Fünf Dinge, die anders besser wären

Status quo Die deutsche Industrie greift nach den Sternen. Vermeintlich. Irdische Ungleichheiten bleiben davon freilich unangetastet

Der Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI) ist ja normalerweise nicht sonderlich bekannt für hochfliegende Pläne. Jetzt aber will der BDI auf einmal ganz hoch hinaus: zum Mond nämlich. Eine deutsche Astronautin solle 2024 mit der nächsten US-Mission zum Mond fliegen, forderte der BDI auf seinem ersten Weltraumkongress. So weit, so spacig. Leider geht es der deutschen Industrie bei alledem aber doch nur um das eine: um Geschäfte im Weltall! Deutschland dürfe im Wettrennen um die Kommerzialisierung des Alls nicht abgehängt werden, forderte der BDI, und: Ausbeutung in Zukunft müsse auch interplanetarisch möglich sein! Zumindest jene von Rohstoffen, die es auf Asteroiden zu schürfen gelte. Der Zenit der BDI-Forderungen: Deutschland brauche schleunigst einen Weltraumbahnhof.

Weltraumbahnhof ist gut, weil beim Flughafenbau hat man ja hierzulande in letzter Zeit nicht die allerbesten Erfahrungen gemacht. Andrerseits: Wäre bei einem Weltraumbahnhof dann die Deutsche Bahn zuständig? Das fände die sicherlich lustig. Sobald sie sich vor Lachen wieder eingekriegt hat. Es begab sich nämlich, dass von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ein Ultimatum ausging: Die Deutsche Bahn möge konkrete Maßnahmen gegen Verspätungen, Zugausfälle und Personalmangel vorlegen. Bis zum 14. November. Sie können sich die Heiterkeit vorstellen. Schade eigentlich. Dieses eine Mal hatte Scheuer endlich eine gute Idee.

Über den großen Kotau vor China berichten wir auf Seite 15. Nun erfahren wir aus der Süddeutschen Zeitung, dass die Deutsche Bank – wie so oft – das Sich-gut-Stellen mit Peking auf die einsame Spitze getrieben hat. Um in China zu landen, hat das Geldinstitut offenbar im großen Stil den Nachwuchs der chinesischen Führung als Angestellte rekrutiert: Mehr als 100 Kinder von Managern staatlicher chinesischer Unternehmen und Parteifunktionären soll die Bank beschäftigt haben. Obendrein wollte man den Markteintritt in China dadurch lubrizieren, dass man Geschenke verteilt hat, kleine (Schokolade) und große (100.000 Dollar). Ex-Staats- und Parteichef Jiang Zemin soll einen Kristalltiger bekommen haben. Und eine Stereoanlage von Bang & Olufsen.

Roland Berger lernt offenbar gerade seinen Vater neu kennen. Der Unternehmensberater hatte in der Vergangenheit den Eindruck erweckt, sein Vater sei Opfer des Nationalsozialismus gewesen, ein Widerständler, ja ein Verfolgter der Gestapo. Stellt sich dank Handelsblatt-Recherche heraus: Berger senior war das alles nicht. Stattdessen Finanzchef der Hitlerjugend und Ministerialrat im Reichswirtschaftsministerium, Parteimitglied seit 1931 und Geschäftsführer eines „arisierten“ Bäckereibetriebs in Wien. Von der Gestapo inhaftiert wurde er wohl nur deshalb, weil er sich persönlich bereichert haben soll.

Sie erinnern sich an die Warnungen der Bundesregierung, man dürfe beim Klimaschutz nicht zu viel und zu schnell tun, damit es zu keinen sozialen Verwerfungen komme? Stellt sich heraus, die Minister wussten, wovon sie redeten. Eine Studie rechnet vor, das „Klimaschutzprogramm“ von CDU/CSU und SPD treffe ärmere Haushalte viel stärker als reiche. Wie wäre es damit: Man bringt ein Klimapaket auf den Weg, das von den Reichen nimmt und den Armen gibt? So wie in der Schweiz. Dann braucht man sich auch vor Verwerfungen nicht zu fürchten.

Der neue Freitag – mit Wirtschaftsteil

06:00 24.10.2019
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