Fünf Dinge, die anders besser wären

Status Quo Ryanairs Beschäftigungspraktiken, Steueroasen-Versteher, gute Nachrichten, Insider bei der Deutschen Börse und Outside bei deutschen Autokonzernen

1

Ob ein Ding anders besser wäre, liegt zuweilen im Auge des Betrachtenden. Dass etwa die Fußball-WM 2018 ohne Italien stattfinden wird, ist wohl des Gigis bitteres Leid, aber gar einiger anderer Freud. Ähnlich liegen die Dinge bei der irischen Billigst-Airline Ryanair. Dort erhalten in Deutschland lebende und von hier fliegende Flugbegleiter einen irischen Arbeitsvertrag, von fast keinem Kündigungsschutz beschwert. Dazu werden sie gegen Jahresende regelmäßig in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt, in Irland als arbeitslos gemeldet, und kurz darauf von Ryanair wieder angeheuert. Vielleicht verdeutlicht ja dies den Kunden, dass ihr Spottpreis – „Hamburg-Barcelona für nur 9,99€!“ – notwendigerweise jemand anderes Schaden sein muss.

2

Enthüllt hatte die Austrickserei des längst nicht mehr nur saftschiebenden Personals das Investigativ-Ressort der Tageszeitung Welt. Bei einer viel größeren Trickserei aber, der durch die Paradise Papers illustrierten globalen Steuervermeidungskabale, zeigte sich der Leiter des Wirtschaftsressorts derselben Springer-Postille verständig: Steueroasen seien das Bargeld des reichen Mannes, meinte er, und deshalb – mit Dostojewsi gesprochen – „geprägte Freiheit“, überhaupt ein Korrektiv für die Gier der Finanzminister und Zufluchtsort für Kapital vor autoritären Regimen. Man käme fast auf den Gedanken, endlich die Bekämpfung von Steuerfluchtursachen anzugehen: einfach Steuern abschaffen! Dann verschwänden zugleich die Oasen für die vom Finanzamt Drangsalierten.

3

Eine ganz andere Pein hat deutsche Ökonomen ergriffen: die Qual der guten Konjunktur. Die deutsche Wirtschaft wächst, sie „brummt“ immer lauter, doch die Ökonomen hören schon die Misstöne einer drohenden Überhitzung. Weil die Wirtschaft über ihrem Potenzial wachse, drohten Engpässe, dann steigende Preise, und am Ende eine heftige „Korrektur“, gar Rezession. Die Angstlust sei den Ökonomen gegönnt. Doch bislang steigen die Preise nicht, von den Löhnen ganz zu schweigen, allein beim Handwerk und auf dem Bau übersteigt die Nachfrage die vorhandenen Kräfte. Die geforderte Schlussfolgerung wäre jedenfalls absurd: Investitionen zurückzuhalten, um die Konjunktur nicht weiter zu befeuern. Wie wäre es damit, mal in jene zu investieren, bei denen von all dem überbordenden Wachstum noch gar nichts angekommen ist?

4

Am nachhaltigsten ist es immer noch, in sich selbst zu investieren, mag sich Carsten Kengeter, der CEO der Deutschen Börse, gedacht haben, als er 2015 ein 4,5-Millionen-Euro-Aktienpaket seines eigenen Arbeitgebers gekauft hat. Dumm nur, dass er die Fusionspläne der Deutschen mit der Londoner Börse damals schon kannte, was, als die Öffentlichkeit davon erfuhr, seinem Aktienpaket kursmäßig Flügel verlieh. Ein Insider-Deal, sagte die Staatsanwaltschaft, worauf Kengeter seinen Rücktritt bekannt gab. Vielleicht, jedenfalls aber ein Deal eines wirtschaftsethischen Outsiders.

5

Ob sie solche bleiben wollen, fragen sich derzeit deutsche Autokonzerne. Die Wirtschaftswoche hat recherchiert, unter welchen Bedingungen die Rohstoffe für deutsche Katalysatoren und Karosserien produziert werden: Im Kongo schuften tausende Kinder, in China, Südafrika und Peru werden Arbeiter drangsaliert. Dabei koste ein Auto, das ohne Menschenrechtsverletzungen in der Produktionskette auskommt, den Verbraucher nur 200 Euro mehr.

06:00 06.12.2017

Kommentare