Fand in Bonn ein neuer Erdgipfel statt, Frau Deilmann?

Nachgefragt Wurde auf der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn ein langer Stillstand überwunden? Ja, bis vor einem Jahr interessierten sich nur Eingeweihte für ...

Wurde auf der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn ein langer Stillstand überwunden?
Ja, bis vor einem Jahr interessierten sich nur Eingeweihte für Artenschutz. Nun hat es die Kanzlerin mit ihrem Auftritt zu einem wichtigen Thema in Europa gemacht. Aber jedes Land hätte sich mehr bewegen können.

Man einigte sich auf ein "Bonner Mandat", das zu Regeln gegen Biopiraterie führen soll. Erhalten Ureinwohner bald einen gerechten Ausgleich, wenn Pharmakonzerne von ihrem Wissen über Heilpflanzen profitieren?
Mal sehen. Wenigstens hat man sich 16 Jahre nach dem Erdgipfel von Rio de Janeiro endlich auf einen Fahrplan geeinigt, der 2010 zu verbindlichen Regeln führen soll. Es wird spannend. Auf der Konferenz in Bonn haben wir bereits gemerkt, dass die Lobbyverbände der Industrie das WTO-Freihandelsabkommen gegen die Artenschutzkonvention ausspielen wollen. Sie beschränken nämlich den ungehinderten Handel. Wir sind jetzt zaghaft optimistisch.

Stichwort Life-Web: Staaten können künftig Schutzgebiete anbieten und wie auf dem freien Markt nach Geldgebern suchen. Wie beurteilen Sie diese Initiative?
Es ist ein pragmatisches Instrument. Es funktioniert wie an der Börse, die einen bieten an, die anderen steigen ein. So ticken Industrienationen eben. Kurz vor Ende der Konferenz hatten 30 Staaten Schutzgebiete angeboten, etwa Indonesien und Peru. Nur Deutschland ist bisher interessiert, ein Gebiet - das im Kongo liegt - zu finanzieren.

Kanzlerin Merkel hat angekündigt, 500 Millionen Euro für den Artenschutz ausgeben zu wollen. Was hat sie in Bonn damit erreicht?
Es wäre schön gewesen, wenn es uns andere Staaten nachgemacht hätten. Die Engländer sagen treffend: Conservation without money is conversation, salopp übersetzt: Wer Schutzgebiete will, darf nicht nur reden, sondern muss sie auch finanzieren. Einzig Norwegen erklärte sich anschließend bereit, mehr Geld in den Artenschutz zu investieren.

Anders als im Klimaschutz bewegt sich im Artenschutz trotz allem eher wenig. Liegt das an der fehlenden Politisierung des Themas?
Nichts geht über Politiker, die sich vor Kameras äußern wollen. Es gab jetzt zum ersten Mal einen kleinen Hype um die Biodiversität. Nun kommt es darauf an, dass das Thema dauerhaft öffentlich wahrgenommen wird. Wir müssen zeigen, dass der Erhalt der Artenvielfalt auch im Kampf gegen Armut hilft.

Das Gespräch führte Dirk F. Schneider

Astrid Deilmann ist Sprecherin des WWF und beobachtete die Verhandlungen in Bonn.

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