Erich Kuby

KOLUMNE Ultimo

In seiner Nummer 11 vom 11. März titelte der Spiegel auf dem Umschlag "Deutsche an allen Fronten, die überforderte Armee". Im Artikel zu dieser Ankündigung (Seite 172 ff) werden die Einsatzorte der 10.000 Soldaten aufgelistet, die für Ordnung und Frieden in fernen Ländern sorgen sollen: Dschibuti, Afghanistan, Kuweit, der Balkan. Nirgendwo haben sie mit militärischen Kräften zu tun, denen sie unterlegen wären. Wieso sind sie "überfordert"?
In Afghanistan sind zwei deutsche Soldaten gefallen, nicht etwa in Kampfhandlungen, sondern zerrissen von einer zur Unzeit explodierenden russischen Bombe. Der Presse dieses fatale Ereignis mitzuteilen, hatte sich der Bundeskanzler einen Traueranzug und eine gedeckte Krawatte angezogen. (Auch Wilhelm II. war immer passend kostümiert und hatte sich an manchen Tagen dreimal umgezogen. Er war kein Kaiser, sondern ein Kaiserdarsteller. Erst im holländischen Exil hat er als alter Mann etwas Würde entwickelt.)
Vom fernen Chile her, wo er sich gerade aufhielt, ließ der Außenminister wissen, er sei "tief berührt".
Das Getue um zwei tote Soldaten und die Phrase von der "überforderten Armee" klingen mir fatal in den Ohren. Aus ihr sollte so rasch wie möglich eine Freiwilligen-Armee gemacht werden. Internationale Vereinbarungen sollten das Militärische aussparen. Dieses Schröder-Deutschland ist weder materiell noch psychisch (glücklicherweise) das Kindbett einer militärischen Potenz.
Der Spiegel schrieb, unsere Armee mit ihrer Wehrpflicht "lebe weit über unsere Verhältnisse". Das gilt auch für unsere Innenpolitik, die diese Armee sozusagen verdauen muss.
Findet ein Krieg statt? In der Tat, die USA unter Bush führen Krieg "against Terror". Wer übt ihn aus? Osama bin Laden wäre die beste Adresse - aber wo hält er sich versteckt? Ersatzweise wendet sich Bush gegen den Irak. Noch zögert er, einen zweiten Golfkrieg zu führen, der diesmal Bagdad entmachten müsste, seinen Diktator liquidieren.
Hat Bush das auf seiner Rechnung? Dann müsste er mit Bodentruppen einen Krieg führen, mit dem verglichen die Niederwerfung Afghanistans zu einer belanglosen Episode würde.
Vor dieser Perspektive schreckt die Berliner Regierung offensichtlich zurück und scheint bereit, ihr Versprechen "unverbrüchlicher Solidarität" stark zu relativieren. Die "Überforderung unserer Armee", die ja noch nicht stattgefunden hat, soll offenbar vermieden werden. Der Gedanke an die Bundestagswahlen im Herbst und an den "Kandidaten", der auf der Matte steht, tut ein übriges, mit ganz ruhiger Hand die laufenden Geschäfte zu führen.
Die zwei toten deutschen Soldaten sollten rasch vergessen werden.

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