Eine für alle!

Altersvorsorge Die Corona-Krise zeigt, wie groß die Löcher im Sozialstaat sind. Viele Menschen werden durch Kurzarbeit oder Jobverlust Abzüge bei der Rente hinnehmen müssen
Eine Szene an der Essener Tafel, Ende März 2020
Eine Szene an der Essener Tafel, Ende März 2020

Foto: Ina Fassbender/AFP/Getty Images

Bitte weiter so! Das ist in drei Worten zusammengefasst die Empfehlung, die die Rentenkommission namens „Verlässlicher Generationenvertrag“ der Regierung in ihrem Abschlussbericht gibt.

Rentenniveau und Beitragssatz bleiben die wesentlichen Stellschrauben: Derzeit bei 48 Prozent festgeschrieben, soll das Rentenniveau nach 2025 nicht unter 44 Prozent fallen, aber auch nicht über 49 Prozent steigen. Der Beitragssatz soll bei 24 Prozent gedeckelt werden. Zugegeben: Die mit Rentenpolitikern der Regierung, Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgebern sowie Wissenschaftlern besetzte Kommission hatte keinen leichten Auftrag. Sie sollte Vorschläge für die „nachhaltige Sicherung und Fortentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung und der beiden weiteren Rentensäulen ab dem Jahr 2025“ machen. Es geht also um die Jahre, in denen mit der Babyboomer-Generation so viele Versicherte zu Rentenempfängern werden wie nie zuvor. Aber es geht auch um die Reform eines gesetzlichen Rentensystems, in dem all jene, die länger arbeitslos sind, Teilzeit arbeiten oder unterdurchschnittlich verdienen, kaum Aussicht auf eine auskömmliche Rente haben. Das betrifft die Babyboomer ebenso wie deren Kinder und Enkel.

Die Corona-Epidemie wird aufs Neue zeigen, wie groß die Löcher im Sozialstaat hier nach wie vor sind: weil die, die nun in Kurzarbeit gehen oder den Job verlieren, Abzüge bei der Rente hinnehmen müssen; weil die, die in den Kümmerer-Berufen arbeiten, jetzt zwar sehr gefragt sind, in unserem Rentensystem aber kaum belohnt werden. Anstatt hier Vorschläge zu machen, pocht die Kommission auf die „möglichst durchgängige Erwerbsbiografie“ mit „guten Löhnen“ als Voraussetzung für eine auskömmliche Rente.

Sie hätte auch den Mut aufbringen können, neue Ideen in die Rentendebatte zu bringen. Zum Beispiel eine Bürgerrente für alle – wie es sie in vielen europäischen Nachbarländern gibt –, ergänzt durch leistungsbasierte Renten. Die Einführung der Grundrente 2021, auf die sich Schwarz-Rot geeinigt hat, mutet im Vergleich zur Arbeit der Rentenkommission geradezu revolutionär an.

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