Esoterik, Erzengel, Emanzen: Ziemlich machohaft ist das Turin von Davide Longo

Krimi In deutschen und italienischen Feuilletons wird Davide Longo für seinen literarischen Anspruch gelobt. Jetzt ist wieder ein Roman von ihm erschienen: „Schlichte Wut“
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 45/2022
Die Ponte Isabella in Turin
Die Ponte Isabella in Turin

Foto: Imago/Viennaslide

Turin war stets die Stadt der Melancholie und der höflichen Gesten. „Solange es Wolken gibt über Turin, ist das Leben schön“, dichtete einst Cesare Pavese. In den Krimiklassikern des Sizilianers Leonardo Sciascia wurden meist die gewissenhaften Carabinieri aus dem Piemont nach Palermo geschickt, um sich dann allerdings gegenüber den mafiösen Strukturen als machtlos zu erweisen. Das Turiner Autorenduo Fruttero & Lucentini dagegen kultivierte in seinen maliziösen Kriminalromanen den norditalienischen Snobismus mit feinsinniger Ironie.

Davide Longos Commissario Vincenzo Arcadipane ist ein Kind des Südens, das im Norden nicht heimisch werden konnte und auf seinen durch und durch piemontesischen Vize Pedrelli mit mildem Spott blickt: „Imme

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