Hanna Gersmann
Ausgabe 0117 | 09.01.2017 | 06:00 103

Fleisch ist sein Gemüse

Porträt Godo Röben ist in einer der größten Fleischfabriken der Republik der Mann mit dem Veggie-Plan

Täuscht Godo Röben, 48, Vater zweier Kinder, Hobbyfußballer, unaufgeregter norddeutscher Typ, die Bürger? Röben ist der Mann, der Produkte, die wie Fleisch schmecken, aber kein Fleisch sind, groß rausgebracht hat. Er muss sich dafür verteidigen. Immer wieder. In diesen Tagen erst recht, seit sich CSU-Bundesagrarminister Christian Schmidt in der Bild-Zeitung mit einem Stück Schweinebraten abbilden ließ und erklärte, Begriffe wie „vegane Currywurst“ oder „vegetarische Schnitzel“ verbieten zu wollen, weil sie die Verbraucher in die Irre führten.

Röben hat als Chef von Marketing und Entwicklung der Rügenwalder Mühle dafür gekämpft, dass einer der größten Wurstfabrikanten Deutschlands vegetarische Schnitzel und Frikadellen einführt. Er hat damit einen Trend entdeckt – oder ihn selbst gemacht. Das lässt sich nicht eindeutig sagen. Das Geschäft jedenfalls läuft gut. Schon jetzt machen Röben und seine Kollegen rund 20 Prozent ihrer gut 205 Millionen Euro Jahresumsatz mit fleischlosen Produkten. Damit die Veggieprodukte verpackt werden können, brauchte die Firma, die im niedersächsischen Bad Zwischenahn sitzt, einem Kurort nördlich von Oldenburg, extra eine neue Halle. Auch ein neues Verwaltungsgebäude entstand. Zudem stellte Röbens Chef rund 130 Leute ein, nun hat er 560 Mitarbeiter.

Das Fleisch ohne Tier ist gefragt. Die Konkurrenz Meica, Wiesenhof und andere zogen nach. Allein: Die Neuerungen, die Röben im Supermarktregal angestoßen hat, passen nicht jedem. Röben kann das bei Twitter lesen. Sauenhalterin Nadine Henke schreibt da: „Wir kaufen konsequent keine Rügenwalder Produkte mehr.“ Ihren Tweet griff selbst die britische Boulevardzeitung Daily Express auf und machte „Bratwurst Wars“ in Deutschland aus. Bratwurst-Kriege – das ist etwas übertrieben. Doch den Fleischproduzenten behagen die Fleischimitate aus Soja, Eiklar, Rapsöl und Zusatzstoffen nicht. „Was habt ihr für einen Blödsinn vor?“ – das fragen ihn auch die Landwirte an seinem Stammtisch, sagt Röben.

Er lebt und arbeitet dort, wo so viele Schweine und Hühner gehalten werden wie nirgendwo sonst in Deutschland. Er wollte nie weg aus der Gegend, ist in Brake an der Unterweser aufgewachsen, nur knapp 40 Kilometer entfernt von der Rügenwalder Mühle. Dort habe er sich nach seinem BWL-Studium in Bremen, meint Röben, „einfach mal so“ beworben. Christian Rauffus, der Chef, habe gefragt: „Was wollen Sie machen?“, er habe geantwortet: „Marketing.“ Rauffus: „Das haben wir noch gar nicht. Machen Sie mal.“ Das war vor gut 20 Jahren. Röben kreierte fortan Produkte wie die Pommersche Leberwurst oder die Teewurst im Plastikschälchen. Vor gut fünf Jahren kommt ihm dann der Veggie-Plan in den Sinn. Für die 1834 gegründete Rügenwalder Mühle wird er, nun ja, eine Herausforderung.

Oder anders gesagt: ein Kulturbruch. Röben will eigentlich nicht mehr darüber reden. Der Streit sei vorbei, sagt er. So mancher habe ihn „aber wohl schon für einen Spinner gehalten“. Seine fleischlosen Ideen wurden in der Firma verworfen, alle Entwicklungen gestoppt, sobald er in Urlaub fuhr. Dann mussste er wieder von vorne anfangen. Röben wollte fast schon aufhören. Dann setzt er sich an den Schreibtisch und schreibt eine Rede auf, packt alles rein: dass die Leute den Appetit auf Wurst verlieren, sie die Massentierhaltung nicht wollen, dass der Klimawandel durch die Fleischproduktion angeheizt wird, sich mit pflanzlicher Ernährung mehr Menschen ernähren lassen als mit Fleisch, dass sie mit der Zeit gehen müssen. So in der Art. Und er endet mit dem Satz, den sein Chef später in einem Interview aufgreift und der immer wieder zitiert wird: „Die Wurst wird die Zigarette der Zukunft sein“ – also verpönt, nicht mehr gesellschaftsfähig.

Röben tingelt mit dem Vortrag durch die Firma, wirbt bei Betriebsrat und Geschäftsführung für seine vegetarischen Wurstspezialitäten. Vor zwei Jahren bringt die Rügenwalder Mühle die ersten Produkte heraus. Seither hat sie rund 44 Millionen Euro in die Reklame für Vegetarisches gesteckt, fast den gesamten Werbeetat. Sie entwickelt keine neuen Produkte aus Rind, Schwein, Huhn. Röben ist überzeugt, dass Fleisch ohne Tier ankommt. Er selbst gönnt sich mal ein Steak medium, aber eine Mortadella aus Schwein „niemals“. Die sei aus Pflanzen genauso gut, „sogar besser, denn sie hat vergleichsweise weniger Kalorien“. Nur: Warum ist die nicht bio?

„Zu teuer“, argumentiert Röben, „die meisten Kunden würden dann die billigere Fleischwurst kaufen. Damit erreichen Sie nichts.“ Das habe er so auch mit dem Vegetarierbund diskutiert, der das Unternehmen immer wieder berate. „Die sind anstrengend, aber kennen sich aus“, sagt Röben. Bleibt eine Frage: Was spricht gegen fleischlose Namen für Veggieprodukte? „Ein ,Bratstück auf Pflanzenölbasis‘, das isst doch keiner“, meint Röben. Auch habe sich noch keiner seiner Kunden von fleischloser Mortadella getäuscht gefühlt. Die treibe eher um, ob in einer Teewurst oder im Leberkäse Fleisch ist.

Agrarminister Schmidt hat mit Röben bislang noch nicht gesprochen. Aber Röben ist Marketingmann, er sendet seine Botschaften. Gerade erst hat er Winnetou-Darsteller Wotan Wilke Möhring für seine Sache gewonnen. Der erklärt im neuen Werbespot, warum Vegetarisches wie Fleisch sein muss: „Weil viele Menschen den Geschmack von Fleisch mögen, aber trotzdem nicht so viel davon essen wollen.“ Röben wird ab Februar einer von zwei Geschäftsführern der Rügenwalder Mühle. Der bisherige Chef Rauffus wechselt in einen neu geschaffenen Aufsichtsrat. Röben sagt, dass bis zum Jahr 2020 bereits 40 Prozent aller Rügenwalder-Produkte vegetarisch sein sollen.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 01/17.

Kommentare (103)

Richard Zietz 09.01.2017 | 11:30

Fleisch ist kein Gemüse!

Und Tofu – ebenso alles andere, was da als sogenannter »Fleischersatz« hineingepackt wird – nicht einmal ein Gemüse, sondern eine undefinierbare, nach nichts schmeckende Aus-Etwas-Masse, bei der die fehlende Substanz mittels Gewürz- und Chemiebeigaben angetäuscht wird.

Was bleibt, ist großflächige Kunden-Umerziehung respektive Beschiss. Wie damit umgehen? Man wird halt am Fertigwurst-Regal etwas mehr aufpassen müssen – und die Marke »Rügenwalder«, die perspektivisch sowieso auf Pseudo-Fleischwaren umzusteigen gedenkt, gedanklich aus dem Sortiment streichen.

Am besten wäre es natürlich, die CSU kann sich bei dem Thema durchsetzen: klare räumliche Trennung von Fleisch- und sogenannten »Veggie«-Waren; eindeutige Deklarationen auf den Verpackungen, dass es sich um ein ERSATZ-PRODUKT handelt und keinesfalls um »Fleisch«waren.

Dann wären »Veggies« und Normalesser(innen) gleichermaßen bedient. Beide wüßten, wo sie ihre Vorzugs-Lebensmittel jeweils finden, keine Irritationen und keine Schleich-Mission nach dem Motto »Die Tofu-Wurst, die du dir versehentlich reingetan hast, hat doch gut geschmeckt, oder?«

gelse 09.01.2017 | 15:22

Paniert hab ich sie noch nie probiert, aber:
In Olivenöl anbraten, feingehackten oder durchgepressten Knoblauch drüber, mit dem Knoblauch noch kurz weiter braten. Dazu Dinkelbaguette und ein Glaserl Pinot Grigio* oder grünen Veltliner*: Ein Wonne.
Die Pilze müssen nicht so tun als wären sie Fleisch.
Übrigens: Kichererbsenküchlein heissen ja Falafel und müssen auch nicht so tun als wären sie Fleisch.

Einmal hab ich Wurstsalat mit Sojawurst probiert: Nie wieder. Entweder das Original oder eben gar nicht.

* Wein und Bier sind vegan ;-)

Gonzo 09.01.2017 | 16:09

Ich bin auch ein Fleischfreund. Und ich dachte lange Zeit, dass es völlig albern ist, veganes Hackfleisch und dergleichen anzubieten. Aber es gibt viele Menschen, die Fleisch mögen, es aber aus Gewissensgründen nicht oft essen mögen. Solange man mir das Fleisch nicht verbieten möchte, soll man halt eben auch das anbieten. Obwohl ich sagen muss, dass, um bei Gelse's Beispiel zu bleiben, Kichererbsen eben immer Kichererbsen bleiben und deren Verkauf als Fleischersatz schlicht der Profitmaximierung dient...

gelse 09.01.2017 | 16:31

>>Aber es gibt viele Menschen, die Fleisch mögen, es aber aus Gewissensgründen nicht oft essen mögen.<<
Ich esse auch nicht sehr viel Fleisch, eher so wie es vor 60 Jahren noch üblich war. Dann muss es auch kein Discountfleisch sein.
Wenn aber Leute sich von irgendwelchen Chemikern vorgaukeln lassen, sie hätten doch noch jeden Tag ein Stück Fleisch auf dem Teller und abends die Wurst, dann hängt ihnen die Pappe irgendwann mal zum Halse heraus und sie gehen doch wieder zum Original über, wetten?

Achtermann 09.01.2017 | 16:38

Ihr Anti-Veganer kommt ja ziemlich herablassend daher. Offensichtlich ist doch, dass die Fleischproduktion zu großen Teilen nicht umweltneutral ist. Nicht zufällig sind die deutschen Ackerböden mit den Inhaltsstoffen der Gülle versifft und lassen das Grundwasser zu einem aufwendig zu reinigenden Lebensmittel werden.

Als das Umweltbundesamt kürzlich wegen der Umweltbelastung eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für Fleischprodukte forderte, gab es einen Aufschrei von rechts bis links. Der verunglückte "Veggie-Day" kehrte aus den grünen Albträumen zurück. Jedem Deutschen seine echte Bratwurst, und zwar täglich im Angebot nicht unter 24 Stunden. Daran darf kein Fragezeichen gehängt werden.

grashalm 09.01.2017 | 16:40

Aber bitte mit Maß - das Bundesamt für Strahlenschutz warnt:

"Bestimmte Pilzarten und Wildarten sind in einigen Gegenden Deutschlands durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl noch immer stark mit Cäsium-137 belastet."

"Wer seine persönliche Belastung verringern möchte, sollte in den höher belasteten Gebieten Deutschlands auf den Genuss selbst erlegten Wildes und selbst gesammelter Pilze verzichten."

Richard Zietz 09.01.2017 | 17:03

Meine Ess-Erfahrungen mit dem Zeug waren bislang irrtumsbedingt und entsprechend, ich kann es nicht beschönigen – traumatisch. Man muß sich ja einfach mal überlegen, was da untergemengt wird. Vegan heißt = kein Fleisch, kein Fisch und keine Tierprodukte. Rollen wir eine (mehr oder weniger) schmackhafte Mahlzeit von den Grund-Zeremonialien her auf, sind im Wesentlichen vier Richtungen möglich: Getreideprodukte (Brot), Reis, Pasta und Kartoffeln. Bleiben wir bei Brot. Mit Käse lassen sich Fleisch / Wurst locker substituieren. Fallen Michprodukte ebenfalls flach (was veganseits ja der Fall ist), wird’s eng. Eingelegtes wie zum Beispiel Paprika oder Oliven ginge noch – aber die ganze Woche durch? Außerdem weiß man bei Eingelegtem auch nicht, ob irgendein Vegan-Papst da bereits einen Bann verhängt hat.

Heißt im Klartext: Vegan ist es, wenn es nicht schmeckt (ein rein auf Körnern, Gemüse + Ballast basierendes Mahl, dass einmal pro Woche durchgehen mag, einmal abgezogen). Kommen wir zu den Ersatzpräparaten, die der Artikel anpreist. Dabei ist: Tofu, ein geschmackloses Präparat auf Bohnenbasis, im Volksmund sinnfälligerweise »Bohnenkäse« genannt. Herstellung laut Wikipedia: »Der durch Denaturierung und Koagulation von Proteinen entstehende Sojaquark wird entwässert und anschließend zu Blöcken gepresst.« Ganz lecker wird es bei texturiertem Soja. Laut Wikipedia ist das »(…) ein industriell hergestellter Fleischersatz, der aus entfettetem Sojamehl, einem Nebenprodukt der Sojaölproduktion, hergestellt wird. (…) Texturiertes Soja hat fast keinen Eigengeschmack. Die Zubereitung erfolgt in der Regel durch Einweichen, Würzen und Erhitzen.« (Fettungen von mir)

Mit anderen Worten: Bei den »veganen« Hauptzutaten handelt es sich um Abfallprodukte, die ein ordentlicher Bauer nicht einmal an seine Schweine verfüttern würde. Es wird aber noch besser. Bei den »Veggies« gibt es unterschiedliche Härteklassen. Einige lehnen auch Kleidung aus Tierprodukten ab (wo dann auch Seide drunterfällt wegen der Seidenraupen). Einige gehen so weit, dass sie nur solche Pflanzenprodukte zu sich nehmen, deren Verzehr nicht die Zerstörung der Pflanze zur Folge hat (diese Richtung nennt sich »frugan« – man könnte aber auch sagen: »lend a meal« ;-).

Lange Rede kurzer Sinn: Wenn man sich die richtigen »Rules« auferlegt, kann das Nicht-Verhungern auch bei solventem Geldbeutel zu einem ähnlichen Abenteuererlebnis werden wie weiland in der Steinzeit. Mit dem kleinen Unterschied nur, dass diese Menschen sich dieses Schicksal freiwillig auferlegen, während andere 500 Kilometer weiter vor Hunger krepieren. Wie sieht die Chose gesundheitlich gesehen aus? Wikipedia sagt: durchwachsen. Bei einigen Nährstoffen kommen Veganer und Vegetarier zwar besser weg als der Durchschnitt. Bei einigen lebenswichtigen Vitaminen und Mineralien sieht es allerdings eher mau aus. Wikipedia: »(…) Bei Kleinkindern stillender Mütter, die sich vegan ernähren und deren Muttermilch arm an Vitamin B12 ist, kommt es ohne Zufütterung tierischer Lebensmittel oder Vitamin-B12-Supplementierung bereits im zweiten Lebenshalbjahr zu gefährlichen Mangelsymptomen, die bis zu bleibenden neurologischen Schäden, verzögerter neurologischer Entwicklung sowie Apathie, Koma sowie hochgradiger Hirnatrophie reichen können.«

Mit anderen Worten: Die Leute werden tendenziell matschig in der Birne. Da das Ganze explizit als Vorstoß in Richtung Unterklasse propagiert wird und der Interviewte selbst seiner Hoffnung Ausdruck verleiht, dass Fleischprodukte in Zukunft ähnlich gesellschaftlich geächtet (!!) sind wie heutzutage Zigaretten, sollte man sich – meine bescheidene Meinung – ruhig ein paar Gedanken darüber machen, in welche Richtung das linksliberale Schiff zwischenzeitlich Kurs aufgenommen hat.

Gonzo 09.01.2017 | 17:30

Die Unterklasse hat ja bereits jetzt mit Mangelernährung zu kämpfen, in einem der reichsten Länder der Welt.

Wenn ich den Zahlen aus der letzten Doku glaube, sind ungefähr 30 % CO2 auf die Landwirtschaft zurückzuführen. Davon entfallen ca. 15 % auf die Viehzucht.

Landwirtschaft war allerdings niemals CO2-neutral. Es lässt sich nachweisen, dass seit Beginn von Ackerbau und Viehzucht auch der CO2-Ausstoß zugenommen hat. Nun kann man voller Selbsthass auf Nahrung verzichten, oder man fokussiert sich auf die übrigen 70 %, die zum Großteil auf unvernünftiges Wirtschaften zurückzuführen sind. Aber bei den Grünen ist der Opportunismus so weit gediehen, dass man lieber dem Volk die Nahrung verbietet, statt dem Wildwuchs der Märkte kritisch zu begegnen.

Es gibt Menschen, die solches Verhalten als Ökofaschismus bezeichnen. So sehe ich es auch...

gelse 09.01.2017 | 18:14

>>Sofern die für den Gärungsprozess zuständigen Kleinsttierchen zum Zeitpunkt des Alkoholgenusses durch den Menschen das Getränk wieder vollzählig verlassen konnten und für ihre Gärarbeit fair entlohnt werden ... dann wohl ja...<<
Für die Gärung zuständig sind Hefen, und die gehören zu den Pilzen. Kammer zwar nicht als vegetarisches Schnitzel braten, aber Tiere sind sie nicht...

gelse 09.01.2017 | 18:33

>>Ihr Anti-Veganer kommt ja ziemlich herablassend daher. Offensichtlich ist doch, dass die Fleischproduktion zu großen Teilen nicht umweltneutral ist.<<
Ich meinte mit „muss nicht Discountfleisch sein“ muss nicht aus Massentierhaltung stammen.
Es hängt von der Menge des Konsums ab. Weniger ist mehr, sowohl geschmacklich als auch was die Umwelt angeht. Und es müssten keine Futtermittel mehr importiert werden.
Landwirtschaftsminister und ihre Lobbyisten denken da anders: Von 5 Grossmastbetrieben vielleicht mal 2 dichtmachen, und der Rest produziert die gleiche beschissene Qualität unter den gleichen Knastbedingungen weiter. Wie bei der Milch.
Jedem Deutschen seine Kartoffelpuffer, seinen Bohneneintopf, seine Kässpätzle und, sagen 1 - 2 mal in der Woche ein Fleischgericht. 1 mal Schweinsbraten, 1 mal Bratwurst. Dann wüsste man auch wieder den Wert zu schätzen.

ThomasF 09.01.2017 | 18:35

Eine vegane Ernährung wird sich wohl erst durchsetzen, wenn In Vitro-Fleisch zur Marktreife gelangt. Oder wenn pflanzliche Ersatzprodukte dem Geschmack von Fleisch wesentlich näher kommen.

Moralische Argumente - so eindeutig sie in diesem Fall auch sind, da wir Tierprodukte nicht brauchen und das Leid von bewussten Lebewesen aus rein hedonistischen Gründen in Kauf nehmen - werden nicht ausreichen, um den Egoismus zu überwinden. Die Sklaverei wurde ja auch erst abgeschafft, als die Industrialisierung allmählich einen technischen Ersatz für menschliche Muskelkraft bereitstellte.

gelse 09.01.2017 | 19:07

>>Die Gelatine mit der Bier, Wein und Saft gekärt werden, bleibt nicht drin, drum steht sie nicht drauf.<<
An klares Bier hab ich jetzt gar nicht gedacht, stimmt.
Beim Wein war es früher so, dass man vorsichtig aus der Flasche dekantiert hat wenn sich was abgesetzt hatte.
Geht natürlich heute nicht mehr: Fluppp gluckgluckgluck...
Aber ohne Schönungsmittel behandelter Wein schmeckt besser, wie auch ungeklärtes Bier.

Richard Zietz 09.01.2017 | 19:34

Mann muß einfach konstatieren, dass »die da oben« schon immer gegen hedonistische Sitten beim einfachen Volk eingestellt waren. Mitgemischt haben da alle – von fundamentalistischen Hardlinern im Osmanischen Reich, die Ende des 16. Jahrhunderts gegen den Genuss von Kaffee (!!) vorgingen über die Prüderie der viktorianischen Ära und den Abolitionismus des protestantisch-weißen Amerika bis hin zu den Anti-Fleisch und Anti-Coca-Cola-Kampagnen des fundamentalistischen Nazi-Flügels (wobei ich selbst mir noch in meiner Jugend anhören durfte, dass sich ein Stück Fleisch, dass man in ein Glas Coke legt, binnen kurzer Zeit auflöst).

Zu viel, die stetig wechselnden Moden des Anti-Hedonismus hier aufzuzählen. Auffällig erscheint mir allerdings schon, dass speziell diejenigen, die in der Tradition der protestantischen Arbeitsethik stehen, derzeit im Bereich Askese predigen die Vorreiterrolle geben – wobei es im Interview ja hoch aufschlussreich ist (sogar in der Bildunterschrift mit aufgegriffen), dass Fleisch- und Tabakkonsum in einem Atemzug gebrandmarkt werden. Wegen mir kann man die Arbeitshypothese, dass die Verzichtsethik des Kapitalismus ihre reinste Form zwischenzeitlich bei den Grünen findet, ja für Quatsch halten. Den Umstand, dass ein Marketing Chief für ein Genussprodukt selbiges via Interview in Grund und Boden redet, finde ich allerdings schon bemerkenswert.

ThomasF 09.01.2017 | 19:56

Den Abolitionisten ging es auch nur darum, den Plantagenbesitzern ihren Wohlstand zu vermiesen und den Kunden die Freude an Zucker und Baumwolle, die man eben nur mit Sklavenarbeit zu reellen Preisen anbauen konnte...

Haben Sie mal darüber nachgedacht, wie viele Monate leidvolles Leben nötig sind, damit Sie mit Ihrem Schnitzel ein paar Minuten kulinarisches Vergnügen haben können? Ein moralischer Mensch würde das lange Leid gegen das kurze Vergnügen abwägen und feststellen, dass die Sache nicht aufgeht. Ihre Empathie endet aber offenbar bei Ihnen selbst oder spätestens an der Speziesgrenze. Nichtmenschliche Tiere sind in Ihren Augen Fleischfabriken, die ein jämmerliches Leben führen müssen, damit Sie ein banales Bedürfnis befriedigen können.

ThomasF 09.01.2017 | 20:04

Viren sind nicht einmal Lebewesen, geschweige denn Tiere. Bakterien sind auch keine Tiere und phylogenetisch weiter von uns entfernt als Pflanzen.

Also bitte mit den Gegenbeispielen etwas mehr Mühe geben.

Den meisten Veganern geht es um Leidvermeidung. Da Pflanzen, Pilze, Bakterien höchstwahrscheinlich nicht empfindungsfähig sind, ist die 'Tötung' von Pflanzen oder Bakterien kein moralisches Problem.

gelse 09.01.2017 | 20:26

>>Viren sind nicht einmal Lebewesen, geschweige denn Tiere. Bakterien sind auch keine Tiere und phylogenetisch weiter von uns entfernt als Pflanzen.<<
Bitte nicht jede Ironie so bitter ernst nehmen.
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Ob ein massvoller Fleischkonsum, für den Tiere nicht unter Knastbedingungen gehalten werden müssen, der kaum die Umwelt belastet und der gesünder ist, ethisch vertretbar ist oder nicht, darüber können wir reden.
Aber bitte nicht der Werbung für denaturierte Fleischersatzprodukte auf den Leim gehen, darum geht es mir. Die machen nur ein paar Kaputtalisten reich, sonst haben sie keinen Wert.

Charlie Schulze 09.01.2017 | 20:37

Jedem Deutschen seine Kartoffelpuffer, seinen Bohneneintopf, seine Kässpätzle und, sagen 1 - 2 mal in der Woche ein Fleischgericht. 1 mal Schweinsbraten, 1 mal Bratwurst. Dann wüsste man auch wieder den Wert zu schätzen.

Absolut: Ja. Und das ganze am besten freiwillig und leise...

Aber das scheint etwas zu sein, das für Missionare der veganen Lehre wie auch ihre Fleisch-brauchenden Gegner überhaupt nicht geht.

miauxx 09.01.2017 | 21:17

Zum eigentlichen Text:

Der überzeugte Veggie oder Verganer wird wohl kaum fleischlose Produkte von einem Fleischproduzenten kaufen. Sozusagen unkoschere Töpfe. Warum wiederum Menschen sich Fleisch vorgaukeln lassen, wenn sie eigentlich kein Fleisch essen wollen - die offenbar primäre Zielgruppe Röbens -, erschließt sich mir nicht. Ich frage mich auch schon jahrelang, warum es Tofuprodukte in Form von Bratwürsten oder Salami gibt. Wenn ich kein Fleisch essen will, dann führe ich mir doch nicht etwas zu, das seiner Form nach die Manifestation toten Fleisches schlechthin ist!?! Insbesondere als Veganer, aber doch auch als ordinärer Ominvore, oder?!

Ein Verbot wie von Minister Schmidt ins Feld geführt, braucht es meiner Ansicht nach aber auch nicht. Frisst der gemeine Konsument halt mal Tofu statt Fleisch; selber schuld, wenn er nicht richtig hinschaut, was er ja, abgesehen vom Preis, ohnehin nicht tut. Oder anders gesagt: Wenn es wirklich gegen Konsumententäuschung ginge - na dann hätten die Gesetzgeber aber zu tun, was sie niemals wirklich wollen oder können. Das ein Tofu-Schnitzel nicht Schnitzel heißen darf, ist bigotter Aktionismus, der nur umso mehr zeigt, wie degeneriert wir heute leben.

Richard Zietz 09.01.2017 | 21:50

»Den meisten Veganern geht es um Leidvermeidung. Da Pflanzen, Pilze, Bakterien höchstwahrscheinlich nicht empfindungsfähig sind, ist die 'Tötung' von Pflanzen oder Bakterien kein moralisches Problem.«

Ziehen Sie da nicht eine künstliche (um nicht so sagen: willkürliche) Grenze ein? Zwischen Lebewesen, die – Ihrer Definition nach – Empfindungen haben und daher sakrosankt sind. Und solchen, die diese – höchstwahrscheinlich, wie sie selber bemerken – nicht haben und die man darum ruhig killen darf.

Das nenne ich mal eine konsistente Moral.

gelse 09.01.2017 | 22:14

>>Warum wiederum Menschen sich Fleisch vorgaukeln lassen, wenn sie eigentlich kein Fleisch essen wollen - die offenbar primäre Zielgruppe Röbens -, erschließt sich mir nicht.<<
Na ja, man bleibt wohl gerne nahe am Gewohnten, aber im Bewusstsein doch davon weg zu kommen. Darin könnte der Erfolg der „Veggieburger“, „Veggiedöner“, Veggiebratwurst, Veggieschnitzel & Co. liegen.
Ich gestehe, ich hab das „vegetarische Mühlen-Schnitzel“ auch mal probiert. Wenn man keine kulinarischen Ansprüche stellt kann es zur Sättigung benützt werden. So abstossend schmeckt es dann auch wieder nicht. ;-)
Um tatsächlich Alternativen zur Fleischküche zu geniessen, müsste man etwas reaktivieren, das den Fastfood- und Lieferando-konditionierten Zeitgenossen abhanden gekommen ist: Küchenphantasie. Die von mir oben beschriebene Austernpilz-Zubereitung ist so einfach, einfacher geht’s nicht. Und kann eingefleischte Fleischesser durchaus begeistern. Weil es kein Industriepampf ist, sondern etwas Echtes, adäquat zubereitet. Man muss es nur mal probieren. Aber es scheint eine Hürde zu geben. Und der Berg, hinter dem Zietzens Pilzpfanne liegt: Wer wird den noch überwinden?
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>>Das ein Tofu-Schnitzel nicht Schnitzel heißen darf, ist bigotter Aktionismus. Ja. Steht ja nicht drauf „Wiener Schnitzel“, das müsste Kalbfleisch sein.

Richard Zietz 09.01.2017 | 22:23

»Den Abolitionisten ging es auch nur darum, den Plantagenbesitzern ihren Wohlstand zu vermiesen und den Kunden die Freude an Zucker und Baumwolle, die man eben nur mit Sklavenarbeit zu reellen Preisen anbauen konnte...«

Sie haben möglicherweise in einem (dem aufgeführten) Punkt Ihrer Suada Recht. »Abolitionist« war möglicherweise ein schlecht gewählter Begriff. Zwar war er zur Kennzeichnung der Pro-Prohibitions-Bewegung in den USA durchaus gebräuchlich (siehe hier) – und zur Kennzeichnung dieser auch gemeint. Allerdings finde ich, dass die Anti-Sklavereikampf-Schuhe, die Sie sich hier leihweise anziehen, für Ihr selbstgefällig-moralisierendes Lebensreform-Getue ein paar Nummern zu groß sind.

Sie mögen es bedauern und die Körperlichkeit der Geschöpfe mittels gedrechselt-elaborierter Theorien wegdiskutieren, aber: Der Mensch ist – leider oder auch nicht leider – ein fleischfressendes Tier. Er war es seit Anbeginn der Evolution; erst vor circa 15.000 Jahren ist es ihm gelungen, die Nahrungspalette zusätzlich zu diversifizieren (übrigens auch mittels zusätzlicher Tierprodukte aufgrund der damals neu etablierten Haustier-Haltung). Sie meinen, Nahrung seien lediglich Proteine, Stoffe, die man nötigenfalls auch via Pillen zu sich nehmen könne. Jeder normale Mensch spürt jedoch, dass Nahrung das ist, was ihn in seiner Existenz ausmacht – ebenso wie Sex, körperliche Aktivität, Muße, Kreation, Arbeit, Freude und Glück. Anders gesagt: Der Arbeiter wird einen Teufel tun und auf Tofu umsteigen – nur, weil blasierte Bürger ihm das nahelegen.

Möglich, dass man in 10.000 Jahren auf Proteine, vielleicht in Pillenform, umsteigen kann. Ich glaube es allerdings nicht. Ums mal positiv zu formulieren, glaube ich deshalb weder, dass aus der Chose ein größerer Trend wird noch, dass eine Ökodiktatur mit dieser Agenda dauerhaft Bestand hätte. (Sollten die Grünen in irgendeiner Regierung solches ernsthaft angehen, will ich mir die Konsequenzen gar nicht ausmalen.) Aus diesem Grund ist Ihre Rolle keine andere als die der Derwische im Osmanischen Reich, die gegen das Kaffeetrinken Sturm gelaufen sind – und doch nichts anderes erreicht haben, als ein paar Bürgern und Kaufleuten Angst einzujagen.

miauxx 09.01.2017 | 22:33

Ja, richtig, Küchenphantasie. Mit deren Fehlen ist ja die ganze Malaise schon beschrieben - und zwar unabhängig davon, ob Fleisch oder vegetarisch. Ich kann mich ja auch mit Fast-Veggie vergiften.

Aber selbst wenn man davon einmal absieht: Warum braucht's Fleischersatz?? Das check ich eben nicht. Wenn ich Fleisch essen will, ess' ich Fleisch und wenn nicht, dann halt nicht. Mein Brokkoli soll verdammt nochmal doch nicht aussehen wie eine Wurst, sondern wie Brokkoli. Aber ich versteh' auch die Leute nicht, die Kaffee aus Kapseln und High-Tech-Automaten trinken oder E-Zigaretten rauchen. Schon ästhetisch nicht. Es zeigt sich halt überall: Keine Kultur mehr die Leute!

Gonzo 09.01.2017 | 23:39

Ein Meinungsdiktat gibt es nicht. Aber ein Diktat gibt es schon. Den Fleischer um die Ecke gibt es kaum noch. Der wäre auch für die Unterschicht, denen die Grünen kräftig das Einkommen gekürzt haben, unerschwinglich. Auch die Ersatzprodukte sind relativ teuer, also unerschwinglich. Es bleibt also nur der Griff zum Stück Fleisch aus der Massentierhaltung. Und selbst das soll nun über eine höhere Mehrwertsteuer, also über den Preis, reguliert werden. Für Menschen mit hohem Einkommen ist das kein Problem. Die sonnen sich, beim Biosteak, in Selbstzufriedenheit. Verzichtet wird gezwungenermaßen in den unteren Einkommensschichten.

Richard Zietz 09.01.2017 | 23:40

Tja – kulturloses Pack: Die Trulla vom Nagellack-Studio oder die Raumpflege-Expertin, die auch mal vom dolce vita kosten will, aber leider nicht die Kohle hat für eine sündhaft teure Espresso-Maschine und sich deshalb bei REWE eine Kapselmaschine billigstes Modell für 30 Tacken zulegt – keine Kultur (obwohl auch die Geräte, die das Zehnfache kosten, keinesfalls echten Italo-Caffè produzieren und die echten Maschinen – was auch der geböldete deutsche Böldungsbürger gemeinhin nicht begreift – so ab der 5000er-Preisklasse anfangen). Da soll die Nagellackeuse doch mal lieber bei ihrem deutschen Muckefuck von Penny bleiben, wählt eh AfD …!

Und die E-Dampfer(innen): Anstatt sich – wenn schon, denn schon – redlich die Lunge zu verkleistern mit den segensreichen Nebenstoffen der Tabakindustrie, machen die einen auf Hedonismus und Genuß. Gesünder – und auch noch Genuß: geht gar nicht. Da hilft es nur, Frau Kraft ganz viel Kraft und Konsequenz zu wünschen gegen diese Ausgeburt an Kulturlosigkeit sowie das Untergraben des exportgestählten Arbeitskörpers.

Richard Zietz 09.01.2017 | 23:59

Beim Espresso kommt es auch auf den Kaffee an (Bohnensorte, Röst- Mahlvorgang). Das Wichtigste (oder: die Kunst) ist allerdings der richtige Druck beim Wasserdampf. Ich hab’ mir das mal von nem Fachmann erklären lassen. Die Gerätschaften, die in Bars rumstehen, sind Präzisionswerke der Feinmechanik. Ohne Druck wird es mit der crema nichts. Das Gerät muß laufend nachjustiert werden, ist reinigungsintensiv – da ist zusätzlich ein Fachmann gefragt, der seine Maschine kennt.

Entsprechend ist Espresso (in Italien simpel: caffè) auch keine »ur-italienische« Erfindung. Vielmehr kam das Heißkaffee-Getränk erst nach dem letzten Krieg in Umlauf. Erfreut sich seitdem allerdings allergrößter Beliebtheit. Die Gerätschaften jedoch rentieren sich nur für Bars, Restaurants etcetera richtig. Ich muß gestehen: Hätte ich die Kohle, würde ich mir eine richtige anschaffen – also mit allem Caracho, für ein paar Tausend Zacken. Für ne Richtige, Echte würd’ zehntausend geben; wär mir scheißegal.

Ansonsten, glauben Sie es mir: Außerhalb der Gastronomie gibt es in Deutschland (ebenso wie anderswo) keinen echten »Espresso«. Bestmöglicher Tipp also: für den nächsten Italien-Urlaub ansparen ;-).

gelse 10.01.2017 | 00:11

>>Aber ich versteh' auch die Leute nicht, die Kaffee aus Kapseln und High-Tech-Automaten trinken oder E-Zigaretten rauchen. Schon ästhetisch nicht. Es zeigt sich halt überall: Keine Kultur mehr die Leute!<<
Da setze ich noch mal was drauf:
Der nicht vorgeklärte Wein kann ein bisserl opaleszieren. Das Licht einer nicht zu grellen Beleuchtung (Kerzen, geht aber auch elektrisch) fängt sich drin. Glas gegen das Licht halten, Optik geniessen, Glas unter der Nase kreisen lassen, Duft geniessen, Schlückchen auf der Zunge zerlaufen lassen: Hmmm!
Und dass alles ist möglich ohne die Welt kaputt zu machen. Man braucht dafür weder SUV noch Kampfdrohnen noch die energiefressenden Server der Schlapphüte.

Life to go is not my way of life.

Fro 10.01.2017 | 01:24

„Die Wurst wird die Zigarette der Zukunft sein“ – also verpönt, nicht mehr gesellschaftsfähig.“

Dann stehen die Vegetarier mit ihrer Fake-Wurst allerdings etwas dumm da, weil in Erklärungsnot ....

Aber es würde auch innovative Dynamik bei der Entwicklung neuer Lebensmittelformen freisetzen: Fleischprodukte, die aussehen wie Obst, Gemüse, Getreide und Salat. Bananen aus Hühnerschenkeln, Auberginen aus Rindsleber, Kopfsalat aus grün gefärbten Schweinsohren ... ;)

weinsztein 10.01.2017 | 02:30

WIENER AUSTERN-SCHNITZEL

Austernpilze leicht salzen und pfeffern, beidseitig in verquirltem Ei baden, mit Semmelbröseln bedecken. In der Pfanne bei mittlerer Hitze in Öl zwei oder drei Minuten je Seite gelbbraun knuspernd ausbacken. Die Panade sollte Blasen bilden. Nach Geschmack vor dem Anrichten mit frisch geriebenem Parmesan betreuen.

Dazu: ein leichter Kartoffelsalat.

Klappt ersatzweise auch mit dünnen Scheiben von Kalb, Schwein, Puten- oder Hähnchenbrust.

Alles probiert, ich fand den Versuch mit Austernpilzen ganz besonders aromatisch.

Achtermann 10.01.2017 | 08:49

Dein an die Veganer gerichteter Satz

Mit anderen Worten: Die Leute werden tendenziell matschig in der Birne.

ist weder freundlich noch einfühlsam. Aber gut geeignet, in stammtischähnlichen Runden Punkte zu sammeln. Solche Art von Statements sind nicht als Beweis geeignet, in das Thema eingedrungen zu sein. Kehr doch mal vor deinem eigenen Stall und überprüfe die Ernährungslage der meisten Länder der Erde. Das Übergewicht der menschlichen Bewohner und die damit korrelierenden Krankheiten nehmen stets zu, wenn der westlich orientierte Ernährungsstil an Breite gewinnt. Die Produktionsbedingungen, unter denen Fleisch und dessen Derivate unter der Anwendung einer Dauermedikamentation hergestellt werden, sind alles andere als genüsslich.

Der oben Portraitierte kommt aus dem Lebensmitteldesign. Seine Firma, eine große Wurstproduzentin, soll weiterhin am Markt bleiben können. Dass er Interesse daran hat, haltbare und gut transportierbare Produkte auf den Markt zu werfen, liegt auf der Hand. Veganern stehen alle "Sättigungsbeilagen" wie Kartoffeln, Reis, Nudeln zur Verfügung. Darüber hinaus die ganze Palette von Obst und Gemüse, sowie weitere Mehlprodukte, wie Brot oder Brötchen. Da ist man nicht zwangsläufig darauf angewiesen, auf die Produktion eines Food-Designers zurückzugreifen.

Hier ein Rezept, um zu dokumentieren, dass vegan gehen könnte, ohne in der Birne matschig zu werden:

1. Zwei Auberginen (500-600 g) waschen, putzen und in 2-3 cm große Würfel schneiden. Auberginenwürfel leicht mit Salz würzen und ca. 5 Minuten ziehen lassen. In einem großen Topf reichlich Wasser mit 2 El Meersalz aufkochen, 400 g Linguine (Nudeln) zugeben und nach Packungsanweisung bissfest kochen.

2. Inzwischen 2 Zwiebeln und 3 Knoblauchzehen in feine Würfel schneiden. 4 Tomaten waschen, in feine Würfel schneiden, dabei den Stielansatz entfernen. 2 El getrocknete Tomaten (in Öl; abgetropft) grob hacken.

3. Auberginenwürfel mit Küchenpapier trocken tupfen. 70 ml Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen, Auberginen darin auf allen Seiten bei mittlerer bis starker Hitze hellbraun anbraten. Zwiebeln und Knoblauch zugeben und 2 Minuten bei mittlerer Hitze mitbraten. Tomatenwürfel und getrocknete Tomaten zugeben und 10 Minuten leise kochen lassen. 2-3 El Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, 3-4 El Semmelbrösel zugeben und bei mittlerer Hitze goldbraun rösten. Von 3 Stielen Thymian die Blättchen abzupfen und fein schneiden, unter die Brösel rühren und sofort auf einen Teller geben (damit die Brösel nicht nachbräunen und bitter werden).

4. Nudeln abgießen, dabei ca. 100 ml Nudelwasser auffangen. Nudeln und Nudelwasser zurück in den Topf geben. Von 3 Stielen Basilikum die Blätter abzupfen und grob schneiden. 2 El Kapern in einem Sieb abtropfen lassen. Kapern, 3 El schwarze Oliven, die Hälfte des Basilikums und die Auberginensauce unter die Nudeln heben und 1-2 Minuten leise kochen lassen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Auf Teller verteilen, mit den Bröseln und restlichem Basilikum bestreut sofort servieren.

Achtermann 10.01.2017 | 09:06

In der Tendenz stimme ich dir zu. Die deutsche Fleisch- und Landwirtschaft produziert mit kapitalistischer Denkweise. Immer mehr kleine Betriebe müssen schließen. Die von der Regierung in D und von der EU geförderten Agrarkonglomerate sind auf den Weltmarkt aus. Das heißt, wenn wir uns beschränken, versucht die Agrarindustrie neue Märkte zu erschließen. Mit Subventionen im Gepäck kann man anderswo Strukturen kaputtmachen.

Ein Mini-Beispiel: Für einen Twingo muss man Kfz-Steuern zahlen, eine landwirtschaftliche Zugmaschine für 100.000 Euro Anschaffungspreis bleibt steuerbefreit und wird abgeschrieben.

Richard Zietz 10.01.2017 | 09:24

Sorry, da haben wir uns mißverstanden. Natürlich würde ich nie behaupten, dass vegan nicht geht (siehe auch weiter oben). Der springende Punkt ist, dass ein Gericht wie von dir beschrieben einmal die Woche geht und sicher sogar sehr schmackhaft ist. Bei 24/7 wird daraus eine Zumutung – zumindest für mich sowie geschätzt 99,5 Prozent der Bevölkerung.

Ich habe keinerlei Probleme damit, wenn jemand sich derartige Beschränkungen – aus welchem Grund auch immer – selbst (zeitweilig oder dauerhaft) auferlegt. Viel – um nicht zu sagen: alles – habe ich indess gegen Mission. Ebenso auch gegen das Umtricksen von Lebensmitteln dergestalt, dass aus »erzieherischen« Gründen »Wurst« verhökert wird, während in der Packung eben keine Wurst drin ist. Hier kann ich nur sagen: Herr Schmidt – von meiner Seite aus volle Unterstützung.

Die Argumente gegen ungesunde, zu Übergewicht und andern Folgeerscheinungen führende Ernährung teile ich. Speziell die derzeitigen Formen der Fleischwaren-Produktion sind sicherlich zu kritisieren. Allerdings ist die Überfluss-Ernährung in den westlichen Regionen des relativen Wohlstands nur eine, spezifische Seite des weltweiten Armuts- und Ungleichheits-Problems. Dass ich des Übrigen auch nicht relativieren möchte durch anmaßend-»kapitalismuskritische« Behauptungen wie etwa die, die Slum-Bewohner in Dakar und die McDonalds-Besucher in Dortmund fräßen dasselbe minderwertige Zeug. Schaut man sich die relative Verteilung von Armut und Reichtum an, ist dies nämlich definitiv nicht der Fall.

Das kann und soll Argumente gegen falsche Ernährung natürlich nicht entkräften. Nur weigere ich mich, das »Ernährungsproblem« losgelöst zu sehen von den restlichen Fragen der (vorhandenen, mangelnden oder extrem mangelnden) Lebensqualität. Anders gesagt: Eine vernünftige und zugleich noch nachhaltige Ernährungsweise ist hierzulande erst ab einem Nettoeinkommen von ca. zweieinhalb durchführbar (jedenfalls ohne essentielle Abstriche an anderer Lebensqualität). Aus dem Grund krankt die ganze Debatte. Richtig wäre: die Ungleichheit einebnen, menschenwürdige Verhältnisse und Lebensqualität für alle schaffen. Korrekturen bei ungesunden Ernährungsweisen ergäben sich bei Befolgung dieser Prämisse von ganz allein. Auch wenn ich mir absolut sicher bin, dass selbst in diesem Idealfall die Ernährungsgewohnheiten nicht hin in eine vegane Richtung gingen. Eher – was meines Erachtens auch vernünftiger und menschlicher wäre – in die Richtung einer lokalen, ausgewogenen und diversifizierten Ernährung, wie sie beispielsweise die mediterreane Küche bietet.

JS 10.01.2017 | 10:57

All diejenigen, die so herzhaft gegen Veganismus und Fleischähnliche, bzw. Fleischersatzprodukte hetzen zeigen, dass sie sich noch nicht wirklich ernsthaft mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

Es gibt sehr viele sehr gute Gründe sich für eine vegetarische bzw. vegane Lebensweise zu entscheiden. Letztendlich muss sich natürlich jeder selbst überlegen wie er/sie sich ernährt und das eigene Leben führt.

Wenn man allerdings die Annahme zu Grunde legt, dass wir tierische Produkte in der westlichen Welt bei unseren technischen Möglichkeiten einfach nicht mehr brauchen für unsere Ernährung, weil wir alle notwendigen Stoffe durch pflanzliche Produkte zu uns nehmen können (außer Vitamin B12, welches zusätzlich eingenommen werden sollte aber über tierische Produkte auch nur aufgrund der Präparate die die Tiere bekommen zugeführt wird), dann stellt sich definitiv die Frage nach der Rechtfertigung des Leides, welches wir Menschen durch die Erzeugung der tierischen "Produkte" erzeugen.

Hinzu kommen neben diesen ethischen Gründen gesundheitliche Aspekte:

Der Verzehr von Fleisch und tierischen Produkten steht in klarem Zusammenhang mit den Haupttodesursachen in unserer heutigen Gesellschaft, den Herzerkrankungen.

Der Verzehr von Milchprodukten fördert nachweislich das Krebswachstum, was die andere Haupttodesursache in der heutigen westlichen Gesellschaft darstellt.

Der nächste gute Grund ist unsere Umwelt, welche stark unter der Erzeugung tierischer Produkte leidet: Verschmuzte Böden, Wasserknappheit, Klimawandel. Das sind die Probleme denen die nächsten Generationen gegenüberstehen, weil wir so gerne Fleisch essen...

Wer sich ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzen möchte, der kann für den Einstieg ein paar Dokus schauen:

- Gabel statt Skalpell: Hier werden die gesundheitlichen Aspekte beleuchtet

- Cowspiracy: Umwelt

- Hope for all: Befasst sich mit den verschiedenen o.g. Aspekten

Und nur eine kurze Notiz am Rande: Das man als Vegetarier oder veganer nichts essen kann ist absoluter Quatsch! Man muss sich nur etwas mit der eigenen Ernährung auseinandersetzn und über den Tellerrand der typischen Gerichte hinausschauen, bei denen es nur um die Frage geht welche Beilagen heute zum Fleisch oder Fisch zubereitet werden. Wer hier wagt über den Tellerrand zu schauen, der möge bei Youtube einfach "vegan recipes" eingeben und mal schauen was da alles an Ideen kommt.

Ich kann nur alle bitten, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen und ohne Angst vor eigenem Verzicht zu hinterfragen, ob unsere Lebensweise so richtig ist. Man kann auch nach seinen Werten handeln.

Ich unterstelle die wenigsten haben sich selbst ein mal angeschaut wie es in einem Schlachthaus, wo täglich zigtausende Tiere getötet werden, zugeht. Dort ist übrigends Schluss mit Bio.

Wer das nicht unterstützen möchte, der kann auch anders handeln. Es gibt Alternativen.

Dabei muss man nicht haufenweise Fleischersatzprodukte oder andere künstliche Lebensmittel konsumieren, das geht sehr ohne! Sie erleichtern jedoch vor allem den Einstieg, da es etwas dauert, bis man sich so gut in der vegetarisch/veganen Küche auskennt wie in der bisherigen omnivoren Küche.

Und nein, ich möchte niemanden missionieren, ich möchte lediglich inspirieren und erreichen, dass mehr Menschen das System hinterfragen.

Also, denkt einfach mal ehrlich darüber nach...

Gonzo 10.01.2017 | 10:57

Nach meiner Erfahrung braucht es keine teure Maschine. Das geht auch sehr gut mit diesen Kaffeekannen für die Herdplatte. Ich meine diese, die mit Überdruck durch Wasserdampf funktionieren. Nur sollte die aus Edelstahl sein, nicht aus Aluminium, da das giftig ist. Schmeckt ausgezeichnet. Es hat ja auch nicht jeder Italiener eine solche Monstermaschine, für die man einen Kleinwagen bekommt...

JS 10.01.2017 | 11:09

@GONZO

Es ist immer leicht sich darauf auszuruhen, dass man ja selbst nichts tun könne.

Aber gerade hier kann man als Verbraucher ein Zeichen setzen, indem man auf die Produkte verzichtet und damit sich selbst, der Umwelt und auch den Tieren etwas Gutes tut.

Na klar, ist dadurch nicht sofort die Welt gerettet, aber man leistet zumindest einen Beitrag.

Und wie gesagt, wenn man sich selbst eingesteht, dass man die ganzen tierischen Produkte eigentlich gar nicht braucht, dann hat sich das sowieso erledigt, dann fehlt die Rechtfertigung, egal unter welchen Umständen das Tier lebt und geschlachtet wird.

Gonzo 10.01.2017 | 11:19

Die Grünen haben sich für den Weg der neoliberalen Kosteneffizienz entschieden. Dieses Problem betrifft nicht nur die Fleischproduktion, sondern nahezu jedes Produkt. Alles muss immer billiger werden, auf Kosten der Qualität. Dieses Problem ist hausgemacht. Dass man nichts tun kann, behaupte ich nicht, im Gegenteil. Aber dazu muss man bereit sein, das System wirklich zu hinterfragen. Durch die Veganerie hinterfragt man nicht das System, man ergibt sich dem System. Das hat auch soziale Folgen. Diese politische Ausrichtung der Grünen ist nicht im Ansatz ernstzunehmen. Wer nicht auf so abartige Weise produzieren will, der muss sich nach alternativen Produktionsweisen umsehen, statt durch Askesegebote den Zorn des Volkes auf sich zu ziehen.

Richard Zietz 10.01.2017 | 11:21

»Nach meiner Erfahrung braucht es keine teure Maschine. Das geht auch sehr gut mit diesen Kaffeekannen für die Herdplatte. (…)«

Ich habe da andere Erfahrungen. Hab selbst alle(s) durch: Espressokanne, Kapsel-Billigkeimer, Espressomaschine im (halbwegs) preisgünstigen Segment. Klaro macht die Kaffeesorte viel. Aber letzten Endes ist der Punkt der, wie viel Druck / Heißwasser die Machine durch die Kaffeepulver-Einheit jagen kann.

Sicher kann man auch bei Nicht-Monstermaschinen trimmen – ebenso, wie man selbige fehlbedienen kann. Meiner Erfahrung jedoch – ich weiß, dass ich in der Beziehung der totale »Klassizist« bin – garantiert die Kombination aus beiden den besten »caffè«.

Gonzo 10.01.2017 | 11:51

Statt zum Beispiel den Bauern EU-Subventionen anzubieten, damit sie kein Fleisch mehr produzieren, eine Maßnahme, die völlig am Markt vorbei geht, ihn sogar vorwegnehmen möchte, wäre es viel sinnvoller, EU-Subventionen für praktizierten Tierschutz in der Tierhaltung zu gewähren. In den oberen Einkommensschichten ist ausreichend Geld vorhanden, um das zu finanzieren. Man muss nur sinnvoll besteuern...

erftstadtboy 10.01.2017 | 14:33

diese antwort wendet sich nur zum teil an RZ, eher insgesamt an den unschlichen und beleidigenden ton vieler foristen hier.

interessant wie die konflikte aufbrechen, bei einem fast schon harmlosen artikel über fleischersatz (denn um nichts anderes handelt es sich hier). und interessant, wie die fleischverfechter hier aggressiv und herabwürdigend ihre gesamtgesellschaftlich sowieso zahlenmäßig wie einflussmäßig unterlegenen antagonisten attackieren. wovor habt ihr angst? was da wohl tiefenpsychologisch dahinter steckt...und erinnert mich schon fast an good old ursus, vom ton her...

konkret zu RZs argument, nachhaltige ernährung sei erst ab 2.500/monat durchführbar. das ist einfach unwahr. ich habe noch nie so viel verdient, nicht mal annähernd, und schaffe es doch seit über 20 jahren (inzwischen auch wieder als vegetarier). es ist schlicht und ergreifend eine frage der prioritäten im leben.

mir schmeckt fleisch sehr gut, aber die ökologische bilanz ist katastrophal. wie die meisten wahrscheinlich wissen, ist pro fleischkalorie, je nach tierart und verabreitungsgrad, eine energiezufuhr von ca. 8-10 kalorien notwendig (bei hühnerfleisch, alle anderen tierarten benötigen mehr), bei fastfoodfrikadellen/fertiggerichten usw geht das bis i.d. niedrigen dreistelligen bereich. bei pflanzlicher nahrung sind diese zahlen meistens deutlich niedriger.

die ausscheidungen der tiere versauen das grundwasser, auch das ist bekannt. und zum teil auch das klima.

der ressourcenverbrauch auf allen ebenen (ackerboden, tiernahrungsproduktion, medikation, transport, verarbeitung, etc) ist schlichtweg unfassbar hoch, von dem massentierhaltungsleid mal ganz abgesehen.

aber hauptsache schön "günstig" weiteressen, den "preis" dafür bezahlen ja nur die nachfolgenden generationen, weil die folgen heute eben nicht eingepreist sind (wie bei den meisten anderen "produkten" unseres systems).

aber hauptsache vegetarier/veganer sind matsch i.d. birne, bevormundend, dazu die normative rede von "normalernährung", usw. ich kanns kaum glauben solche vorgestrigen parolen hier zu lesen. bin ich bei der faz/welt gelandet oder was?

und auch darüber sollte man sich mal gedanken machen: "günstige" fleischproduktion/nahrungsproduktion ist für das überleben der derzeitigen ökonomieideologie unerlässlich, da sonst das geld zum konsumieren an anderer stelle fehlt=systemkollaps.

Gonzo 10.01.2017 | 14:58

Ein sehr viel gewichtigerer Grund für Umweltverschmutzung ist der Export unserer Umweltverschmutzung in andere Länder, die wegen fehlender Standards sehr viel günstiger produzieren können, als unsere "grüne" Technologie es ermöglicht.

Ackerbau ist ebenfalls ökologisch bedenklich. Doch niemand kommt auf die Idee, den Veganern den Salat auszureden.

Der Weg der Grünen ist wieder einmal der des geringsten Widerstandes. Man nimmt wieder die unteren Einkommensschichten in die Pflicht. Obere Schichten werden durch den Ökoboom nicht wesentlich geschädigt. Und das nennt man dort linke Politik. Das kann niemand ernsthaft in Erwägung ziehen.

Richard Zietz 10.01.2017 | 15:26

Ums auch mal klar zu sagen: Ihr Versuch, hier Leute via schlechtes-Gewissen-machen unter Druck zu setzen, laufen bei mir komplett ins Leere.

Ich habe nichts gegen Vegetarier / Veganer – so lange sie andere mit ihrem Kram nicht behelligen. Genauso, wie ich nichts gegen Schwule habe – allerdings schon was gegen Versuche, Schwulsein als etwas moralisch Höherwertiges hinzustellen und den Rest mit Begriffen wie »heteronormativ« herabzuwürdigen.

Wie Sie sehen, vertrete ich diebezüglich die Haltung: Wehret den Anfängen. Bevor die Bevormundungs-Masche noch weiter ausartet.

Lethe 10.01.2017 | 15:41

„Die Wurst wird die Zigarette der Zukunft sein“ – also verpönt, nicht mehr gesellschaftsfähig.

Fragen Sie mal die Raucher, die in Deutschland für einen Jahresumsatz von 20,5 Mrd. Euro (2014) sorgen, mit einer zu erwartenden Stabilisierung bei 18,2 Mrd. ab 2020, wie "verpönt, nicht mehr gesellschaftsfähig" das Rauchen wirklich ist. Wenn Raucher ähnlich militant wären wie Nichtraucher, wären letztere schon längst weggefegt. Übrigens bin ich Nichtraucher, aber diese Politik durch fortwährendes Geplärre, wie kleine Kinder an der Kasse mit Süßigkeiten, geht mir auf den Keks.

Sollen Veganer leben wie sie wollen und ihre Kinder schädigen wie sie es nicht vermeiden können. Aber den Rest bitte in Ruhe lassen.

Charlie Schulze 10.01.2017 | 16:32

Wo Sie die Trulla vom Nagellack-Studio erwähnen: Die versteht unter dolce vita offenbar keinen edlen Espresso - jedenfalls holt sie sich beim Bäckerei-Shop nebenan eine sogenannte Caffee-Spezialität - eine mit H-Milch geschäumte und mit aromatisiertem Glukosesirup versetzte Angelegenheit - immer schön im Wegwerf-Becher mit Plastikdeckel, mehrmals täglich... Der fleischlosen Ernährung ist sie aber durchaus zugetan, weil sie sich neben Kaffee mit verzuckertem H-Milch-Schaum auch eine Ess-Störung leistet, die ihr gebietet, Kalorien zu sparen, was entsprechenden Diät- und- Schnickschnack-Magazinen zufolge mit pflanzlichen statt tierischen Fetten und Eiweißen gelingt- außerdem tun ihr die armen Tiere auch leid... Also hat sie die Kochbücher von diesem veganen Muskelmann gekauft und isst bei Mäckes nur noch Pommes.

(Die beschriebene Person gibt es wirklich. Sie ist aber nicht im Nagellack-Studio tätig, sondern, ich sags nicht gerne, eine mutmaßlich SPD wählende Sozialpädagogin.)

Was die Raumpflege-Expertin betrifft: Die versteht unter einem guten Kaffee frisch gemahlenes Pulver, das in einen Filter über der Kanne gefüllt und mit kochendem Wasser begossen wird. Dazu isst sie Brötchen mit Butter und Käse, Salami oder Marmelade und findet das alles ziemlich dolce vita - daraus aber ein Klassenkampf-Motiv oder eine Religion zu stricken, käme ihr nicht in den Sinn.

Richard Zietz 10.01.2017 | 18:07

Klaro – Essen und Trinken in Zusammenhang mit Freude und Genuß ist in linksliberalen Zirkeln ein vollkommen undenkbares Ding. Entsprechend unvorstellbar, dass der Nagellackeuse (in Wirklichkeit mutmaßliche SPD-Wählerin mit Sozialpädagogik-Studium) ihr Coffee to go einfach schmeckt. Vorsorglich oute ich mich da auch mal:

Auch mir schmeckt Coffee to go vorzüglich!

Und von sozialpädagogisierenden Miesepetern lasse ich mir den ganz sicher nicht miesmachen. Hierauf einen Coffee to go – und hinterher gern auch noch ein Salami-Brötchen.

Charlie Schulze 10.01.2017 | 19:51

Da wünsche ich guten Appetit! Weit entfernt davon, irgendwem sein Essen vermiesen zu wollen (Ess-Störungen sind eh weit verbreitet und betreffen nicht nur studierte, protestantisch geprägte linksliberale Dumpfbacken, sondern auch hochintellige Frisösen, erwerbslose Mütter, einsame Muckibuden-Besucher...), wollte ich nur mal wieder andeuten, dass es alles nicht ganz so einfach ist:

Die Vorstellung von und die Affinität zum kulinarischen Genuss differiert doch sehr am Individuum, möchte ich behaupten.

Und man kann aus jedem Verhalten auch eine moralische Anklage konstruieren (Coffee-to-go-Müll, oder überhaupt Kaffeekonsum hierzulande auf den Schultern der ausgebeuteten Produzenten übersee und so weiter), und da sitzen wir natürlich alle miteinander auf der Anklagebank mit jedem Bissen, den wir essen und jedem Schluck, den wir trinken... Weswegen Moral in diesem Zusammenhang eine heikle Kathegorie ist, und das Thema enorm emotional belegt...

Ihre Überzeichnung von der Bildungs-Klassengesellschaft, in der eine verschnöselte linksliberale (?) Besserverdienenden-Clique ein ökologisch korrektes dolce vita feiert, und dem Proletariat, das aus Kostengründen schon wieder auf Muckefuck umsteigen muss, nun auch noch die 17 % Fleisch in der Schmierwurst nehmen will, popt zwar irgendwie, aber hält der Praxis nicht stand...

Da werden so verschiedene Modelle von Genuss, Luxus, moralischem Rückbezug und Vorschriftenfixiertheit gepflegt und variiert, dass ein Jedes reichlich Gründe finden kann, das Modell des Anderen anzuprangern... Es hat schlichtweg keinen Zweck - außer den, sich selbst zum Maßstab zu ernennen und über das Abweichende zu erheben: Langweilig.

In der Sache (um die es im Artikel geht), glaube ich übrigens, sind wir uns eigentlich eher einig. Diesen ganzen Fleischersatz-Bullshit betrachte ich auch mit Staunen und zunehmender Verachtung. (Habe ich doch meine Erfahrungen mit dem Thema in einer Zeit gesammelt, als Soja in Deutschland noch Schweinefutter war und ich mehrmals in der Woche von irgendwem gefragt wurde, was es denn bei uns zuhause zu essen gäbe, wenn es kein Fleisch gäbe... Ich kann versichern: Tofu-Würstchen gab es nie. Auch keine Abartigkeiten wie vegane Thunfisch-Pizza oder pflanzliche Salami: Gab es einfach nicht, und wurde auch nicht gebraucht.) Halte das persönlich für eine Schnösel-Mode, die hoffentlich bald wieder abklingt. Aber sicher: Wer es mag, richtig findet, aus Gründen so haben will: Bittesehr, wohl bekomm´s.

Achtermann 11.01.2017 | 16:52

Nun, ein Traktor fährt üblicherweise auch mehr auf Hof, Wald und Wiese, als auf öffentlichen Straßen.

Ich finde die Argumentation des Umweltbundesamtes überzeugend:

Diese Steuerbefreiung datiert aus dem Jahr 1922 und diente der Förderung der Motorisierung der Land- und Forstwirtschaft. Diese Zielsetzung ist mittlerweile überholt. Der Trend zu immer schwereren Maschinen in der Landwirtschaft führt zur vermehrten Schädigung landwirtschaftlich genutzter Böden durch Verdichtung. Diese Schäden sind teilweise irreversibel und schränken die natürlichen Bodenfunktionen ein. Da die Steuervergünstigung diesen Trend fördert, ist sie als umweltschädlich einzustufen. Außerdem trägt sie dazu bei, dass Betriebe einen zu großen Maschinenbestand besitzen, anstatt Rationalisierungspotenziale – wie so genannte Maschinenringe – adäquat zu nutzen.

Achtermann 11.01.2017 | 17:12

Halte das persönlich für eine Schnösel-Mode, die hoffentlich bald wieder abklingt. Aber sicher: Wer es mag, richtig findet, aus Gründen so haben will: Bittesehr, wohl bekomm´s.

Die Zahlen sprechen dagegen (s. Arte-Bericht vom 10.01.2017). Vegan zu essen ist ein Boom, der anhält. Sonst würden die Konzerne mit ihren teilweise fragwürdigen Produkten nicht auf diesen Zug aufspringen. Man darf bitte sehr das vegane Essen nicht an diesen nachgebauten Produkten messen, die mit gutem Essen so wenig zu tun haben wie ein Fleischgericht aus der Dose oder einer Hühnerfleisch-Tütensuppe.

Messlatte sollten die Restaurants sein, die ausschließlich veganes Essen auf den Tisch bringen und damit kulinarische Maßstäbe setzen, so wie dies bei den konventionellen Gaststätten seit Jahren der Fall ist. Eine Schnösel-Mode ist das nicht. Es ist der Beginn einer breiten Bewegung, insbesondere bei den jungen Leuten, die diesen menschlichen Maßstab, hier das Tier zum Lieben, nämlich Hund und Katz', und dort das Tier zum Verzehr, nämlich Schwein und Rind, nicht unter einen Hut bekommen wollen.

Charlie Schulze 11.01.2017 | 21:29

Präziesiere: Mit Schnösel-Mode meinte ich nicht die vegane Küche oder Idee als solche, sondern explizit die stolzen zwei Meter Kühlregal, in denen pflanzlich basierte Imitate von Fleischprodukten liegen - wohlgemerkt gerne zu einem 100-Gramm-Preis, der bei oder auch schon mal über dem desentsprechenden Originals liegt...

Für sowas hab ich nicht nur kein Verständnis (so aufwendig und erlesen kann die Verarbeitung von Sojabohnen gar nicht sein, dass es am Ende teurer wird als das Schwein, das ein Vielfaches an Sojabohnen frisst, bis es geschlachtet werden kann - das ist entweder Betrug oder total krank, in keinem Fall richtig): Ich finde es auch nicht gut für die Sache... Weil Seitan-Steaks und Veggie-Bacon oder der vegane Thunfisch (über den ich nicht wegkomme) weiter die Vorstellung befördert, es ginge gar nicht ohne all dies als täglichen Bestandteil der Ernährung, notfalls eben als Imitat. Am Bild des Tellers, auf dem ein gebratenes Teil nebst Kartoffeln und Soße zu liegen hat (und Gemüse nur als farbliches Beiwerk stattfindet), andernfalls es sich nicht um eine anständige Mahlzeit handelt, ändert sich nichts (und am Preis von´t janze halt auch nicht).

Dabei wäre doch die beste Reklame für weniger Fleischkonsum (über dessen Sinngehalt wir nicht diskutieren müssen), die (kostengünstigen!) vegetarischen und veganen Möglichkeiten nicht als Einschränkung und Kompromiss, sondern als Horizonterweiterung auffassen: Z. B. die indische Küche hat eine große Vielfalt von vegetarischen und veganen Gerichten, in denen kein Fleisch vermisst verden muss, weil nie welches vorgesehen war... Aber auch die traditionelle Küche meiner schlesischen Oma sah nicht jeden Tag Fleisch vor.

Ich selbst bin, wie gesagt, in einem vegetarischen Haushalt aufgewachsen, in dem keinerlei exotischer oder exklusiver Schnickschnack auf den Tisch kam, aber doch jeden Tag gegessen wurde, und vieles war sogar zufällig mal vegan: Nudeln mit Tomatensoße, Linsensuppe, Reis mit Pilzen, Kartoffelsalat, Auflauf, Bratkartoffeln, Bohneneintopf und so fort... Irgendwann in den 80ern gab es auch mal Tofu, aber das wurde kollektiv als verzichtbar eingestuft. Mir hat es immer geschmeckt, und viele Gerichte meiner Kindheit koche ich heute selber (und ab und zu auch mal eine schöne Rindfleischsuppe wie Oma) ... Vor diesem Hintergrund lehne ich Fleischimitate ab und stufe den Hype darum als Geschnösel ein.

Messlatte sollten die Restaurants sein, die ausschließlich veganes Essen auf den Tisch bringen und damit kulinarische Maßstäbe setzen, so wie dies bei den konventionellen Gaststätten seit Jahren der Fall ist.

Da bin ich ganz einverstanden.

Moorleiche 12.01.2017 | 15:20

Vor diesem Hintergrund lehne ich Fleischimitate ab und stufe den Hype darum als Geschnösel ein.“

Ich glaub‘, ich muss mal brechen. Nämlich eine Lanze für die Schnösel. Ich bin, wohl ähnlich wie Du, ein entspannter „in etwa Vegetarier“, nur beim Grünkohl mache ich eine Ausnahme, da will ich fettes Zeug vom Tier drin. Als ehemaliger fast nur Fleischesser ist das schon ein herber, allerdings Jahrzehnte währender, Bruch, zumal ich obendrein auch das eine oder andere Argument der Veganerfraktion akzeptieren und ernst nehmen kann und demzufolge auch immer mal wieder (und wohl gar nicht so selten) vegan koche, was sich ja, wie Du schon anmerktest, auch recht organisch ergibt.

Nur, lecker muss halt. Wat lecker is, definiert jeder selbst, hier könnten nun ellenlange Ergüsse folgen, ich denke die Mitxur aus kindlicher Prägung, plus Experimentierfreude macht da den Kohl fett. Soviel zur Standortbestimmung und jetzt geht‘s um die Wurst: Ja genau, um die aus Tofu. Je nach dem an welche Ideologie man sich verkauft hat, ist Tofu gar nicht so scheiße, bis ziemlich gut. Auch gesundheitlich und herstellungstechnisch, aber wir sind ja beim Geschmack.

Ich weiß ja nicht, was Ihr alle so probiert habt, aber ich bin z.B. gerade mit dem vegetarischen und veganen Wurstangebot so was von zufrieden … und echt kritisch. Fieser Mampf kann mich runterziehen und gutes Essen ist für mich ein Highlight des Tages. Und in der Tat gibt es eine Firma, die ihr Sortiment gerade auf vegan umgestellt hat und einen dramatischen Qualitätseinbruch beim Geschmack hat. Aber ansonsten. Wenigstens Brat- und Grillwurst ist wirklich gut, für diverse Hackfleischimitate gilt selbiges und einige Produkte wie Bockwurstimitate können sogar hartgesottene Fleischesser überzeugen.

Da würde ich mal ‘n büschen rumprobieren und der armen Wurst noch ne zweite oder dritte Chance geben.

In Wien soll es wohl vegetarsiche und vegane Restaurants an jeder Ecke geben, in bester Qualität, ich weiß das allerdings nur vom Hörensagen.

Ich habe gebrochen. :-D

Charlie Schulze 15.01.2017 | 20:54

Salut Moorleiche (schön dich zu lesen!),

Danke für diesen Einwand - antwortend kann ich jetzt noch (einmal mehr) darauf hinweisen, dass es natürlich alles eine Frage der Perspektive ist...

Der im Vorkommentar geschilderte Blickwinkel kommt meinem persönlichen sehr nahe. Es gibt andere, die genauso ihre Richtigkeit haben:

Herr Röben könnte ein subversiver Idealist, ein skrupelloser PR-Stratege oder ein kühl kalkulierender Geschäftsmann sein - die Idee, in einer Wurstfirma eine vegetarische Produktpalette zu etablieren, ist in jedem Fall auch Punkrock (und wird es immer weniger, je besser die Idee funktioniert)...

Und wenn es jemandem bei einer (aus welchen Gründen auch immer in eigener Entscheidung anvisierten) Fleisch-Entwöhnung hilft, bin ich gar nicht befugt, mich da einzumischen, schon weil es um Probleme geht, die ich nie gehabt habe.

Essen ist u.a. eine unserer frühesten Lernerfahrungen und Prägungen. Genuss und Genussfähigkeit sind individuell völlig verschieden definiert und ausgeprägt...

So würde möglicherweise Herr Zietz einen Bohneneintopf ohne Speck als Zumutung empfinden, während ich die vegetarische Variante vorziehen würde, weil für meine Gewohnheit der Speck (nichts gegen Speck grundsätzlich) geschmacklich zu sehr dominiert...

Wenn wir es nun mit einem Eintopf zu tun kriegen, in dem Speck durch gebratene Tofu-Stückchen substituiert wurde, kann es gut sein, dass Zietz und Schulze plötzlich den Schulterschluss üben und gemeinsam den Koch beschimpfen... Zietz ist vom Substitut enttäuscht, Schulze hält´s für Schnickschnack.

Und wenn nun Moorleiche den Koch in Schutz nimmt und sagt, dass die Tofustückchen aber schon auch essbar sind und der Eintopf an sich ganz lecker - dann haben eben mal wieder alle drei recht.

Richard Zietz 18.01.2017 | 16:25

»So würde möglicherweise Herr Zietz einen Bohneneintopf ohne Speck als Zumutung empfinden (…)«

Das Beispiel ist schlecht, weil zu sehr von der Substituierungsidee geleitet. Eine Gemüsesuppe ist eine Gemüsesuppe – ob mit oder ohne Speck. Will heißen: Ohne Speck fehlt da nichts drin. Selbst die als Ergänzung beliebten Würste kann man, wenn man eine Voll-Mahlzeit anbieten will, ohne sonderliche Verkrampfungen durch Reibekuchen ersetzen. Kein Mensch käme auf die Idee, eine derartige Mahlzeit als »vegetarisch« oder sogar »vegan« zu bezeichnen.

Will heißen: Eine Menge Gerichte kommen bereits von Haus aus ohne Fleischbeilage aus. Ob man das stringent durchzieht (oder gar die »Blacklist« der zum Verzehr ungeeigneten Zutaten zusätzlich ausweitet – beispielsweise auf Milchprodukte), ist in der Tat jedem und jeder sein oder ihr eigenes Ding. Ich komme mit beiden V-Varianten prima klar – solange ich nicht zusammen einen gemeinschaftlichen Haushalt führen muss, missioniert werde oder im Sinn einer guten Sache übers Ohr gehauen. Was bei den im Interview beworbenen Pseudofleisch-Produkten definitiv der Fall ist.

Moorleiche 18.01.2017 | 19:39

"Salut Moorleiche (schön dich zu lesen!)"

Danke, ebenso.

Die Wurst scheint nun zum großen Teil gegessen zu sein. Einem unverkrampften Pragmatismus kann ich mich jedes Jahr und in immer mehr Bereichen besser anschließen, so dass ich keine Notwendigkeit zur Gegenrede mehr sehe.

Was aber Geschmacksfragen über Fleisch(ersatz) hinaus angeht, so hoffe ich, dass wir aus einer anscheinend beidseitigen Vorliebe für Sonderlinge und Skurriles noch mal ein hüsches Menu kochen können.

Wer bewegt wen? 18.02.2017 | 10:37

Gerade wenn ich an USA denke und Texas mit ihren riesigen Rinderfarmen, die wie KZ`s aussehen, wo Rinder gemästet werden und alle dicht auf dichtstehen, dann ist das eines der vielen Beispiele, was Rinderzucht bedeutet. Ausserdem sind die Tiere inzwischen auch unsere Nahrungskonkurrenten, das meiste was angebaut wird, wird an die Tiere verfüttert, also Mastfutter. Und dann am liebsten in Monokultur, Mais ist ja nicht sehr gut für den Boden und düngt ihn aus. Und dann gibt es in Texas riesige Rinderskulpturen vor den Restaurants, die sind noch stolz da drauf, ein Rind erlegt zu haben, so wie die Amis woll generell stolz sind, eine ganze Kultur vernichtet zu haben und mit ihr deren Nahrungsmittel, die Büffel. Die Indianer haben vor der Jagd um Erlaubnis gefragt und sie haben nie mehr getötet als sie brauchten. Sie wussten sie sind abhängig von der Natur. Heutzutage glaubt man wohl alles im Überfluss zu haben, was ja auch stimmt, doch Gier kann dann eben zu Ausrottung führen. Die Natur hat genug für alle, doch die Natur muss man pfeglich behandeln und ihren Gesetzen folgen, denn schliesslich sind auch 99% aller Arten ausgestorben. Warum nicht der Mensch? Der Mensch, diese Krone der Schöpfung sägt am Liebsten am Ast auf dem er sitzt.

Wer bewegt wen? 18.02.2017 | 10:49

es kann nicht gesagt werden, das Veganer sich schädigen, sie müssen sich nur noch viel besser auskennen mit Ernährung als Vegetarier. Im Übrigen gibt es auch Hochleistungssportler, die sich vegan ernähren, z.B. Patrik Baboumian, der ist Kraftsportler. Es ist nicht generell schädlich vegan zu essen, nur muss man halt wissen, was man essen muss. Letztendlich kann man sagen ist eine reine pflanzliche Ernährung leichter für die Verdauung und den Magen, Fleisch ist schwierig, da wir nicht die Raubtierzähne haben und auch nicht den Magen um das richtig zu verdauen, ausser vielleicht man drinkt gleich eine Coca-Cola hinterher.

Wer bewegt wen? 18.02.2017 | 10:55

Ich war mal bei einem Tofu-Stand der Firma Taifun, die hatten mal einen am Münstermarkt, haben das nun eingestellt. Der Verkäufer hat mir mal von einem besonders skurillen Fall erzählt. Ein Mann kam an den Stand und wusste nicht, das es sich um Tofu-Würste handelt. Er hat sich bestellt und munter gegessen, der Verkäufer fragte: Und schmeckt`s? Ja sagte er und ass weiter. Dann fielen ihm irgendwann die Prospekte am Stand auf und er begriff das er Tofu ist. Daraufhin hat er alles stehen und liegengelassen und ist geflüchtet. Soja ist eine uralte Kulturpflanze. Es hält sich bei den Köpfen der Leute aber immernoch der Mythos Fleisch mache stark und man braucht es für das Gehirn und für das Wachstum. Das war früher wirklich so, für die Gehirnentwicklung war es notwendig. Doch es ist ja ein Evolution, doch der Mensch ist eben auch ein Gewohnheitstier. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.

Wer bewegt wen? 18.02.2017 | 11:42

es ist im Ende eine Gewissensfrage. Jeder muss damit zurechtkommen. Ich jedenfalls glaube Franz Alt, der sagte Jesus war Vegetarier und auch gibt es den Spruch: du sollst nicht töten. Warum sollen Tiere davon ausgeschlossen sein, wer gibt uns denn das Recht darüber zu bestimmen, wann wir Tiere töten? Tiere sind genauso Lebewesen, wenn es so wie bei den Indianern ablaufen würde und man eben auch um Berechtigung frägt bei der Quelle und sich auch für das Lebensmittel bedankt, wäre das was anderes.

Querlenker 18.02.2017 | 20:55

>>Aber es gibt viele Menschen, die Fleisch mögen, es aber aus Gewissensgründen nicht oft essen mögen.<<

Diesen Menschen kann bald mit "echtem" Fleisch geholfen werden.

In USA wird bereits echtes Leber- und Nierengewebe vom Menschen aus menschlichen adulten Stammzellen mit Hilfe von Bio-3D Druckern der Firma Organovo gedruckt. Mit dem Gewebe wird getestet, ob der Mensch neue Medikamente verträgt. So braucht man bereits keine Tierversuche mehr. Warum sollte so nicht auch der 3D-Druck von tierischem Muskelgewebe möglich sein?

An der Universität Maastricht wurde der erste Rindfleischklops für einen Hamburger aus Stammzellen vom Rind gezüchtet und dann gebraten. Ist noch ein bißchen teuer, aber das wird sich in den nächsten Jahren normalisieren.

3D-Drucker pupsen nicht und rieseln keine Gülle in die Landschaft.

Jedenfalls wird sich die Rügenwalder Mühle innerhalb der nächsten zwanzig Jahre auf den 3D-Druck umstellen müssen oder vom Markt verschwinden. Dasselbe gilt für die Cowboys, die wegen dieser düsteren Berufsaussichten vermutlich diesmal Trump gewählt haben.

Lethe 18.02.2017 | 22:57

Warum sollen Tiere davon ausgeschlossen sein, wer gibt uns denn das Recht darüber zu bestimmen, wann wir Tiere töten? Tiere sind genauso Lebewesen ...

Wappnen Sie sich: Pflanzen sind auch Lebewesen. Wer gibt uns ein Recht, die zu töten? Das Dumme ist nur: In diesem Universum kann Leben nur existieren, wenn es bereit ist, sich von anderem Leben zu ernähren, also anderes Leben zu opfern. Lebendig zu sein, heißt ein Killer zu sein.

und man eben auch um Berechtigung frägt bei der Quelle

Und hat schon mal einer der Hirsche widersprochen? Oder geht es um die nette Geste, das warmherzige Lächeln beim Töten?

Sie haben natürlich recht: Es ist eine Gewissensfrage ... hmm, ist es eine Gewissensfrage? Für mich nicht. Eine Gewissensfrage sind die Bedingungen der Mastbetriebe, aber nicht das grundsätzliche Prinzip der Ernährung auch mit Tieren.

Wer bewegt wen? 18.02.2017 | 23:57

Ich sage einfach alle grossen spirituellen Lehrer waren für fleischlose Ernährung, mit Ausnahme von Swami Vivekananda haben sie kein Fleisch gegessen, Inder sind heute noch viele Vegetarierer. Also in spirituellen Lehren heisst es das Fleisch nicht gut ist für die feinstoffliche Energie. Ob sie das nun als Humbug abtun oder als esoterische Spinnerei, das ist ihre Sache.

Z.B. gibt es auch in der Medizin Belege dafür, z.B. Dr Michael Greger, der Arzt wurde, weil seine Oma allein durch Umstellung auf pflanzliche Ernährung gesundwurde. Und er hat das Blutbild von Leuten abgebildet, die ihre Ernährung auf vegan umgestellt haben. Also so ganz falsch kann es nicht sein. Zwingen kann man eh keinen.