Stefan Heidenreich
Ausgabe 5215 | 05.01.2016 | 06:00 14

Eine Welt ohne Geld

Ökonomie Wenn Rechner uns helfen, Arbeit und Güter zu verteilen, dann können wir uns Preise sparen. Ein Szenario

Auf lange Sicht wird es kein Geld mehr geben. Vielleicht schon in 50 Jahren, also in der ersten geldlosen Generation, wird man befremdet den Erzählungen von Großeltern lauschen, wenn sie davon erzählen, wie sie mit Metall oder Plastik ein seltsames Ritual namens „Bezahlen“ ausführten. Denn diese seltsame Verrechnungsmethode werden wir uns in etwas fernerer Zukunft sparen können.

Das heißt: wohl nicht wir selbst, sondern die, die nach uns kommen. Die geldlose Wirtschaft könnte ein Ärgernis beseitigen, das John Maynard Keynes als das ökonomische Problem bezeichnet hatte. In einem Aufsatz im Jahr 1930 hatte er in Aussicht gestellt, dass die Großenkel die Grundfragen des Wirtschaftens gelöst hätten, und damit das Ungenügen der Verteilung von Arbeit und Gütern und Geld gemeint. Spätestens in unserer Gegenwart hätte seine Prognose eintreffen müssen, und wie wir wissen, hat sie sich keineswegs bewahrheitet. Die Lösung ohne Geld, die uns nun eher aus technischen als aus ökonomischen Gründen vorschwebt, liegt nicht ganz auf der Linie von Keynes, könnte aber dasselbe Problem lösen.

Technisch gesehen – oder vielleicht genauer aus der Sicht der Medientheorie – liegt die Sache mit dem Geld sehr einfach. Als Medium des Tauschens benötigen wir Geld genau so lange, bis unsere Datenbanken alle Einkäufe und Bewertungen erfassen, speichern und verarbeiten können. Das ist mittlerweile der Fall. Technisch gesehen könnte sich Geld damit schon heute erübrigen. Historisch gehen wir durch eine Phase von Nicht-Geld zu Kredit zu Geld und weiter zu Datenbanken ohne Geld. Der Anthropologe David Graeber hatte in seinem Buch Schulden. Die ersten 5000 Jahre gezeigt, wie Geld entstand. Nicht aus Tauschhandel, sondern aus Schulden. Zuerst gab es Kredit – informell in dörflichen Gemeinschaften, später notiert, etwa in Tempeln. Erst das Geld verwandelt alle Transaktionen in Tauschgeschäfte. Damit macht es eine globale Ökonomie möglich, die nichts mehr notieren muss, aber überall funktioniert und bestens skaliert. Dass Geld durch Aufschreibesysteme wieder ersetzt werden könnte, wies im Jahr 1996 der heutige Präsident der Federal Reserve Bank Minnesota, Narayana Kocherlakota, nach.

Ob damit allerdings das Geld ganz abgeschafft wird oder ob es als Wertmaß noch erhalten bleiben muss, ist offen. Die Frage klingt etwas akademisch, hat aber äußerst praktische Rückwirkungen. Solange wir weiter alle Güter und Arbeiten bewerten, hätten wir zwar vielleicht das Geld abgeschafft, blieben aber im Grund bei seinen Bewertungsmustern. Wir hätten dann nur ein Ersatzgeld an seiner Stelle. Wenn aber die Bewertung selbst verschwindet, wie sollen wir dann eine Wirtschaft koordinieren? Wir müssen dazu zwei Informationen unterscheiden, die jedes Geschäft begleiten. Die eine sind der Wert und die damit verbundenen Kalkulationen. Die andere betrifft den Bedarf, das Angebot, die Nachfrage und die damit verbundenen Koordinationen. Etwa so: Ob das Bier in einer Bar drei oder vier Euro kostet, bleibt sich gleich, wenn nur dafür gesorgt wird, dass genügend da ist. Die eine Information betrifft den Wert. Die andere den Nachschub und die Logistik. Die Logistik muss weiter funktionieren, den Wert braucht keiner.

Wert und Bedarf

Ökonomen kennen eine ganze Reihe von Versuchen, das Rätsel von Wert und Preis zu lösen: Marxisten sind beim Arbeitswert geblieben, die meisten anderen schauen auf den Markt und behaupten, dort würde der Nutzen den Preis bestimmen. Wieder andere fordern, dass Nachhaltigkeit eine größere Rolle bei der Bewertung der Güter spielen sollte. Wir haben also statt eines allgemeinen Werts schon immer eine Menge einander widerstreitender Wertmaße.

Vielleicht geht es nicht mehr darum, all diese Maße auf einen Preis zu reduzieren, sondern sie in ihren verschiedenen Dimensionen zu erhalten und zu beachten. Denn uns interessiert eigentlich nicht, ob ein Ding soundsoviel wert ist oder nicht. Sondern ob wir es bekommen oder nicht. Und was wir dafür tun müssen. Das betrifft aber nicht den Wert, sondern die Zuordnung.

Es gibt nun einige Effekte und Auswirkungen dieser geldlosen Utopie, die wir zumindest kurz erwähnen sollten: Wer oder was hat überhaupt als Akteur in dieser Ökonomie zu gelten? Wie wollen wir ohne Geld Wert speichern? Handelt es sich um eine Form von Planwirtschaft? Wie wollen wir in einem solchen System unsere Zukunft gestalten? Zuletzt: Wo sollte die neue Ökonomie denn herkommen?

Akteur im Wirtschaftssystem kann alles sein, was den eigenen Nutzen kalkulieren kann und Entscheidungen zu treffen vermag. Das umfasst Menschen wie intelligente Dinge. Letztere wissen heute schon mehr als die Menschen, die sie bedienen. Das wäre das Auto, das nicht nur von selbst fährt, eigene Defekte bemerkt und weiß, wo es sie beheben kann, sondern sich auch noch selbst gehört. Eine Wirtschaft ohne Geld wäre nicht eine Planwirtschaft im alten Sinn, sondern ein einzelne Akteure beobachtendes System, in dem wir über Zukunft kommunizieren, sie entwerfen und gestalten können. Es braucht dazu kein Geld, sehr wohl aber Kommunikation und Möglichkeit, sich zusammenzutun, um an künftigen Dingen zu arbeiten. Das Speichern von Wert schließlich wird in dem System tatsächlich erschwert. Dabei handelt es sich nicht um einen Fehler, sondern um willkommenes Merkmal. In einem System, in dem alle ungefähr so viel Arbeit von der Gemeinschaft in Anspruch nehmen können, wie sie ihr geben, macht das Ansammeln oder gar Vererben großer Reichtümer keinen Sinn. Der ganze Finanzfeudalismus kann uns in diesem Fall gestohlen bleiben.

Wie die Ohne-Geld-Ökonomie funktionieren könnte, wissen wir noch kaum. Wir können nur mit guten Gründen vermuten, dass sie möglich ist und dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit kommen wird.

Wer aber wird damit anfangen? Eine Revolution braucht es nicht. Eher wird sich eine geldlose Ökonomie von den Kreisen aus ausbreiten, die ohnehin schon gewohnt sind, mit vernetzten ökonomischen Welten zu handeln. Das kann das digitale Prekariat sein wie die Szene der Gamer oder eine Kombination aus beidem: ein Prekariat von Online-Gamern, die neue ökonomische Formen im Spiel testen und von dort in die Wirklichkeit des immer schlechter funktionierenden Kapitalismus tragen.

Stefan Heidenreich hat soeben zusammen mit seinem Bruder Ralph Heidenreich das Buch Forderungen im Merve-Verlag veröffentlicht

Illustrationen zu dieser Ausgabe

Die Bilder der Ausgabe sind illustrierte Zukunftsvisionen von Klaus Bürgle aus dem vorigen Jahrhundert: „90 Prozent waren Forscherwissen, das andere Fantasie und Konstruktion.“ Mehr über den extraterrestrischen Grafiker erfahren Sie im Beitrag von Christine Käppeler

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 52/15.

Kommentare (14)

na64 05.01.2016 | 10:48

Ich sage das einfach mal so, zu Utopien die möglich erscheinen können und auch ein dazugehöriges Bewusstsein benötigen.

Die Unzufriedenheit der Menschen begründet sich nicht am Geld, sondern in dem Umgang mit viel Zeit.
Wie fülle ich diese Zeit mit motivierender Tätigkeit?
Eine Tätigkeit, die ein Gefühl und eine Bestätigung mit sich bringt, dass ich dazugehöre, zu einer Gemeinschaft, zur Gesellschaft. Dies sollte aber keine Ausbeutung im Sinne von Besitzansprüche sein, wie man es mit dem Medium Geld ja ausübt. man sollte auch nicht enttäuscht sein, wenn bei Utopien, dem erdachten Idealfall, etwas anderes an Realität herauskommt. Na dann, willkommen zurück in den 60zigern, was auch die Fotos im Freitag vermitteln wollen, um an der neuen Zukunft in Gedanken zu basteln.

ThinkSelf 05.01.2016 | 11:12

Sehr geehrter Herr Heidenreich,

leider zeigt Ihr Artikel das Sie nicht im Ansatz verstanden haben was Geld ist. Nun gut, damit stehen Sie nicht allein. Das gilt ja auch für viele Ökonomen.

Geld ist nämlich nichts was irgendwann "erfunden" wurde sondern eine inhärente Eigenschaft arbeitsteiliger Systeme. "Geld" ist seit Entstehen des ersten Lebens da und wird auch nur mit selbigem wieder verschwinden.

Das David Graeber nicht verstanden hat was Geld ist zeigt schon der Titel seines Buches. Denn der hätte lauten müssen: " Zwei Millarden Jahre, eine Geschichte des Geldes."

Was er ebenfalls nicht verstanden hat ist das es grundsätzlich zwei Formen von "Geld" gibt. Die erste ist "Gütergeld", das automatisch bei jeder Tauschtransaktionen entsteht.

Die andere Form ist das Schuldgeld das die Folge einer zeitlich auseinandergzogenen Tauschtransaktion ist. Also einer Transaktion bei der der Rücktausch noch nicht stattgefunden hat. Schuldgeld ist nichts anderes als ein "Merkzettel über den Wert einer noch ausstehenden Güterlieferung". Deshalb ist Schuldgeld (das ist das was wir heute unter Geld verstehen) auch kein "Wertaufbewahrungsmittel" sondern lediglich ein Dokument das ein Versprechen enthält.

Geld entsteht nicht durch "drucken" oder "hinschreiben" oder "speichern". Geld entsteht durch den Bewertungsakt einer vollzogenen Tauschtranskation, sei sie nun abgeschlossen (Gütergeld) oder stehe der Rüchtausch noch aus (Schuldgeld).

Besonders klar wird Ihr Unverständnis für Geld aus folgendem Satz:

"Denn uns interessiert eigentlich nicht, ob ein Ding soundsoviel wert ist oder nicht. Sondern ob wir es bekommen oder nicht."

Ein Güterwert ist keine abstrakte Eigenschaft sondern nur in einem realen Tauschakt überhaupt definiert. Kommt es nicht zu einem Tauschakt, weil sich die Tauschpartner nicht auf einen "Preis" einigen können ist das Gut "wertlos". Es hat schlicht keinen Wert. Ist der Tauschakt abgeschlossen ist das Gut ebenfalls "wertlos". Einen Wert erhält es erst dann wieder wenn es erneut getauscht wird.

Was Sie dagegen für einen Wert halten ist das was z.B. in einer Vermögensaufstellung steht. Das aber ist kein "Wert" sondern ein Konjunktiv in der Form: "Was könnte dieser Gegenstand wert sein wenn ich versuchen würde ihn zu tauschen."

Noch einer:

"In einem System, in dem alle ungefähr so viel Arbeit von der Gemeinschaft in Anspruch nehmen können, wie sie ihr geben, macht das Ansammeln oder gar Vererben großer Reichtümer keinen Sinn."

Hier implizieren Sie das Güter einen "objektiven Wert" besitzen (ansonsten macht der ganze Satz überhaupt keinen Sinn).

Das ist der nächste Kardinalirrtum, denn Güter besitzen nur in nicht überschussfähigen und damit deterministischen Systemen einen "objektiven" Wert. In überschussfähigen Systemen dagegen ist der Wert nicht objektiv sondern ausschließlich von den zeitlich variablen Präferenzen der ökonomischen Subjekte abhängig.

"Objektivieren" kann man Güterwerte nur dann wenn man dem System jede Art von Autonomie nimmt. Und zwar vollständig. Oder anders ausgedrückt: Das Konzept objektiver Güterwerte verträgt sich nicht nur mit menschlichen Gesellschaften nicht, es verträgt sich nicht einmal mit dem Konzept des "Lebens".

Und daher kann man Ihre implizite Schlussfrage auch ganz einfach beantworten:

"Wie eine Welt ohne Geld funktionieren würde wissen wir noch kaum".

Doch das wissen wir. Sie wäre eine tote Welt wie die Venus oder der Jupiter.

pleifel 05.01.2016 | 11:51

In einer Welt, in der es unbegrenzte Ressourcen gibt (so wird heute noch blind produziert, als ob es so wäre) müsste man sich keine Gedanken machen über die Verwendung, da für alle genug vorhanden ist. Dann bliebe noch die "Kleinigkeit" zu klären, inwieweit die "Arbeiter im Weinberg" ganz gelassen damit umgehen, wenn einige wenig dazu beitragen, gewünschte Produkte zu erzeugen, aber viel in Anspruch nehmen und umgekehrt. Aber gehen wir mal davon aus, die Menschen haben einen super Ethos und es macht ihnen einfach nichts aus, da es auch nur wenige sind, die als Nassauer leben. Dann könnte ich mir eine "geldlose Welt" vorstellen, wenn für die Ressourcenbereistellung (die Organisation von Material und Arbeitskraft) keine Geldsurrogate erforderlich sind.

Da das alles eine reine Utopie ist und fern jeglicher Realisierung kann ich nur jeden warnen, sich im Alltag an den bargeldlosen Transaktionen zu beteiligen und diese auf das Notwendigste zu beschränken. Denn nichts wäre gewissen Kreisen dienlicher, als uns auch noch diese letzte "Anonymität" von Bargeldzahlungen zu nehmen. Jede bargeldlose Transaktion kann kontrolliert und unterbunden werden, jegliche bargeldlose Vermögensanlage kann uns gesperrt und auf Null geschrumpft werden. Wollen wir wirklich dazu beitragen?

Comparse 05.01.2016 | 12:25

Solange Menschen materiellen Werten einen höheren Rang einräumen, als ideellen, solange wird es auch das Geld oder das Gütergeld oder das Schuldgeld geben.

Und da ich nicht davon überzeugt bin, dass sich der Mensch in naher oder ferner Zukunft in dieser Beziehung im Großen und Ganzen tatsächlich weiterentwickeln könnte, bleibt auch die Idee vom Kommunismus - der geldlosen Gesellschaft - leider eine Utopie.

KungB 05.01.2016 | 15:19

@ THINKSELF - Danke für die Aufklärung:

> "Geld" ist seit Entstehen des ersten Lebens da und wird auch nur mit selbigem wieder verschwinden.

Ich hatte gedacht der goldene Götze kam erst nach der Genisis. Naja, wer Gott mit der Schöpfung gleichsetzt, kann ihn nicht töten ;-)

Das Problem ist in meinen Augen nicht das Geld oder irgendwelche subjektiven Wertigkeiten, sondern die egozentrische Nutzenmaximierung des Menschen.

Individuelle Nutzenmaximierung ist das Wesen unseres aktuellen Wirtschaftssystems. Das Prinzip hat sich durchgesetzt und viel positives erschaffen bzw. ermöglicht. Aus darwinistischer Sicht, kann man Ihrem Zitat also teilweise folgen.

Ob wir den evolutionären Schritt schaffen, der eine Welt ohne Geld ergibt wird die Zeit zeigen.

> "Wie eine Welt ohne Geld funktionieren würde wissen wir noch kaum". Doch das wissen wir. Sie wäre eine tote Welt wie die Venus oder der Jupiter.

Eine Tote Welt funktioniert ohne Geld. Ich denke es gibt diverse andere Lösungen, die auch ohne Geld auskommen.

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Ehemaliger Nutzer 05.01.2016 | 17:27

„Ja, ich entsinne mich vom Ende der Lohnarbeit auf der Sternenflotten-Akademie gelesen zu haben. Die Lohnarbeit fand Mitte des 21. Jahrhundert durch die schuldgeldbedingte und verzinste hohe Produktivität, weil niemand mehr all den unnützen Plunder konsumieren wollte, ein schnelles Ende und wurde durch das Bedingungslose Grundeinkommen vollständig ersetzt – bevor man später gar kein Geld mehr benötigte.“ *

Jean-Luc Picard vom Raumschiff Enterprise im 24. Jahrhundert

Kapitalismus gescheitert / Grundversorgung kommt

https://aufgewachter.wordpress.com/2014/02/20/kapitalismus-gescheitert-grundversorgung-kommt/

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Ehemaliger Nutzer 05.01.2016 | 17:35

2.087 Euro im Monat für jeden Europäer

Das Bruttoinlandsprodukt gibt den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen an, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt wurden und dem Endverbrauch dienen.

Teilt man nun die Summe der europäischen Bruttoinlandprodukte durch die Anzahl der Menschen, die in der Europäischen Union leben, dann hätte jeder einzelne Mensch in der Europäischen Union einen gerechten Anteil von 2.087 Euro netto im Monat bekommen müssen. Und, hat er?

Und da soll kein Geld für ein Europäisches Grundeinkommen von 1.500 Euro im Monat übrig sein? Einfach lächerlich! Für wen arbeitet Ihr da eigentlich ?

Teilt man nur das deutsche Bruttoinlandprodukt durch die Einwohner der BRD kommt man sogar auf 2.727 Euro netto im Monat.

Teilt man die Summe der Bruttoinlandprodukte der Welt durch die Weltbevölkerung kommt man immerhin noch auf 633 Euro netto im Monat.

Europ. Bruttoinlandprodukt = 17,266941 Billionen US Dollar (Jahr 2013)
Bevölkerung in der EU = 505,73 Millionen Menschen (Jahr 2013)
Bruttoinlandprodukt BRD = 3,593238 Billionen US Dollar (Jahr 2013)
Bevölkerung in der BRD = 80,586 Millionen Menschen (Jahr 2013)
Welt Bruttoinlandprodukt = 73,454493 Billionen US Dollar (2013)
Weltbevölkerung = 7,1 Milliarden Menschen (2013)
1 Euro = 1,3628 US Dollar (Kurs vom 16.01.2014 09:15 Uhr MEZ)

Schlimmer aber noch folgendes ...

Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen, aber Mähdrescher mit einer Ernteleistung von 78 Tonnen Getreide pro Stunde fahren lassen

https://aufgewachter.wordpress.com/2014/01/18/wer-nicht-arbeitet-soll-auch-nicht-essen-aber-mahdrescher-mit-einer-ernteleistung-von-78-tonnen-getreide-pro-stunde-fahren-lassen/

Johann Schiel 06.01.2016 | 01:50

Ich schätze, da wurde etwas aneinander vorbeigeredet.
In ihrem Kommentar reden sie vom "Wert" und meinen im Wesentlichen den Tauschwert (unterstelle ich mal). Und ich gebe ihnen Recht: dieser entsteht sozusagen inhärent bei jedem Tausch oder auch schon einer Weitergabe von Gütern oder Dienstleistungen allein durch die Bewertung dees Vorganges durch die Beteiligten.
Wenn im Text von "Wert" die Rede ist, ist vornehmlich der gebrauchswert gemeint, mit dessen bedeutung im Hinterkopf der Satz

"Denn uns interessiert eigentlich nicht, ob ein Ding soundsoviel wert ist oder nicht. Sondern ob wir es bekommen oder nicht."

natürlich wieder Sinn ergibt (wobei hier mit dem Wortteil "wert sein" tatsächlich der Tauschwert gemeint ist...): bekommen wir etwas, hat es für uns einen Gebrauchswert, bekommen wir es nicht, dann eher nicht.

Die Frage, die bleibt, denkt man über die beschriebene Utopie nach, ist also: sind Menschen fähig, Gesellschaften zu bilden, in denen die Weitergabe von Gütern und Dienstleistungen vorwiegend als Weitergabe von Gebrauchswert (also idealerweise Erfüllung von Bedürfnissen) verstanden wird? Es wären Gesellschaften, in denen etwas gegeben (geschenkt) würde, nur aus dem Grund, dass das Bedürfnis besteht, es zu erhalten.

Peter Nowak 07.01.2016 | 02:49

Eine Gesellschaft ohne Geld ist nur in einer nichtkapitalistischen Gesellschaft denkbar, die auf einer Rätegesellschaft basiert die die technisch möglichen Produktionsmittel planvoll nutzt. Waren und Tausch gibt es dann nciht mehr und auch dann kann das Geld als Tauschmittel wegfallen. Im Kapitalismus sind solche Projekte höchstens in einigen Nischen möglich, was ja heute schon gelegentlich passiert.

KungB 07.01.2016 | 21:25

Wir bräuchten also nur ein Ereignis, das es ermöglicht ein bedingungsloses Grundeinkommen von 633 Euro im Monat einzuführen.

Um das Werkzeug Geld zu vermeiden, müsste die Industrie 5.0 nur allen eine einheitliche Grundversorgung bereitstellen, also Unterkunft, Nahrung etc.

Die gewonnene Zeit kann der Mensch dann beliebig nutzen, was definitiv zur Produktion von Waren und Dienstleistungen führen wird. Diese können ohne Geld nur regional getauscht oder verschenkt werden, was wiederum das System daran hindert gravierende Ungleichgewichte zu schaften.

Das System und die gewonnene Zeit stärken das soziale Umfeld und machten zufrieden. Geben ist seliger als Nehmen.

Naja, die Musik spielt wie immer im Detail. Sehr schwer ein solches System weltweit in Balance zu halten... In unbekannte Galaxien vordringen zu können, wäre hier bestimmt hilfreich.

Zwei grosse Fragezeichen habe ich jedoch bei allen Utopien dieser Art:

- Wie verhindert man, dass eine soweit automatisiertes System nicht von opportunistischen Individuen unter ihre Kontrolle gebracht wird?

- Was wird das Ereignis sein, das einen zeitnahen Umbruch ermöglicht?!!

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Ehemaliger Nutzer 08.01.2016 | 13:44

Frage an die Unternehmer

Wenn alle Unternehmer es geschafft haben die menschliche Arbeitskraft durch Roboter aus ihren Unternehmen zu drängen, woher bekommen die Menschen dann das Geld, um sich diese Produkte kaufen zu können?

Ohne ein Bedingungsloses Grundeinkommen werden alle Unternehmer auf ihren Waren sitzen bleiben müssen. Wollt Ihr das? Ich dachte Ihr wollt Gewinnmaximierung? Stattdessen betreibt Ihr Verlustmaximierung!

https://aufgewachter.wordpress.com/2016/01/08/frage-an-die-unternehmer/

Tiefendenker 14.01.2016 | 12:06

@THINKSELF

Ihre Vorstellungen zu "Geld" unterliegen einer völlig falschen Ontologie. Das ist typisch für das bürgerliche Subjektbewusstsein. Der Gedanke "Geld" gehört immer automatisch mit "Arbeitsteilung" zusammen, ist so falsch, wie nicht totzukriegen.

Hat man hingegen ein ksomolisches Bewusstsein, wie vermutlich

@AUFGEWACHTER, dann ist einem klar, dass "Geld" eine soziale Kategorie ist. "Arbeit" und "Wert" ebenso. Beides war nicht von Anfang an da, sondern ist erst im Laufe der menschlichen Geschichte, erklärbar aus religiösen Opferhandlungen bzw. den Machtverhältnissen heraus, entstanden. Ich empfehle dazu das Buch "Geld ohne Wert" (R.Kurz, 2012) zu lesen, in dem sich der Autor mit dem neuesten Stand der Forschung zur Herkunft des Geldes und seinem Bedeutungswandel auseinandersetzt.

Alle Thesen von THINKSELF werden darin zweifelsfall entzaubert und als Mythos des Kapitalismus entlarvt, der damit rückwirkend seine eigene Entstehung ideologisch zu rechtfertigen versucht. Das passiert durch Rückprojektionen seiner Basiskategorien, die man einfach beliebig ins Mittelalter, in die Antikel, zu Jesus-Zeiten oder wie in diesem Fall an den Anfang der Menscheit überhaupt zurück datiert.

@AUFGEWACHTER

Sehr starke Argumente!!! Danke! Seh ich genauso. Die Grenze des Kapitalismus ist letztlich laut Marx das Kapital selbst. Wenn der Idealzustand fast kostenloser Produktion per Roboter erreicht wäre, würde kein neuer Mehrwert und somit kein weiteres Kapital mehr gebildet werden können. Dann ist Schluss. Dem nähern wir uns seit 4 Jahrzehnten allmählich an.

Nach der These von THINKSELF müsste dann die Menschheit enden. Das denke ich nicht. Was endet, sind dann falsche Erklärungen wie seine.

Ich meine Piccard hat hat Recht. ;o)

Trekkies united!!!

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Ehemaliger Nutzer 14.01.2016 | 13:51

@ Tiefendenker

Und Professor Butterwege irrt sich gewaltig ...

Statt einen Text mit dem Namen “Auf dem Weg ins Mittelalter” zu verfassen, sollte Herr Butterwege, der ja ironischerweise auch, wie Herr Boes, “nur” ein Transferleistungsempfänger ist, langsam mal damit beginnen Texte, wie “Auf dem Weg in das automatisierte Zeitalter” zu schreiben, sonst kann er nämlich demnächst, wie Herr Boes, auch 132 Tage sanktionshungern, bis das Jobcenter eventuell irgendwann mal einknickt.

Man muss sich nur mal die Vita von dem Professor anschauen, 65 Jahre und noch keinen einzigen Tag realwirtschaftlich gearbeitet, sondern nur von Transferleistungen dem Steuerzahler auf der Tasche gelegen und Politikwissenschaften-Theorien über die Nichtmachbarkeit des Bedingungslosen Grundeinkommens zum Besten gegeben.

Und von was will Professor Butterwege dann leben, wenn alle Unternehmer es geschafft haben die menschliche Arbeitskraft durch Roboter aus ihren Unternehmen zu drängen, woher bekommen die Menschen dann das Geld, um sich diese Produkte kaufen zu können?

Dann muß der verwirrte Professor vom Bedingungslosen Grundeinkommen leben, daß er jahrelang als nicht finanzierbar predigte im Auftrage aller wirklichen Sozialschmarotzer – nämlich den Partei-Lobbyisten und ihren Spender-Banken.

Christoph geh mal richtig arbeiten und beschäftige Dich endlich mal mit der seit dem Jahr 1978 längst überfälligen Ausgleichsabgabe, der Automatisierungs/Roboter-Steuer mit welcher das Bedingungslose Grundeinkommen durchaus finanzierbar wäre und verschone uns mit deinem “Bedingungslosen-Grundeinkommen-Nichtmachbarkeits-Geschwätz.“

Das Bedingungslose Grundeinkommen ist finanzierbar

https://aufgewachter.wordpress.com/2013/03/20/das-bedingungslose-grundeinkommen-ist-finanzierbar/

Apropos : Trekkies united

Hier kommt was Neues ... Picard hat´s vorgemacht ...

Merkelgehorsam verweigern

https://aufgewachter.wordpress.com/2016/01/14/merkelgehorsam-verweigern/