Fünf Dinge, die anders besser wären

Status quo Die wertlose Biodiversität in Peru, das sichere Fracking in Deutschland, der Reiseboom durch TTIP, die transparente Zentralbank und der lauschende Fernseher
Sebastian Puschner | Ausgabe 09/2015 9

Den Nationalpark Manú im Amazonasgebiet Perus haben Biologen 2014 zur Region mit der höchsten Biodiversität weltweit gekürt. Nirgendwo gibt es eine größere Vielfalt etwa an Amphibien und Reptilien. Doch all das hat keinen Wert, anders als Öl- und Gasvorkommen sowie eine geplante Schnellstraße. NGOs berichten von jüngst begonnenen Vorbereitungen für Gasförderung und Straßenbau, einen Bericht über ökologische und soziale Auswirkungen blieb Perus Mitte-links-Regierung der UNESCO schuldig, Peru hat von seinem Nachbarn Ecuador gelernt, das 2013 mit einem Angebot an die Staatengemeinschaft scheiterte: Zugunsten des Klimas wollte es auf die Ausbeutung von Öl im Yasuní-Nationalpark verzichten, wenn dafür Kompensationszahlungen geflossen wären.

Mit den Rohstoffen aus Ländern wie Ecuador versorgen sich dann Industriestaaten wie Deutschland. Doch die Bundesregierung verfolgt nun einen Paradigmenwechsel, sie will Fracking erlauben und gefährdet so nicht mehr nur die Umwelt im Süden, sondern auch die hiesige. Die Initiative kommt freilich als „Regelungspaket“ daher, das Bohrungen nur im Ausnahmefall erlauben und Gesundheit wie Trinkwasser schützen soll. Der Deutsche Brauer-Bund beurteilt die entsprechenden Gesetzentwürfe so: Sie seien völlig unzureichend, um den 1.400 Brauereien des Landes die vom Reinheitsgebot geforderte Wasserqualität zu gewährleisten.

So sicher wie das Wasser vor dem Fracking sind angeblich Entwicklungs- und Schwellenländer vor den Folgen von TTIP. Das ist das Ergebnis einer vom Bundesentwicklungsministerium beauftragten Studie des ifo Instituts. Tatsächlich, so analysiert das NGO-Bündnis Forum Umwelt und Entwicklung, liefere die Studie mehr Wunschdenken denn Wissenschaft: Der Landwirtschaftssektor werde unzureichend einbezogen, Menschenrechte würden außen vor gelassen und Gewinne für den Tourismus in Ländern wie Kenia überschätzt. Laut ifo Institut sollen die angeblichen Einkommenszuwächse durch TTIP die Bürger in der EU und den USA zu vermehrten Reisen, etwa nach Kenia, verleiten.

Wenigstens ist die ifo-Studie öffentlich. In Transparenz übt sich nun auch die Europäische Zentralbank und veröffentlicht neuerdings ihre Sitzungsprotokolle. Doch was mit großen Tönen angekündigt worden war, ist eine Enttäuschung: Aus der Mitschrift vom Januar, als die EZB ihr Mega-Aufkaufprogramm für Staatsanleihen beschloss, geht nur bereits Bekanntes hervor, nicht aber, welcher Notenbanker wie argumentierte.

Fortschritt ist eben relativ. So auch der, dass man heute mit technischen Geräten sprechen kann: Fernseher etwa schalten nach Zuruf auf einen anderen Kanal um oder beantworten die Frage „Wann kommt der nächste Krimi?“. Fernbedienungen werden überflüssig. Dazu ist in den Geschäftsbedingungen des Herstellers Samsung für seine Smart-TVs vermerkt: „Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Spracherkennung, dass persönliche oder andere sensible Informationen, die die von Ihnen gesprochenen Worte enthalten, mit aufgenommen und an einen Drittanbieter gesendet werden.“ Diese Übertragung via Internet sei nötig, um Fragen wie die nach dem Krimi zu beantworten, beschwichtigte ein Samsung-Sprecher nach Warnungen von Überwachungsgegnern. Außerdem ließe sich die Spracherkennung ja ausschalten. Warum also sollte man überhaupt solch einen Fernseher kaufen?

06:00 11.03.2015

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