Fünf Dinge, die anders besser wären

Status quo Deutsche Manager im Silicon Valley, der öffentliche Dienst in Griechenland, ein Dialog im Bundesfinanzministerium, die Öl-Frage in Nigeria und steigende Bänker-Boni
Sebastian Puschner | Ausgabe 13/2015 2

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Unter Deutschlands Managern sind Bildungsreisen ins Silicon Valley schwer angesagt. Wie viele vor ihm bricht nach Ostern der Chef des strauchelnden Energie-Dinos RWE, Peter Terium, gen Kalifornien auf. Dort dürfte deutschen Bossen eines bekannt vorkommen: Der geringe Frauenanteil. In der nun vom Forbes Magazine publizierten Liste der 100 führenden Tech-Investoren finden sich vier Frauen. Beim wichtigen Branchenfestival SXSW im März war das zentrale Thema die Männerdominanz, die mit der Aktion „Titstare“ längst ein Symbol hat: Zwei Mittzwanziger präsentierten einst in San Francisco ihre App, mit der man Selfies während des Starrens auf Brüste machen sollte. Das war ein „Joke“ und darum könnte es deutschen Managern im Valley gefallen: schätzen dort doch schon die Jungs den „gepflegten Altherrenwitz“.

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Auch die Verhandlungsführer der Troika sind allesamt Männer. Sie fordern eine effiziente öffentliche Verwaltung in Griechenland – und haben damit völlig recht; ein Ende des Klientelismus wollen die Bürger dort auch. Jetzt aber bilanziert eine neue Studie, wie frühere Regierungen und das Troika-Regime diesbezüglich abschneiden: Der Lohnvorsprung des öffentlichen Dienstes gegenüber dem Privatsektor sei zwischen 2009 und 2013 von 35 auf 43 Prozent gewachsen, rechneten zwei griechische Ökonomen im Auftrag des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung vor. Lohneinbußen trafen privat Angestellte härter als die des Staates.

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Immerhin fühlen sich die deutschen Austeritätsideologen nun bemüßigt, ihr Spardogma zu erklären: Wolfgang Schäuble hat in dieser Woche Bürger zum Dialog in sein Ministerium eingeladen, Titel der Veranstaltung: „Strukturreformen und Haushaltskonsolidierung – Gegensatz oder Ergänzung?“ Auf dem Podium saßen dann der ehemalige portugiesische Finanzminister Vítor Gaspar und der frühere italienische Staatssekretär Vito Tanzi – beide Architekten der vermeintlichen Konsolidierungspolitik, die die soziale Lage im Süden und den Zusammenhalt in Europa unterminiert. Einen Kritiker seiner Politik und somit Diskurs statt Dialog wollte Schäuble den Bürgern nicht zumuten.

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In Nigeria wird vor den Wahlen am Samstag auch lieber über angebliche Erfolge (der Armee gegen Boko Haram) denn über eine offene Frage gesprochen: Wie geht es mit der größten Volkswirtschaft Afrikas in Zeiten des Ölpreisverfalls weiter? 80 Prozent der Staatseinnahmen hängen vom schwarzen Gold ab, das bei einem Fasspreis von um die 50 Dollar nicht mehr glänzt. Im Wahlkampf spielte das keine Rolle. Ebenso wenig, dass im Nigerdelta zwei Jahrzehnte nach der Hinrichtung Ken Saro-Wiwas wieder Firmen für Erkundungsbohrungen parat stehen. 1993 hatten die Ogoni den Energiemulti Shell mit Protesten zeitweilig vertrieben. Auf die Beseitigung der Verwüstung ihrer Lebensgrundlagen durch Shell warten sie bis heute.

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Gegen ein dreckiges Image kämpft Shell mit aufwendigem Marketing. Aber 2013 kaperten Aktivisten einen „Science Slam“ des Konzerns und tränkten dessen Greenwashing und den dafür angemieteten Saal in dunkle Lebensmittelfarbe. Ähnliches könnte die Commerzbank gut vertragen: Nach ihren „Wir haben aus der Krise gelernt“-Werbespots mit „Lena Kuske, Filialdirektorin“ plant die mit Steuergeld gerettete Bank gerade, die Boni für 200 ihrer Manager kräftig zu erhöhen. 

06:00 08.04.2015

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