Fünf Dinge, die anders besser wären

Status Quo Über die Fallstricke sozialer Medien, wenn man Autos nach China und Knarren in die Welt verkauft. Und: Holländische Kühe, spanische Banker und deutsche Tabaklobbyisten

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Die Woche des Social-Media-Teams bei Mercedes-Benz hatte gar nicht so schlecht angefangen: mit einem Kalenderspruch zur #MondayMotivation auf Instagram („Look at situations from all angles, and you will become more open“) und dem Foto eines weißen Autos am Meeresstrand. Dass der Spruch vom Dalai Lama stammte, wurde erst am Dienstag zum Problem: Da löschte Mercedes ihn, und veröffentlichte stattdessen eine Entschuldigung dafür, dass man damit die „Gefühle des chinesischen Volkes“ verletzt habe. Der Mittwoch war dann auch wieder durchwachsen: Es folgte ein Shitstorm wegen des Einknickens. Die Social-Media-Leute hätten kontern können: Ein Kotau (vom chinesischen kòutóu) war die angemessene Reaktion auf Mercedes’ größtem Absatzmarkt.

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Luis de Guindos soll EZB-Vizepräsident werden – das hat gute Gründe: Als noch amtierender spanischer Wirtschaftsminister bürgt er für jede Menge praktischer Erfahrung, die einer qua Definition von der Politik ganz und gar unabhängigen Institution wie der Zentralbank nur nützen kann. Als früherer Chef der Lehman-Brothers-Tochter in Spanien kennt er sich bestens mit Finanzkrisen aus und spricht zudem wie sein Chef, der Ex-Goldman-Sachs-Banker Mario Draghi, die Sprache des Kapitals. Vor allem aber liefert die Nominierung des Südeuropäers de Guindos Deutschland beste Argumente dafür, dass es nach Draghis Abschied 2019 wieder mal Zeit für einen Nordeuropäer – Jens Weidmann – an der EZB-Spitze sei.

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Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Auf holländischen Bauernhöfen, wo wegen der hohen Güllebelastung eine Obergrenze für Rinder gilt, sollen Tausende Kühe leben, die noch nie gekalbt haben und trotzdem Milch geben. Möglich ist das Wunder der Natur dadurch, dass Bauern Kälber von zwei verschiedenen Kühen als Zwillingsgeburten registriert haben sollen, weil Färsen bei der Erfassung des Viehbestands nur halb gezählt werden. Von 23.300 Bauernhöfen in den Niederlanden, so berichtet die Zeitung Ouest-France, seien 7.700 an der Farce der Färsen beteiligt.

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Sollten die SPD-Mitglieder bei ihrer „GroKo or No-GroKo“-Entscheidung im Koalitionsvertrag Rat suchen, so werden sie eines dort jedenfalls nicht finden: den laut Spiegel eigentlich beschlossenen und dann auf Druck der CDU-Spitze wieder gestrichenen Passus „Wir werden das Tabakaußenwerbeverbot umsetzen“. Man mag rätseln, woran das liegen kann. An Christian Puck, 43, wohl jedenfalls eher nicht mehr. Der ehemalige Büroleiter der CSU-Bundestagsabgeordneten Iris Eberl hat schon am 1. Dezember rübergemacht: Seitdem ist Puck Referent für „Recht und Regulierung“ beim Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR) in Berlin.

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Beim Social-Media-Team von Heckler & Koch hat man offenbar den Schuss nicht gehört. Am Valentinstag postete die US-Tochter des Waffenherstellers dort ein Herz, aus Patronen gelegt, in der Mitte eine Kleinkaliberpistole, „From HK with love“. Am selben Tag erschoss ein 19-Jähriger in einer Schule in Florida 17 Menschen. H&K entschuldigte sich, löschte das Foto, aber bestand darauf, dass „derartige Grußbotschaften“ in den USA üblich seien. Da haben sie natürlich recht: Der Friedensaktivist Jürgen Grässlin schätzt, dass weltweit alle 13 Minuten ein Mensch durch eine Waffe von Heckler & Koch getötet werde. Wenn da jedes Mal Betroffenheit angezeigt wäre, könnte H&K seinen Social-Media-Kanal zumachen. Und dann die Waffenfabrik gleich mit.

06:00 28.03.2018

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