Fischköpfe von der Sozialfürsorge

ZWANGSARBEIT FÜR DIE "V 2" Die Lebensuhr der Alexandra Wolokitina aus Weißrussland
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Aus dem neunten Stock eines Hochhauses blickt sie auf die westlichen Rayons von Moskau - in dieser Gegend bewohnt die 73jährige Alexandra Grigorjewna Wolokitina eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Eine alte Dame mit dichtem, silberweißem Haar, einem von vielen Falten zerfurchten Gesicht, vor allem in Höhe der Augenwinkel. Alexandra lässt keine Zeit verstreichen, ist sofort beim Thema, kaum dass sie mich in ihr Wohnzimmer gebeten hat. Sie holt vergilbte Dokumente aus der Schublade, die sie als "Usnik", als ehemalige Zwangsarbeiterin und Schwerbehinderte, ausweisen.

"Am 2. Mai 1944 haben mich die Deutschen mitgenommen, da befanden sie sich schon seit Monaten auf dem Rückzug. Ich war gerade 17 geworden und wohnte mit meiner Großmutter - die Eltern starben schon vor dem Krie