Extrem fun

Sportplatz In gloriosen Zeiten wie diesen, in denen die Devise allgegenwärtig ist, ein jeder habe allzeit fit zu sein für Fun und Run und das allgemeine stupide ...

In gloriosen Zeiten wie diesen, in denen die Devise allgegenwärtig ist, ein jeder habe allzeit fit zu sein für Fun und Run und das allgemeine stupide Gehetze nach Credibility und wunderbarer Gesamtwellness, reicht es natürlich nicht mehr, mal vor die Tür zu gehen, ein paar Runden um den Block zu schlendern, ziellos durch das Urban Environment zu spazieren oder zwanzig Bahnen im altmodischen Schwimmbad ohne Whirlteich, Hantelhalle und Powersauna zu ziehen. Nein, so einfach ist das längst nicht mehr, das geht nicht mehr, wo kämen wir da hin.

Zumal die von einer aufgeputschten Style-your-life!-Presse reichssporttagsstark ans Publikum gerichtete Forderung nach einer jetzt aber ein bisschen zackig einzuleitenden Frühlingsfitnessinitiative auf breitester Gesamtbevölkerungsbasis konvergiert aufs lieblichste mit der immer größer werdenden Palette von sogenannten Funsportarten, von Freizeitbetätigungen mithin, die irgendwie "Spaß" machen sollen, dem Kreislauf in den Hintern treten und darüber hinaus cool, trendy und weiß Gott ehrlich knorke und beknackt sind.

Da hätten wir zum Beispiel das laut www.sport.de ziemlich abgefahrene "Balooning", das im Grunde nichts anderes ist als ein komfortabler Ballonausflug, so benannt aber einfach besser klingt. Und während "Beachsoccer" und "Beachhandball" noch an die schlichte Grundgeselligkeit des zwanglosen Herumsportelns unter freiem Himmel erinnern, kommen beide gleichwohl ohne das Etikett "echter Spaßsport" wirklich nicht mehr aus. "Soll´n wir am Strand ´ne Runde bolzen?" Nee, so sagt man nicht länger; sondern: "Ey, lass uns am Beach mal richtig spaßtechnisch absoccern, Alter!" Und schon beginnt der Extremfun, und zwar einsame Spitzenlotte.

Vollständig daneben ticken allerdings vor allem Leute, die sich fürs hier nicht näher zu erläuternde "Bigfoot-Fahren" und, wahlweise, den "Downhill-Buggy" begeistern oder tatsächlich "Bob Run Speedskating" betreiben und auf Mountainbikes, Inlineskates oder Skateboards die eisfreien Bobbahnen erkunden, um sie für Sturzübungen bei Tempo einhundert inklusive Schädelbasisbruch und ausgerenkter Kniekehle zu nutzen.

Ausgesprochen beliebt scheint auch das "Bungee Jumping" zu sein, das mittlerweile freizeitindustriestrategisch in x Varianten aufgeboten wird. Da gibt es etwa im Kontrast zum ja eher unthrillenden Balooning das affenscharfe "Helikopter-Bungee", flankiert vom "Rope Bungee", bei dem man an einem Kletterseil in die Tiefe hüpft, sowie vom andersherum funktionierenden "Hot Rocket Bungee": Hier schnellen die Bunger am gespannten Seil nach oben. Wem das nicht bescheuert genug ist, wählt die Version des "Bungee Running" in der Horizontalen: "Bungee Runner versuchen vom Fixpunkt des Bungeeseils so weit wie möglich wegzurennen. Doch das Seil gewinnt immer und lässt jeden, der es probiert, unbarmherzig zurückschnellen." Soweit www.sport.de.

Dass das "Grassboarden", das Skateboarden auf Wiesen, Geröllhängen, in Kiesgruben und auf Müllhalden, ausgerechnet von einem Psychotherapeuten aus der Oberpfalz erfunden wurde, erstaunt nicht minder als die neuseeländische Errungenschaft des "Zorbings". Nein, "Zorbing" hat im näheren nichts mit dem "U-Booting", einem Wettrennen in pedalbetriebenen, zigarrenförmigen Unter-Wasser-Seifenkisten gemein, ist jedoch womöglich noch vor "Kitesurfen" unter Zuhilfenahme eines Lenkdrachens, "Barfußwasserski", dem "Air-Chair"-Wasserski auf einem kleinen Hochsitz und dem Fallschirmspringen von Brücken und Häusern - dem sog. "Base Jumping" - die dämlackeligste Art, seine Zeit bewegungsaktiv zu verschleudern und sich dabei zum Esel zu machen.

Was das ist, das "Zorbing"? Konsultieren wir abermals das Funsportlexikon von sport.de: "Der Zorb ist ein Gummiball mit einem Durchmesser von drei Metern, in dem ein weiterer, kleinerer Ball aufgehängt ist. In diesem inneren Ball steckt der ›Zorbonaut‹ wie in einem Ganzkörperairbag. So gepolstert kann er sich Hänge herunterstürzen oder sich vom Wellengang des Meeres durchschleudern lassen."

Er kann das aber genauso gut bleiben lassen und, sofern er desgleichen anderweitig weder ballaballa noch zorbonautisch durch den Wind ist, nach alter Manier zum, mit Gerhard Polt zu frohlocken, "Fresh Air Snapping" und "Unforced Time Passing" übergehen - ohne sich vorher irgendwo downhill oder downbridge zu stürzen und anschließend fungestählt zu übergeben. Wohl bekomm´s!



00:00 16.04.2004

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