Frau Kraft: Kanzlerkandidatin der Herzen

SPD Die NRW-Regierungschefin hat zwar frühzeitig abgewinkt. Aber angesichts der vielen Pannen von Peer Steinbrück steigt in der Partei die Sehnsucht nach ihr
Frau Kraft: Kanzlerkandidatin der Herzen
Foto: Sean Gallup/ AFP/ Getty Images

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Das wäre nicht das erste Mal. Aber dieses Gespenst ist ein Double. Das Original heißt Kanzlerkandidat. Das Double ist „Kanzlerkandidatin der Herzen“. Der bürgerliche Name lautet Hannelore Kraft.

Fast jeder in der SPD nennt diesen Namen, wenn ihn das Missliche beim Ausblick auf den kommenden Bundestagswahlkampf zu überwältigen droht. Jeder kann das um so forscher tun, als die immer noch am Anfang ihrer Regierungszeit in Nordrhein-Westfalen stehende Ministerpräsidentin klar gesagt hat, dass sie nicht von Düsseldorf nach Berlin wechseln will. Man darf sich dazu denken: zumindest jetzt noch nicht. An ihrem Platz im Herzen vieler Sozialdemokraten ändert das nichts. Da fragt sich der nüchterne Beobachter denn doch: Steckt die SPD wirklich so in der Bredouille?

Merkels Schleppenträger

Vor drei Jahren war Frau Kraft noch die Verlegenheitskandidatin einer mutlosen Landespartei. Vorgänger im Amt, das sie dann überraschend erlangte, waren Wolfgang Clement, der heute in der FDP ist, und Peer Steinbrück, der dann, nach der Abwahl von Gerhard Schröder und seinem rot-grünen Kabinett – in der nachfolgenden Großen Koalition einer der Schleppenträger Angela Merkels wurde. Ihre Gegner in der NRW-CDU, die sie in zwei Wahlkampagnen besiegte, waren Jürgen Rüttgers und Norbert Röttgen. Der eine bei Freund und Feind als Dünnbrettbohrer bekannt, verlor das zufällig erworbene Regierungsmandat.

Der andere, als Umweltminister gescheitert, im Wahlkampf an Rhein und Ruhr der Schrecken seiner Parteifreunde, konnte es nicht zurückerobern und versenkte bei dem Versuch fast die CDU in einem ihrer Stammländer. Man sagt kaum etwas Falsches, wenn man anmerkt, dass die vier Männer, die Hannelore Kraft zuletzt auf Augenhöhe begegnet sind, nicht gerade Koryphäen der Politik waren. Das spricht nicht gegen die Ministerpräsidentin. Wohl aber sagt es einiges aus über den Zustand der SPD, die nach Kanzlerkandidaten geradezu schreit, wenn auch nur nach einem oder einer für die Herzen.

Teufel oder Beelzebub?

Oder sollte es bei den Sozialdemokraten als Einsicht angekommen sein, dass gegen Frau Merkel nur eine andere Frau hilft, eben Frau Kraft? Das Sprichwort sagt, man könne den Teufel nur mit Beelzebub bekämpfen. Politisch gewendet hat Kanzlerkandidat Steinbrück schon vom Frauenbonus gesprochen, gegen den schwer zu siegen sei. Da sagte doch sehr treffend der berühmte New Yorker Privatdetektiv Nero Wolfe bei Archie Goodwin (resp. Rex Stout): „Galanterie ist nicht immer ein Lakai der Wollust.“

09:00 21.01.2013

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