Freedom is just another word ...

Ausstellung Ist es Zufall oder doch Ergebnis einer Arbeit im selben Bergwerk? Eines der zentralen (Reproduktions-)Bilder in der 68er Ausstellung im Frankfurter ...

Ist es Zufall oder doch Ergebnis einer Arbeit im selben Bergwerk? Eines der zentralen (Reproduktions-)Bilder in der 68er Ausstellung im Frankfurter Historischen Museum (Freitag 23 vom 6. Juni 2008) stammt aus der Sammlung Künstlerische Fotografie der Deutschen Zentralgenossenschaftsbank. Es ließe sich fragen, inwieweit der Gedanke an die frei gewählte Genossenschaft in der DZ-Bank noch eine Rolle spielt. Nicht fragen lässt sich, weshalb die Fotografie Will Brides, Hair-Darsteller und Studiofreund, München 1968, in der kleinen Ausstellung Freedom is just another word... des Art Foyer DZ Bank der ästhetische wie dokumentarische Mittelpunkt ist. Hier die flirrende Erotik, die geradezu danach schreit, die engen Begrenzungen der Paar-, Geschlechter- und Generationsrollen, die beklemmenden Schranken der doch eigentlich Mobilität verheißenden Umzugskisten zu sprengen. Dort das Wissen derer, die überlebt haben: Die Umzugskiste ist schon wenige Jahre, nachdem diese Fotografie entstanden war, das wichtigste Requisit im Siedlungsprogramm der homeless people.

Ja, doch: "Kunst ist eine kriminelle Tat". Aber wenn sich die Videokünstlerin Ulrike Rosenbach in das Warhol´sche Doppelportrait von Elvis hineinprojiziert, dann signalisiert das nicht nur, dass nun und fürderhin auch die Frau bewaffnet sei. Das Werk heißt dann auch unendlich cool: Art is a criminal Action. Klaus Rinke ist mit der Wand aus dem Jahre 1972 vertreten. Ewigen Ruhm hat er sich vor allem damit verdient, weil ihm 1968 die perfekte Synthese aus Dadaismus und dem Bau des Weißmeerkanals gelang: Er lenkte den Schwarzwaldbach Oos durch die Kunsthalle in Baden-Baden.

So unbestimmt wie deutlich hat Dennis Stock in Venice Beach Rock Festival eine damals nicht so seltene Zeitstimmung ins Bild gesetzt. Eine selbstverliebte, eine Zärtlichkeit spendende Tänzerin scheint über den rockenden Massen (und den Strandkörben) zu schweben. Der Wind zaust ihr das Haar nach vorn, bläst also von hinten und lässt so an den "Engel der Geschichte" denken. Mag sein, dass hier nicht nur dem betagten Betrachter die Möglichkeit der für Momente gelebten Utopie von Individualität und dem Verschmelzen mit tanzenden oder demonstrierenden Massen zur, nun ja, Ansicht gebracht wird.

Es ist hier nicht der Platz, alle Arbeiten dieser kleinen, aber wissenden Ausstellung zu besprechen. Empfohlen sei sie auch jenen, denen Bankzentralen nicht gerade das alltägliche Zentrum der Begierde oder des Begehrens sind. Man kann hier sehen lernen, welch differenzierende Keuschheit vom schwarz-weißen Bild ausging. Ganz im Gegensatz zum Alltagsschrott der medialen Farbfotografie, die die eigenen Bilder vermüllt. Valie Exports Zeitgedicht lädt zur Betrachtung ein, eben wegen der Differenz von Alltagssehen und Schwarz-Weiß. Und Sigmar Polkes kläglich scheiternder Wiederbelebungsversuch an Bambusstangen - sie wollen einfach nicht wieder ausschlagen und wachsen. "Man weiß nicht warum", bohrt sich einem Luckys Dauersentenz aus Warten auf Godot unter die Schädeldecke. Und der dazugehörige Kopf fragt sich irritiert, ob man dafür den Chefideologen der DZ-Bank verantwortlich machen kann.

Freedom is just another word... Bis zum 4. Juli im Art Foyer der DZ-Bank, Frankfurt am Main, Platz der Republik

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