Fisch von der Flachzange

Krawall Fremdenfeindliche Töne sind im britischen Wahlkampf allgegenwärtig
Fisch von der Flachzange
Die britische Gesellschaft: nur noch eine Parodie ihrer selbst?

Foto: Timothy A. Clary/AFP/Getty Images

Zündet Satire in diesem Land heute deshalb so wenig, weil die britische Gesellschaft nur noch eine Parodie ihrer selbst ist? Warum muss ein Aufschwung der Scottish National Party (SNP) in den Medien Anflüge eines Kilt-und-Porridge-Rassismus auslösen? Weil sich englische Wähler mit der Aussicht schwertun, politische Entscheidungen könnten bald mehr bei den Schotten liegen? Gleich wird SNP-Chefin Nicola Sturgeon zur „gefährlichsten Frau Britanniens“. Es zählt zu den Absurditäten dieses Wahlkampfs, wenn Politiker, die sonst vor britischen Flaggen stehen und für teure Kernwaffen werben, plötzlich vor dem Nationalismus warnen.

Noch haarsträubender als die Warnungen vor der SNP klingen die Anti-Einwanderungstöne aus dem Mund von Labour-Chef Ed Miliband. Wie soll man einen Mann wählen, der nicht einmal das Selbstvertrauen hat, die eigene Existenz zu rechtfertigen? Sein Hauptargument gegen Migranten scheint zu sein, dass sein Vater eine verwirrte Flachzange großgezogen hat. „Zuwanderung begrenzen“ steht auf der Teetasse, die Labour als Wahlgeschenk verteilt. Kein sehr dezenter Hinweis, dass die Pakistaner nicht willkommen sind. Nur vergessen wir nicht, wo der Tee herkommt. Diese Tasse steht in krassem Widerspruch zu ihrem Inhalt. Solange man sie nicht mit heißer Limo füllt, wird die Flüssigkeit darin immer eine Migrantin sein. Auf einem Gefäß für Heißgetränke, die wir uns als Kolonialisten verschafft haben, gegen Zuwanderung zu agitieren, ist nicht sehr logisch und klingt nach Ukip, der Holzhammerversion fürs Krawallfernsehen. Diese Partei will nicht, dass Fremde bei uns das Sagen haben, abgesehen natürlich von der Königsfamilie. Im Wahlkampf deckt Ukip die Slapsticksparte ab, inklusive des Pornostars unter ihren Kandidaten. Der ist natürlich nicht der erste Abgeordnete, der sich beim Sex filmen ließ. Bloß der erste, bei dem die Partnerin erwachsen war.

Selbst unsere Wohltätigkeit ist nichts als Gängelung. Gib einem Mann einen Fisch, und er hat für einen Tag zu essen. Gib ihm eine Angel, und er kann sich selbst ernähren. Oder anders gesagt: Tauche nicht 400 Jahre, nachdem du seine Vorfahren versklavt hast, bei ihm auf, um ihm irgendeinen Mist über Fisch zu erzählen. Es gab gerade Spendenaktionen für Malawi und Uganda. Dabei fiel kein Wort über unsere Kolonialgeschichte dort. „Danke für die Diamanten, Jungs. Wir haben mal den Hut rumgehen lassen und euch eine Angel gekauft.“

Frankie Boyle ist Guardian-Kolumnist

06:00 05.05.2015
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