Er kommt wieder

Actionfilm Vor 30 Jahren kam „Terminator“ mit Arnold Schwarzenegger heraus. Erinnerungen an die Zukunft
Julian Augstein | Ausgabe 35/2014 2

Seit Nietzsches Zarathustra aus den Bergen zu den Menschen zurückgekehrt ist und auf einem Marktplatz seine Lehre vom „Übermenschen“ predigte, geistert diese Figur durch die Philosophiegeschichte: frei von jeder Moral, nur dem Willen zur Macht verpflichtet und legitimiert durch das Recht des Stärkeren.

Wir wollen seit dem Faschismus von Übermenschen nicht mehr viel wissen. Einerseits. Andererseits haben wir den Übermenschen nie hinter uns gelassen, im Gegenteil: Nietzsches Gestalt wurde zur Ikone der Popkultur. Wir treffen den Übermenschen in der Kunst, im Film und in der Mode, auch wenn uns das nicht immer bewusst ist. Heldenfiguren in Comics dürfen ebenso „übermenschliche“ Kräfte haben wie der Radfahrer Lance Armstrong bei der Bezwingung einer Bergetappe auf dem Fahrrad. Armstrong war geradezu der archetypische Sport-Cyborg; alle Welt hatte das Doping geahnt. In der Schönheitsindustrie sind die „Idealmaße“ ein Standardbegriff. Was aber auch bedeutet, dass jedes Abweichen davon nicht ideal ist, also minderwertig. Wo es den „Übermenschen“ gibt, muss es eben auch den „Untermenschen“ geben. Ob David Beckham oder Cristiano Ronaldo, die idealtypischen Unterwäschemänner – die narzisstische Pose mag unterhaltsam sein und harmlos wirken. Doch die Auswirkungen und Verdrängungen in der kollektiven Seele können real werden und sich in einer sozialen Gleichgültigkeit und Kälte niederschlagen. Wertlos könnte erscheinen, was nicht einem ästhetischen Zweck genügt.

Wenn Arnold Schwarzenegger als Cyborg im Film Terminator in einer Polizeistation nach Sarah Connor fragt und in bestem Roboter-Steirisch sein „I’ll be back“ vorträgt, dann scheint jener unverstandene nietzscheanische Supermann aus seiner Cyborg-Seele zu sprechen: „Ich komme wieder“ lautet die deutsche Übersetzung dieser ominösen Ankündigung, die vom Terminator in der Weise eingelöst wird, dass er mit einem Fahrzeug den Haupteingang der Polizeiwache samt Glasfront rammt, um mit der Tür ins Haus zu fallen beziehungsweise zu fahren.

Schwarzeneggers Vater Gustav hatte bei den deutschen Streitkräften gedient. Er trug ein Hitlerbärtchen und war Stalingrad-Veteran. Später war er Polizist. Arnold macht in den 70er Jahren in den USA als Bodybuilder Karriere. Das lag nicht eben nahe. Schwarzenegger war Avantgardist. Der Zeitgeist wehte noch in eine andere Richtung, als er sich mit Leni-Riefenstahl-Ästhetik, Holzfällercharme und österreichischem Akzent in die Höhen Hollywoods pumpte. Es war der Regisseur und Drehbuchautor James Cameron, der mit der Figur des Terminators eine Filmrolle schuf, die Schwarzenegger wie auf den Leib geschneidert zu sein schien.

Im Zeitparadoxon

Der Film Terminator schildert eine fiktive Zukunft, in der sich von Menschen konstruierte Maschinen verselbstständigt haben und einen Krieg gegen die Menschen führen. Der menschliche Widerstand wird von einem Rebellenanführer namens John Connor im Jahr 2029 in eine Entscheidungsschlacht gegen die Maschinen geführt, die diese zu verlieren drohen. Um diese drohende Niederlage abzuwenden, schicken die Maschinen einen Terminator in die Vergangenheit, also einen Roboter, der darauf programmiert ist, die Mutter von John Connor namens Sarah zu eliminieren, bevor diese ihren Sohn zur Welt bringen kann.

Die Menschen wollen diesen Plan vereiteln und schicken den Elitesoldaten Kyle Reese dem Terminator hinterher in die Vergangenheit des Jahres 1984. Es beginnt fortan des Terminators Jagd auf Sarah Connor, in deren Verlauf diese von Kyle Reese geschwängert wird, der sich somit als Vater von John Connor entpuppt. Reese selber unterliegt jedoch im Kampf gegen den Terminator, der wiederum von einer Schrottpresse zermalmt wird. Die Terminator-Trümmer landen in einem Labor des militärisch-industriellen Komplexes – und ermöglichen überhaupt erst die Entwicklung der Maschinen, die der Menschheit dann den Garaus machen wollen.

Der Film spielt also ausgiebig mit dem Lieblingstrick aller Geschichten über Zeitreisen: dem Zeitparadoxon. Ursache und Wirkung werden leidenschaftlich miteinander verwechselt, und am Ende löst sich alles in ein Logikwölkchen auf.

So sollte man lieber nicht fragen, was eigentlich geschehen wäre, wenn der Terminator die Geburt von John Connor tatsächlich hätte verhindern können. Es würde dann keinen Rebellenanführer namens John Connor in der Zukunft geben, die Entscheidungsschlacht gegen die Maschinen im Jahr 2029 wäre abgesagt und damit auch die hiermit korrelierende Zeitreise vom Terminator und von Kyle Reese. Würden Reese und der Terminator aber gar nicht erst in der Vergangenheit des Jahres 1984 auftauchen, hätte sich die Geschichte des Terminators damit quasi von selbst erledigt, der Albtraum eines jeden Drehbuchautors wäre dann bittere Realität geworden. Eine Geschichte zu schreiben, die dazu führt, dass diese Geschichte eigentlich gar nicht existieren könnte.

Die Maschinenrebellion

Fernab kausaler Widersprüche hat sich jedoch die Vorstellung etabliert, dass eine Zeitmaschine eine alternative Gegenwart konstruieren könnte. Der britische Philosoph Mark Rowlands hat in seinem Buch Der Leinwandphilosoph eine praktische Anwendung für Killer-Cyborgs vorgeschlagen: Wer um jeden Preis einen unliebsamen Konkurrenten ausschalten wolle, müsse einfach einen Killer-Cyborg in die Vergangenheit zurückschicken, um diesen Konkurrenten zu eliminieren, bevor dieser überhaupt erst ein Konkurrent werden könne. Und es erscheint ja auch die Fantasie verlockend, dass ein Terminator beispielsweise in das Deutschland der 1920er Jahre per Zeitreise geschickt werden könnte, um einen aufstrebenden Politiker wie Adolf Hitler rechtzeitig aus dem Weg zu räumen und der Menschheit somit einiges zu ersparen. Der Terminator als messianische Projektionsfläche eines Erlöser-Cyborgs.

In Rebellion der Maschinen, dem dritten und düstersten Teil der Terminator-Reihe, wird solchen Hoffnungen freilich eine deutliche Absage erteilt. Der Versuch, den zivilisationszerstörenden Atomkrieg und den Aufstieg der Maschinen zu verhindern, scheitert. Die Geschichte, das ist die Botschaft des Films, lässt sich nicht betrügen. Was geschehen muss, wird geschehen.

Alle drei Terminator-Filme (1984, 1991, 2003) mit Arnold Schwarzenegger sind, wie auch der vierte (2009) ohne ihn, auf DVD erhältlich. Im kommenden Jahr soll eine Fortschreibung wiederum mit dem heute 67-Jährigen folgen

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