Gedeckelte Töpfe, zertrümmerte Wannen

Verkehrte Schöpfung Am Ursprung der monotheistischen Religion steht die Schließung des weiblichen Unterleibs

    Was einmal getauft ist, kann man so schnell nicht umbenennen. Etliche Male seit Beginn der Religions-Debatte im Juli dieses Jahres haben wir bedauert, dass wir unser Projekt nicht von vornherein als "Reihe" eingeführt hatten. Denn die Autoren und Autorinnen debattierten nicht, sie vertraten meist höchst eigene Zugänge zur den ihnen gestellten Fragen nach dem Verhältnis von Gewalt und Religion sowie nach dem Stand der Säkularisierung in den westlichen Gesellschaften. Das mag manchen gestört haben, doch hatte das Vorgehen sein Gutes. Denn entstanden ist auf diese Weise ein Tableau verschiedenster Stellungnahmen, eine Sammlung religiöser und areligiöser Standpunkte, die zeigen, auf welche Weise theologische Motive heute in den Geisteswissenschaften verhandelt werden.
    Was die Beiträge verband, war oft ihre Gegensätzlichkeit. So kehrte KUNO FÜSSEL (Freitag 41) unsere Anfangsfrage nahezu um, indem er die strukturelle Gewalt gerade nicht in der Religion, sondern in der archaischen Opferlogik des Kapitalismus verortete und auf die humanisierende Wirkung des Christentums verwies. KLAUS THEWELEIT (Freitag 39) dagegen vertrat die Auffassung, Religionen seien "potenzielle Mordvereine", basierend auf ausgefeilter Herrschaftstechnik. Das wiederum war JAN REHMANN (Freitag 45) zu grob gedacht, denn Religion habe weder ein eindeutig festzustellendes Wesen, noch könne eine Kritik mit der falschen Gegenüberstellung "säkular" versus "religiös" arbeiten. Rehmann plädierte daher, wie auch WOLFGANG ULLMANN (Freitag 43), für immanente, also theologische Religionskritik. Unreligiös dagegen verhielt sich FRIEDER OTTO WOLF (Freitag 47), der ein klares "Außerhalb" der Religion benannte: die griechische Kultur und ihre Denker, die atheistische Konzepte politischer Praxis entwarfen. Religion, so Wolfs These, stehe nicht am Ursprung aller Gesellschaften.
    Die Debatte hatte auch Verspieltes zu bieten, beispielsweise mit JOCHEN HÖRISCH (Freitag 31), der seinen Blick auf "kryptotheologische Botschaften" der internationalen Geld- und Medienströme richtete und auf die Paradoxien menschlichen Hochmutes, oder mit EVA HORNs Essay über den Verrat (Freitag 37), in dem Jesus und Judas als zwei Seiten einer Medaille erschienen und der Verrat als bestimmende Struktur des 20. Jahrhunderts. Als im wahrsten Sinne des Wortes unorthodox mag auch der Beitrag von ELISABETH VON SAMSONOW gelten (Freitag 49). Sie erklärte den Zusammenhalt religiöser Gemeinschaften als Technik, als Gleichklang einer Gruppenseele und die Konflikte der Religionen als Eifersucht der Götter.
    Die Texte der Debatte waren - zugegeben - oft schwierig und komplex, doch ihr Reiz lag darin, dass sich in jeder Folge mindestens eine ungewöhnliche These verbarg. Das war in MICHAEL JÄGERs Beitrag (Freitag 29) die Behauptung, die christliche Theologie sei eine Theologie der Endlichkeit, die selbst nicht unbedingt ans Jenseits glaube; im Text von WOLFGANG ESSBACH (Freitag 35) war es die These, dass Religion mit Kultur nichts zu tun habe, sondern, im Gegenteil, in ihrer radikalen Form auf Kulturverachtung basiere. CHRISTINA VON BRAUNs Beitrag (Freitag 33) war eine subtile Analyse der ineinander verschränkten Prozesse christlicher und jüdischer Säkularisierung. Hier stach vor allem die These heraus, dass die christliche Säkularisierung, ein ambivalenter Prozess der Vermischung von weltlicher und transzendenter Heilsbotschaft, sich auf das Judentum als eine Spaltung in Assimilation und Orthodoxie auswirkte.
    Religion, so möchte man sagen, reicht immer ins Unendliche, daher konnten wir nicht wollen, auch nur annähernd eine in sich geschlossene Reihe zu präsentieren. Eines jedoch fehlte: Alle hier vertretenen Autoren stammten aus dem christlichen Kulturkreis. Dieser Eurozentrismus ist von Lesern zu Recht gerügt worden und wir werden den Mangel in der geplanten Buch-Publikation auszugleichen versuchen. Und eine weitere Lücke hatte die Debatte. Ihr wird sich GERBURG TREUSCH-DIETER im letzten Beitrag widmen, indem sie "in Töpfe der Religionen" schaut.

Zu sehen ist eine weibliche Figur, die als Mutter Gottes ausgewiesen ist. Sie ist als Oberkörper mit Kopf bis zur Gürtellinie dargestellt, während ihr Unterkörper eine Wanne ersetzt. Aus ihr bricht jedoch das Abgeschnittene hervor: zwei Ströme zwängen sich durch zwei Löcher, die eine unter ihnen platzierte, in zwei Fächer unterteilte Fläche wässern. Ihr Rechteck setzt jeder horizontalen Entgrenzung eine Begrenzung, die in dem Maß, wie die Wanne auf einem Pfeiler aufruht, eine Vertikale strukturiert. Ihre Verlängerung ist die auf der Gürtellinie der Mutter Gottes sich erhebende Christusfigur, die in deren Oberkörper phallisch eingepasst ist. Dennoch wird diese Christusfigur von dem durch zwei Engel flankierten Kopf der Mutter Gottes überragt. Beide umfasst eine mit Patriarchen und ihren Emblemen bestückte Weltordnung, die dem Dargestellten vorausgesetzt ist.

Mit Elisabeth von Samsonow (s. Freitag 49/2002) könnte man sagen, dass es sich um eine perfekt arrangierte Gruppenseele im kosmischen Maßstab handelt, deren Symbolkörper die zweigeteilte, durch die Christusfigur phallisch konnotierte Mutter Gottes ist.

Auf diese Wanne ist das schwäbische Sprichwort anzuwenden: "Wer´s Häfele aufdeckt, der stinkt." Der Deckel ist das Tabu: abgehoben, wird das "Häfele" enttabuisiert. Dabei wird das, was dem Schlaf der Vernunft unterliegt, sei es göttlich oder menschlich, aufgeweckt. Das in ihm Brodelnde kocht über. Kein Wunder also, dass der weibliche Symbolkörper in der Freitag-Religions-Debatte bisher weitgehend ausgespart blieb. Dennoch will auch ich mit keiner "Anrüchigkeit" behaftet sein, obwohl ich in die Töpfe der Religion schauen will. Darum bezieht sich mein Beitrag zu der mit dem weiblichen Unterleib vertauschbaren Wanne auf Hesiod und ein Grimmsches Märchen, auf Herodot, Aristoteles und das Neue Testament, das heißt, auf Namen, die zur Genüge beweihräuchert sind, so dass keine Ansteckungsgefahr besteht.

Die üble Pandora

Hesiod berichtet zeitgleich mit dem Alten Testament etwa siebenhundert vor Christus von der Erschaffung der Wanne schlechthin: von Pandora, die, in sich verwechselbar, Frau und Gefäß ist. Aus Erde und Wasser hergestellt, wird sie ihrem künftigen Mann Epimetheus von dessen Alter Ego Prometheus ins Haus gebracht. Dort, sich selbst als Gefäß öffnend, wird sie zu dem, was seitdem "Pandoras Büchse" heißt, aus der nur "Übel" hervorgehen. Hätte sich der Deckel der "Büchse" nicht auf Zeus´ Befehl geschlossen, die Weltordnung wäre zusammengebrochen. So aber blieb sie unter der Bedingung erhalten, dass sie auf der Drohung mit diesen Übeln basiert. Zwar übergibt Prometheus Epimetheus Pandora mit den vorausschauenden Worten, "nie ein Geschenk der Götter anzunehmen", aber Epimetheus, der stets das Nachsehen hat, "nahms": er ehelicht Pandora. In dem Maß jedoch, wie sie sein Unheil ist, hält er Zeus für sein Heil. Denn in dieser Weltordnung gilt schon vor dem Christentum, dass das Gute durch das Übel gerechtfertigt wird.

Auch in der alttestamentlichen Schöpfungsordnung erschafft Gott eine dem Mann "geschenkte" Frau, die sein "Übel" ist. Er gibt seine Rippe, sie gibt nichts. Darum trifft die Umkehrung, die bei Hesiod für Pandora gilt, auch für Eva zu. So wie sie, die "Leben" heißt, mit Tod verseucht, so wird Pandora, die "Allesgebende", bei Hesiod zu derjenigen, "der alles gegeben wird". Auch sie gibt nichts. Denn dieses "alles" besteht darin, dass die Frau aus dem Mann entsteht, nicht umgekehrt. Sie hat ihr Leben nur durch ihn, der seinerseits Gott repräsentiert, während ihr der Tod zugeschlagen wird. Darum sind die Übel Pandoras, ebenso wie die Erbsünde Evas, in der Wanne der Mutter Gottes enthalten, die nur insofern die neutestamentliche "neue Eva" ist, als sie über keinen Unterleib verfügt, obwohl jene besagte Darstellung "Die Quelle des Lebens" betitelt ist.

Der das Gefäß Pandoras verschließende Deckel ist mit dem Verbot identisch, das über Eva verhängt wird, die ihre Finger vom "Baum des Lebens" zu lassen hat. Bezogen auf die Mutter Gottes fällt dieser Deckel da zu, wo sie in jener Darstellung entzwei geschnitten ist, da, wo die Gürtellinie ihren Oberkörper vom Unterleib trennt. Auf dieser Linie erhebt sich die phallische Christusfigur, die das unter Verschluss Gehaltene ersetzt: das weibliche Geschlecht, was in dem Maß gestrichen wird, wie die Herrschaftstechniken dieser Welt- als Schöpfungsordnung auf seiner Okkupation basieren. Sollte Pandora doch den Deckel ihres Topfs öffnen oder Eva doch die Frucht vom Baum des Lebens brechen, indem sie ebenso wie jene über sich selbst verfügt, steht eine Katastrophe an, wie sie noch Jahrtausende später ein Märchen der Brüder Grimm erzählt, das etwa um dieselbe Zeit entstand wie die hier beschriebene Mutter-Gottes-Darstellung auf Kreta gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts.

Erstarrter Brei und ortloser Klon

Es ist das Märchen vom "Süßen Brei", das von einem "Töpfchen" berichtet, was ein armes Mädchen von einer alten Frau im Wald erhält. Sagt es, Töpfchen koch!, dann kocht es, sagt es, Töpfchen steh!, dann hört es auf. Das Mädchen und seine Mutter laben sich am süßen Brei, aber eines Tages muss das Mädchen weg, während seine Mutter mit dem Töpfchen alleine ist. Sie sagt: Töpfchen koch! Es kocht. Aber jetzt hat die Mutter das Wort vergessen, wie das Töpfchen wieder zum Stehen gebracht wird. Es kocht und kocht und kocht über. Die Fülle wird zur Katastrophe. Der süße Brei begräbt den ganzen Ort unter sich, bis auf ein einziges Haus, was wohl unter der Erde liegt. Aus seinem Grab kommt das Mädchen, das einst die "Allesgebende" wie Pandora und das "Leben" wie Eva war, heraus und sagt: Töpfchen steh! Seitdem fressen sich die Bewohner des Orts durch den harten und kalten Brei einer Mutter-Materie hindurch, aus der die Süße des Lebens gewichen ist.

Die Frage, warum die Welt- als Schöpfungsordnung auf diese ungenießbare Weise erschaffen wird, warum sie in ihrem Dreh- und Angelpunkt der Lebensentstehung nur das einzige, ihr vorausgesetzte Ziel eines Verderbens der Früchte des Lebens verfolgt, wurde längst gestellt. Dennoch wird diese grundlegende Verkehrung noch immer als Religion ausgegeben unter der Prämisse, dass nur die Erstarrung des Lebens seine Ewigkeit garantiert. An die Stelle des gefeierten Kindleins in der Krippe, sprich Wanne, ist das Reagenzglas getreten. Im Jahr 2003 will diese Welt- als Schöpfungsordnung mit der gen- und reproduktionstechnischen Herstellung eines Klons beweisen, dass sie nichts als eine infame, unverschämte und skrupellose Okkupation des Lebens ist. Sie hat das hervorgebracht, was Giorgio Agamben ein "tötbares Leben" nennt: ein nacktes Leben, was nicht geopfert, aber straflos um die Ecke gebracht werden kann, wie es tagtäglich mit Embryonen geschieht.

Heute kulminiert diese Okkupation des Lebens im Zellkerntransfer, das heißt: im Entkernen einer Eizelle, in deren Hülle der Körperzellkern eines Menschen eingesetzt wird, der zugleich geboren und, als dieser zur Teilung gebrachte und in den Uterus einer Frau transferierte Klon, ungeboren ist. Aus ihm wird er wiedergeboren, als ob sich die Schöpfung aus dem Nichts wiederhole, die heute nicht mehr mit Erde und Wasser hantiert, sondern die DNS des embryonalen Zellkerns manipuliert. Dabei ist die Herausnahme der Lebensentstehung aus dem weiblichen Körper vorausgesetzt: Der beim Klonen verwendete Kern der Eizelle entspricht dem gestrichenen weiblichen Geschlecht, das, vernichtet, durch den Uterus als Gefäß ersetzt wurde, an dessen Stelle heute das Reagenzglas tritt. Und doch kennt diese Okkupation des Lebens noch immer keine Alternative zum weiblichen Körper, sei es, dass das Leben durch die Verschmelzung von Keimzellen in vivo oder durch Klonung in vitro entsteht.

Wanne zu Götterbild

Will man die Technik des Klonens heute auf die der Metallurgie von einst beziehen, kommen Herodot und Aristoteles ins Spiel und die Geschichte von "Amasis und der Fußwanne": Die Wanne war golden und er, Amasis, ägyptischer König im sechsten Jahrhundert vor Christus. Herodot berichtet von ihm in den Historien, dass er das ihn schon zu Lebzeiten als Gott ausweisende "Götterbild" den es Anbetenden mit folgenden Worten erklärte: "Er habe die Wanne zerschlagen und sein Götterbild aus ihr herstellen lassen; in die Wanne hätten sie, die es jetzt anbeten, früher gespieen, ihr Wasser gelassen und sich die Füße in ihr gewaschen. Ähnlich wie der Wanne sei es ihm gegangen. Früher sei er nur einer aus dem Volke gewesen, jetzt aber ihr König." Damit ist klargestellt, dass aus einer versifften Wanne durch Zerschlagung und Umschmelzung ein "Götterbild" werden kann; gleichzeitig bezieht Amasis diese metallurgische Technik auf seinen Aufstieg aus dem Volk zum Herrscher, der aus dem Nichts zum Gott geworden ist. Sein Bild verhält sich zu ihm wie ein Klon: wer seinem Symbolkörper die Füße leckt, dient ihm, Amasis, der keinen Zweifel daran lässt, dass Anbetung nur ein anderer Name für Unterwerfung ist.

Aristoteles spielt in der Politeia auf das von Herodot Berichtete an. Er expliziert, dass der Mann zur Frau in der Ehe, in der er über sie als "Freie" herrscht, sich wie ein "Staatsmann" auf der Basis einer "Verfassung" verhält, die einen Wechsel zwischen Regierendem und Regiertem vorsieht und darum "zur Gleichheit und Unterschiedslosigkeit strebt. Dennoch wird, solange das eine regiert und das andere regiert wird, ein Unterschied in Auftreten, Anrede und Ehren gefordert, entsprechend der Erzählung von Amasis und der Fußwanne", die Aristoteles zum allgemeinen Prinzip erhebt, denn er schließt: "Das Männliche verhält sich nun zum Weiblichen immer in dieser Weise". Die "Religion" genannte Gewalt, die im demokratischen "Staatstyp" der Ehe ausgeschlossen schien, ist damit als ihre Voraussetzung im Nachhinein eingeführt, ohne dass Aristoteles diese Erzählung verrät.

Herodot aber berichtet: "immer dann, wenn Amasis", der sich als einstiger Mann aus dem Volke eine Frau aus dem Volke nahm, "immer dann, wenn Amasis mit Ladike ruhte, gelang ihm kein Geschlechtsverkehr. Als das längere Zeit so ging, sagte er zu ihr: Weib, du hast mir einen Zaubertrank gegeben; auf der Stelle sollst du den schmachvollsten Tod unter allen Frauen sterben". Ihr Kampf auf Leben und Tod, den sie um Freiheit, Gleichheit und Unterschiedslosigkeit oder darum, wer wen regiert, bis hin zu seiner Impotenz führte, soll den Gewaltakt beenden. In höchster Todesangst wirft sich Ladike vor dem "Götterbild" nieder: "Nach dem Gebet verband sich Amasis sogleich mit seiner Gattin. Von da an konnte er den Verkehr vollziehen, sooft er zu ihr kam". Metaphysisch gedeckt, gelingt ihm die Deckung in einer Wahnsinnsnacht der Nächte, von der man nur träumen kann: sie umarmt die Statue, und er kommt von hinten, oder umgekehrt, er stärkt sich durch die Statue den Rücken, und sie bringt, knieend, das zum Stehen, was ihn als Herrscher über sie ausweist, der mit der symbolischen Tötung durch den Phallus, statt mit der realen Tötung winkt. Als Dank für ihren Tod im Leben weiht Ladike Aphrodite eine Statue ihrer selbst, von der Herodot berichtet, dass sie "noch zu meiner Zeit außerhalb der Stadt Kyrene stand". Sie steht da, außerhalb des Stadtbezirks, wo das tötbare Leben, vogelfrei, jedem Zugriff preisgegeben ist, wie dies auch für die Steinigung, den "schmachvollsten" aller Tode gilt.

Verrat in der Schüssel

Es ist der Ort der Aphrodite, die unter dem Namen Hekate den Ort der Toten und der Verworfenen bewacht. Denn an diesem Ort geschieht der Bruch mit der Ordnung des Lebens, von dem aus sich eine neue Ordnung, wie die der Metaphysik oder die des Neuen Testaments, um den Preis des Verrats vollzieht. Wenn also Jesus beim Evangelisten Matthäus über Judas sagt, "der mit der Hand mit mir in die Schüssel tauchte, der wird mich verraten", dann ist dies eine Konspiration, bei der eine Hand die andere wäscht, während beide ihre Hände in Unschuld waschen. In der Schüssel aber, die eine Waschschüssel wie die Fußwanne Amasis´ ist, bleibt die Schuld zurück. Die rein aus ihr hervorgehenden Hände entziehen sich ihr, als ob Held und Verräter aus ihrem Wasser neu geboren sind. Sie schließen den Bund für ein Neues Testament, aus dem der Ort der Hekate ausgeschlossen ist. Einer Mutter Gottes mit Unterleib gleichend, wird ihr Geschlecht noch einmal im Namen des Schöpfers verraten, der es bereits im Alten Testament zum Gefäß deklariert.

Zwar gleichen die Übel des Gefäßes Hekates Erinnyen, aber gegen das "Götterbild" des Helden hat ihre Rache keine Chance. An ihm ist sowohl der Akt der Zerschlagung der Wanne als auch jener Schmutz verschwunden, Urin, Speichel und Fußschweiß, die sich mit ihrem Wasser vermischten. Die Aufklärung Amasis´ über das Verschwundene, seine Demonstration dessen, dass die Anbetung seines Bilds nur ein anderer Name für Unterwerfung ist, zielt auf die Verdunkelung ihres Gegenstücks, auf die seiner Impotenz, die da auftritt, wo er vom Wasser der Wanne abhängig ist: von der "Quelle des Lebens". Erst als Ladike sich in Todesangst vor diesem "Götterbild" niederwirft, erst jetzt wird er, der bis dahin ein Nichts in ihren Armen war, zum Schöpfer seiner selbst aus dem Nichts. Erst jetzt "kann" er, erst jetzt "kommt" es ihm, erst jetzt wird er selbst zur "Quelle des Lebens", welche die ihre zu vernichten imstande ist.

00:00 27.12.2002

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