Fünf Dinge, die anders besser wären

Status Quo Schuluniformen von Aldi, Kritik von Rudolf Scharping, Bücher für EU-Kommissare, ein Rentenkonzept der IG Metall und kein Stress für Banken
Sebastian Puschner | Ausgabe 30/2016

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Während in Deutschland Sigmar Gabriel, Edeka, Kaiser’s Tengelmann, Rewe und das Oberlandesgericht Düsseldorf weiter um die Ausgestaltung des hiesigen Oligopols im Lebensmitteleinzelhandel ringen, stellen Lidl und Aldi in Großbritannien neue Negativrekorde auf: Umgerechnet 4,48 Euro kostet bei Lidl nun ein Set für die dort obligatorische Schuluniform aus zwei Polohemden, Pullover und Hose oder Rock. Aldi konterte mit 4,41 Euro für das gleiche Sortiment – made in Bangladesch und China. Das könne „hart arbeitenden Müttern und Vätern“ Geld sparen, warb ein Lidl-Vertreter für die Folgen des Preiskampfes. All die tollen Verdienstmöglichkeiten für hart arbeitende asiatische Näherinnen ließ er unerwähnt. Dabei ist das Ganze doch ein phänomenales Konzept: Uniformiere die Kinder, steigere Ungleichheit wie Armut und schaffe so neue Jobs für die noch Ärmeren anderswo.

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Da braucht es nicht einmal mehr die Dienste von Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping, inzwischen als Berater in China unterwegs. Der SPD-Mann durfte den fehlgeschlagenen Verkauf des Flughafens Frankfurt-Hahn durch Malu Dreyers Regierung in Rheinland-Pfalz im Handelsblatt kommentieren: Scharping kritisierte die in der Sache beauftragte Unternehmensberatung KPMG für ihr Hereinfallen auf einen chinesischen Scheininvestor. Kann man machen. Man kann aber auch fragen: Warum besitzt ein Bundesland einen Flughafen, nicht aber eigene Beamten mit entsprechender Expertise, die im öffentlichen Interesse und nicht, wie KPMG und Co., nur motiviert durch Provision und Profit agieren?

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Ist aber auch lästig, dieses Handeln im öffentlichen Interesse: Jonathan Hill, jüngst in Folge des Brexit-Referendums als EU-Finanzkommissar zurückgetreten, sagte zum Abschied, er habe noch keine Zukunftpläne außer Gärtnern und Lesen, und zwar „Geschichte statt grässliche Finanzmarktregulierung“. Hey, John, es geht auch anders! Andere Ex-Kommissare versuchen sich jetzt nicht mehr vor- und vergeblich an Regulierung, sondern befreit und offen an Liberalisierung, siehe Neelie Kroes (Uber), Karel De Gucht (Arcelor Mittal) oder José Manuel Barroso (Goldman Sachs).

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Das erspart Sorgen um die Altersvorsorge, wie sie laut einer von der IG Metall beauftragten Umfrage zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland plagen. Die IG Metall hat jetzt die hiesige Rentendiskussion mit einem eigenen Konzept befeuert: Rückkopplung des Rentenniveaus an die Lohnentwicklung statt vorprogrammiertem Sinkflug, Solidarversicherung für alle – auch Solo-Selbstständige, Beamte und Parlamentarier – und das „systemgerecht durch Steuern getragen“. Der folgende Aufschrei vonseiten der Arbeitgeber war erwartbar: „fatales Signal“, „aus der Zeit gefallen“, „völlig illusionär“. Noch am originellsten argumentierte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Oliver Zander: „Solche Vorschläge führen letztlich in die Einheitsrente zum Nachteil der Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie.“ Will sagen: Metaller, denkt nur an euch selbst!

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Stress für Rentner, nicht aber für Banken: An diesem Freitag veröffentlicht die europäische Aufsichtsbehörde EBA die Ergebnisse des sogenannten Stresstests. Dass die dafür dienlichen Annahmen zu milde und zudem veraltet sind, betonen sogar Branchenvertreter selbst. Und dass insbesondere italienische Institute vor dem Kollaps stehen, wissen wir auch ohne Test allzu gut.

06:00 10.08.2016

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