Fünf Dinge, die anders besser wären

Status quo Lehman Brothers & Sisters feiern Reunion, Andi Scheuer weiß, nur der Markt kann es richten – außer in britischen Gefängnissen. Und Playmobil

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Zehn Jahre Lehman-Crash: Ein Grund, zu feiern! Dachten sich zumindest einige ehemalige Londoner Angestellte der bankrotten Investmentbank und planten eine „Reunion“-Party, um das Jubiläum zu begehen. Den Ort allerdings, den wollten sie nicht verraten, wohl aus Sorge, manchen Leuten könnte missfallen, dass sie hier das Zehnjährige der Krise zu begießen gedenken. In der Tat: Labour-Schattenkanzler John McDonnell fand die Idee „zum Erbrechen“ und „geschmacklos“, wie der Guardian berichtete. Man kann jedoch davon ausgehen, dass zumindest ein Teil der vor zehn Jahren arbeitslos gewordenen Banker inzwischen weniger schädlichen, ja sogar harmloseren Beschäftigungen nachgeht. Und sich jetzt erzählt, wie das so ist, als Lehrer, Pizzabäckerin oder Yoga-Trainer. Und ob ihnen das fehlt, das Adrenalin, mit dem sie einmal fast den Kapitalismus in die Luft gejagt haben.

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Ob sie aus der Erfahrung irgendetwas mitgenommen haben, würde man die Lehman Brothers & Sisters gerne fragen, außer dem einen kurzen Kick? Ob man aus Erfahrung überhaupt klug werden kann? Daran lässt auch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zweifeln. Der plant nämlich, die Erhebung der LKW-Maut auf Deutschlands Straßen, nach einer Kurzzeit-Verstaatlichung aus den Händen der Toll Collect GmbH, wieder an Private zu verscherbeln. Der Staat könne so etwas einfach nicht. Wirklich? Dabei wäre es doch erheblich günstiger, der Staat würde sich einfach selbst überhöhte Rechnungen ausstellen, wie Toll Collect das getan hat. Würde das Ding zuerst zweieinhalb Jahre lang nicht auf die Reihe kriegen, wie, ja, Sie ahnen es. Und dann richtig absahnen ...

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Dieselbe Idée fixe der Marktgläubigkeit hat auch das jüngste Gutachten des „Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft“ geritten, federführend dabei: Chefjockey Friedrich Breyer. Die Mietpreisbremse sei abzuschaffen, las man da, der soziale Wohnungsbau ebenso: Der Markt würde die Versorgung mit Wohnraum schon richten, wenn man ihn nur ließe. Wirklich? Und wer hat uns das Schlamassel – Wohnungsknappheit, explodierende Mieten, Verdrängung – denn eigentlich eingebrockt? Die Staatliche Behörde für Spekulation mit Leerstand und Luxussanierung etwa? Oder der Oberste Gentrifizierungs-Sowjet?

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Vielleicht sollten die ehrenwerten Professoren jenes Beirats ihre nächste Exkursion nach Großbritannien wagen. Dort, genauer in Her Majesty’s Prison in Birmingham, musste der Staat der privaten Sicherheitsfirma G4S die Leitung des Knasts entziehen, weil die Zustände so schlimm waren, wie das nicht einmal ein Staat hinbekommen hätte: schlafende Wärter, sterbende Häftlinge, dazu Ratten, Kakerlaken und ausufernder Drogenkonsum querbeet. Es sei das schlimmste Gefängnis, das er je gesehen habe, berichtete der – staatliche – Gefängnis-Inspektor.

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Nicht wie Knast, aber auch kein Kindergeburtstag, so muss das Arbeiten beim Playmobil-Hersteller geobra Brandstätter sein. Von Schikanen und Union Busting berichtet die IG Metall: Wer aufmucke, werde abgemahnt, versetzt oder gekündigt. Als die Temperaturen im August in der Spritzerei auf 37,5 Grad gestiegen seien, habe die Geschäftsführung gedroht: Wer Pausen einlege, habe mit disziplinarischen Maßnahmen zu rechnen. Ein Mitarbeiter, der zur Kühlung einen Löschwasserhydranten geöffnet habe, sei prompt gefeuert worden.

06:00 12.09.2018

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