Fünf Dinge, die anders besser wären

Status quo Marilyn Monroe und die Reichen, Carsten Maschmeyer und Steuergerechtigkeit, Mindestlohn und Rente, Make-up für Emmanuel Macron und die Zukunft der Uferhallen in Berlin

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Werbeanzeigen für eine Lederjacke, deren billigstes Modell 2.199 Euro kostet, für ein Luxus-Ressort in Abu Dhabi, teure Uhren, diverse Vermögensanlagefirmen und einen Hersteller von Flugzeugen, die 90 Prozent der Schallgeschwindigkeit erreichen – sie alle seien Springers Wirtschaftsmagazin Bilanz gegönnt für dieses Verdienst: die Liste der 1.000 reichsten Deutschen und ihrer sich auf 901 Milliarden Euro summierenden Vermögen öffentlich zu machen; auf Platz eins liegt mit 37 Milliarden Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland, Immobilien). Dass aber der für die Titelgestaltung des Magazins zuständige Werbe-Guru Jean-Remy von Matt eine mit ihrem Zeigefinger lockende Marilyn Monroe – „Dieses Heft angel ich mir!“ – auf Seite eins setzte, zeigt: Bilanz scheint seiner Zielgruppe wohl nur alte, reiche und schlichte Männer zuzurechnen.

2

Finanzmogul Carsten Maschmeyer belegt mit 1,2 Milliarden Euro Rang 133. Eine bessere Platzierung wäre wohl drin gewesen, wären nicht seine Anlagen in Fonds mit dem Geschäftszweck Cum-Ex geplatzt, weil aufmerksame Staatsbeamte dieser Spielart des Steuerbetrugs den Garaus gemacht haben. Von der betrügerischen Dimension jener Fonds will Maschmeyer nichts gewusst haben, er empörte sich – und ist sicher einig mit den 67 Prozent der 1.001 Deutschen, die die Organisation Oxfam befragen ließ: Für ihre Wahlentscheidung sei wichtig, ob eine Partei konsequent gegen Steuervermeidung vorgehe.

3

Eine der Parteien, die SPD, werde einen Koalitionsvertrag nur unterschreiben, wenn er die Stabilisierung des heutigen Rentenniveaus von knapp 48 Prozent vorsieht. Das hat Arbeitsministerin Andrea Nahles versprochen. Man beachte, was das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung gerade ausgerechnet hat: „Ein Rentner mit 45 Beitragsjahren in Vollzeit muss beim aktuellen Rentenniveau im Durchschnitt 11,42 Euro pro Stunde brutto verdienen, um die Grundsicherungsschwelle zu überschreiten.“ Der hiesige, heutige Mindestlohn beträgt übrigens 8,84 Euro pro Stunde brutto.

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Persönliche Visagistin des französischen Präsidenten müsste man sein! Da wäre der Lohn höher und die Rente wohl sicher: Zwei Rechnungen über insgesamt 26.000 Euro konnte die Frau laut einem Bericht des Wochenmagazins Le Point schon an den Élysée-Palast schicken, seit dort im Mai Emmanuel Macron das Zepter in die Hand genommen hat. Würde er es nicht auf Prekarisierung und Flexibilisierung des französischen Arbeitsmarktes anlegen, sondern für Letzteren das Lohnniveau seiner Visagistin zum Vorbild nehmen – niemand würde dann wohl Macron sein aufwendiges Make-up missgönnen. Aber das galt ja schon für Vorgänger François Hollande mit seinen Friseurkosten von rund 10.000 Euro monatlich.

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Mit Kosmetik haben es die Samwer-Brüder – Rang 101 unter den 1.000 reichsten Deutschen, 1,6 Milliarden Euro Vermögen – auch mal versucht. „Beautydeal“ war eine der unzähligen Start-up-Züchtungen ihres Imperiums Rocket Internet: das Geschäftsmodell, ein auf Dumingpreisen im Einkauf basierender Billigversand, ist längst gefloppt. Heute machen die Samwers auch in Immobilien, einer der drei ist laut Berliner Zeitung Teil der Investorengruppe, die für 27 Millionen die Uferhallen in Berlin-Wedding gekauft hat. 50 Künstler-Ateliers gibt es dort, deren Inhaber nun Verdrängung fürchten. Vor zehn Jahren gehörte das Gelände noch dem Land Berlin.sepu

06:00 13.09.2017
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