Geld auf der Strasse

Tipp Ich finde Geld. Nicht nur die üblichen Pfennige und Sechser, sondern auch größere Beträge: einen Zehner vor dem legendären, längst verschwundenen ...

Ich finde Geld. Nicht nur die üblichen Pfennige und Sechser, sondern auch größere Beträge: einen Zehner vor dem legendären, längst verschwundenen »Fengler« in der Lychener Straße, damals Treffpunkt der Lebenskünstler vom Prenzlauer Berg, einen Fünfmarkschein in der Passage unten im Bahnhof Alexanderplatz, einmal sogar, in der Nähe des Grenzkontrollpunktes Heinrich-Heine-Straße, einen Zwanziger. An Grenzübergängen zu schauen, hörte ich später, lohne sich: Manch zurückreisender Westler würde dort sein restliches Ostgeld am Straßenrand ablegen. Ich hatte aber keine Lust, meine Zeit in derart unwirtlichen Gegenden zu verbringen, so habe ich auf diese Geldquelle verzichtet.

Häufiger als früher, zu Vorwendezeiten, finde ich in den letzten Jahren Valuta. Ein etwas angeschlagenes dänisches Zwei-Kronen-Stück liegt in meinem Sammelkästchen, ein tschechisches Fünf-Kronen-Stück, das jemand im Geldschlitz eines Einkaufswagens stecken ließ, eine hübsch goldglänzende 10-Lipa-Münze der mir unbekannten Republik Hrvatska, ein Groschen großes 10-Rubel-Stück aus dem Jahre 1993 (3,20 M war der Rubel zu DDR-Zeiten noch wert), schließlich einen Fünfer, dessen Herkunft mir völlig schleierhaft ist. Die Vorderseite zeigt einen Mann in gebirgiger Landschaft, auf der Rückseite ist ein wildmähniger Löwenkopf zu sehen, die Schriftzeichen kann ich nicht entziffern. Stammt er vielleicht aus Äthiopien? Der einzige Geldschein in dieser Sammlung, »Divi Latvijas Rubli«, kommt aus Lettland oder Litauen und sieht ein bisschen wie Spielgeld aus.

Meinen größten Fund habe ich vor zwei Jahren gemacht: hundert Mark, zwei Fünfzig-Mark-Scheine. Ich saß im 27-er Bus und sah sie in der Französischen Straße, kurz vor der Ecke Friedrichstraße, am Fahrbahnrand auf dem verregneten Asphalt kleben. Gleich hinter der Kreuzung stieg ich aus, lief zurück und dachte: Vielleicht ein Scherz? Wäre ja möglich, dass auf der anderen Seite »Hähäha!« steht oder »Wie wär´s mit arbeiten?« Aber nichts dergleichen. Ich konnte mir zwei echte, trotz der Nässe wohlerhaltene Fuffis in die Tasche stecken.

Allerdings habe ich gleich nach der Währungsunion ein Portemonnaie mit 400 DM in der Telefonzelle liegen gelassen. So fällt die Gesamtbilanz leider immer noch negativ aus.

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00:00 03.08.2001

Ausgabe 42/2021

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