Einer aus Haiders "Buberl-Partie"

Programmierter Verlierer Der FPÖ-Vorsitzende und Spitzenkandidat Mathias Reichhold

Wie der heißt, wissen alle, nur wie hoch der verlieren wird, darüber gibt es die kühnsten Spekulationen. Der 45jährige Landwirt und jetzige FPÖ-Verkehrsminister Mathias Reichhold hat ein Amt übernommen, das in dieser Situation eigentlich niemand mehr haben wollte. Einer aber hat sich hergeben müssen, und so nahm man halt den "Hias".

Wenn er zum Zug gekommen ist, so liegt das hauptsächlich daran, dass er sich in den innerparteilichen Kämpfen nicht positioniert hat. Er blieb gut Freund mit Jörg Haider, solidarisierte sich aber auch mit der ehemaligen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer. Dass er sich nicht exponierte, disponierte ihn geradezu zum idealen Kandidaten für den Vorsitz einer Partei in der Phase ihres zwischenzeitlichen Absturzes. So lautet das Geheimnis des nunmehrigen freiheitlichen Spitzenkandidaten.

Wer ist dieser Mann, werden sich nicht wenige fragen. Was soll einem zu dem groß einfallen? Nun, Mathias Reichhold gehörte Anfang der Neunziger zu Jörg Haiders sogenannter "Buberl-Partie" - und er selbst bezeichnete sich einst gern als Haiders "Platzhalter" in Kärnten, wo er zweimal Landeshauptmann-Stellvertreter gewesen ist. Er gehörte aber nie zu den auffälligsten oder gar lautstärksten der Haider-Partei, verkörpert eher Zurückhaltung, etwas, das einem in der Politik nicht unbedingt nutzt. Stramm, aber nicht polternd, so in etwa könnte man den Kärntner beschreiben. Er hat zwar nichts zu sagen und ist dabei nicht einmal provokativ.

Kostproben? Auf die Frage des Wiener Standard vom 5. Oktober etwa, ob er gleich Haider in Krumpendorf vor SS-Veteranen aufgetreten wäre, antwortet er: "Es kommt immer darauf an, was man dort sagt. Jeder, der versucht, diese Zeit zu glorifizieren, der hat nicht verstanden, dass es jetzt darum geht, in die Zukunft zu blicken und Frieden zu schaffen." Also: Auftritt ja, Glorifizierung nein! Zumindest jetzt nicht. Wenn diese Rücksichtnahme kein Fortschritt ist.

Ansonsten hat sich der neue Vorsitzende die Latte ziemlich tief gelegt. Jedes Ergebnis, das am 24. November über 15 Prozent Stimmen einbringt, werden die Freiheitlichen als Erfolg feiern, 1999 waren es noch 27 Prozent. Auch nach der absehbaren schweren Niederlage im November dürfte der neue FPÖ-Obmann nicht abgelöst werden. Das wird noch dauern. Erst wenn die Klagenfurter Geschütze und ihr erster Kanonier - nicht nur in der militärischen Sprache - wieder so richtig scharf nachgeladen haben, ist damit zu rechnen, dass sich hier etwas tut. Freilich sind denen zur Zeit Munition und Nachschub ausgegangen. Auch gehören manche Kanoniere nicht unbedingt zu den Beliebtesten in der Partei. Hans Achatz, Vorsitzender der oberösterreichischen FPÖ, wurde inzwischen zum Rücktritt gezwungen, und der andere Drahtzieher der Ablösung Susanne Riess-Passers, der FP-Volksanwalt und Rechtsaußen Ewald Stadler, sieht sich vom Parteiausschluss bedroht.

Mit Reichholds Tätigwerden als Interimsvorsitzender wird es dann vorbei sein, wenn sich Gremien und Basis der FPÖ wieder halbwegs gefangen haben. In künftigen Interviews wird der dann auf seinem Bauernhof Zurückgekehrte betonen, es sei doch ausgemachte Sache gewesen, dass er nur für eine kurze Episode zur Verfügung stehen sollte. Daher seien auch alle, so ganz ohne Murren, für ihn gewesen. Aber die wahre Führung der Partei heiße nach wie vor Jörg Haider. Ehebald wie ehedem. Aber lassen wir Reichhold noch einmal selbst zu Wort kommen: "Mache glauben möglicherweise: ›Na ja, der wird das eh nicht schaffen, und der ist viel zu schwach.‹ Aber die werden sich noch anschauen." Zweifellos: sich schon, aber ihn nicht.

Abschneiden der FPÖ seit 1983

(in Prozent)

19835,0
19869,2
199016,6
199422,6
199521,9
199927,2

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00:00 25.10.2002

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