofer Feld zu bauen?

Saleh will sozialen Wohnungsbau in „mindestens der Hälfte“ der Neubauten, keine Luxusvillen. „Wir müssen der Tendenz etwas entgegensetzen, dass die Innenstadt nur noch ein Ort ist für Menschen mit besserem Einkommen“, sagt der 36-Jährige. Angesprochen auf die Verkäufe von Tausenden landeseigenen Wohnungen in den vergangenen Jahren, sagt er: „Die Verkäufe waren falsch.“ Aber seit einigen Jahren würde die Stadt ja wieder ankaufen.

Bleibt die Frage, wem die Neubauten auf dem Feld zugutekämen. Dazu, aber auch zur Miethöhe könne er nichts Endgültiges sagen. Der Koalitionsparntner CDU setze sich für „Eigentum“ ein – also Privatwohnungen. Erst nach dem Planungsverfahren samt Bürgerbeteiligung wisse man Genaueres. Auf eines legt sich Saleh aber fest: Für den Fall, dass SPD und CDU beim Volksentscheid verlieren, würde die Koalition die Baupläne einstellen. „Dann ist das so“, sagt er. „Wir werden das Votum der Berliner befolgen.“

Schon versuchen manche, die noch nicht einmal gebauten Wohnungen zu ergattern. Wo man sich denn anmelden könne, würde sie häufig gefragt, erzählt eine Frau in einem Container auf dem Tempelhofer Feld, in dem sie für die Pläne des Senats wirbt. Bei der Frage nach der Feldlerche muss sie erst Papiere aus ihrer Tasche hervorziehen, die sie während einer Schulung bekommen habe. Sie blättert, bis sie auf einer Seite hängen bleibt und wandert mit dem Zeigefinger von oben nach unten: Ja, sagt sie dann, die Feldlerche müsse zum Teil umgesiedelt werden. Nach Brandenburg.

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 18/14.

Kommentare (14)

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Ehemaliger Nutzer 05.05.2014 | 12:04

Geniale Lösung

«Sie blättert, bis sie auf einer Seite hängen bleibt und wandert mit dem Zeigefinger von oben nach unten: Ja, sagt sie dann, die Feldlerche müsse zum Teil umgesiedelt werden. Nach Brandenburg.»

Vorher sollten die Brandenburger-Innen natürlich auch gefragt werden, ob sie damit einverstanden sind, die Lerchen vom Tempelhof zum neuen "Willi Brandt" Flughafen BER in Schönefeld umzusiedeln.

flopserver 05.05.2014 | 12:54

Wenn die SPD von "behutsamer Stadterneuerung" spricht:

Aus dem Katalog zur aktuellen Koeppel-Ausstellung "Himmel, Berlin!" (im Ephraim-Palais):

>>Zwischen 1966 und 1980 wurde das Gründerezitliche Quartier nördlich der Bernauer Straße fast vollständig abgerissen und durch eine Bebauung nach den Kritierien des sozialesn Wohnungsbaus ersetzt. Der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt sprach von "behutsamer Stadterneuerung", tatsächlich handelte es sich um eine Kahlschlagsanierung, gegen die sich zahlreiche alteingesessene Mieter vergeblich wehrten. Viele von ihnen kamen in ihrer angestammten Gegend nicht wieder unter und mussten in das Anfang der 1970er Jhare fertig gestellte Märkische viertel ausweichen.<<

zelotti 05.05.2014 | 15:34

Wichtig ist, dass schnell viel mehr bezahlbarer Wohnraum in Berlin geschaffen wird für die Menschen. Nicht, dass die Hipster eine Nutzfläche "100%" zur Edelbrache umstilisieren mit einem Volksbegehren, wo die Leute gar nicht wissen, wofür sie da stimmen. Wer Brache will, dem kann man eine S-Bahnverlängerung nach Brandenburg bauen.

Robinsohn 05.05.2014 | 23:55

Auf die große Fläche legen Wert: ein Halbmarathon-Läufer, der sagt, er brauche keine Bebauung, ein Einrad-Fahrer, der für seine zwei Schüler die Fläche einer größeren Küche benötigt, Spaziergänger, die sich auf der Lande-Bahn wie auf dem Lande fühlen.

Diese Egozentriker und Egoisten wollen anderen Menschen ein Wohnen in einem vergleichsweise gesunden Umfeld verwehren, obwohl für sie selbst genügend Platz übrig bliebe.

flopserver 06.05.2014 | 00:16

Schon mal woanders in Berlin eine Feldlerche gehört? Oder wo sind Sie mit ihren Sinnen in Berlin? Die 40% stellen 163 Frühjahrs-Reviere dar, da sind wohl Brutreviere, also doppelt soviel Lerchen. Die Feldlerchen stehen allerdings auf einer Vorwarnliste der gefährdeten Vogelarten in Deutschland. So wird auch in der Studie die Notwendigkeit aufwendiger Ersatzhabiatenbeschaffung besprochen. Die Studie weist allerdings auch noch neben anderen Vogelarten auch andere teils bedrohte Flora- und Faunarten aus, z.B. wird das Tempelhofer Feld als "wertevolles Gebiet für die Schmetterlingsfauna" bezeichnet. -

Schon mal überlegt, das man mit Quatiersbauwut gerade mehr "Dreck und Lärm an Straßen und Schienen" schafft? 'Sogar ein ZOB und eine Buslinie ist auf dem Feld geplant.

Robinsohn 06.05.2014 | 00:42

Besonders enttäuscht hat mich der BUND. Er verbreitete, dass eine Bebauung ein schwerwiegender Eingriff in die Natur sei. In die Natur!

Dabei ist das ThF das Paradebeispiel für eine Kunstanlage, eine in der Natur nicht vorkommende waagerechte Grasfläche mit zwei schnurgeraden , parallelen Asphaltstreifen darin.

Naturschützer sollten sich für die Ökologie im Berliner Raum interessieren und,statt die Pußta zu imitieren, Lebensraum schaffen für Pflanzen und Tiere, die in die Brandenburger /Berliner Landschaft passen .

Dazu gehört das Anlegen von Wald, Buschzonen, Wiesen, Seen oder Teichen. Wenn dann die Feldlerche trotzdem noch kommt, ist sie willkommen.

und schließlich ist daran zu erinnern, dass das Tempelhofer FELD ein FLUGfeld war. Das ist nun abgehakt. Daraus ein agrarisches Feld für Feldlerchen, Feldmäuse und Feldfrüchte zu machen, läßt sich doch wohl vermeiden.

Robinsohn 07.05.2014 | 18:39

Ich bestreite, dass im Frühjahr 163 Lerchenbrutplätze auf dem ThF gezählt worden sind . Furchtbar, alles muß man überprüfen. Die linken Gewalttaten nahmen um 40% zu, die rechten sanken um 2%. Wie gefährlich die Linken doch sind! Die absoluten Zahlen, also linke Tätlichkeiten haben jetzt die Hälfte der rechten erreicht. Oder andersrum: Trotz 2% Verringerung sind die rechten Straftaten doppelt so hoch, wie die linken mit 40% Steigerung. Die Täuschung geht noch weiter. Zu den linken Tätlichkeiten wurde die Teilnahme an Sitzblockaden mitgezählt.

Also sagen wir 80 Brutpaare?

Oberham 08.05.2014 | 17:46

Tja - schön, dass sich soviele Menschen für die Feldlerche einsetzen.

Bin gespannt auf den Ausgang des Referendums - auf die Idee, ausschließlich Sozialwohnungen zu bauen, ohne jegliche Privatbeteiligung - vielleicht als Gartenstadt konzipiert - mit großen Gemeinschaftsgärten und einem See im Zentrum - ist wohl sicher wer gekommen, doch das war wohl gänzlich unerwünscht.

Am Ende verlieren alle, die etwas für die normalen ´Menschen erreichen möchten, werden sich die Hippster die Freiflächen und die Bauten schnappen - den für ihre Drachen bleibt genügend Platz übrig - und ich bin sicher - da fallen den Freizeitplanern noch so manche "Highlights'" ein die sich dort platzieren lassen -

.... der Fehler der Pseudo-Anarchos ist, sie möchten ein Flugfeld als romantische Großfläche ausschließlich für einen Freiheitstraum erhalten, ohne zu bedenken, dass so schlicht nur Wohnraumbestizer davon profitieren dürfen.

Anarchie sähe anders aus - Anarchisten würden ein zweites Christiana dort errichten - eine völlig frei von Vorschriften entstehende Slumsiedlung für Arbeits- und Konsumverweigerer - das wäre mein persönlicher Favorit - nur - noch kann sich dort kein Besetzer erfolgreich verschanzen - die Wasserwerfer hätten wirklich ideales Terrain.

Nein, es wird sehr geordnet abgehen - die Berliner sind wirklich ein braves Völkchen.

Ein paar Sitzblockaden, eine Zeltstadt - bis die Wasserwerfer und das Pfefferspray zum Einsatz gelangen - danach angemeldete Montagsdemos - Trillerpfeiffen, Kulturschaffende auf dem Podium, Politiker der Linken und eventuell anderer Parteien, sofern sie hoffen dort Stimmen holen zu können.

... und von Montag bis Sonntag geht man brav arbeiten - froh - Arbeit zu besitzen - egal welchen Schwachsinn man damit letztlich am Leben hält.

miauxx 08.05.2014 | 19:30

Stellt sich freilich die Frage, was man unter "bezahlbarem Wohnraum" versteht. Sozialwohnungsbau oder Wohnungen zum günstigen Tarif würden auf dem Tempelhofer Feld bestimmt nicht entstehen. Wenn ich sehe, was in Berlin an Liegenschaften ungenutzt vergammelt, zieht das Argument, genau dort in Tempelhof Wohnungen bauen zu müssen, nicht. Am ehemaligen Flugfeld würden Hipster-teure Wohnungen entstehen. Da ist mir die "Edelbrache" und Lerche doch viel lieber.

Johannes Renault 09.05.2014 | 04:37

630 000 Stimmen bekommt man doch nicht mal bundesweit zusammen. Ich glaube das wissen die durch Negativauswahl gelaufenen Senatspfeiffen sehr gut. Sonst gäbe es Abstimmungen solcher Art gar nicht.

Selbstverständlich ist auch, dass eine so grosse "freie" Fläche, immer (immer!) eingedämmt werden muss. Sei es durch Kameras, Verkehrsinseln, Zäune, Parkbänke oder "Randbebauung" etc.

Man könnte im Flimmern eines schönen Julitages in der Mitte einer solchen Fläche, ohne dass es am Rand bemerkbar wäre, eine mobile Einheit Boden-Boden-Raketchen auspacken und die Rittergüter derer zu Von Und Zu bestreichen.

Man könnte sich vorstellen das Wallensteins Heere sich dort im Frühling unter dem Deckmantel eines Volksfestes sammeln, und anschliessend mit ganzem Tross und Landsknechtschaften die deutsche Hauptstadt plündern.

Ein Sherwood Forest in dem sich allerlei Gesindel nicht leicht wiederfinden lässt, auch ohne Bäume - mit Feldlerche, ist traditionel undenkbar für die Herzöge/Bischhöfe und ehrbaren Kaufmänner.

Nun bekommt mal in Eurer Phantasie schön die paar 630 000 Stimmen zusammen. Nun tun wir mal schön so als sei das möglich, in unserer Phantasie.

Ich glaube ganz fest daran, dass selbst wenn das Wunder gelänge, eine behutsame Kultivierung der Landschaft immer durchgesetzt würde. Schliesslich würde ja auch jedes Gewässerchen oder die Ostsee bebaut werden, wäre seine Oberfläche nicht so flüssig. Am Ende wird eine solche Freiheit immer randbebaut (immer!), welche dann von Herrn Jauch bewohnt wird, unter der Vorraussetzung dass es keinen Wassermotorbootsverkehr gibt. Der ist nämlich zu laut und verschandelt die freie Sicht von den Terrassen. Das wiederum leuchtet jedem Untertan ein.