Jürgen Busche
Ausgabe 2017 | 31.05.2017 | 06:00 10

Freunde und Feinde

AfD Die Wahl in Nordrhein-Westfalen hat gezeigt, dass die katholischen Regionen wenig von Gauland und seinesgleichen halten

Freunde und Feinde

Alexander Gauland ist immer für einen kalkulierten Fehltritt zu haben

Foto: Photothek/Imago

Kein Aufmerksamkeit heischendes Ereignis in der Politik wäre vollständig ohne eine Sauerei aus den Reihen der AfD. Dafür war dieses Mal der brandenburgische Landtagsabgeordnete Alexander Gauland zuständig, der Spitzenkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl. Er nannte Angela Merkel „Feindin“. Zuerst hatte er „Gegnerin“ gesagt, korrigierte sich aber gleich und schob „Feindin“ hinterher. Gauland, der in Diskussionen gern einmal eine lateinische Sentenz einfließen lässt, weiß als Jurist, was im römischen Recht eine innerstaatliche Feinderklärung bedeutet. Der so Gebrandmarkte wird außerhalb der Rechtsgemeinschaft gestellt. Er ist vogelfrei. Das ist ein bisschen direkter als das Freund-Feind-Denken, das der nationalsozialistische Rechtslehrer Carl Schmitt für die Politik forderte.

Wes Geistes Kinder die AfD-Wähler sind, kann man immer noch schwer auf einen einzigen Begriff bringen. Aber wes Geistes sie ganz gewiss nicht sind, kann man zwei Wochen vor Pfingsten ganz genau sagen: Der Heilige Geist ist nicht bei ihnen. Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat wieder einmal gezeigt, dass die katholischen Regionen wenig von Gauland halten. Auch wenig von seiner Ko-Spitzenkandidatin Alice Weidel. In ihrer katholischen Heimat schnitt ihre Partei unterdurchschnittlich ab. In Münster erreichte die AfD in den beiden Wahlkreisen 3,4 und 4,0 Prozent der Stimmen. Im westlichen Münsterland blieb sie durchweg unter fünf, nur in Coesfeld II genau bei 5,0 Prozent, im Hochsauerlandkreis knapp darüber. In Paderborn schnitt sie von den katholischen Hochburgen noch am besten ab ( 6,5 und 7,2 Prozent), aber dort ist auch einer der schärfsten Merkel-Kritiker in der CDU, Carsten Linnemann, Bundestagsabgeordneter. Da mag schon der eine oder andere nachdenklich werden, ob er noch CDU wählen soll, wenn er nicht gerade Linnemann (Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung) selbst wählen kann.

Über zweistellige Ergebnisse darf sich die AfD nur in den alten großen Industrieregionen freuen, etwa in Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Herne – aber nicht in Dortmund. Diesen Erfolg kann man auf einen Begriff bringen: Die Partei verdankt ihn Protestwählern. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass Gauland in den Kneipen des Ruhrgebiets – in denen man sich sehr wohlfühlen kann – sein Publikum trifft. Jahrelang erzählen Politiker von der SPD und der Linkspartei, die AfD gefährde das Wählerpotenzial der CDU. Seit Jahren ist zu sehen, dass das falsch ist. SPD und Linkspartei müssen bangen. Aber sie wollen es nicht wahrhaben.

Der Autor und Journalist Jürgen Busche schreibt in seiner Kolumne Unter der Woche regelmäßig über Politik und Gesellschaft

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 20/17.

Kommentare (10)

denkzone8 31.05.2017 | 08:42

feindin.

für eine partei, die aus protest-stimmungen der unbestimmten art

saugt, sind starke worte als markenzeichen dienlich.

als mit-regierungs-fähig empfiehlt sie sich der union so nicht.

aber merkel hat ja viele optionen, weiter zu merkeln.

die stagnation in vielem und die zunehmende (soziale)

un-sicherheit bleibt der masse der wähler erhalten,

ihnen hilft kein guter geist, geschweige ein heiliger.

Joachim Petrick 31.05.2017 | 12:40

Machen wir uns nichts vor, Alexander Gauland ist "Fleisch" vom "Fleisch" der CDU/CSU und mit der AfD als deren 5. Kolonne unterwegs, hinter zurückgenommenen Linien christsozialer Wertegemienschaft, neue Verteidigungslinien aufzubauen, als Fedposten zu halten, um dann irgendwann gemeinsam mit den CDU/CSU Kohorten in einer l Koalition. erst in Landtagen,dann im Bundestag in die tiefschwarze Offensive zu gehen.

Andererseits zeigt die AfD insofern womöglich den geselschaftlichen Fortschritt, weil früher solche "alten Säcke" wie Alexander Gauland die Nachgeborenen demagogisch zum Krieg ins Ungefähre gegen einen beliebig äußeren Feind aufgehetzt, den nächsten Weltkrieg als Crusader gen Osten per Fundraising in der europaweit aufgestellt deutschen Wirtschaft, Handel Banken, Versicherungen, Verkehr, Rüstung, Energie riskiert hätten

Joachim Petrick 31.05.2017 | 12:42

Machen wir uns nichts vor, Alexander Gauland ist "Fleisch" vom "Fleisch" der CDU/CSU und mit der AfD als deren 5. Kolonne unterwegs, hinter zurückgenommenen Linien christsozialer Wertegemienschaft, neue Verteidigungslinien aufzubauen, als Fedposten zu halten, um dann irgendwann gemeinsam mit den CDU/CSU Kohorten in einer l Koalition. erst in Landtagen,dann im Bundestag in die tiefschwarze Offensive "schwarzrotbraun ist die Haselnuss" zu gehen.

Andererseits zeigt die AfD insofern womöglich den geselschaftlichen Fortschritt, weil früher solche "alten Säcke" wie Alexander Gauland die Nachgeborenen demagogisch zum Krieg ins Ungefähre gegen einen beliebig äußeren Feind aufgehetzt, den nächsten Weltkrieg als Crusader gen Osten per Fundraising in der europaweit aufgestellt deutschen Wirtschaft, Handel Banken, Versicherungen, Verkehr, Rüstung, Energie riskiert hätten

Sikkimoto 31.05.2017 | 13:42

>Jahrelang erzählen Politiker von der SPD und der Linkspartei, die AfD gefährde das Wählerpotenzial der CDU. Seit Jahren ist zu sehen, dass das falsch ist. SPD und Linkspartei müssen bangen. Aber sie wollen es nicht wahrhaben.<

Bei der Landtagswahl in NRW, die ja Aufhänger ihres Texts ist hat die AfD laut dimap/ard lediglich 1,6% ihrer Stimmen von ehemaligen Linkenwählern. Die Aussage ist so also einfach falsch.

Zum Vergleich: 7,9% der AfD-Wähler in NRW haben letztes mal CDU gewählt.

Sikkimoto 31.05.2017 | 13:43

>Jahrelang erzählen Politiker von der SPD und der Linkspartei, die AfD gefährde das Wählerpotenzial der CDU. Seit Jahren ist zu sehen, dass das falsch ist. SPD und Linkspartei müssen bangen. Aber sie wollen es nicht wahrhaben.<

Bei der Landtagswahl in NRW, die ja Aufhänger ihres Texts ist hat die AfD laut dimap/ard lediglich 1,6% ihrer Stimmen von ehemaligen Linkenwählern. Die Aussage ist so also einfach falsch.

Zum Vergleich: 7,9% der AfD-Wähler in NRW haben letztes mal CDU gewählt.

dos 31.05.2017 | 15:21

Nach den Ergebnissen vom Wahlabend (https://wahl.tagesschau.de/wahlen/2017-05-14-LT-DE-NW/analyse-wanderung.shtml),
gingen 10.000 ehem. PdL-Wähler zur Afd, von knapp 200.000 Pdl-Zweitstimmen 2012 = 5 % WW von Pdl zur Afd, und damit rund zweieinhalb mal (250%!) soviel wie von anderen Parteien zur Afd gingen (etwa 2%) bzw. damit deutlich überdurchschnittlich.

Dass die Ex(?)-"Linken"-Stimmen "lediglich 1,6% ihrer [der AfD; dos] " ausmachen, liegt an dem geringen Volumen, das sie per se nur am Gesamtanteil haben: 2,5% in 2012, 4,9% in 2017.

Von daher geht auch die "Analyse" des Artikels ziemlich fehl, vor allem die SPD und die Linken müssten wg. AfD "bangen". (Trifft am ehesten auf den Osten u. die PdL dort zu)

Es ist schon in der NS-Forschung versucht worden, besonders katholischen Gegenden eine höhere Resilienz gegen rechtes Gedankengut jenseits des eigenen zuzuschreiben als z. B. eher protestantischen Gebieten. Statistisch ist das sehr dünn ausgefallen, weil auch anderes dort je erst "später kam".

Kasuistisch sowie kulturlogisch/semantisch sieht das schon anders aus, die heftigtsten Euthanasie Fälle finden sich im prot. Umfeld eher/mehr usw.

Sägerei 11.06.2017 | 16:57

Gibt es eine Wippe zwischen AfD und FDP? Also schmiert die eine ab wenn die andere grade Aufwind hat? Nach meinem dafürhalten sind es diese beiden Parteien, die die größten Gemeinsamkeiten haben. Beide stehen nicht im Entferntesten für das ein, womit sie Wähler ködern. Die einen stehen ein für maximale Kontrolle, bürgerliche Anpassung, Bürokratie und Gängelung aller Bürger mit Ausnahme der Oberschicht. Von der AfD können wir getrost das gleiche erwarten, und dass sie keinesfalls für irgendeine Version von "Protest" zu haben sind.