Soziologin Eva Illouz: „Israel ist keine koloniale Macht“

Interview Warum geben selbst queer-feministische Bewegungen ihre Agenda für die palästinensische Sache auf? Eva Illouz kritisiert die mangelnde Bereitschaft progressiver Linker, die Lage in Israel im Detail zu verstehen. Etwas lässt sie jedoch hoffen
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 20/2024
Soziologin Eva Illouz: „Israel ist keine koloniale Macht“

Foto: Corinna Kern/laif

Die Proteste an Universitäten weltweit gegen den Gaza-Krieg zeichnen ein allzu simples und falsches Bild der Situation in Israel, sagt die Soziologin Eva Illouz. Im Gespräch mit Lior Kodner, Digital-Chef der israelischen Tageszeitung Haaretz, ordnet sie die aktuellen Vorgänge historisch ein und erwägt Lösungen. Lucia Engelbrecht hat es aus dem Hebräischen übersetzt.

Lior Kodner: Frau Illouz, lassen Sie uns auf das letzte halbe Jahr zurückblicken. Der Krieg dauert mittlerweile länger als 200 Tage. Wie hat sich das Verhältnis von Israel zur akademischen Welt und im speziellen zur Linken Ihrer Meinung nach geändert?

Eva Illouz: Was momentan passiert, ist kein grundlegender Wandel des Verhältnisses, lediglich die Intensität steiger