der Freitag
19.09.2013 | 15:46 16

Frage des Tages zum Wahlalter

Debatte Welche Themen entscheiden den Wahlkampf? Redaktion und Community diskutieren täglich eine aktuelle Frage zur Bundestagswahl 2013. Heute:

Frage des Tages zum Wahlalter

Deutschland wählt. Von Montag bis Freitag. Morgen ist der letzte Tag, an dem tausende Jugendliche ihre Stimme abgeben können zur Juniorwahl. Schon in der vergangenen Woche fanden die  U18-Wahlen statt. Ergebnis: Grüne und Piraten holten deutlich mehr Stimmen als bei den Erwachsenen, die Union verliert.

Alles nur ein Spaß? Nein, die Diskussion über das Wahlalter gibt es seit Jahren. Früher durfte erst ab 21 gewählt werden, heute bei einigen Landtags- und Kommunalwahlen schon ab 16. Im Prinzip ist aber jede Altersgrenze willkürlich, konsequent wäre allein das Wahlrecht für alle – ab 0 Jahren. Sind Kinder und Jugendliche zu wenig informiert? Wer so argumentiert, müsste auch dafür sein, dass vor den Wahlkabinen erst das Politikwissen getestet wird, bevor ein Bürger sein Kreuz machen darf. Wollen wir das? Oder sollte nicht besser einfach das Wahlalter gesenkt werden?

fragt Felix Werdermann

Die letzten vierzehn Tage vor der Bundestagswahl 2013 stellen wir täglich eine Frage des Tages.

 

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Kommentare (16)

Tad Baste 19.09.2013 | 16:20

Die Frage beantworte ich grundsätzlich mit JA

Zur Ausgestaltung eines Kinderwahlrechts erscheint mir ein stellvertertendes Wahlrecht der Eltern und ein eigenes Wahlrecht ab dem 7. Geburtstag der kleinen Plagen, also zeitgleich mit der beschränkten Geschäftsfähigkeit, als richtig.

Das wäre konsequent, denn Kinder sind die Zukunft, ab 7 dürfen sie kaufen, aber heute nicht wählen, und wenn man dementen 95ig-jährigen das Wahlrecht ungeprüft zusteht, kann der Kinderquatsch eines 7-jährigen da auch nichts relevant unschickliches verursachen.

Bei den ca. 21% über 65 Jahren wäre ein Stimmrecht für die ca. 17% unter 18 Jahren ein dringend notwendiger Ausgleich.

VeritasEtAequitas 19.09.2013 | 16:41

Ich beantworte diese Frage ebenfalls mit einem Ja.

Die älteren Menschen sind in unserem Land überrepräsentiert, allein im Parlament ist der Durchschnitt über 50 Jahre alt. Außerdem gehen gerade viele junge Menschen nicht wählen.

Deswegen würde ich das Wahlalter auf 16 senken. Viel jünger aber auch nicht, weil ich sonst die Befürchtung habe, dass die Kinder von ihren Eltern genötigt werden, eine bestimmte Partei zu wählen. Sieht man ja bei den U18-Wahlen: So konservativ sind Kinder bestimmt nicht...

Und wie im Eingangsbeitrag bereits erwähnt: Wenn man argumentiert, dass sich jüngere Menschen nicht mit Politik auskennen würden – das wird mit dem Alter nicht viel besser. ;)

Liebe Grüße

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Ehemaliger Nutzer 19.09.2013 | 17:37

"Oder sollte nicht besser einfach das Wahlalter gesenkt werden?"

Ein klares Nein.

Man muss sich eher fragen, woher solche Forderungen kommen. Bei einigen Parteien ist diese Forderung aus meiner Sicht nichts anderes als der Versuch, politische Unzucht mit Abhängigen zu rechtfertigen.

Denn die Parteien stellen selbst gar nicht oder nicht ausreichend junge oder jüngere Kandidaten auf, von denen sich junge oder jüngere Wähler vermeintlich besser vertreten fühlen könnten. Man muss auch keine Zwietracht zwischen den Generationen sähen, oder zwischen Eltern und Nichteltern.

Dann müssten man zudem auch nahezu 100 % der jetzt Wahlberechtigten jungen Menschen zur Wahl bewegen. Allenfalls das spräche für eine denkbare Herabsetzung des Wahlalters. Nur wird häufig vergessen, dass mit der Herabsetzung des Wahlalters gleichzeitig auch die zivil- wie strafrechtliche Verantwortung ebenfalls früher beginnen müsste, für alles, was man tut oder unterlässt.

Sollten sich die noch nicht Volljährigen gegenwärtig in den Parlaments- und Regierungsentscheidungen gar nicht oder unzureichend berücksichtigt sehen, wäre einerseits das Parlament und die Regierung der richtige Ansprechpartner. Andererseits wären die bereits Volljährigen die richtigen Ansprechpartner, sie müsste man also überzeugen, zur Wahl zu gehen und für eine andere Politik zu sorgen.

Es scheint mir eher, dass außer den daran interessierten Parteien sonst nur noch Journalisten dieses Thema immer wieder hochkochen.

janto ban 19.09.2013 | 18:10

|| Sind Kinder und Jugendliche zu wenig informiert? ||

In der Regel ja.

|| Wer so argumentiert, müsste auch dafür sein, dass vor den Wahlkabinen erst das Politikwissen getestet wird, bevor ein Bürger sein Kreuz machen darf. ||

Ach, papperlapapp. Bis zu einem bestimmten Alter haben Jugendliche einfach zu viel mit sich selbst um die Ohren. Pickekl ausdrücken, ins Berufsleben finden, sowas halt.

Dass selbst viele Erwachsene nicht wissen, was sie (sich an-)tun, wenn sie ihr Kreuzchen setzen, ist ja richtig. Allerdings könnte man bei denen zumindest vermuten, dass sie im Leben schon einmal (freiwillig!) mit einer Zeitung, einer Nachrichtensendung oder einer irgendwie politischen Diskussion (und wenn es nur der Benzinpreis gewesen sei) in Berührung gekommen sind.

Kein Plan. Ich finde Wählen ab 18 aber schon ganz okay.

"Eltern wählen für ihre Kinder. Pro Kind eine Stimme mehr."

Hat die CSU nicht plakatieren lassen. Wäre aber der Knaller gewesen, oder..?

Georg von Grote 19.09.2013 | 18:28

So schnell kanns gehen :-)

Ich sehe gerade den alten Franz Josef Strauß vor mir, wie er nach Kirch- und Wahlgang beim dampfenden Schweinebraten im Kreise seines Nachwuchses sitzt und ihnen ganz Demokrat, der er ja immer war, erklärt: Ich hab mich natürlich selbst gewählt, Dein Kreuz hab ich dem Willy geben, Deins hat der Genscher bekommen und Du bist zu deppert, Deinen Stimmzettel hab ich zerissen :-)

Grabert 19.09.2013 | 19:22

Moin, lieber VeritasEtAequitas,

darauf konterie ich mit einem klaren Nein, bei vielen jungen oder zumindest jüngeren Mandats- und auch Amtsträgern, was ich aber nicht zu sehr veralgemeinern möchte, mehr Sturm und Drang feststellbar. Dies ist jedoch nicht immer der Politik, die sie betreiben wollen, förderlich. Hinzu kommt, dass allen jungen Bundes- und Landtagseinsteigern eines in der gesamten Politiklaufbahn fehlt, der Bezug zur Welt außerhalb der Käseglocke Parlament oder ggf. Regierung.

Der Autor diskreditiert sein Anliegen, die Senkung des Wahlalters, schon alleine mit dem Spruch zur 0-Jahres-Altersgrenze. Für das Führen von Fahrzeugen oder schweren Maschinen käme man ja auch nicht auf solche Gedanken.

Wenn mich nicht alle meine Sinne täuschen, dann ist die Frage auch Bestandteil des Grundsatzprogramms der Partei DIE LINKE, die diesen Vorstoß ja auch schon bei der Behebung des negativen Stimmgewichts mit umsetzen wollte, eine Vorlage übrigens, die eigentlich vieles im Bundeswahlrecht geändert hätte, nur das negative Stimmgewicht am wenigsten. Aber das steht wieder auf einem anderen Blatt.

Beste Grüße

Grabert

gelse 20.09.2013 | 04:39

Waren wir nicht schon mal nahe an der Erkenntnis, dass Wahlen an Bedeutung verlieren, wenn mehr über Sachfragen als über Regierungspersonal abgestimmt wird?
Dann können aber verschieden Themen für verschiedene Altersgruppen unterschiedliche Relevanz haben. Bei Themen, die für unter 18-jährige hochrelevant sind, müsste Diesen schon eine Meinungsäusserung erlaubt werden. Das hört sich natürlich komplizierter an als irgendeine pauschale Wahlaltersgrenze, aber zumindest in die Richtung diskutieren könnte man ja mal.