Fünf Dinge, die anders besser wären

Weich fallen Rich Kids of Munich, der goldene Fallschirm des Air Berlin-Chefs, die Deutschen Bahn, Fake Steel in Japan und eine Kohlefirma, die Mine macht, wie es ihr gefällt

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Hey Rich Kids of Munich auf Instagram, schon klar, dass die Protz-Bilder eures noch nicht mal ererbten Reichtums genauso unsäglich eintönig sind wie die anderer reicher Kinder sonst wo: Ihr zeigt die immergleichen Moët&Chandon-Flaschen, die immergleichen Schlüssel irgendwelcher teurer Schlitten, mit denen ihr durch München-Nymphenburg kurvt, dieselben Louis-Vuitton-Tüten und, aus welchem Grund auch immer, die immergleichen aufgeblasenen Uhren an euren Teeniehandgelenken. Aber Schampus aus Maßkrügen? Musste das wirklich sein? Und dann das Tigerbaby als Haustier, da hättet ihr doch easy etwas Bayerischeres finden können, einen Luchs vielleicht, zu teuer kann der für euch doch nicht sein!

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Etwas Schampus wird sich Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann auch noch leisten können. Im Februar vom jetzigen Air-Berlin-Hauptkäufer Lufthansa nach Berlin gekommen, hat er den Absturz eher moderiert als ihn aufzuhalten vermocht. Tausende Beschäftigte stehen vor dem beruflichen Aus, ihre einzige Hoffnung sind vage Versprechen einer Transfergesellschaft. Winkelmann selbst kassiert luftige 950.000 Euro im Jahr, die bis 2021 garantiert sind und zusätzlich abgesichert durch eine Bankgarantie von bis zu 4,5 Millionen Euro.

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Nicht wertlos wie die Flugtickets der Air Berlin nach ihrem geschäftlichen Ableben, sondern immer teuer werden dagegen die Fahrkarten der Deutschen Bahn. Im Schnitt steigen die Ticketpreise ab 10. Dezember um 1,9 Prozent. „Im Schnitt“ heißt dabei, dass die Preise auf manchen Strecken gleich bleiben, zwischen Berlin und München aber um 13 Prozent steigen. Weniger zupackend ist die Deutsche Bahn, was die Besetzung ihrer Vorstandsposten angeht: Noch immer sind zwei Positionen vakant, eine Aufsichtsratssitzung am 19. Oktober musste abgesagt werden, weil man sich über die Personalien der Chefetagen von Digitalisierung und Güterverkehr nicht einig werden konnte. Der Leiter der Cargo-Abteilung gab daraufhin seinen Rücktritt bekannt. Hätte man nicht stattdessen den für die Ticketpreise zuständigen Posten leer lassen können?

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Die Eisenbahn täte auch gut daran, noch mal zu prüfen, woher sie das Metall in ihrem Namen bezieht: Der japanische Stahlkonzern Kobe Steel hat zugegeben, seit Jahrzehnten die Produktqualitätsdaten in vier japanischen Hütten gefälscht zu haben. Den Kunden wurde bescheinigt, dass Kupfer, Aluminimum und Stahllieferungen ihren Anforderungen entsprachen, obwohl genau das nicht der Fall war. An rund 500 Firmen seien die mit gefälschten Auslieferungszertifikaten ausstaffierten Produkte geliefert worden, darunter Flugzeugbauer und Autohersteller. Boeing, Mitsubishi, Toyota und Honda hatten Kobe-Produkte verbaut, und selbst im Ford-Mondeo-Modell für den chinesischen Markt fährt offenbar mitunter Manipulationsmetall mit.

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Gegen den Vorwurf der Manipulation muss sich auch der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto verteidigen. Der Wert von Kohleminen in Mosambik sei zu hoch angesetzt, die Anleger seien hinters Licht geführt worden. Statt 3,7 Milliarden US-Dollar waren die Minen am Ende nur mehr 50 Millionen wert. Kohle, ein Reinfallgeschäft, auf die Idee waren sie bei Rio Tinto nicht gekommen. Dabei haben sich seit 2010 ein Viertel aller Kohlestromerzeuger aus dem Geschäft zurückgezogen. Das entspricht genug Energie, um Großbritannien sechsmal zu versorgen.

06:00 22.11.2017

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