Sebastian Puschner
Ausgabe 5215 | 06.01.2016 | 06:00

Fünf Dinge, die anders besser wären

Status Quo Europas düstere Zukunft, Deutschlands marode Schienen, die heißen Sommer im Rheintal, die darbenden Böden der Erde und die steigende Rendite der Grundbesitzer

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Wenn Europa so weitermacht wie bisher, dann wird seine Arbeitslosigkeit erst im Jahr 2022 wieder auf das Niveau von 2007 gefallen sein. Das hat das Wirtschaftsforschungsinstitut IMK in der Hans-Böckler-Stiftung mit Instituten aus Frankreich, Schweden und Österreich errechnet. Zwar werde die Wirtschaft im Euroraum 2016 um zwei Prozent wachsen. Eine Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit allerdings wird das nicht aufhalten: Von allen, die arbeiten wollen und könnten, ist im Euroraum heute jeder Vierte arbeitslos gemeldet, unterbeschäftigt oder hat die Jobsuche entmutigt eingestellt. Tun die Staaten weiter nichts für eine fundamentale Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Löhne, gegen Armut und für mehr Investitionen, dann skizzieren folgende Worte die Zukunft des Kontinents: Stagnation mit anhaltend hoher Arbeitslosigkeit und der steten Gefahr, in eine deflationäre Abwärtsspirale zu stürzen.

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Wie sich ausbleibende Investitionen anfühlen, das weiß sehr genau, wer in Bremen regelmäßig mit der Straßenbahn fährt: Die Stadt musste wegen reparaturbedürftiger Fahrzeuge bereits den Fahrplan einschränken. Die jetzt beschlossene Neuanschaffung von Bahnen wird bis 2020 dauern. Was die Schienen angeht, so ist in Deutschlands öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) bis 2015 ein Investitionsrückstand von vier Milliarden Euro aufgelaufen. Dabei rechnen drei Viertel aller ÖPNV-Unternehmen des Landes einer aktuellen Befragung zufolge mit einem erheblichen Zuwachs an Fahrgästen bis 2020.

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Die Bürger haben eben verstanden, wie dem Klimawandel beizukommen ist – mit Bahn, Bus und Fahrrad statt Auto. Ziehen Politik und Industrie da nicht mit, dann wird es so kommen, wie 16 Institutionen des Bundes, Deutscher Wetterdienst und Umweltbundesamt etwa, gerade in einer Studie für die Zeit bis Mitte des Jahrhunderts vorausgesagt haben: Hitzewellen vor allem in Ostdeutschland und dem Rheintal. Bis zu 25 statt bisher 12 Tage mit mehr als 30 Grad pro Jahr. Überschwemmungen durch Flusshochwasser im Norden und durch Starkregen im Süden. Nach 2050 werden dann häufigere Frühjahrs- und Sommertrockenheiten der Landwirtschaft zu schaffen machen. Das könnte zugleich den Anbau wärmeliebender Pflanzen wie Sojabohnen ermöglichen.

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Wenn es dann in Deutschland überhaupt noch Böden gibt, auf denen sich etwas anbauen lässt. Gerade geht das von den Vereinten Nationen ausgerufene „Jahr des Bodens“ zu Ende. Doch ungebrochen wandeln wir hierzulande 70 Hektar pro Tag in Siedlungs- und Verkehrsfläche um. Das entspricht dem Verlust des Jahresbedarfs an Brot von über 8.000 Menschen. In ganz Europa wird alle zwölf Monate eine Fläche von der Größe Berlins verbaut. Global gehen jährlich zehn Millionen Hektar Ackerfläche verloren. Und etwa 15 Prozent der Erdoberfläche sind in so schlechtem Zustand, dass die Böden dort keinerlei Funktion mehr erfüllen können.

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Wer sich Eigentümer eines Stücks Boden nennen darf, für den rechnet sich das immer mehr: Die Preise für deutsche Ackerflächen sind zwischen 2009 und 2014 um jährlich zwölf Prozent gestiegen, haben von der Bundesregierung beauftragte Gutachter in ihrem Immobilienmarktbericht gerade vorgerechnet. Um knapp drei Prozent pro Jahr sind die Kosten für Eigentumswohnungen in Großstädten gestiegen. Die Prognose der Gutachter für die Zukunft: Es wird noch sehr viel teurer.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 52/15.