Anne Haeming
21.10.2009 | 13:00 8

Ganz hart gekocht

Männerhefte Neue Magazine zeigen harten Kerlen, wie sie sich anziehen und wie sie kochen sollen. Was ist mit den Männern bloß los, dass sie so was brauchen?

Auf der letzten Seite kocht er dann hoch, der Unterschied. „So kochen Frauen. So Männer“, heißt die Rubrik. Die Frau, lernen wir, widmet ihrem Handy mehr Aufmerksamkeit als dem Morgenkaffee, schüttet sich ein Kaffee-Milch-Gemisch in den Kitschbecher, vergisst die Hälfte. Geradezu gedankenlos, nicht fokussiert. Der Mann dagegen agiert präzise, voller Passion, erlesene Kaffeebohnen in der Stahldose, direkt aus dem Kühlschrank, in der Holzmühle eigenhändig feingemahlen, bei der perfekten Temperatur zubereitet. Er trinkt den Espresso nicht, er zelebriert jeden einzelnen Schluck.

So endet Beef!, das neue Koch-Magazin für „Männer mit Geschmack“. Auf dem Cover ein liebevoll geschnürtes rohes Steak, die Internetadresse lautete bis zum Erscheinungstag am 15. Oktober programmatisch www.so­kochenmaenner.de.

Der Mann ist die neue Nische. Der Verlag Gruner + Jahr (G+J) hat gerade drei neue Titel speziell für Männer auf den Markt geworfen: Business Punk für die Manager, Gala Men für die Style-Bewussten, Beef! für Kerle, die kochen. Die Nischen, in denen Verlage punkten wollten, das waren im vergangenen Jahr noch Menschen mit der Sehnsucht nach dem Landleben, dann, in diesem Sommer, die Kinder, jetzt im Herbst sind es die Herren der Schöpfung. Special-Interest-Magazine gab es sonst nur für Hobbys – oder für Frauen und Gedöns. Warum sollte man etwas lange Zeit so Selbstverständlichem wie dem heterosexuellen, karriereorientierten Mann ein eigenes Magazin widmen? Nun, so scheint es aber, muss der Mann vor der Marginalisierung gerettet werden. Und damit wollen die Verlage sich zugleich selbst aus ihrem derzeitigen Wirtschaftsdesaster ziehen.

Ein Krisenphänomen?

Und wirklich: Die Ausrichtung dieser Titel illustriert die Krise, in der unsere Wirtschaft derzeit steckt. Und die gerade die Egos der Männer erschüttert, die diese Krise zum größten Teil fabriziert haben. Es sind die „High Performer“, wie G+J die Zielgruppe von Business Punk charakterisiert. Also die so genannten Leistungsträger unserer Gesellschaft, von denen am Wahl­abend so oft die Rede war, und die nun endlich wieder zu ihrem Recht kommen sollen, dafür will die FDP sorgen: Sie sollen dafür gewürdigt werden, dass sie so viel verdienen. „Mit Gala Men wollen wir in den von Finanzkrisen geschüttelten Männeralltag etwas Freude bringen“, erklärt Chefredakteur Peter Lewandowski denn auch.

Diese Logik ist symptomatisch. Als vor einem Jahr die Weltwirtschaftskrise über uns hereinbrach, war fortan nur die Rede von der Autoindustrie, geradezu hysterisch wurde versucht, diese Männer-Branche zu retten, Überkapazitäten hin oder her. Deutschland ohne Autobauer, so schien es, das kommt einer nationalen Kastration gleich. Den Handelskonzern Arcandor, der laut Betriebsrat zu drei Vierteln Frauen beschäftigt, ließ man dagegen links liegen. Frauenarbeit? Ist doch sowieso nur „Zuverdienst“, so die allgemeine Wahrnehmung, wie die Berliner Wirtschaftswissenschaftlerin Friederike Maier in einem Interview mit der Taz bemerkte.

Strategisch passt das in die Zeit. Eine ganze Generation von Eltern mit Jungs kämpft mittlerweile darum, dass ihre kleinen Racker in der Schule mehr Aufmerksamkeit bekommen. Schlechtere Noten, Diskriminierung – Schuld sind die Lehrerinnen, heißt es, alles Frauen, die Jungs nicht richtig verstehen. Der Schulbuchverlag Pons hat nun geschlechtsspezifische Lernhilfen herausgebracht, um wenigstens mit Räubergeschichten das Selbstbewusstsein der Jungs zu stärken.

Eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums zum heutigen Rollenverständnis der Männer hat im Frühjahr gezeigt, dass 65 Prozent der befragten Männer stolz sind, Mann zu sein. Dieser Männerstolz, bilanzieren die Autoren, zeige, dass die männliche Ideentität klar und das Männerleben trotz aller Widrigkeiten weiterhin befriedigend sei: „Es sind die Männer mit dem erhobenen Haupt.“

Tatsächlich dreht sich bei den neuen Heften alles nur um das eigene, männliche Ego. Fleisch, das Muckis macht, Rezepte für die Angeberküche, Crèmetiegel und „Pfft-pfft“ (Gala Men), die einen fitter wirken lassen, Frauen kommen nicht als Partnerinnen, sondern nur als Accessoires oder Jagdtrophäen vor. In den Texten geht es um Selbstvermarktung. Das alte, lange überholt vermutete „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ ist wieder da. Und mehr noch, der Mann inszeniert sich nun als sein eigenes Statussymbol. Man will so aussehen wie Brad Pitt auf dem Cover von Gala Men.

„Work hard. Play hard“, so der Claim, den sich die großen Jungs von Business Punk autosuggestiv auf den Magazintitel gedruckt haben. Alles so schön hart hier, denn fürwahr: Dank all der Top-Erfolgsstorys der High Performers, dank Virgin-Gründer und Playboy Richard Branson auf dem Cover und dank einer Foto-Geschichte über Sekretärinnen mit dem Satz: „Ich werde Vegetarier, wenn ich sie dafür nur kurz in Unterwäsche sehen darf“, kommt das ganze Heft geradezu erigiert daher. Gala Men liefert zu einem Interview über das Uralt-Thema Penisgröße sogar gleich noch die Messlatte am Seitenrand mit: „Einfach Penis auf die Skala links am Heftrand legen und den Abstand von Schaft am Hodensack bis zur Eichelspitze ablesen.“ Geht‘s noch?

Wie schon angedeutet: Selbst beim Kochen geht es nur um echte Kerle. „Weil wir es gar nicht leicht wollen, sondern schwierig“, erklärt Beef!-Chefredakteur Jan Spielhagen die Maxime des Heftes. „Weil Nudeln langweilig sind, wenn man sie nicht selber macht.“ Und dann, na klar: „Weil wir nicht 25-mal im Monat kochen, sondern viermal im Jahr“ – es war nicht anders zu erwarten.Denn wenn Männer kochen, ist das etwas Besonderes, vor allem muss es von allen als besonders gewürdigt werden. Wieder eine dieser virilen Ego-Shows: Ohne viel Aufhebens machen sie es nicht. Aber zumindest erweckt dieses Heft den Eindruck, die Männer, für die dieses Magazin gedacht ist, wissen, dass diese Egomanie eine ihrer Charakterschwächen ist. Selbstironie statt Verbissenheit blitzt hier und da auf.

Etwa, wenn hier wieder die großspurige Rhetorik zum Vorschein kommt, die uns schon in den Mahlstrom der Finanzkrise zog: „Sparen ist unbekannt. Es werden keine Kosten gescheut“, heißt es in der Satzung für den Männerkochclub, die die Redaktion sicherheitshalber gleich mal mit ins Heft gepackt hat. Paragraph 14 besagt, dass Mitglieder der Kochleistung der anderen respektvoll zu begegnen haben. Keine fiesen Wunden im gemeinsamen Kampf, bitte, man solle an „den Zimmermannssohn vom See Genezareth“ denken: „Dies ist sein Leib, dies ist sein Blut.“ Am Herd wird der Mann von heute wieder religiös.

Ein Heft gewordenes Klischee

Dagegen ist Business Punk ein echtes Männerklischee: Wahnsinnig von sich überzeugt, in der festen Annahme, unwiderstehlich sexy und lässig zu sein, ein Leben auf der Überholspur sicher in der Tasche. Und dabei ist dieser Typus gesegnet mit dem bemühten Appeal eines Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich als DJ hinters Mixpult stellt, um locker zu wirken. Business Punks sind, so der Verlag, „Männer, die für ihren Job und ihr Leben brennen“, „zwischen 25 und 39 Jahre alt“, „häufig Unternehmensberater, Manager, Banker oder Juristen“, „voller Visionen eines erfolgreichen Lebens“. Kurz: „Sie verdienen ihr Geld, um es auszugeben“, sie bräuchten nun endlich „ein Magazin, wie sie selbst“. Was, wenn die mal arbeitslos werden? Es scheint, als solle dieser Lebensentwurf desto offensiver vertreten werden, je fragiler er wird.

Gala Men nimmt sich aus wie eine reine Ergänzung: Den Style, der die Coolness der Erfolgsverwöhnten ausstrahlt, den kann man lernen und kaufen, so die Logik des Hefts. Selbst um sich einen Schal zu binden, brauchen die Männer, die das Heft lesen sollen, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, gezeichnet wie in einem Technikbuch. Stil-Vorbilder wie der ZDF-Moderator Steffen Seibert werden mitgeliefert. Immerhin: Die Männer-Gala ist kein Tratsch-Heft, das bleibt eine Frauendomäne.

Unterm Strich gibt es sowieso nur einen Namen, der zu diesen Magazinen gepasst hätte. Leider schon besetzt: Y – so heißt das Magazin der Bundeswehr. Der Titel trägt den genetischen Chromosomenunterschied schon als Differenzmarker in sich. Und ausgerechnet dieses Magazin erscheint im Vergleich zu den anderen geradezu ausgeglichen und reflektiert. Das Heft ist für Männer, die in der Lage sein müssen, Verantwortung zu übernehmen.

Gut, da es hier um die Armee geht, rückt das Kämpferische von allein in den Vordergrund. „Immer vorn“, „Sicher in den Kampf“, „An mir kommt keiner vorbei“ lauten die Titelschlagzeilen der vergangenen Ausgaben des im Sommer generalüberholten Heftes. Es wird Stärke demonstriert, weil das bei dem Job zum Überleben gehört. Aber es ist eben hier nicht Kraftmeierei um ihrer selbst willen oder um den eigenen Testosteronspiegel nach oben schießen zu lassen. Wenn die Leser von Y nicht locker und leicht laufen können, liegt das nicht daran, dass sie vor lauter Kraft kaum gehen können, sondern an den schweren Schutzwesten, Munitionsgurten, Waffen und Helmen, die sie tragen müssen.

Die Bundeswehr befindet sich schon länger in einer Identitätskrise, seit dem Afghanistaneinsatz erst recht. Jahrzehntelang galt, beim Bund wird nur Krieg gespielt. Und nun stecken die Männer – und ein paar Frauen, 8,6 Prozent, um genau zu sein – mittendrin. Das Heft ist für eine Armee, die mit dieser veränderten Situation umzugehen lernen muss. Und ja, gut, ein paar leichtbekleidete Frauen für den Spind findet man auch noch, wenn man sie sucht.

Mannsein ohne Gedöns

Übrigens nahm sich auch die Sommerausgabe des Berliner Independent-Magazins Dummy die Spezies Mann vor. Und zeigte damit, wie ein anderes Männermagazin aussehen könnte – eine Bande schluchzender Kerle auf dem Cover, alle in Uniform. Sie können es also doch, das Weinen. Das Heft schafft es, die brüchig gewordene männliche Identität adäquat abzubilden, ohne weinerlich zu sein oder ins Virile abzudriften. Man las von Männern, die nun ohne Hoden weiterleben müssen, vom Fernfahrer und seinem Familienleben, von Brüdern und jungen Männern, die für ihre Überzeugungen einstehen. Alles ohne viel Aufhebens.

Vielleicht setzt sich die Fähigkeit zur männlichen Selbstreflexion in den kommenden Ausgaben der G+J-Magazine auch noch durch. Denn bislang spricht eine gewisse Engstirnigkeit aus den Heften. „Das Ziel immer klar vor Augen“, wie es in Y so schön heißt. Und dabei wird das Wesentliche übersehen.

: Auflage 120.000, Erscheinungsweise: steht noch nicht fest, eventuell ab 2010 regelmäßig. Preis: 5 Euro

: Auflage 100.000, Erscheinungsweise: eventuell ab 2010 regelmäßig. Preis: 6 Euro

: Auflage 100.000, Erscheinungsweise: vierteljährlich. Preis: 9,80 Euro

: Auflage 67.000. Erscheinungsweise: monatlich. Preis: 3,10 Euro

Kommentare (8)

sputnik-suedstern 21.10.2009 | 15:36

Eines hat Anne Haeming außer Acht gelassen: "Mein Haus, mein Auto,..." war niemals wirklich verschwunden. Wen juckt's daher (und ich verstehe das es juckt), das so emanzipationsfeindliche Verlage wie Gruner+Jahr nun mit ihrer liebsten Neuerfindung, dem "nachdenklichen (aber natürlich erfolgreichen) Mann", weitere Tonnen Papier verschwendet, bzw. in Geld und anschließend in Altpapier umsetzen will.
Vielleicht liegt es auch daran, das unsere Gesamtgesellschaft wenig kreativ und am allerwenigsten kontrovers mit Inhalten umgeht. Emanzipation als Fortschritt betrachtet braucht eben mehr Reibungspunkte und offen agitierte Kritik gegenüber den (bestehenden) Umständen. Aber das fällt in einer (tendenziell) feminisierenden Gesellschaft auch mir als Mann schwer.
Kleiner Gedanke am Rande: Als progressiv und wirklich lächerlich würde ein ganz neues Produkt im Printmedienmarkt sicherlich Erfolg versprechen: 359 - Wie ich mit dem Hartz IV-Regelsatz Karriere mache. Auflage 6 Millionen, Preis: 25 Cent, Bundesdruckerei

data-meining 21.10.2009 | 17:00

"Mein Haus, mein Auto (...) der Mann inszeniert sich nun als sein eigenes Statussymbol."
Tja, was wollen auf solch simple Art gestrickte Typen in Zeiten wie diesen auch machen, bleibt ihnen ja nix anderes mehr übrig. :D

Die ganzen Neupublikationen sind tatsächlich ein Ausdruck der Mutlosigkeit und des extrem schmalen Blickwinkels, die dieser Großverlag anscheinend hat.

cptsalek 21.10.2009 | 17:03

Die Antwort auf die Frage "Was ist mit den Männern bloß los, dass sie so was brauchen?" ist eigentlich eine Gegenfrage: "Wer sagt, dass wir sowas brauchen?"
Im Verhältnis von Angebot und Nachfrage geht es oftmals auch einfach darum, eine Nachfrage zu erzeugen.

Was ich schade finde, sind die dauernden Verallgemeinerungen: Es mag sein, dass maßgeblich Männer die Krise verursacht haben. das aber dem gesamten männlichen Geschlecht anzulasten geht weit an allen Realitäten vorbei: Es wird negiert, dass es neben den "High Performern" auch andere Männer gibt, die andere Interessen und Werte vertreten, und es wird auch völlig ausser Acht gelassen, dass es aber gerade die "High Performer" mit all ihren Statussymbolen sind, die die Gesellschaft - und dies schliesst die Frauenwelt mit ein - zu Galeonsfiguren und Vorbilder deklariert haben.
"Erfolg macht sexy" heißt es ja auch nicht umsonst.
Manager sehen auf Bildern einfach besser aus als der Biobauer von nebenan, der Sozialarbeiter auf der Straße oder dem Umweltschützer. Ähnlich ist es mit "guten Fängen", wo es auch nicht maßgeblich "um den Mann an sich", sondern dessen Rolle und Stellung in der Gesellschaft sowie sein Bankkonto geht.

Deshalb kann man auch nicht sagen, "die Männer", denn alle Rollenbilder werden von beiden Geschlechtern getragen, d.h. also auch, dass Mütter ihren Kindern weiter geben, wie ein Mann ist, einfach über das, was sie von einem Mann erwarten.
Was Frauen - richtigerweise - gemacht haben ist, aus den alten Rollenbildern auszubrechen, was ja heute landläufig als "Emanzipation" bezeichnet wird. Frauen haben sich eine neue selbst eine neue Definition geschaffen. Davon hat das gesamte Geschlecht etwas, im großen und ganzen läßt sich feststellen, gibt es ein neues Selbstvertrauen und auch Selbstwertgefühl.

Wo wir, um auf Männer zurück zu kommen, bei den nächsten beiden Punkten sind: (Die meisten) Männer sind selbst im 21. Jahrhundert noch weitestgehend den alten Rollenbildern verhaftet. Es steht bis heute nahezu ausser Frage, dass der Mann in einer Familie arbeiten geht. Damit muß der Mann auch glücklich sein, und selbst im Spiegel stand vor einer Weile im Editorial zu lesen, "wir" würden die zwei Monate Elternzeit, die viele nehmen, ja als zusätzlichen Urlaub betrachten.
Ich weiß nicht, wie viele Kinder der Schreiberling da in die Welt gesetzt hat, ich würde mir nur wünschen, er würde von sich sprechen, und nicht für die gesamte Männerwelt.
Die Realität sieht eher so aus, dass wir Männer nach wie vor für das familiäre Einkommen verantwortlich sind, nicht unbedingt aus Überzeugung, sondern "weil es so ist". Das ist keine Wahl, sondern purer Sachzwang.
Was uns, meiner Überzeugung nach, fehlt, ist eine Emanzipierung der Männer: Wir brauchen Rollenbilder, über die wir uns definieren können. Die müssen aber über die Platitüden hinaus gehen, die derzeit als "Männlichkeit" im Umlauf sind.
Und: In den letzten Jahrzehnten waren viele Männer darum bemüht, sich selbst über andere, vorzugsweise ihre Partnerinnen, zu definieren. Das Ergebnis sieht man vielerorts: Männer (bzw. Jungen), die für eine neue Lebensgefährtin ihren Freundeskreis aufgeben, sich verändern, unterordnen und nicht in der Lage zu sein scheinen, vernünftige Grenzen zu setzen.
Scheinbar gibt es hier nur noch die Gruppe der Machos, die auch in Beziehungen "ihre Nummer durchziehen" - der Raum dazwischen scheint aber ein Vakuum zu sein.
Eine Identität als "Mann" kann man meiner Meinung nach nur in sich selbst finden, und nicht in irgendwelchen Magazinen oder den Ansichten seiner Partnerinnen. Das geht übrigens auch über die Frage hinaus, ob man in der Öffentlichkeit weinen kann, oder nicht... ;-)

Die Studie ist deshalb auch fraglich (ich werde sie mir mal in einer ruhigen Minute zu Gemüte führen): Zu fragen ob man stolz auf seine Männlichkeit ist, sollte Fragen nach dem Grund dieses Stolzes nach sich ziehen. Auf diese Antworten wäre ich gespannt,
denn ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, wie bewußt sich viele ihrer Situation eigentlich sind. Die steigende Zahl an (mitunter auch unfreiwilligen) Singles und Scheidungen spricht da irgendwo eine klare Sprache.

Wo wir wieder bei Jungen wären: Die geschlechtsspezifische Erziehung hat in den letzten Jahren Mädchen und ihre Fähigkeiten enorm gefördert. Dabei geht es auch nicht darum, die "Schuld" bei Lehrerinnen zu suchen, wurden die Förderprogramme doch andernorts verabschiedet. Wenn man aber behauptet, es würde keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern geben, anstatt in diesen Unterschieden etwas gutes für das jeweilige Geschlecht zu sehen, muß man sich nicht wundern, wenn irgendein Geschlecht untergeht. Und in diesem Falle wurden durch die Mädchenförderung deren Stärken (z.B. Kommunikationsfähigkeit) unterstützt, zum Nachteil der Jungen.
Davon mal abgesehen fehlt es uns im erzieherischen Bereich an einer flächendeckenden paritätischen Besetzung: Eine Frau kann Jungen zwar bestimmte rollentypische Muster vermitteln, jedoch kein Vorbild in geschlechtsspezifischem Verhalten sein. Ein solches braucht aber jeder Mensch in seiner Entwicklung, und zwar quasi bis ans Lebensende (aus dem Jungen wird ein Mann, Vater, Großvater...; aus dem Mädchen wird eine Frau, Mutter, Großmutter...).

Von daher taugt das G+J nicht die Bohne und hat eher was vom letzten Aufbäumen der Anhänger veralteter Weltbilder, die in absehbarer Zeit (hoffentlich) von selbst verschwinden.

Avatar
magnus-goeller 22.10.2009 | 02:32

Lustiger Artikel.
Der echte moderne Erfolgs-Macho indes macht sich mit Weibern und Kindern schon lange keinen Sress mehr: Er ist schwul, wählt FDP und verfügt über das Geld und die Zeit, über Lachscarpaccio und die Länge seines Schniedels zu philosophieren. Die missratenen Hetero-Jungs mit ihren Sozialisations- und Lernschwierigkeiten in Lehrerinnen-Schulen gehen ihm sowieso am Arsch vorbei. Und das ist für ihn gut so.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 22.10.2009 | 19:19

Ein Dankeschön für diesen Link.

Das dieser sich dort selbst abfeiernde, komplett entkernte und entseelte Marktroboter kein Auslaufmodell ist, sondern die Zukunft Aller, die in der betriebswirtschaftlichen Verwurstung mehr als das Überlebensnotwendige verdienen wollen, ist das eine.
Das andere ist, dass bei der produktiven Verwertung seines Humankapitals, ausgerechnet der Kapitalismus den Beweis antritt, dass alle gesellschaftliche Unterschiedlichkeit der Geschlechter eine rein Kulturelle ist. Sein weibliches und nicht weniger arschlöchriges Pendant ist doch zunehmend auf dem Vormarsch und steht der männlichen Konkurrenz in nichts nach.
Ich habe fast täglich mit diesem männlichen wie weiblichen Dreckpack zu schaffen - wer da im Geschlechtsranking weniger stinkt ist nicht auszumachen. Wahrscheinlich die Kerle, weil sie in dieser Sphäre NOCH in der Mehrheit sind.

crumar 09.11.2009 | 01:13

Ahhhhrgh. Get real! Nachgefragt wird seitens GJ eine gesellschaftliche Entwicklung, die sich seit langem vollzogen hat. Die Single Männer sind bereits da, die allein kochenden Männer dominieren die Koch Shows.
Dann kommt noch ein bisschen postmoderne Hirnweh und ich nenne das Ding "beef". Vegetarier gibt es nicht, nur -innen. So dumm muss man geboren worden sein, um GJ u dienen. Wie blöd muss man eigentlich sein, um das verschlafen zu haben? Übrigens: Brad Pitt sieht fantastisch aus, ist intelligent und betreut ein halbes Dutzend Kinder.
Er arbeitet gerade an einem Öko Luxushotel mit renommierten Berliner Architekten. Was machen Sie eigentlich nebenbei? Neben ihren Kindern. Mehrzahl. Was kommt dann noch? Gedöns a la Punk Business. Übrigens hieß Brand Eins mal Econy und war angedacht als ein Kind von....? Haben wir mal die Antwort parat?! Digital Boheme? Irgendwann mal verschnarcht? Ist das eigentlich alles was die Aufmerksamkeitsökonomie noch abverlangt? Sieben Reizwörter und einmal würfeln? Aus drei Ergebnissen bastele ich mir einen Artikel? Was soll das?! Geben Sie sich bitte Mühe! Ich hasse es, nebenbei und unmotiviert geschriebene Artikel auch noch kommentieren zu müssen.
Fo, crumar