Fünf Dinge, die anders besser wären

Status quo VW und Eishockey, Londons Busspurverbot, Indiens erste komplett private Stadt, die deutsche Wirtschaft und ihre unzufriedenen Senioren sowie Mütter und ihre Lohnnachteile

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Öffentlich bekannt ist der VW-Abgasskandal erst seit dem 18. September. Sein ganzes Ausmaß sei da aber noch gar nicht absehbar gewesen, argumentierte das Konzernmanagement stets. Tatsächlich wusste Letzteres schon Ende August sehr genau Bescheid, hat das Handelsblatt enthüllt.

Und inzwischen geht es um eine sehr viel größere Palette an mit Betrugssoftware ausgestatteten Modellen als zunächst bekannt. Wo bleiben die Folgen? Bisher sind nicht einmal die versprochenen symbolischen Konsequenzen eingelöst: Sein sehr üppiges Budget für Marketing und Sponsoring will VW angeblich kürzen. Doch noch immer leistet sich der Konzern etwa eine Eishockeymannschaft in Wolfsburg, die in der ersten Liga spielt. Wie überflüssig sie ist, lässt sich allein am ligaweit mit Abstand niedrigsten Zuschauerschnitt ablesen: 2.421.

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Verkehrspolitisch ist auch der konservative Kandidat um das Bürgermeisteramt in London, Zac Goldsmith, gerade aufgefallen. Er will nach einem Wahlsieg 2016 die Sonderspuren für Busse in der Hauptstadt Großbritanniens abschaffen, denn: In den nächsten zwei, drei Jahren würden die meisten Bürger eh Elektroautos fahren. Goldsmith will Bürgermeister der Stadt mit dem weltweit größten Busnetz und sechs Millionen Fahrgästen täglich werden. Vielleicht sollte er eher als Manager bei VW anheuern.

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Oder er versucht es in der ersten komplett von einem Privatkonzern gebauten und verwalteten Großstadt in Indien: Lavasa. Der Name ist bedeutungslos und kommt von einer Marketingfirma, soll aber mit seinem exotischen Klang ausländische Besucher anlocken. Die Wohnungen in der auf 300.000 Einwohner ausgelegten Kunststadt dürften selbst für die indische Mittelschicht unerschwinglich sein. Um Schulen und Krankenhäuser kümmern sich Unternehmen. Steuern, Zwangsräumungen, Flächennutzungspläne – für all das ist kein Bürgermeister oder Stadtrat da, sondern das „City Management“. Für Zac Goldsmith hätte das den Vorteil, dass er sich nicht erst wählen, sondern nur vom Betreiberkonzern anstellen lassen müsste.

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Vielleicht wäre Lavasa eine Option für vermögende deutsche Senioren: Denn obwohl es im Land künftig immer mehr alte Menschen geben wird und sie mitunter über eine ansehnliche Kaufkraft verfügen, scheinen sich hiesige Unternehmen schwer mit der betagten Klientel zu tun: Eine Umfrage der Deutschen Seniorenliga unter über 60-Jährigen ergab, dass nur zwei Prozent mit der angebotenen Produktpalette zufrieden sind. 82 Prozent beschweren sich über unzureichende Produktinformationen und drei Viertel klagen über mangelnde Beratung durch Handel und Hersteller inmitten der riesigen Produktvielfalt.

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Grund zu ähnlich lauter Klage haben Mütter, die sich nach der Geburt eines Kindes eine Auszeit nehmen, die über die Freistellungsfristen der Elternzeit hinausgeht: Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung nach verdienen Mütter mit solch längerer Aus-zeit im ersten Jahr nach Wiedereinstieg 16 Prozent weniger als kinderlose Frauen. Nach zehn Jahren sind es immer noch vier Prozent. Frauen, die innerhalb der Elternzeitfristen zurückkehren, weisen im ersten Jahr sieben Prozent niedrigere Stundenlöhne auf, mit der Zeit verschwindet diese Differenz aber. Nun lässt sich sagen: Frauen, bleibt bloß nicht zu lang zu Hause! Oder aber: Männer, kümmert euch gefälligst mit um eure Kinder! sepu

06:00 09.12.2015

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